Silke Rohen
4. Schulpraktisches Seminar im Bezirk Wilmersdorf (L)
12.04.1995
Klasse 3


Entwurf einer Unterrichtsstunde im vorfachlichen Unterricht, Lernbereich Deutsch, zur Zweiten Staatsprüfung für das Amt des Lehrers -
"Warum sich Raben streiten" (F. Wittkamp) -
ein Gedicht regt zum Schreiben an


1. Thema der Unterrichtseinheit

Bücher, Texte und Gedichte zum sachkundlichen Rahmenthema "Tiere der Großstadt"

1.1. Gliederung der Unterrichtseinheit

1. Stunde: "Als die Hummel U-Bahn fuhr": Vorlesen einer kurzen Tiergeschichte, Sammeln von Vorwissen
2. Stunde: Die Bücherkiste wird geöffnet; Anlegen eines Lesehefles
3./4. Stunde: Freie Arbeit: Verfassen von Texten; Überarbeiten von Texten; Weiterschreiben von Tiergeschichten; Freies Lesen, Leseheft; Rechtschreibübungen (Groß- und Kleinschreibung, wörtliche Rede, Silbentrennung, Nominalisierung von Verben), Sprachbetrachtung (Gegensatzpaare, Wortfelder, Reimpaare), Gedichte lesen und vortragen
5. Stunde: Tiere der Großstadt beschreiben: Wortstamm., Verben
6. Stunde: "Der Sperling und die Schulhofldnder" (J. Krüss) - ein Gedicht wird dargestellt
7./8. Stunde: Freie Arbeit: Fortsetzen der Arbeit der dritten und vierten Stunde
9./10. Stunde: Freie Arbeit: Fortsetzen der Arbeit der siebten und achten Stunde
11. Stunde: Elfchen" zum Thema Tiere der Großstadt"
12. Stunde: Beenden der Arbeiten aus der Freien Arbeit

13. Stunde: Erarbeitung eines Tiergedichtes: "Warum sich Raben streiten" (F. Wittkamp) - ein Gedicht regt zum Schreiben an

14. Stunde: Beenden aller Arbeiten, Vortragen der Ergebnisse

2. Lernziele

2.1. Intentionen

- Die Sch. haben Freude am Lesen von Büchern.

- Die Sch. schreiben Gedanken oder Gefühle, die sie zu einer gelesenen Geschichte entwickelt haben.

- Die Sch. erweitern ihren passiven und aktiven Wortschatz.

- Die Sch. schreiben eigene kleine Texte.

- Die Sch. erwerben einen Kompetenzzuwachs hinsichtlich der Schriftsprache und Rechtschreibung.

- Die Sch. nehmen ihr Lernen selbständig in die Hand.

- Die Sch. erweitern ihre Fähigkeit zum sinnerschließenden Lesen.

- Die Sch. entfalten ihre Phantasie und Kreativität.

- Die Sch. differenzieren im Umgang mit Gedichten ihr sprachstrukturelles und inhaltlich-umweltbezogenes Leistungspotential.

- Die Sch. erfahren eine Steigerung ihrer kommunikativen Kompetenz.

- Die Sch. erkennen sprachliche Prinzipien des Gedichtes.

- Die Sch. erleben den ästhetischen Gehalt von Lyrik.

- Die Sch. steigern bezüglich Gedichten ihr rhythmisches Empfinden.

- Die Sch. erkennen einzelne Stilelemente der Lyrik.

- Die Sch. festigen den selbständigen Umgang mit Hilfsmitteln.

2.2. Stundenziel

Die Sch. erarbeiten die Form, denn Inhalt des vorliegenden Gedichtes von Frantz Wittkamp und schreiben in Partner- oder Einzelarbeit in Anlehnung an das Gedicht (Form und Inhalt) selbst ein ähnliches Gedicht.

