Dagmar Wilde
Klasse 4

Entwurf
für eine Unterrichtsstunde im vorfachlichen Unterricht
(Musisch-Ästhetische Erziehung), Lernbereich Kunst
"Farbkontraste"


1. Planungszusammenhang

2. Auswahl des Lerngegenstandes

3. Sachdarstellung

3.1 Keith Haring

3.2. "Untitled"

3.3 Farbe

3.4 Farbkontraste

4. Voraussetzungen

5. Didaktische Reduktion

6. Ziele

7. Didaktische Grundkonzeption

8. Literatur

9. Medien und Arbeitsmittel

10. Verlaufsplanung


 

1. Planungszusammenhang

"Wie viele Farben gibt es auf der Welt?" Farben wirken auf- und miteinander

  • "Wir Farbenforscher..." (Primär- und Sekundärfarben, Mischen v. Farben, Farbstimmungen, Farbauftrag erproben)

  • "Leuchtbänder vom Straßenfest" (Mischen v. Farben, Farbkontraste, Farbauftrag erproben

"Auf den Spuren Keith Harings..." Versuche zu Farbwirkungen und Bildzeichen

  • "Manchmal könnte ich aus der Haut fahren...": Farben beeinflussen sich in ihrer Wirkung
    (Wirkung von Farbkontrasten am Beispiel eines Bildes von Keith Haring)

  • "Kunst von uns - nach Kunst von Keith Haring..." (lineare Gestaltung von Figuren und Zeichen, Farbkontraste)

  • "PEG-Logo" (lineare Gestaltungsmittel (Umriss-/Binnenliniie), Entwürfe für ein Schul-Logo)

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2. Auswahl des Lerngegenstandes

"Die Grundschule soll in ihrer gesamten Arbeit die schöpferischen Fähigkeiten der Kinder fördern und sie zum phantasievollen und gestaltenden Umgang mit Wirklichkeit anregen." (Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule, A II, Die Grundschule, I, S. 2.) Gegenstand der musisch-ästhetischen Erziehung ist das Lernen der Fähigkeiten des ästhetischen Wahrnehmens und Reagierens, Urteilens und Wertschätzens, die die Grundlage für ästhetische Erfahrungen darstellen. Es geht darum, Anlässe zu schaffen, das Zeichnen, Malen und Formen bewusster als Mittel für eine Bildaussage zu erkennen und einzusetzen. Die Schüler/innen sollen vielfältige Gelegenheiten erhalten, im Umgang mit Bildwelten sinnlich-lustvolle wie auch nachdenkliche Erfahrungen zu sammeln, das bewusste Sehen zu erfahren. "Die Schüler müssen vielfältige Gelegenheiten zur Eigentätigkeit und zum entdeckenden Lernen erhalten. Auf diese Weise wird zugleich eine Grundlage für die Entwicklung des begrifflichen Denkens und der Abstraktionsfähigkeit geschaffen." (Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule, A II, Die Grundschule, II, S. 3.) Als ästhetische Probleme sind bei der praktischen und theoretischen Auseinandersetzung in dieser Unterrichtseinheit Fragen von Farbe und Form sowie Linie und Fläche von Bedeutung.

Farbe ist ein Urphänomen kindlicher Erlebniswelt. Im 4. Schuljahr geht es verstärkt um den überlegten Einsatz von Farbe, um verschiedene Wirkungen bewusst zu erzielen, bestimmte Darstellungsabsichten mit malerischen Mitteln zu erreichen. Ziel ist es, die Schüler/innen für die bewusste Wahrnehmung der vielfältigen Erscheinungsformen, Wirkungsweisen und Bedeutungen der Farbe zu öffnen und ihr Farbgefühl zu sensibilisieren. Die Ausbildung eines differenzierten Farbgefühls und eines bewussten Verhältnisses zur Farbe wird dabei zum Einen über ästhetisch-praktisches Tun und Reflexion der Ergebnisse, zum Anderen über Betrachtungen von Objekten mit differenzierter Farbigkeit aus der Bildenden Kunst, aus der Alltagskultur und der Werbung angestrebt.

