Otto Fenner
Berlin, 06. Juli 2000

Klasse 4
23 SchülerInnen
10 Mädchen, 13 Jungen

Entwurf für eine Stunde im vorfachlichen Unterricht, Lernbereich MÄERZ "Geheimnis im Kästchen"

1. Planungszusammenhang

1.1 Gliederung

1. Stunde: Geheimnis im Kästchen - Die Landung auf dem Mond (Einführung / Material / Techniken / Gestaltung)

2. Stunde: Gestaltung des Objektes (Weiterarbeit)

3. u. 4. Stunde: Gestaltung des Objektes (Weiterarbeit) und Besprechung, anschl. Präsentation mit Mondliedern und Mondgedichten

Das Thema der Stunde soll Ausgangspunkt für eine anschließendes Unterichtsangebot sein, das im neuen Schuljahr 2000/2001 von der dann 5. Klasse realisiert werden könnte. In Marzahn findet jährlich eine sogenannten "United Space Parade" statt, an der sich neben vielen Vereinen und Gruppen auch Schulen des Bezirks beteiligen. Die SchülerInnen sollen angeregt werden, sich an dieser Parade mit einem eigenen Beitrag einzubringen. Die Vorbereitung dazu kann entweder im Rahmen des BK-Unterrichts oder eines WuV-Kurses stattfinden.

1.2 Begründung der Stoffauswahl

Die Themen Raumfahrt, Sterne, Universum, galaktische Besiedlung oder "Aliens" spielen im Leben der Kinder ein wichtige Rolle. Allein die Existenz und das eifrig (ja fanatisch) betriebene Sammeln von "Pokemons" zeigen eine intensive Affinität der Kinder zum Thema. Sie identifizieren sich in einer Weise mit den kleinen Wesen eines Zukunftsplaneten, die das bisherige Teilhaben vorheriger Generationen an den Ereignissen der Raumfahrt erheblich zu übertreffen scheint. Dies lässt auf eine hohe Motivation bezüglich des Unterrichtsvorhabens schließen.

Allgemein lässt sich feststellen, dass das Thema Raumfahrt in den nächsten Jahren in der internationalen Politik von sehr großer Bedeutung sein wird. Mehrere Länder haben sich zusammengeschlossen, um eine Raumstation zu bauen, die ständig besetzt sein soll. Ein japanisches Konsortium prüft die Pläne und Chancen für ein Weltraumhotel oder ein Hotel auf dem Mond. Touristische Flüge dorthin dürften ab der Mitte des Jahrhunderts einem breiteren Publikum möglich sein.

Alles deutet darauf hin, dass in 10 bis 20 Jahren bemannte Raumflüge zum Mars stattfinden werden. Gegenüber den utopischen Ideen der sukzessiven Besiedlung unserer Galaxie mögen viele noch sehr skeptisch eingestellt sein. Dennoch wird die Menschheit in einer ungewissen Zukunft diesen Weg gehen müssen.

Aus all diesen Überlegungen ergibt sich ein klarer Zukunftsbezug des Unterrichtsvorhabens. Es ist nicht nur Utopie, sondern kann in der Lebenszeit der Kinder Wirklichkeit werden. Auch kann dies die Berufswünsche der Kinder prägen. Dies wird sich noch nicht zum jetzigen Zeitpunkt herausbilden, jedoch wird eine positive Grundeinstellung dafür von entscheidender Bedeutung sein.

Der Rahmenplan für das Fach Bildende Kunst erwartet bei den Lernzielen, dass die Sch. "komplexere beobachtete Sachverhalte klären, charakterisieren und darstellen" sollen. Bezüge der Menschen zu seiner gesamten Umwelt sollen "erweitert, vertieft und präzisiert werden" (S. 12).

Bei den Themenbereichen werden "Fahrzeuge, Geräte und Maschinen" ausdrücklich genannt. Die Tätigkeitsbereiche umfassen "Formen und Bauen" mit vorgeformten Materialien und deren Verbindungen. Der "Einsatz von raumumschreibenden Formen wie offenen Schachteln..." sowie die Gliederung von "Innenräumen nach Größe und Form" gehören zu dem Katalog der "ästhetischen Probleme" im Rahmenplan (S. 13 für die Klassen 3/4).

