d.w.

learnline - online


 

Unterrichtsmodelle / Lernbereich MÄERZ



Christiane Sprenger-Gräßer
Mai 1998
1. SPS Friedrichshain (L)
Klasse 4

Entwurf
für eine Unterrichtsstunde im vorfachlichen Unterricht
(Lernbereich Musisch-Ästhetische Erziehung)
"Papiercollage - Experimentieren mit Material und Formen"

 

Planungszusammenhang

Begründung der Stoffauswahl

Sachdarstellung

Voraussetzungen für die Unterrichtsstunde

Didaktische Reduktion

Lernziele

Didaktisch-methodische Grundkonzeption

Literatur

Medien und Arbeitsmittel

Verlaufsplanung

1 Planungszusammenhang

1.1 Thema der Unterrichtseinheit: Begegnung mit Moderner Kunst - Aus Formen entstehen Bilder

1.2 Gliederung der Stunden:

1. Std.: Museumsbesuch: Kubismus - Was ist das? Bildbetrachtung und praktische Arbeit im Bröhan-Museum (Gruppenarbeit)
2./3. Std.: Farbige Gestaltung der im Museum begonnenen Bilder (Gruppenarbeit)
4. Std.: Bildassoziationen - Geschichten schreiben (Einzel- /Partnerarbeit)
5. Std.: "Die Freunde" - Ein Bilderbuch zum Erfühlen geometrischer Flächen
6. Std.: Geometrische Formen auf dem Schulgelände, Anlegen einer Tabelle
7. Std.: Der Künstler Pablo Picasso und sein Werk: "Dora Maar", "Gitarre"
8./9. Std.: Papier-Karton-Pappe: Erfühlen, Anschauen, Beschreiben, Sortieren und was man damit noch tun kann, Herstellen von Info-Plakaten
10. Std.: Papiercollage - Experimentieren mit Material und Formen
11. Std.: Fortsetzung der Collage, Farbe kommt ins Bild
12. Std.: Abschließende Reflexion


zurück nach oben


 

2. Begründung der Stoffauswahl

Die Schüler sind im Verlauf des Schuljahres der Modernen Malerei begegnet und haben großes Interesse an Leben und Werk von Künstlern gezeigt. Hieran möchte ich mit der vorliegenden Einheit anknüpfen. Gemäß Rahmenplan für das Fach Bildende Kunst in der Grundschule sind die ästhetischen Aktivitäten in den Klassen 3 und 4 weiterhin in den vorfachlichen Unterricht einzugliedern: "Durch Verknüpfung mehrerer Lernbereiche sollen Sinn-Zusammenhänge erlebt werden, welche die Orientierung in der Erfahrungs- und Lebenswelt der Kinder unterstützen. Entdeckendes Lernen, Anregung der Phantasie und die Entfaltung des individuellen Ausdrucks sollen dabei besonders im Vordergrund stehen" (S. 6). Die Schüler sollen lernen, "Wirklichkeit in enger Wechselbeziehung zwischen Machen/Tasten/Fühlen/Sehen/Denken und Reden zu begreifen" (S. 7). Ich habe den außerschulischen Lernort "Museum" als Ausgangspunkt und Anlass für die Verbindung Musisch-Ästhetischer Erziehung mit den Lernbereichen Deutsch, Sachkunde und Mathematik gewählt. Das lernbereichsübergreifende Prinzip ermöglicht sowohl die theoretische und praktische Begegnung mit künstlerischen Werken (hier mit dem Kubismus) als auch das Erfassen von Zusammenhängen (Umwelt-Geometrie-Kunst) und integriert ästhetische Gestaltungsprinzipien (Malen, Collagieren), sachorientierte Arbeitsweisen (Sammeln, Experimentieren), mündlichen Sprachgebrauch und Texte verfassen. Die Unterrichtseinheit bietet vielfältige Anlässe zur Erweiterung des ästhetischen Wahrnehmungsvermögens und ästhetischer Erfahrungen.


zurück nach oben


 