Im Rahmen der experimentellen und reflexiven Auseinandersetzung mit Farbe und ihrer Wirkung scheinen mir Werke Keith Harings geeignet, der Lerngruppe erste Begegnungen mit einem zeitgenössischen Künstler zu eröffnen. Seine Bilder sind über Poster und T-Shirts - seit kurzem auch über Kinderbücher - weit verbreitet und relativ populär. Die reduzierte Bildsprache und die ausgeprägte Farbigkeit vieler Werke von Keith Haring - der im übrigen selbst viel mit Kindern arbeitete - machen seine Bilder für jüngere Schüler/innen zugänglich. Gleichermaßen bietet das Zeichenrepertoire Keith Harings Anregungen für die grafische Gestaltung eines Schul-Logos, das - auf Anregung der Schulkonferenz - von den Kindern unserer Schule entworfen werden soll.

"Ein wesentliches Ziel des Kunstunterrichts in der Grundschule ist die Vermittlung von vielfältigen Erfahrungen im Umgang mit verschiedenen Materialien und Werkzeugen. Einige traditionelle Techniken sollen dabei durch ständiges Anwenden geübt und - besonders als Verfahren zum Begreifen von Wirklichkeit weiterentwickelt werden. Dazu gehören das Zeichnen mit (...) Faserschreiber (...), das Malen mit deckender Wasserfarbe, das Zeichnen und Malen mit Ölpastellkreide (...). Eine Kombination verschiedener Techniken ist sinnvoll." (Rahmenplan Bildende Kunst, S. 4.) Diese Sequenz der Unterrichtseinheit ist auf das Malen mit Ölpastellkreide fokussiert, welche bei flächiger Arbeitsweise und porendichtem Farbauftrag in ihrer Leuchtkraft Farbwirkungen und Farbkontraste besonders deutlich aufscheinen lässt.


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3. Sachdarstellung

3.1 Keith Haring

Keith Haring (1958 - 1990) wuchs - als Kind der Pop Art - im Zeitalter der Comics und Cartoons auf, die seine Bildwelten ebenso wie die Werke Warhols und Lichtensteins inspirierten. Als einer der Ersten der - illegalen - Szene der New Yorker Graffiti-Künstler war er insbesondere in der New Yorker U-Bahn aktiv, bemalte aber auch Brandmauern und Bauzäune. Er zeichnete seine Figuren mit Kreide und lapidarem Strich auf freie Werbeflächen - auch noch auf dem Gipfel des Erfolgs, als seine Bilder bereits in Museen aufgenommen waren. (1986 - lange vor der Wiedervereinigung also - bemalte er die Berliner Mauer mit einer friedlichen Menschenkette.) 1984 - mit 26 - hatte er bereits 19 Einzelausstellungen. Haring starb - nicht ganz 32jährig - 1992 an Aids.

Harings Bildwelten spiegeln eine unverwechselbare, einfache Zeichensprache. Sein sich der Linie und der Kontur bedienender Stil, der durch Frontalität und Symmetrie sowie Verzicht auf Details gekennzeichnet ist, fügt sich in den Stil heutigen Kommunikationsdesigns. Mit einfachen Strichmännchen - er nannte sie"Ikonen" - gestaltete er eindringliche Bilder. Er zeichnete Bildschirme, Dollarnoten, durchbohrte Herzen, AIDS-Symbole, Außerirdische in Fliegenden Untertassen, geflügelte Meerjungfrauen - aber auch Menschenknäuel und regelrechte Labyrinthe. Das "Radiant Baby" mit dem Strahlenkranz war sein Markenzeichen. Haring war überaus experimentierfreudig, machte Lithographien, Siebdrucke, Prägedrucke und Radierungen, gleichfalls aber auch Skulpturen aus Stahl, Aluminium, Bronze, Gold, Zement und Terrakotta. Seine Bildzeichen (den bellende Hund mit dem Strahlenkranz, das krabbelnde Baby, den gelben Engel, den roten Supermann mit den Drachenflügeln) verwendete er sowohl in knallig farbigen wie in farblosen ("White Icons") Serien. In allegorischen Figuren und mit abstrakten Formeln kommentierte er das Zeitgeschehen - in dieser Hinsicht steht er in der Tradition von Goya und Collot. Unter Pop verstand Haring Arbeit mit den Symbolen, Farben, Idolen der Massen. Es gibt nicht nur - wie die weltweit vermarkteten Motive suggerieren mögen - die heitere Seite des Keith Haring. Seine Siebdruck-Illustrationen "Apocalypse" enthalten in böser Synoptik Geißeln heutiger Menschheit (Aids, Explosionen, Vulkanausbrüche, atomare Bedrohung, Krieg). Trotzdem ist die heitere Seite dominierend.