3. Begründung der Stoffauswahl

Im Sinne des lernbereichsübergreifenden Arbeitens habe ich das sachkundliche Thema "Tiere der Großstadt" auch als Themenbereich für den Deutschunterricht gewählt. Altersgemäß ist das Interesse an Tieren sehr groß. Es gibt eine breite Auswahl an Tiergeschichten, die von den Schülern selbständig sinnerschließend erlesbar sind. Um Bekanntes mit Neuem zu verbinden, habe ich mich entschlossen, anhand dieses Themas die Lyrik als neue Gattung des Literaturunterrichts einzuführen.

Auch der Zeitpunkt, das Erwachen der Natur im Frühling, scheint mir richtig gewählt, da jetzt auch die Tiere beispielsweise im nahe gelegenen Park beobachtet werden können. Das Gedicht "Warum sich Raben streiten" habe ich aus inhaltlichen Gründen gewählt, da das Thema "Streiten" in der Klasse wieder sehr aktuell ist. So können eigene Erfahrungen mit den Erfahrungen des Dichters verglichen werden. Das Artikulieren der eigenen Streiterfahrungen macht unbewußte Verhaltensstrukturen bewußt; der erste Schritt zur Änderung des ungewünschten Verhaltens.

Neben der inhaltlichen Arbeit können anhand dieses Kindergedichtes auch lyriktypische Strukturen (Reim) erfahren werden. Durch das eigene Schreiben, das in dieser Stunde Unterrichtsgegenstand ist, wird die lyrische Produktivität der Vorschul- und Freizeit aufgegriffen und wieder für die Kinder als neues Kommunikationsmittel nutzbar gemacht. Das Behandeln von Gedichten ist laut Rahmenplan für den Lernbereich Deutsch ein Lernziel der dritten Klasse.

4. Rahmenplanbezug

Der Rahmenplan der Berliner Grundschule gibt ausdrücklich als Lernziel vor, die Freude an Gedichten aufzugreifen. Die Sch. sollen eine reflektierende Haltung bezüglich des Umgangs mit der Sprache eingehen. Ebenso sollen Gedanken und Gefühle erfaßt und mitgeteilt werden können. All dieses kann durch den handelnden Umgang im Sinne eines handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts angebahnt werden.

Folgende Lerninhalte werden in dieser Unterrichtseinheit angesprochen:

- Freude an Gedichten aufgreifen (S.69),

- Gedichte inhaltlich und sprachlich erschließen (S. 69),

- Reime suchen (S. 70),

- Schreibwortschatz erweitern (S. 77),

- Regelungen der Großschreibung kennen und anwenden (S. 78),

- Hilfsmittel kennen und nutzen (S. 82),

- Zeitstufen erkennen und zutreffend anwenden (S. 84) und

- Sätze und Texte als Sinneinheiten erkennen und verwenden (S.78).

5. Sachdarstellung

Das Gedicht "Warum sich Raben streiten" von Frantz Wittkarnp gehört zur Gattung der Kinderlyrik. Inhaltlich wird aufzählend festgestellt, worüber sich Raben streiten, und das am Ende jeden Streites die Versöhnung steht (positiver Ausgang). Dabei übernehmen die Raben menschliche Eigenschaften, handeln wie Menschen.

Im Kindergedicht wird ein Stück kindlicher Lebenswirklichkeit in Rhythmus, Klang und Reim gesetzt. Nach Nentwig gehören zur Gattung der Kindergedichte alle dichterischen Gebilde, die eigens für Kinder geschrieben, in sich abgerundet und mit einem wirklichen Geschehenskern versehen sind. Es ist ein eigener Zweig der Lyrik, da er den kindlichen Leser beachtet, ohne jedoch eine Vorform zu sein.

Das vorliegende Gedicht beachtet viele Charakteristika, die zu einem Kindergedicht gehören:
Das Thema "Streit" ist aus dem Lebensfeldbezug der Kinder entnommen, also gegenstandsbezogen. Auch sind Tiere bevorzugte Themeninhalte von Kindergedichten. Ebenso ist durch das "Du" eine unmittelbare Ansprache an die Leser möglich. Der umgangssprachliche Sprachgebrauch (Käsekrumen, Mist) macht das Gedicht leicht verständlich. Der Sprachfluß, die überschaubare Gliederung und der Endreim (hier Paarreim) sind ebenfalls Merkmale für ein Kindergedicht.