2. Sachdarstellung

Die SchülerInnen sollen in der Unterrichtseinheit einen Karton (Schuhkartongröße), der an einer Seite offen bleiben wird, schwarz ausmalen und in dieser raumumschreibenden Form eine Landschaft aus Alufolie gestalten. Es soll eine Mondlandschaft entstehen, in der (menschliche) Wesen und Raumfahrzeuge als plastische Gegenstände hineingesetzt werden. Die silberne Farbe und glänzende Oberfläche der Alufolie bilden dabei einen sehr starken Kontrast zu der Schwärze des Hintergrundes.

Das Thema gestattet eine phantasievolle Gestaltung der genannten Objekte. Hier ist zu denken an: Mondfahrzeuge, Menschen im Raumanzug, Berge, Gräben, Steine, Felsen, aber auch "Marsmenschen" oder "Mondmänner". Auch die Erde und Sonne sowie Sterne eigenen sich als Elemente des Hintergrundes.

Geheimnisse im Kästchen - Die Landung auf dem Mond

Mit diesem Stundenthema bewegen sich die SchülerInnen im Bereich der körperhaft-räumlichen Darstellungen, die betrachtbar und anfassbar sind. Neben die visuelle tritt gleichberechtigt die haptische Wahrnehmung. Das Berühren, Betasten und Befühlen von Gegenständen und Materialien wird entscheidend für die Entstehung des Objektes. Dabei werden Grunderfahrungen mit Materialien vermittelt. Die Sch. erfahren die Gestaltungsmöglichkeiten des Materials im Prozess der Bearbeitung mit den eignen Händen: etwas "be-greifen" heißt auch: etwas verstehen.

Raum als Bezugsfeld in einem ästhetischen Zusammenhang wird erst durch die Raumgrenzen wirksam. Ein zuvor immaterieller Raum wird durch sie in einer sinnlich erfahrbaren Form verwandelt.

Richtungsachsen und das Spannungsverhältnis von Zentrum und Außenbereich (Stellung und Richtung im Raum) werden von zentraler Bedeutung für die Innengestaltung des Raumes. Rhythmus und Proportion stellen weitere Kriterien für die Formgebung dar (dazu Bodemeyer/Kaiser, Körper und Raum..., S. 14-16).

Die kompositorischen Regeln für die Gestaltung von Körpern oder Plastiken erfordern eine genaue Beachtung der stofflichen Qualität der Oberflächenstruktur und -bewegung, weiterhin der Proportionen. Optische und haptische Wahrnehmungen bestimmen die sinnliche Beziehung zur Plastik.

Das Thema der Stunde soll in seinen einzelnen Bestandteilen im folgenden dargestellt werden.

Geheimnis: Im Verborgenen, Dunkeln und Unsichtbaren bewegt sich etwas. Aus dem Dunkeln, das sich dem Licht entgegenstellt, strahlen uns Reflexe oder Lichtpunkte entgegen. Das (Sonnen-)Licht holt daraus die Formen hervor. Ohne schützende Atmosphäre gibt sich die Oberfläche eines Planeten preis: der Mond erstrahlt im Silberglanz. Alle Gegenstände, ja die ganze Oberfläche, erglänzen in diesem "unwirklichen" Licht und verwandeln sich scheinbar in "reines" Silber. Viele Fotos von Satelliten und von den Mondlandungen selbst zeigen den Betrachtern diesen hellen Widerschein.

Aus dem Dunkel des Alls tritt uns das Geheimnis eines Planeten entgegen.

Kästchen: Ein kleines Kästchen, etwas ein Schuhkarton, ist innen ganz geschwärzt worden. Das dunkle Kästchen steht für das Weltall. Das riesige, als unendlich definierte Weltall ist in einem winzigen Raum zusammengefasst und konzentriert. Der Betrachter schaut hinein und erkennt die Schwärze des Universums.

Das Kästchen gestattet uns in seiner Farbgebung eine elementare Erfahrung des Lichts. Das Licht holt aus der Tiefe des Raumes verschiedene Gegenstände oder Objekte hervor: Berge, Hügel, Krater, Täler, Abhänge, Gräben, Furchen und Geröllfelder. Sie sind der Hintergrund für die menschlichen Figuren und die Maschinen, die sich einen Weg dort bahnen.