3. Sachdarstellung

3. 1 Papier - Karton - Pappe

Der Ursprung der Papierherstellung liegt in China (202 v. Chr. - 220 n.Chr.), sie wurde aber erst im 7. Jh. auf dem Weg über Korea auch in Japan bekannt (vgl. Stevens, S. 8). Als Grundmaterial für den Papierstoff fand damals überwiegend die Rinde des Maulbeerbaums Verwendung. Nachdem die Araber im Jahre 751 11. Chr. Samarkand erobert und sich das Geheimnis der Papierherstellung erkämpft hatten, erreichte das Papier auch das südliche Spanien. Überall im islamischen Reich wurde es zum Träger einer hohen Schreibkultur (vgl. Oesterreich, S. 2). Seit Mitte des 12. Jh. stellte Südspanien selbst Papier her, auch im deutschsprachigen Raum wurde es neben Pergament schon benutzt. Das erste "deutsche Papier" wurde erst im Jahre 1390 aus der Schöpfbütte gehoben, als Rohstoff nahm man Lumpen. Im Jahre 1840 schließlich gelang es F. G. Keller, aus Holzschliff Papier herzustellen. Damit waren die Grundlagen für die Massenproduktion von Papier gelegt. Auf eine Darstellung der heutigen maschinellen Papierherstellung wird aus Gründen der hier gebotenen Kürze verzichtet. Die bei der modernen Papierherstellung verwendeten Materialien sind sowohl Holzpulpe als auch Baumwoll- und Leinenhadern, je nach qualitativ unterschiedlicher Papiersorte (vgl. Oesterreich, S. 3f.). Für die Herstellung beispielsweise von Pressspanpappe und für mehrlagige Kartons wird heute Altpapier verwendet, Zeitungspapier wird generell aus billigem, minderwertigem Brei hergestellt. Unter Papier versteht man "Gebilde von relativ großer Flächenausdehnung im Verhältnis zu geringer Dicke" (Oesterreich, S. 6). Eine Unterscheidung von Papier, Karton und Pappe lässt sich aufgrund von drei Gewichtsklassen vornehmen; alle Papiererzeugnisse, die ein Quadratmetergewicht von 600g übersteigen, bezeichnet man als Pappe. Begrifflich liegt Karton zwischen Papier und Pappe.

Papier, Karton und Pappe sind für uns heute etwas völlig Selbstverständliches. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt in der Bundesrepublik Deutschland bei mindestens 130 kg/Jahr (vgl. Oesterreich, S. 5). Sie werden benutzt, um Nachrichten zu drucken, Wissen festzuhalten, um Essen einzuwickeln, als Verpackungsmaterial, um Wände zu tapezieren u.v.m. Papier, Karton und Pappe werden auch bemalt, zur Herstellung kunstvoller Gegenstände benutzt (Origami, Scherenschnitte, Pop-ups, Skulpturen u.a.), es wird damit in Kindergarten, Schule und Freizeit gebastelt und Papier kann selbst geschöpft werden. Es gibt eine Fülle unterschiedlicher Papiersorten: beschichtetes und unbeschichtetes, maschinell hergestelltes Papier, handgeschöpftes Papier und Spezialpapier (Krepp-, Zeichen-, Pack-, Transparent- u. Seidenpapier, Wellpappe u.a.). Es gibt Papier in allen Farben, es gibt glattes, raues, mattes und glänzendes Papier. Papier und mit Einschränkung auch Karton und Pappe lassen sich durch Falten, Knicken, Knittern, Flechten, Schlitzen, Schneiden, Reißen, Rollen, Durchlöchern, Kleben, Formen usw. bearbeiten und bieten damit vielfältige gestalterische Möglichkeiten wie Collagieren, Montieren, Modellieren, Dekorieren (vgl. Stevens, S. 16f.).