Das Gedicht ist in sieben Strophen eingeteilt, die jeweils zwei Verse haben. Es besteht aus zwei Fragesätzen, die das Gedicht umrahmen. In vier weiteren Sätzen werden die Fragen reihend beantwortet. Das Gedicht hat damit eine geschlossene Form.

Sprachlich ist das Gedicht durch eine Aufzählung (Reihung) gekennzeichnet, die durch das sich wiederholende Bindewort "und" miteinander verbunden werden. Auffällig ist der fast ausschließliche Gebrauch von Nomen, Adjektive werden kaum verwendet (nur "schöner"). Das Wort "Rabe" wird viermal wiederholt (wiederholtes Herstellen des Sinnbezuges). Dieses Gedicht will, typisch für ein Kindergedicht, die Wirklichkeit sichtbar machen und damit zum Nachdenken anregen.

Es gibt verschiedene operative Verfahren, mit einem Gedicht in der Grundschule umzugehen. Je nach Art, Inhalt und Struktur des Gedichtes können die Schüler vor- oder nachgestaltend mit ihnen umgehen.

Gedicht regen an zum
- umformen
- in Szene setzen (Rollenspiel) - entwerfen von Paralleltexten
- illustrieren
- schreiben eigener Gedichte - verklanglichen
- entflechten zweier Gedichte - ergänzen
- ordnen (Restauration) - antizipieren.

Wichtig ist, daß den Sch. eine Identifikationsmöglichkeit zum Verstehen des Gedichtes gegeben wird.

In dieser Stunde sollen sich die Sch. dem Gedicht schreibend nähern. Durch das Selbertun denken die Sch. über das vorgegebene Gedicht nach. Dabei werden als Hilfestellung antizipatorische und transformierende Verfahren angewandt.

6. Bedingungsfeldanalyse

6.1. Situative Bedingungen

Die Klasse 3 besteht aus 21 Schülern, 10 Jungen und 11 Mädchen. Davon sind vier Kinder ausländischer Herkunft. Diese sind jedoch sozial voll integriert. Auffälligkeiten bezüglich der mündlichen und vor allem schriftlichen Sprachfertigkeit haben zwei Schülerinnen. Dabei ist eine Schülerin erst seit den Herbstferien in dieser Klasse. Der Klassenraum bietet eine helle, ansprechende Lernumgebung.

Ich unterrichte in dieser Klasse seit Beginn meiner Ausbildungsphase. Durch eine gemeinsame Klassenfahrt am Ende des zweiten Schuljahres hat sich das ohnehin gute Verhältnis zwischen der Klasse und mir noch gebessert, das Arbeitsklima ist entspannt. Verschiedene Arbeitsformen, wie Gruppenarbeit und Ansätze der Freiarbeit sind den Schülern bekannt.

Generell ist diese Klasse arbeitswillig und verschiedenen Bereichen gegenüber aufgeschlossen. Das Sozialverhalten in dieser Klasse ist sehr gemischt. Einige Jungen haben noch große Schwierigkeiten, sich in den Klassenverband einzuordnen. So werden kleine Streitigkeiten von einem Jungen sofort mit körperlichen Gegenaktionen quittiert. Hänseleien sind leider auch des öfteren zu hören. Es gibt verschiedene Kinder, die Schwierigkeiten haben, produktiv mit jemand anderem zusammenzuarbeiten.

Aufgrund der in zwei Tagen beginnenden Osterferien ist zumindest eine Schülerin vorzeitig beurlaubt worden. Diese sehr leistungsstarke Schülerin regt durch oft wertvolle Denkimpulse bzw. Arbeitsergebnisse die Klasse an. Insbesondere das Unterrichtsgespräch in der zweiten Phase könnte dadurch etwas zäher verlaufen als sonst.