3.2 "Untitled"

Auch im Siebdruck "Untitled" von 1989 benutzte Haring die besondere Leuchtkraft der Farbe (Gelb-Violett, Rot-Blau), umrandete seine Formen mit fetten schwarzen Umrisslinien, sodass sie plakativ, fernwirksam und unmissverständlich wirken. Seine tanzenden Linien, seinen sicheren Strich und seine Walt-Disney-Farbenpracht setzte Keith Haring auch bei diesem Bild ein, um die Betrachter nachdenklich zu stimmen. Die Figur scheint zu vibrieren, weckt verschiedenste Assoziationen und lässt in jedem Betrachter wohl unterschiedliche Interpretationen aufkeimen: Häutungsprozesse (eine Schlange häutet sich, ein Mensch fährt aus der Haut, das wahre Ich kommt zum Vorschein...), positive Energien, Kraft (ein Mensch fühlt sich wie neu geboren, voller Dynamik, zu neuen Taten bereit...), Wut ("Ich könnte aus der Haut fahren...", "Er platze vor Wut", Rumpelstilzchen...), Übermut...

3.3 Farbe

Malfarben - im Gegensatz zum farbigen Licht greifbar, körperlich (Substanzfarben) - sind durch drei Merkmale bestimmt: Farbton (Farbrichtung einer Malfarbe, Buntheit), Helligkeit (Tonwert, durch Trüben mit Schwarz oder Weiß veränderbar), Intensität (Sättigung, durch Verdünnen mit Wasser, Mischen mit anderen Farben veränderbar). Den Primärfarben ((Magenta)Rot, (Cyan)Blau und Gelb) kommt eine besondere Bedeutung zu, weil mit ihnen alle anderen Farben ermischt werden können. Mischt man sie jeweils untereinander, erhält man die Sekundärfarben Orange, Grün und Violett.
Eine Farbe in ihrer größten Leuchtkraft, die nicht mit Weiß, Grau, Schwarz oder einer anderen Buntfarbe abgemischt ist, nennt man reinbunte Farbe. Mischt man sie mit einer dunkleren Farbe, spricht man von Dunkeltrübung. Hellt man dagegen die reinbunte Farbe durch Mischen auf, spricht man von Helltrübung.

Farben haben eine bestimmte Wirkung auf das Gefühl, sie können Empfindungen auslösen. Farbe kann düster, brutal, heiter, strahlend wirken. Wir kennen "warme und kalte Farben": Gelb empfinden wir als sonnig und warm, heiter; Orange und Braun als warm und gemütlich; Rot als feurig und heiß, an- und aufregend. Blau, Blaugrün, und Blauviolett empfinden wir als kalt, kühl, eisig oder frisch, aber auch als beruhigend. Diese Wirkung lässt sich durch Aufhellen mit Weiß steigern. (Stimmung und Umgebung spielen aber prinzipiell bei der gefühlsmäßigen Wirkung von Farben mit eine Rolle!)
Farben sind entscheidend für die Stimmung in einem Bild - Farbunterschiede vermitteln eine andere Stimmung: Gelb-Rot-Blau erzielen in Kombination immer eine bunte, laute, kraftvolle, entschiedene Wirkung.

3.4 Farbkontraste

Farbwirkungen können durch den Einsatz von Kontrastfarben geschwächt oder gesteigert werden. Kontraste entstehen durch einen deutlichen, polare Kontraste durch einen maximalen Unterschied zwischen Farben. Werden einzelne Farben durch schwarze Linien voneinander getrennt, treten sie noch stärker in ihrer Wirkung hervor: Ihre Überschneidungen und gegenseitigen Beeinflussungen werden durch die Linien weitgehend unterbunden.