3.2 Collage

Der Begriff "Collage" lässt sich vorn französischen Verb "coller" (kleben, kleistern) ableiten. Die Collage ist die Kombination unterschiedlicher Materialien zu einer neuen ästhetischen Einheit. Die Geschichte der Collage beginnt im 20. Jh. damit, dass Pablo Picasso und Georges Braque Papier ausschnitten und in ihre kubistischen Bilder einklebten; das geklebte Papierbild (papier collé) bildete den Anfang für die zunehmende Verwendung von Realität als Gestaltungsmittel (vgl. Eid, S. 7). Dies hatte nicht nur eine bildhafte Erweiterung zur Folge, sondern ebenso eine grundsätzliche Bewusstseinserweiterung und Sensibilisierung bei den Künstlern selbst und bei den Betrachtern der Collagen (vgl. Ciocchi, S. 2). "Mit Collage ist daher nicht nur eine spezielle Technik, sondern eine Verhaltens- und Verfahrensweise gemeint, die geeignet ist, festgelegte Bedeutungen in Frage zu stellen und sie durch versuchsweise Kombination in neue unverbrauchte Bedeutungen zu überführen" (Eid, S. 9). Seit Beginn der "papiers collés" im Kubismus wurde die Collage zu einem Prinzip in der Kunst, dem viele Künstler folgten. Sowohl die kubistische als auch die futuristische Collage traten in eine Wechselbeziehung von Material und Farbe und verbanden Papier, Buchstaben, Sand und Textilien mit Malerei. Dada-Künstler wie George Grosz, John Heartfield und Hannah Höch verwendeten alltägliches Material und nutzten die Collage als Protest gegen starre Konventionen in Gesellschaft, Kultur und Politik. Sie setzten sich wegweisend über traditionelle Gestaltungsgrenzen zwischen Malerei, Grafik und Skulptur und ästhetische Normen hinweg, bildhafte Einheiten wie bei den Kubisten sind hier kaum mehr zu finden (vgl. Ciocchi, S. 11). Kurt Schwitters erprobte seit 1918 alle Formen kombinatorischer Verfahren bis hin zur Raumcollage aus Holz, Metall, Abfall, Draht etc. (vgl. Eid, S. 165). Max Ernst verknüpfte in seinen Collagen Malerei, Zeichnung und Fotografie.

Der Zufall wurde vor allem bei Dadaisten und Surrealisten zum gestaltbildenden Moment, und zwar als Teil eines Gesamtplans, nach dem der Künstler bewusst Voraussetzungen für den Zufall schafft, Zufallsergebnisse bewusst auswählt, assoziiert und fixiert (vgl. Eid, S. 18) - nicht immer wird eine inhaltliche Aussage getroffen (vgl. Ciocchi, S. 45). Der Zufall erfüllt mehrere Funktionen in der Bildenden Kunst: Provokation, Aufbrechen von erstarrten Formen, Veranschaulichen des Unbewussten, Auslöser für Assoziationen, Stimulans von Ideen (vgl. Brügel, S. 34). Die Arbeit an einer Collage bedeutet Suchen, Finden, Sammeln, Spielen, Auswählen, Assoziieren, Kombinieren, Verwerfen, Austauschen, auf Überraschendes gefasst sein, das Spekulieren auf den Zufall und Mut zum Experiment, sie macht gleichzeitig das Innere des Künstlers, seine Stimmungen, Gefühle und Träume sichtbar (vgl. Eid, S. 14). "Collagieren fordert auf zur Lust am Wahrnehmen der Realität, sie fordert auf zu Kreativität, Phantasie und Spontaneität" (Eid, S. 152). Durch den Umgang mit Materialien ermöglicht die Collage visuelle, haptische und emotionale Erfahrungen, die die Sensibilisierung des visuellen Erkennens und die Erweiterung praktischer Gestaltungsfähigkeit einschließen (vgl. Eid, S. 26). Das Formenrepertoire der Collage hat in ihrer kurzen Geschichte zahlreiche Wandlungen und Neuerungen erfahren und wird die Kunst auch weiterhin beeinflussen. Der Begriff Collage beschränkt sich längst nicht mehr auf das geklebte Bild, er umfasst vielmehr jene Ausdrucksformen, die reale Objekte als Gestaltungsmittel verwenden. Innerhalb des Collageprinzips wird z.B. unterschieden zwischen Papiercollage, Grafikcollage, Textcollage, Fotocollage, Décollage, Montage, Assemblage, Textilcollage, Materialbild und Objet trouvé.