6.2. Lernvoraussetzungen

Die Sch. haben sich schon häufig mit Ganzschriften oder dem Verfassen von Texten zu Geschichten beschäftigt. Hilfsmittel, wie das Wörterbuch zum Zurechtfinden in der Rechtschreibung, sind zwar bekannt und eingeführt, werden aber noch von wenigen Kindern selbständig eingesetzt. So bedürfen die meisten erst einer Anregung seitens der Lehrerin, im Wörterbuch nachzuschlagen und dann gegebenenfalls bei Nichtfinden die Lehrerin zu fragen. Gedichte sind den Kindern eher unbewußt bekannt. Das Auswendiglernen von Gedichten im letzten Schuljahr hat die Kinder bereits an die Lyrik herangeführt, ohne dabei auf ein produktives Verfahren einzugehen. Innerhalb dieser Unterrichtseinheit hatten die Kinder in der Freiarbeit die Möglichkeit, verschiedene Tiergedichte zu erlesen und auch sprachgestalterisch der Klasse vorzutragen. Desgleichen wurde handelnd mit dem Gedicht "Der Sperling und die Schulhofkinder" (J. Krüss) in Form von darstellendem Spiel/Rollenspiel umgegangen. Wortspiele mit Reimpaaren sind den Sch. auch schon bekannt. Das eigene Schreiben von (ungereimten) Gedichten geschah zum ersten Mal durch das Einbringen von "Elfchen". Dies hat den Kindern viel Spaß gemacht. Das Schreiben in Reimform, nach Vorlage von Form und Inhalt ist den Kindern gänzlich neu.

7. Didaktische Reduktion

Den Kindern wird das gesamte Gedicht als dichterische Einheit dargeboten. Da die schreibende Form der Annäherung (im Sinne eines handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichtes) an Lyrik für die Kinder neu ist, beschränke ich mich auf eine selbstzudichtende Strophe, während die anderen Strophen in leicht abgeänderter Form (Einsetzen der streitenden Person) zu übernehmen sind.

In dieser Stunde werden folgende Differenzierungsmöglichkeiten vorhanden sein-
- Gedicht als Lückentext (Vorgabe der Form als Strukturierungshilfe),
- Texte in Prosa, die in Reime gesetzt werden können,
- Reimpaarkarten und
- Sozialform wählen (Einzel- oder Partnerarbeit).

8. Didaktisch-methodische Vorentscheid ungen

Das Ziel der literarisch-ästhetischen Erziehung liegt in der Fähigkeit, zugleich Nähe und Distanz zu literarischen Texten zu finden. Das Nachdichten von Strophen nach Form und Inhalt

eines vorgegebenen Gedichtes ermöglicht ein dialektisches Zusammenspiel von Begreifen und Ergriffensein. Das Schreiben läßt die Sch. produktiv und kreativ werden, wobei sie aufgrund der engen Anlehnung an Form und Inhalt des vorgegebenen Gedichtes gleichzeitig lyrische Strukturen erkennen. Das Gestalten dient damit dem vollständigen Aneignen des Gedichtes von Frantz Wittkamp.

Ich beziehe mich auf K. C. Haase, der als Hauptziel der Gedichtbehandlung in der Grundschule (Klasse 1-4) das Wecken der Freude am gestalteten Wort sieht und ein Reden über das Gedicht in den Hintergrund rückt. So sollen die Sch. in dieser Stunde produktiv mit dem vorgegebenen Gedicht umgehen. Das Reden über das Gedicht geschieht möglichst kurz und bezieht sich nur auf die wichtigsten Kriterien, die den Sch. das Selberschreiben einer sich reimenden Strophe erleichtern.