Farbe-an-sich-Kontrast

Er entsteht, wenn reine Farben in bunter Zusammenstellung verwendet werden. Mindestens drei Farben sind zu seiner Darstellung nötig, seine Wirkung ist immer bunt, laut, kraftvoll, entschieden. Alle Farben in ihrer höchsten Leuchtkraft können zu seiner Darstellung verwendet werden (Gelb - Rot - Blau ergeben den stärksten Ausdruck des Farbe-an-sich-Kontrasts; alle reinen, ungebrochenen Farben lassen sich zu diesem starkfarbigen Kontrast zusammensetzen.) Die Stärke des Farbe-an-sich-Kontrasts nimmt ab, je mehr sich die verwendeten Farben von den Farben erster Ordnung entfernen. Durch Verwendung von Weiß und Schwarz lässt sich die lebhafte Wirkung steigern.

Hell-Dunkel-Kontrast

Er bezieht sich auf die Anwendung der unterschiedlichen Helligkeiten und der Tonwerte der Farben. Gelb hat den höchsten Helligkeitswert, Violett den höchsten Dunkelheitswert - Gelb und Violett stellen somit den stärksten Hell-Dunkel-Kontrast dar. Die Kombination von Weiß und Schwarz ist stärkstes Ausdrucksmittel des Hell-Dunkel-Kontrasts.

Warm-Kalt-Kontrast

Die größte Wirkung des Warm-Kalt-Kontrasts wird mit der Kombination Rot-Orange und Blau-Grün erreicht. Zu den warmen Farben zählen Gelb, Gelb-Orange, Orange, Rot-Orange, Rot, Rot-Violett. Zu den kalten Farben zählen Gelb-Grün, Grün, Blau-Grün, Blau, Blau-Violett, Violett. Die Farbtemperaturwirkung ist durch Forschungen zum subjektiven Temperaturempfinden (z. B. in Räumen) bestätigt worden. Allerdings wirken viele Farben - je nach ihrer Kontrastierung mit wärmeren oder kälteren Farben - bald kalt, bald warm.

Komplementär-Kontrast

Komplementäre - im Farbkreis einander gegenüberstehende - Farben (Gelb - Violett (1) / Orange - Blau (2) / Rot - Grün) (3) steigern sich nebeneinanderstehend zu höchster Farbigkeit und Leuchtkraft, miteinander gemischt vernichten sie sich zu Grauschwarz. (Anmerkungen: (1) Der Komplementär-Kontrast impliziert bei Gelb-Violett auch den stärksten Hell-Dunkel-Kontrast. (2) Der Komplementär-Kontrast impliziert bei Orange-Blau auch einen Warm-Kalt-Kontrast. (3) In diesen Paaren sind übrigens immer die drei Primärfarben enthalten: Gelb - Violett (= Blau + Rot).)

Simultan-Kontrast

Seine Wirkung beruht auf dem Komplementärgesetz, nach dem jede reine Farbe physiologisch die Gegenfarbe, ihr Komplement verlangt. Ist dieses nicht vorhanden, so erzeugt das Auge gleichzeitig/simultan die Komplementärfarbe. Ein starkes Grün läßt ein danebenstehendes neutrales Grau rötlichgrau erscheinen, während ein starkes Rot das gleiche Grau grünlichgrau wirken lässt. (Die Kombination zweier nicht komplementärer, reiner Farben hat zur Folge, dass das Auge die jeweilige Komplementärfarbe erzeugt, sodass jede der Farben die andere in ihr Komplement drängt, beide Farben leuchten dadurch in neuen Wirkungen auf.)

Qualitäts-Kontrast

Er besteht im Gegensatz von gesättigten, reinbunten, leuchtenden zu stumpfen, getrübten Farben. Die Trübung kann mit Schwarz, Weiß, Grau und komplementären Farben erfolgen. Die Wirkung des Kontrasts ist relativ: Eine Farbe kann neben einem stumpfen Ton leuchtend erscheinen, neben einem leuchtenden aber stumpf.

Quantitäts-Kontrast

Er beruht auf dem Größenverhältnis zwischen zwei oder mehr Farbflächen. Wenn eine Farbe dominiert, erzielt man eine expressive Wirkung.