Für Papiercollagen kann man verschiedene Papiere verwenden, von kommerziell hergestellten oder handgeschöpften Papieren bis hin zu wiederverwendeten Papieren, wie Zeitungspapier. Die Variationsbreite ihrer Verarbeitung und Wirkung im Zusammenspiel ist groß: gefaltetes oder zerknittertes Papier und Papier mit rauer Oberfläche wie Wellpappe erzeugen eine dreidimensionale, lebhafte Wirkung oder bilden einen weichen Kontrast zu regelmäßigen Strukturen; gerissenes Papier wirkt verwundbar und bietet einen Kontrast zu den harten Ecken und Kanten von geschnittenem Papier, das eher geometrische Abstraktion ausdrückt, durchscheinendes Seiden- oder Transparentpapier wirkt leicht oder empfindlich; lose befestigtes Papier wirkt flüchtig usw. (vgl. Eid, S. 40/41). Zum Collagieren mit Papier, Karton und Pappe werden Werkzeuge zum Schneiden und Klebstoffe zum Verbinden benötigt.


zurück nach oben


 

4. Voraussetzungen für die Unterrichtsstunde

4.1 Gruppensituation und allgemeine Lernvoraussetzungen

Ich kenne die Klasse 4 c seit Beginn des Schuljahres 96/97. Von Anfang an unterrichtete ich im Rahmen des vorfachlichen Unterrichts die Schwerpunkte Deutsch und Bildende Kunst, teilweise auch Sachkunde. Zur Zeit erteile ich wöchentlich 4 Stunden Deutschunterricht und 2 Stunden Bildende Kunst, wobei ich auf die Verknüpfung der verschiedenen Lernbereiche achte. Die Lerngruppe setzt sich aus 14 Mädchen und 6 Jungen zusammen, davon sind 3 Schüler nicht deutscher Herkunft (ein türkisches Mädchen, ein bosnisches Mädchen und ein bosnischer Junge). Diese drei Schüler sind in die Klassengemeinschaft gut integriert, halten sich aber trotz ihrer inzwischen guten Deutschkenntnisse im Unterrichtsgespräch noch sehr zurück. Sieben Schüler erhalten je ein bis zwei Förderstunden. Ein Schüler erhält sonderpädagogische Förderstunden wegen seiner Verhaltensauffälligkeit. Er ist hyperrnotorisch und kann sich nur schwer konzentrieren. Ein weiterer verhaltensauffälliger Schüler hat große Probleme beim Schreiben und verweigert häufig die Mitarbeit. Er wird einmal in der Woche von einer Psychologin betreut. Beide Jungen sind künstlerisch motiviert und kreativ im Umgang mit Material. Zwischen ihnen kommt es häufig zu Konflikten, die aus der Pause mit in den Unterricht getragen werden, so dass hier verstärkt an Konfliktlösungen gearbeitet bzw. das rücksichtsvolle Miteinander geübt wird. Hieran beteiligen sich ihre Mitschüler in verständnisvoller Weise. Die meisten Schüler sind sehr hilfsbereit.

Die Lerngruppe ist mir gegenüber sehr aufgeschlossen und leicht zu motivieren. Es besteht eine große Bereitschaft zum Lernen. Unterrichtsgespräche verlaufen lebhaft und spontan, die Schüler haben ein großes Mitteilungsbedürfnis. Dabei muss verstärkt auf das Einhalten von Kommunikationsregeln geachtet werden. In Bezug auf ihre Fähigkeit zur Artikulation gibt es z.T. große Unterschiede. In der Klasse sind einige sehr leistungsstarke und einige schwache Schüler. Die Schüler kennen Partner- und Gruppenarbeit und sitzen an Gruppentischen zusammen. Die beiden verhaltensauffälligen Schüler arbeiten häufig an Einzeltischen und werden bei Doppelsteckung intensiv betreut.