Ein Rätsel als Einstieg ist kindgemäß und fördert die Bereitschaft zuzuhören, da jede(r) als erste(r) das Rätsel lösen möchte. Das anschließende Gespräch ermöglicht eine emotionale Entladung, da erfahrungsgemäß viele Kinder ihre Gedanken zum Thema (Vorwissen, Lebensfeldbezug) laut äußern wollen. Ich werde das Gedicht in der Stufe der Schwierigkeiten (auswendig) vortragen, da die Sch. so Mut und Anregungen zum eigenen Gedichtvortrag erhalten. Der ästhetische Gehalt wie auch akustische Impulse werden angesprochen. Das gemeinsame Sammeln von Wörtern an der Tafel (WER? / WORÜBER?) hilft den Sch. in der späteren Phase, sich zu orientieren. Der OH-Projektor wird deshalb eingesetzt, da die Gestaltung des Gedichtblattes aus ästhetischen Gründen zu erkennen sein soll. Aus diesem Grund wird sich eine Tischgruppe in dieser Stunde umsetzten, damit alle Sch. sehen können.

Das Gedichtblatt wird in jede Gruppe nur einmal gegeben. In der darauffolgenden Stunde erhalten dann alle das Blatt. Somit hoffe ich das gemeinsame Arbeiten zu fördern. Die Differenzierungen (siehe Did. Reduktion) sollen den Sch. helfen, ihrem Könnensstand entsprechend mit der Aufgabe umzugehen. Da die Sch. schon durch Stunden der Freien Arbeit selbständiger geworden sind, ihre eigenen Leistungsgrenzen auch besser b

eurteilen können müßten, habe ich entschieden, die Sch. selbständig ihre Sozialform wählen zu lassen. So können auch leistungsheterogene Zusammensetzungen entstehen; die Kinder lernen mit- und voneinander.

Die Schlußphase benötigt viel Zeit, da der Bogen zum Beginn der Stunde und damit zum Original gezogen werden soll. Um das kritische Zuhören zu fördern, sollen die Sch. zu den einzelnen Beiträgen formal und inhaltlich Stellung nehmen. Voraussichtlich werden die Sch. jedoch wenig sagen, so daß ich dies noch weitgehend selbst machen werde. Die Anmerkungen sind Ausgangspunkt für die Arbeit in der kommenden Stunde, in der an den Gedichten weitergearbeitet werden soll.

9. Medien

9.1. Arbeitsmittel

- Tafelanschrieb
- Gedichtvorlage "Warum sich Raben streiten" (F. Wittkamp)
- verändertes Gedicht mit Lücken
- OH-Projektor
- Arbeitsblätter mit Aufgabenstellungen und Nennung der möglichen Hilfestellungen
- leere Din-A-4-Blätter, liniert

9.2. Literatur

- Forytta, C../Hanke, E. (Hrsg.): Lyrik für Kinder - gestalten und aneignen. Frankfurt am Main, 1991.
- Franz, Kurt: Kinderlyrik, S. 52-85 München, 1979.
- Gedichttext entnommen aus: Gelberg, H.-J. (Hrsg.): Überall und neben dir. Weinheim, 1986.
- Haas/Menzel/Spinner: Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht in: Praxis Deutsch, 123 - 1/94, S. 17-25.
- Haase, K. C.: Das Gedicht im Deutschunterricht, in: Wolfrum, E.(Hrsg.): Taschenbuch des Deutschunterrichts, S. 330-351 Baltmannsweiler, 1972.
- Menzel: Literatur erschließen - operativ, in: Grundschulzeitschrift 79/1994, S. 6-11.
- Schmidt, Friederike: Referat über Kinderlyrik, 1995.
- Senatsverwaltung für Schule, Berufsbildung und Sport: Vorläufiger Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Grundschule, vorfachlicher Unterricht, Sachkunde, Klasse 1-4, Berlin 1989.
- Steffens, W.: Das Gedicht in der Grundschule. Frankfurt am Main, 1973.