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4. Voraussetzungen

Ich erteile seit Beginn des Schuljahrs in der Klasse 4a wöchentlich zwei Stunden im Lernbereich Kunst. Bisher haben fanden 8 Doppelstunden (darunter drei Kurzstunden) statt.
Sind auch die Jungen bestrebt, ihre männliche Rolle durch dominantes und "cooles" Verhalten sowie dezidierte Abgrenzung von ihren Mitschülerinnen zu behaupten, bieten etliche Mädchen ihnen sehr dynamisch Paroli. Dies führt äußerlich häufig zu so genannten "Mädchen-Jungen-Konflikten/Fronten". Hinter der Fassade schimmern jedoch Zuneigungen und eine insgesamt intakte Gruppenidentität dieser 4a durch.

Die Lerngruppe ist (besonders im Vergleich zu den 5./6. Klassen, die ich in diesem Schuljahr unterrichte) überaus spontan und anrührend begeisterungsfähig. Die Arbeitsatmosphäre prägen momentan individuelle Entdeckungen beim Mischen von Farben, Erfahrungen mit dem Farbauftrag und dem Gebrauch des Pinsels, Werkstolz auf situativ entstandene Farbtöne wie fertiggestellte Bilder. Das Bedürfnis, euphorische Gefühle ebenso wie Zweifel, die mit diesen Entdeckungen verbunden sind, der Lehrerin und den anderen Kindern mitzuteilen, ist sehr ausgeprägt.

Der Lernbereich Kunst wurde in diesem Schuljahr erstmals ausgegliedert. Im 1. - 3. Schuljahr hatten die Schüler/innen den "flexiblen Zeitrahmen" des VU erfahren, da der Unterricht von der Klassenlehrerin erteilt wurde (welche vorfachliche Unterrichtsprinzipien konsequent berücksichtigte). Die mit einem ausgegliederten Kunstunterricht verbundenen organisatorischen Abläufe haben sich sukzessive ritualisiert (selbstständige Einrichtung der Gruppierungsformen für die BK-Stunden, Verantwortung der Ämter, Auswechseln des Wassers etc.).
Lernbereichsübergreifende Vorhaben fanden in der Kürze der Zeit bisher nur aus Anlass der Klassenreise der 4a (im September) statt. Die Klassenlehrerin ist erst zu Beginn dieser Woche von einer zweiwöchigen Klassenfahrt unserer 5. und 6. Klassen zurückgekehrt.

In den vorangegangenen Stunden haben die Kinder Erfahrungen mit Primär- und Sekundärfarben gewonnen, ihre Beobachtungen über die Wirkung von Farben ausgetauscht und Assoziationen zu Farbwirkungen gesammelt. Den Kindern ist bekannt, dass es drei Grundfarben gibt (die sich nicht ermischen lassen) und dass sich aus zwei Grundfarben jeweils eine weitere Farbe (in verschiedenen Tonstufen) herstellen lässt. Fachbegriffe wurden nicht planmäßig eingeführt. ("Fachausdrücke werden nach dem Anschauungsprinzip eingeführt; nach Möglichkeit sind sie als begriffliche Fassung konkreter Erfahrungen der Schüler zu erarbeiten. Fachspezifische Kriterien sind zu vermitteln, mit deren Hilfe sich die Schüler ein eigenes und fortschreitend sachbezogenes Urteil über Schülerarbeiten und Werke der optischen Kultur bilden können." Rahmenplan Bildende Kunst, S. 6.)
Jaxon-Kreiden finden in dieser Stunde in meinem Unterricht erstmals Verwendung. Einige Kinder haben sie neu angeschafft (und dürften u. U. verstört reagieren, wenn sie feststellen, wie schnell diese Kreiden sich abnutzen und brechen...).Begegnungen mit Kunstwerken, Bildbetrachtungen u. Ä. sind meines Wissens in den vergangenen Schuljahren noch nicht planmäßig in den Kunstunterricht einbezogen worden.