Landung: Wer führt eine Landung auf dem Mond durch? Es sind Raumfahrzeuge und lebende Wesen. In der Geschichte der Menschheit hat es bisher mehrere Mondlandungen gegeben. Menschen haben ihren Fuß auf diesen erdnächsten Planeten gesetzt und ihn in Teilen erkundet. Sie haben sich raffinierte Fahrzeuge und Maschinen ausgedacht, um die Mondoberfläche zu erreichen und zu befahren (Apollo-Programm der NASA in den 60er und 70er Jahren).

Auch andere Wesen könnten auf dem Mond gelandet sein. In der UFO-Forschung ist es heftig umstritten, ob es nicht längst schon zu solchen Landungen (auf dem Mond oder der Erde) gekommen sein könnte. Die Existenz geheimer Militärprojekte der US-Regierung auf streng abgeschirmten Basen nährt die Vermutungen, dass sogar Begegnungen zwischen Menschen und außerirdischen Wesen stattgefunden haben könnten.

Etwa 85 % aller Kinder zeigten sich in einer Umfrage davon überzeugt, dass es Lebewesen auf anderen Planten gibt.

Mond: Der Mond als der erdnächste Planet ist 1968 zum ersten Mal von Menschen betreten worden. Diese reale Erfahrung der Menschheit hat seiner Bedeutung als zentrales Nachtgestirn nichts oder nur wenig anhaben können. Zweierlei Monde (so Martin Wagenschein) stehen sich gegenüber: einmal der Mond als physikalischer Körper, der mit den Methoden der Naturwissenschaften untersucht werden kann.

Andererseits aber ist da noch der Mond, der als leuchtendes Nachtgestirn von allen Menschen seit alters her wahrgenommen wird. Es ist der Mond, der von den Romantikern besungen worden ist: der Mond als Objekt des Staunens, der Bewunderung und der Verwunderung. Eichendorffs "Mondnacht", Tiecks "Mondbeglänzte Zaubernacht", Brockes "Betrachtung des Mondschein in einer angenehmen Frühlingsnacht", Claudius "Der Mond ist aufgegangen...", aber auch der Klassiker Goethe mit "An den Mond" ("Füllest wieder Busch und Thal...") zeigen die besondere Wahrnehmungen und das starke Empfinden vieler Menschen.

3. Unterrichtsvoraussetzungen

Die Klasse 4 b besteht aus 23 Schülerinnen und Schülern (10 Mädchen und 13 Jungen). Der älteste Schüler ist 1987 geboren, die jüngste Schülerin 1990. Drei Schüler und drei Schülerinnen sitzen in der normalen Sitzordnung an Einzeltischen ohne NachbarIn.

Die SchülerInnen haben seit etwa 14 Tagen sehr intensiv das Umstellen von Tischen und Stühlen geübt. Sie konnten bei den Projekttagen der Schule im Mai und in der letzten Unterrichtswoche Erfahrungen mit der Arbeit an Gruppentischen (mit bis zu 6 SchülerInnen) sammeln und sind damit gut klargekommen.

Hinsichtlich der Arbeitsaufträge für diese Stunde erwarte ich keine besonderen Schwierigkeiten. Es gibt keine SchülerIn, die/der nicht in der Lage wäre, die Arbeit mit der Alufolie auszuführen. Dass es dabei zu unterschiedlichen Herangehensweisen kommen wird, ist sehr wahrscheinlich. Dies ist grundsätzlich zu begrüßen. Gerade bei den Projektwochen im Mai hat die Klasse gezeigt, dass sie zur Lösung handwerklicher Aufträge durchaus in der Lage ist, denn sie bastelte eine funktionierende kleine Tischlampe aus einfachen Materialien (Seifendose, Senfbecher, Fassung, Batterie).

Wenn es Schwierigkeiten geben sollte, so dürften diese da auftreten, wo es um die sorgfältige und manchmal schwierige Gestaltung des Materials geht. Hier werde ich wahrscheinlich unterstützen müssen.

4. Didaktische Reduktion

Das Stundenthema beschränkt sich auf die Gestaltung des Kästchens und erfasst daher nur einen winzigen Aspekt der großen Themen "All, Kosmos, Weltraum, Leben im Weltraum, Raumfahrt". Über die Bedeutung des Mondes als Nachtgestirn wird nur am Rande nachgedacht werden. Im Vordergrund steht eindeutig die Arbeit mit dem Material und dessen Gestaltung. Insbesondere wird genau zu beachten sein, dass die Möglichkeiten des Materials ausgeschöpft werden und nicht ein schnelles Zusammenkleben der Folie mit der Konzentration auf die Figuren erfolgt.