10. Verlaufsplanung

1. Phase: EINSTIEG ca. 6 Min. (frontal, L.-Sch.-Aktion)

Unterrichtsgeschehen

Die L. nennt ein Rätsel über ein den Sch. bekanntes Tier. Die Sch. finden heraus, daß es sich um den Vogel "Rabe" handelt. Die L. klappt die linke Tafelhälfte auf und präsentiert die Überschrift des Gedichtes von Frantz Wittkamp: "Warum sich Raben streiten". Die Sch. äußern sich zu diesem Thema. Gegebenenfalls gibt die L. einen Impuls durch eine gezielte Frage. Anschließend wird die letzte Zeile des Gedichtes den Sch. präsentiert, die Sch. erkennen einen positiven Ausgang.

Didaktischer Kommentar

Den Sch. ist der Rabe bekannt (Lernbereich Sachkunde). Die Sch. haben hier Gelegenheit, Bezüge zu ihrem eigenen Verhalten herzustellen. Da die handelnden Personen Tiere sind, ist die dafür notwendige Distanz geschaffen. Der positive Ausgang bietet den Sch. eine Lösungsmöglichkeit von Streitigkeiten an. Durch das Austauschen von eigenen Erfahrungen bzw. das Ausdenken von Verhaltensweisen der Raben sind die Sch. schon in das Unterrichtsgeschehen eingestimmt und motiviert, mitzudenken. Die hier genannten Verhaltensweisen bieten den Sch. Anregungen für die Erarbeitungsphase. Sollte das Gespräch sehr zäh verlaufen, wird sofort die letzte Zeile des Gedichtes aufgedeckt.

Phasenziel

Die Sch. wissen, daß es sich im folgenden um Raben handelt und nennen Möglichkeiten, über die sich Raben streiten könnten.

2. Phase: STUFE DER SCHWIERIGKEIT (frontal, L.-Sch.-Aktion)

Unterrichtsgeschehen

Die L. erklärt den Sch., daß sich ein Dichter auch mit diesem Thema beschäftigt hat und heftet dabei eine Wortkarte mit dem Namen des Dichters an die Tafel. Anschließend trägt die L. das Gedicht ausdrucksvoll vor. Anschließend wird das Gedicht über den OH-Projektor für alle sichtbar gemacht. Die L. bittet die Sch., sich das Gedicht still durchzulesen und auf Besonderheiten (z.B. Reim, Wiederholungen...) zu achten. Die Sch. lesen das Gedicht.
Anschließend werden die Ergebnisse gesammelt und mit vorbereiteten Wortkarten links neben die Überschrift an die Tafel geheftet. Es erfolgt eine Sammlung von Personen und Tieren, die sich auch streiten können (Wer) und von den Tätigkeiten bzw. Dingen, um die sie sich streiten könnten (Worüber). Diese werden wiederum an der Tafel gesammelt (Tafelseite innen, Mitte). Der OH-Projektor wird ausgeschaltet.

Didaktischer Kommentar

Der Lehrervortrag dient der ästhetischen Erziehung und der Anregung, später das eigene Gedicht ausdrucksstark vorzutragen. Die OH-Folie als neues Medium verstärkt die Konzentration (gemeinsames Sehen nach vom gemeinsames Sammeln der Wörter an der Tafel). Das Austeilen des Gedichtes auf Arbeitsblättern würde zu lange dauern und die Sch. auch von der gemeinsamen Arbeit ablenken. Der OH-Projektor ist so gestellt, daß alle Sch. den Text gut erkennen können. Das Sammeln der Wörter dient der Vorbereitung der nächsten Phase. Deshalb ist auch das Festhalten an der Tafel notwendig. Sollte noch nichts von den Sch. kommen, heftet die L. die wichtigsten Wortkarten an die Tafel und gibt eine kurze Sachinformation.
Da die Sch. in der anschließenden Phase eigenständige Ideen verwirklichen sollen und jede Gruppe eine Vorlage des Gedichtes hat, schalte ich den OH-Projektor an dieser Stelle aus.

Phasenziel

Die Sch. wissen, daß es ein Gedicht von Frantz Wittkamp gibt, in dem er sich mit den Streitigkeiten von Raben befaßt hat und artikulieren ähnliche Situationen mit anderen Tieren oder Personen (Transfer).