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5. Didaktische Reduktion

In dieser Sequenz erhalten die Kinder Gelegenheit, mit Primär- und Sekundärfarben zu experimentieren und Möglichkeiten zu erproben und zu reflektieren, Farben durch Kombination mit weiteren Farben zum Leuchten, zu höchster Intensität zu bringen. Farbe-an-sich-Kontrast, Komplementär-Kontrast und Warm-Kalt-Kontrast sollen erfahren werden - ohne dass diese im 4. Schj. begrifflich akzentuiert werden sollen.
Die spielerischen Bildwelten des Keith Haring dienen dafür als Motive. Dessen Bildsprache spielt in der vorliegenden Stunde noch eine marginale Rolle, sie wird erst im weiteren Verlauf der Sequenz zu untersuchen und für das eigene bildnerische Tun zu adaptieren bzw. zu erweitern sein.

In der Auseinandersetzung mit der Gestaltungsaufgabe sollen in dieser und der folgenden Stunde ein differenziertes Wahrnehmen und gezieltes - kontrastives - Umgehen mit Farben den Schwerpunkt bilden. Ziel ist es, dass die Kinder Farbtöne, Farbklänge und Farbkontraste differenzierter wahrnehmen und gezielter mit ihnen umgehen. Standen zu Beginn der Unterrichtseinheit das Mischen von Deckfarben, das Verändern von Farben durch Trüben im Vordergrund, steht in dieser Sequenz der Einsatz reinbunter Farben im Zentrum, weshalb Ölpastellkreiden Verwendung finden.


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6. Ziele

6.1 Intentionen (bezogen auf die Sequenz)

Die Schülerinnen und Schüler

  • verstärken ihre Sensibilität für Bilder und den Umgang mit Kunstwerken,

  • erschließen sich neue Bildsprachen und damit Bildwelten, entwickeln Lust am Entdecken von Formen, Formähnlichkeiten und -parallelen, am Anorden von Zeichen und entwickeln eigene Lösungen,

  • erfahren spielerisch-experimentell, wie sich Farbe verhält und was man mit Farbe bewirken kann,

  • erkennen, erproben, beschreiben und bewerten Darstellungsformen (Farbgebung, Bildordnungen, Beziehungen zwischen Formen und ihren inhaltlichen Bedeutungen) und erweitern und differenzieren ihren Zeichen- und Formenbestand sowie ihr Farbempfinden,

  • kennen einzelne Werke des Künstlers Keith Haring und deren Gestaltungsmerkmale und werten letztere als gezielt eingesetzte künstlerische Ausdrucksweise,

  • üben sich in kooperativen Arbeitsformen, indem sie Arbeitskontakte zueinander aufnehmen und ergebnisorientiert organisieren,

  • üben sich im sach- und partnerbezogenen sprachlichen Handeln und verfeinern Gesprächstechniken, indem sie sich einander zuhören, argumentieren sowie eigene und fremde Meinungen/Urteile hinterfragen.

6.2 Ziele der Unterrichtsstunde

Die Schülerinnen und Schüler

  • vertiefen - indem sie die Kombination verschiedener Farben erproben, wahrnehmen und reflektieren - ihre Erfahrungen zur Wirkung von Farbkontrasten und werden sich der Möglichkeit bewusst, durch den absichtsvollen Einsatz von Farben bestimmte Wirkungen zu erzeugen,

  • üben sich im Zuge der flächig-geschlossenen Ausgestaltung einer Bildvorlage im porendichten Farbauftrag und flächiger Arbeitsweise mit Ölpastellkreiden und erkennen, dass die Leuchtkraft der Kreiden im gleichmäßig deckenden Farbauftrag besonders zum Ausdruck kommt.

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7. Didaktische Grundkonzeption

Ziel der Unterrichtseinheit ist es, die Wirkungsweise von Farben zu untersuchen und besser zu verstehen, das Malen als ein gezieltes Umgehen mit Farbwirkungen in den Fragehorizont zu rücken und Fähigkeiten und Fertigkeiten im Umgang mit Deckfarben und Ölpastellkreiden zu erweitern. Des Weiteren sollen die Schüler/innen sich zunehmend auch mit der sinnlichen Wirkung von Farbe auseinanderzusetzen und zwar (mittel- und langfristig)