Eine Differenzierung der Arbeit ist nicht geplant.

Die gesamten "philosophischen" Implikationen des Themas sollen in der Nachbetrachtung und Präsentation der Ergebnisse besprochen werden. Hier können auch die Gedichte zum Mond herangezogen werden.

Den Sch., die als erste mit der Arbeit fertig sind, soll als Anregung angeboten werden, sich mit Mondgedichten zu beschäftigen oder selbst Gedichte zu schreiben.

5. Lernziele

5.1 Intentionen

Langfristige Ziele sind im affektiven Bereich die Freude und das Offensein für neue Ideen und Entwicklungen. Außerdem möchte ich erreichen, dass sich einige SchülerInnen entschließen, an der Space Parade teilzunehmen. Dazu wäre ein späteres Engagement in einem Projekt zur Vorbereitung Bedingung. Vielleicht kann es gelingen, über die Beschäftigung mit dem Thema der Stunde hinaus ein langfristiges Interesse an der Gestaltung der Zukunft der Menschheit zu wecken.

Weiterhin soll eine Offenheit für verschiedene Wege in der bildenden Kunst geschafft werden. Es gehört zu den elementaren Erfahrungen, selbst einmal Objekte hergestellt zu haben.

5.2 Stundenziele

Die Schülerinnen und Schüler

6. Didaktisch-methodischer Entscheidungszusammenhang

Die Stunde gliedert sich in vier Phasen.

a.) Zunächst soll eine Phase des Warming-up zum Thema hinführen. Die Auswahl der Gegenstände steht dabei in engem Zusammenhang mit dem Stundenthema. Mit der Gold- und Silberfolie werden zunächst einfache Schwungübungen gemacht, wobei jede/r SchülerIn an der Folie anfasst und sie mit seiner Arm- und Körperaktivität in Auf- und Abbewegungen setzt. Es wirkt dabei besonders die sinnliche Erfahrung des Materials (eine dünne Folie, die zur Unfallerstausstattung gehört).

Mit seiner glatten Oberfläche und seinem knisternden und rauschenden Geräusch werden verschiedene Sinne angesprochen.

In die Mitte der Folie soll dann eine Silvesterrakete und ein Legoastronaut/-kosmonaut gelegt und vorsichtig nach oben geschleudert werden. Ziel ist es, dass die Decke fast, aber nicht ganz erreicht wird. Hierdurch entsteht ein Eindruck von Schwerelosigkeit, der für die Gestaltung der Figuren in der Schachtel von großer Wichtigkeit ist.

Es schließt sich das Hören des Liedes Raumkontrolle Major Tom (ein Lied mit Weltraumbezug) an. Es wird nach Assoziationen gefragt. Die Sch. betrachten die von ihnen mitgebrachten Bilder und Fotos und erarbeiten erste Kriterien für die Gestaltung ihres Kastens.

b.) Die zweite Phase beginnt mit der Erprobung des Materials. Eigene Ideen und Formenvorschläge für verschiedene Figuren und Landschaftselemente fließen hier ein. Die Ergebnisse werden im Kreis vorgestellt.

c.) Es folgt die eigentliche Arbeit an dem eigenen Kästchen. Die Sch. arbeiten an ihren Gruppentischen, die sie zuvor aufgestellt haben. Die Kästchen sind bereits an einem der vorherigen Tage schwarz ausgemalt worden, dass unmittelbar mit der Ausgestaltung begonnen werden kann. Die Sch. verwenden das Material, das sie von zu Hause mitgebracht haben.

d.) Die Sch. betrachten sich die Ergebnisse ihrer Arbeit und tauschen sich über den bisherigen Arbeitsprozess aus.

7. Anlagen

Tafelbild

Space Parade

8. Quellen

Bareis, Alfred, Werken, Praxis in der Grundschule, Donauwörth 1992

Bodemeyer, Klaus/ Kaiser, Gerold, Körper und Raum im Kunstunterricht der Grundschule, Ravensburg 1977

Gestaltungs-Stunde, Räume in der Schuhschachtel 271, Frankfurt 1989

Vorläufiger Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule, Fach Bildende Kunst, Berlin 1991


 



©opyright Otto Fenner, Berlin, Juli 2000

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