3. Phase: ERARBEITUNG ca. 20 Min. (Einzel-/Partnerarbeit, Sch.-Aktion/ Sch.-Sch.-Aktion)

Unterrichtsgeschehen

Die L. erklärt, daß die Sch, in Einzel- oder Partnerarbeit selbst mindestens eine Strophe dichten sollen. Dabei nennt sie die zur Verfügung stehenden Hilfsmittel. Die L. weist darauf hin, daß nicht alle Sch. am Ende der Stunde ihr Gedicht fertig geschrieben haben müssen und daß in der nächsten Stunde weiter daran gearbeitet werden wird. Die Arbeitsblätter werden ausgeteilt.
Die Sch. erarbeiten in Einzel- oder Partnerarbeit mindestens eine Strophe zu einem ähnlichen Gedicht (Form und Inhalt) mit selbst gewählter Handlung.

Didaktischer Kommentar

Die Hilfsmittel werden auf einen leerstehenden Tisch neben die Tafel gelegt. Die Wahl der Sozialform soll den Sch. ermöglichen, eventuelle Anfangsschwierigkeiten zu meistern. Die den Sch. zur Verfügung stehende Zeit wird vorher angesagt. Da das Einfinden in Reim und Rhythmus Zeit benötigt, sollte diese Phase nicht gekürzt werden. Die besonders schnellen Sch. erhalten gegebenenfalls die Zusatzaufgabe, das Gedicht ohne Rechtschreibfehler abzuschreiben. Sollten nur geringe Mängel in der Rechtschreibung vorhanden sein, so daß durch das Verbessern das ästhetische Bild des Gedichtes nicht verloren geht, werden diese Sch. das Gedicht als Schmuckblatt verschönern.

Phasenziel

Die Sch. erarbeiten sich in Einzel- oder Partnerarbeit mindestens eine Strophe zu einem Gedicht, das in Form und Inhalt dem vorgegebenen Gedicht ähnlich ist.

4. Phase: ERGEBNIS ca. 13 Min. (Sitzkreis vor der Tafel, Sch.-Sch.-Aktion)

Unterrichtsgeschehen

Die Sch. versammeln sich in einem Sitzkreis vor der Tafel und präsentieren ihre Ergebnisse. Dabei nehmen die Sch. und gegebenenfalls die L. inhaltlich und auch formal Stellung zu den Ergebnissen. Verbesserungsvorschläge für die nächste Stunde werden gegeben. Die L. gibt einen Ausblick, was in der nächsten Stunde getan werden kann.

Didaktischer Kommentar

Der Sitzkreis bietet eine bessere Kommunikationsform, die es den Sch. erleichtert, ihre Eigenproduktionen vorzutragen und auch gegenseitig Stellung zu den Werken zu beziehen. Die Reflexion der einzelnen Werke soll die Sch. motivieren, weiterzudichten und konstruktive Verbesserungsvorschläge anzubieten. Die Reflexion bietet auch einen Rückbezug auf das Original. Die Sch. untereinander sollen lernen, mit Texten der anderen adäquat umzugehen. Ich gehe nicht davon aus, daß alle Sch. fertig geworden sind. Das Umgehen mit Gedichten über dieses operative Verfahren benötigt mehr Zeit, als eine Unterrichtsstunde bieten kann. Sollte wenig Zeit sein, können nur einige Sch. ihre Ergebnisse vortragen. Auf die Reflexionsphase zu jedem Werk möchte ich aus Gründen des Lernzuwachs nicht verzichten. Den Sch. werde ich versichern, daß die restlichen Arbeiten zu Beginn der nächsten Stunde vorgetragen werden können.

Phasenziel

Die Sch. tragen ihre Ergebnisse vor und bieten positive Rückmeldungen und konstruktive Kritik für die Weiterarbeit.

 
 

 



©opyright Silke Rohen, Berlin, April 1995

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06.04.2003


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