  • als Farbe von Gegenständen

  • in ihrer symbolischen Bedeutung

  • in ihrem subjektiven Ausdruckscharakter

  • in ihrer Raumwirkung

Dazu werden Aufgabenstellungen gewählt, die emotionale Zugriffe sowohl über Sprache wie über ästhetisch-praktische Arbeit ermöglichen, denn ästhetisch Praxis ist ein entscheidender Faktor für das Verstehen von Kunstwerken: Bilder lernt man verstehen, indem man sich selbst Bilder macht.
Die praktische Arbeit wird in dieser Sequenz in Beziehung zu Bildern von Keith Haring gestellt, wobei vom adaptierenden Zugriff (farbiges Gestalten eines Bildvorlage) zum eigenständigen Schaffen (Gestalten eigener Bildzeichen in Anlehnung an die Bildsprache Keith Harings) und produktiven Erweitern (Gestaltung eines Schul-Logos) vorangeschritten wird.

7.1 Methodische Entscheidungen zur Unterrichtsstunde

Die Interdependenz von sprachlicher Auseinandersetzung und handelndem Umgang führt zu einem dreistufigen Aufbau der Stunde.
Anlässlich der Begegnung mit dem Bild Keith Harings sollen die Schüler/innen möglichst viel Raum erhalten, ihre Beobachtungen und Meinungen zu kommunizieren. ("Der kommunikative Anreiz, den Wahrnehmungen auslösen, ist groß. Kinder müssen ihre Beobachtungen, Empfindungen und Gedanken dazu mitteilen können. Da jede Wahrnehmung subjektiv ist, kann im Austausch mit Partnern Neues oder anderes entdeckt werden. Wahrgenommenes wird auf diese Weise intensiviert, erweitert oder verändert." Stark, S. 13.) In das Stuhlkreisgespräch wird daher eine kurze Gesprächsphase in 3er-Gruppen integriert.
Gleichfalls sollen die Schüler/innen möglichst viel Raum für die praktische Arbeit erhalten, um in der Kürze der Zeit auch Erfahrungen im Umgang mit den Ölpastellkreiden zu sammeln sowie erste Ergebnisse zu erzielen, die Erkenntnisse über die Wirkung von Farbkontrasten eröffnen. Aus diesem Grund - und um den Kindern die Chance zu eröffnen, bei der Herstellung und Betrachtung ästhetischer Objekten auch die Fähigkeit zur Kooperation weiterzuentwickeln - wird hier Partnerarbeit angeboten (jedoch können Kinder auch allein arbeiten, wenn sie das favorisieren). Für die ästhetische Praxis werden Orientierungen angeboten (leuchtende Farben miteinander kombinieren, Grundfarben erproben...), den Kindern wird aber Raum für individuelle Lösungen zugestanden (d. h. auch Braun oder Schwarz könnten - evtl. von einzelnen Jungen? - gewählt werden), denn Ausdruck und Farbwirkung können auch hier Erfahrungen und Erkenntnisse eröffnen.

Die Präsentation und Diskussion der Ergebnisse der Partnergruppen stellt einesteils Arbeitsergebnisse ins Zentrum der Aufmerksamkeit und dient der Sicherung, andernteils eröffnen hier Schülerprodukte weitere Lernchancen. Trotzdem muss - und kann - diese Phase in einer Einzelstunde im Verhältnis zur ersten und zweiten Phase kurz gehalten werden. Wahrnehmungen und Meinungen zu den Schülerarbeiten können die Problemstellung zu Beginn der nächsten Kunststunde erneut fokussieren. (Zumal nach etlichen Tagen eine Reaktivierung der Beobachtungen und Erkenntnisse unverzichtbar ist, um den Gestaltungsprozess auf Grundlage erster Erkenntnisse fortzusetzen.)

Für die Plenumsgespräche werden die vertrauten Gruppierungsformen beibehalten. Zwar wäre eine Gruppierung vor der Tafel - für eine Präsentation des Bildes als OH-Folie sowie für die Präsentation der Ergebnisse - günstiger, der Zuschnitt des Klassenraums, die Position der Wandtafel und die Platzierung der Arbeitsplätze, an die sich die Kinder gewöhnt haben, lassen ein Umräumen in einer Einzelstunde nicht angebracht erscheinen. Deshalb erhalten die Kinder jeweils ein Exemplar der Bildvorlage pro Gesprächsgruppe, deshalb wird ein MindMap-Protokoll im Stuhlkreis angefertigt, werden die Schülerarbeiten an der Tür/Stelltafel positioniert.


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8. Literatur

Eucker / Walch: Farbe. Wahrnehmung, Geschichte und Anwendung in Kunst und Umwelt. Hannover 1988.

Eucker u. a.: Kunst-Stücke 3. Lehrerband für das 3. Schuljahr. Leipzig 1996.

Burkhardt, Herrmann u. a.: Anfangsunterricht Kunst. 3. und 4. Schuljahr. Leipzig 1996.

Haring, Keith: "Ich wünschte, ich müßte nicht schlafen". München;New York 1997.

Littmann, Klaus (Hg.): Keith Haring. Editions on Paper 1982 - 1990. Das druckgraphische Werk. Stuttgart 1993.

Stark, Sieglinde: "Laßt die Kinder malen!". Heinsberg. 1991.

Senatsverwaltung für Schule, Berufsbildung und Sport: Vorläufiger Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule. Grundschule. Fach Bildende Kunst. Berlin 1991.

9. Medien und Arbeitsmittel

50 Schwarz-Weiß-Fotokopien (DIN A4): Keith Haring "Untitled" 1984 / Plakatkarton / Edding-Stifte /
Jaxon-Kreiden


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10. Verlaufsplanung

Phase/Zeit

Unterrichtsgeschehen

didaktische Funktion/Kommentar

I / 15'
10.45 - 11.00

Begrüßung, Herstellen einer Arbeitsatmosphäre (Stuhlkreis + Arbeitsplätze), Groborientierung zur Stunde.

Präsentation Schwarz-weiß-Kopie "Untitled": Kleingruppengespräch (3 SCH) - Plenumsgespräch (Assoziationen, Bildsprache, Wirkung, Titel) (MindMap-Protokoll).

Kurzinformation zu K. Haring und seinem Werk (L).

Farbe im Werk Harings, Original farbig (Wdh. Farben, Wirkung von Farbe, Kombination von Farben, Vermutungen zu Farben im Bild).

Arbeitsanweisung und zeitliche Orientierung für PA:
Gestaltung der Vorlage mit mind. 3 Farben, porendichter Farbauftrag mit Jaxon-Kreiden:
a) Leuchtkraft der Farben durch Kombination steigern,
b) alternative Farbkombinationen (ggf. harmonischer Farbklang).

Zielorientierung und Problementfaltung

Freies Assoziieren zum Bild, erste Orientierung über Keith Haring und seine Bildsprache

(Die Vorbereitung der Arbeitsplätze und des Stuhlkreises nehmen die Kinder meist vor Stundenbeginn selbstständig vor.)

Problemstellung und Aufgabenstellung

II / 20'
11.00 - 11.20

Auflösen der Gruppierungsform und Wahl der Partner.
Sch erproben in PA farblich differenzierte Ausgestaltung der Vorlagen und besprechen ihre Entscheidungen, Beobachtungen.

L gibt diff. Hilfen für einzelne Sch bzw. Partnergruppen.

Exploration / Produktion

Objektivierung von Farberfahrungen, Umsetzung in Bilder

III / 10'
11.20 - 11.30

Sch sammeln sich im Plenum (Stuhlhalbkreis - Stelltafel), berichten zum Procedere der EA und PA, begründen Wahl der Farben und beurteilen Wirkung der Bilder, thematisieren technische Gesichtspunkte (Ölpastellkreiden).
L fixiert ggf. Schlüsselaussagen auf WK und heftet sie neben die Bilder.

Ausblick auf das weitere Vorhaben, Aufräumen der Arbeitsplätze, Verabschiedung.

Integration: Reflexion und Würdigung der (Zwischen)Ergebnisse

Vergleichen der Ergebnisse bzw. Zwischenergebnisse, Formulieren indiv. Wahrnehmungen und Begründen von Meinungen zur Wirkung von Farben und zum Zusammenwirken von Farben

 

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©opyright Dagmar Wilde, Berlin, März 2000

 


Weitere Unterrichtsmodelle / Lernbereich MÄERZ


Unterrichtsmodell Klasse 4: Der Einfluss von Großstädten auf den Künstler Keith Haring


 

 

 

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06.04.2003


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