4.2 Sachstruktureller Entwicklungsstand

Die Schüler haben die Künstler Joan Miró und Paul Klee "kennen gelernt" und haben sich spielerisch-kreativ in Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit unter Verwendung unterschiedlicher Techniken mit gestalterischen und inhaltlichen Aspekten ihrer Arbeiten auseinander gesetzt. Sie haben dabei neue Gestaltungsmöglichkeiten und Zugangsweisen entdeckt und diese begeistert umgesetzt. Im Verlauf der vorangegangenen Stunden haben die Schüler die Kunstrichtung Kubismus kennengelernt, sie haben kubistische Bilder betrachtet, beschrieben und interpretiert. Sie haben durch eine praktische Arbeit im Museum selbst Bilder mit kubistischen Elementen hergestellt und dazu kurze Geschichten verfasst. Die Schüler haben sich intensiv mit geometrischen Formen auch in ihrer direkten Umgebung auseinandergesetzt und den Bezug kubistischer Kunst zur "Wirklichkeit" wahrgenommen. Da die Schüler immer wieder ihr Interesse an Leben und Werk von Künstlern ("wie Miró und Klee") äußerten, haben wir uns Pablo Picasso näher angeschaut. Anhand seines Bildes "Dora Maar" konnte das Malen verschiedener Perspektivansichten als wesentliches Moment des Kubismus untersucht werden. Die Schüler haben auch erfahren, dass Picasso und andere Künstler Collagen aus Papier hergestellt haben. Der "Exkurs" zum Material Papier, Karton und Pappe durch Sammeln, Fühlen, Anschauen, Beschreiben, Sortieren und Herausfinden, was man mit Papier alles machen kann (Falten, Knicken, Reißen etc.), hat den Schülern viel Spaß gemacht und zur Begriffsbildung beigetragen. Die Schüler haben Erfahrungen mit Klebearbeiten (Bunt- und Transparentpapier, Schachteln, Textilien), die Gestaltung einer Collage mit gesammeltem Papiermaterial kennen sie noch nicht. Sie haben bisher sowohl mit Themenvorgaben als auch experimentell gearbeitet und sich anschließend Titel und Geschichten zu ihren Bildern überlegt. Viele Schüler haben eine Vorliebe für das Experimentelle entwickelt, einige benötigen konkrete Anregungen für ihren Gestaltungsprozess.

4.3 Situative, organisatorische Bedingungen

Die Schüler sind es gewohnt, für gestalterische Aktivitäten zwei aufeinander folgende Stunden zur Verfügung zu haben, so dass sie den nötigen Raum zum Ausprobieren und Sich-Einlassen auf das Thema bzw. ihre Aufgabe haben. In der Regel findet eine Vorbesprechung statt, auf die die Produktionsphase folgt. Nach der Pause wird jeweils eine Zwischenreflexion durchgeführt und anschließend weitergearbeitet. Die heutige Situation erfordert eine abweichende Organisation, da bereits am Ende der Stunde eine Präsentations- und Reflexionsphase erfolgen soll. Die Collagetechnik benötigt zwar einerseits Zeit und Muße, andererseits ermöglicht sie gerade durch ihren offenen Gestaltungsprozess ein Unterbrechen der Arbeit, ohne die Schüler zu frustrieren. Das Aufräumen der Arbeitsplätze muss selbstverständlich am Ende der Unterrichtsstunde initiiert werden, die Schüler kennen ihre Aufgaben und übernehmen damit Verantwortung. Möglicherweise wird das Aufräumen im Rahmen der heutigen Einzelstunde zugunsten einer ausreichenden und befriedigenden Produktions- und Auswertungsphase und aufgrund der Materialfülle nicht vollständig beendet werden können, sondern in die anschließende Pause hineinreichen. Der nachfolgenden Lehrkraft wird Bescheid gegeben.


zurück nach oben


 

5. Didaktische Reduktion

In der gesamten Unterrichtseinheit wird dem Lernen mit allen Sinnen viel Raum gegeben, in den vorangegangenen Stunden vor allem durch Sammeln und Unterscheiden von Papierarten durch Sehen, Tasten, Denken und Reden. Schwerpunkt der heutigen Unterrichtsstunde ist das Machen, das Herstellen einer Collage aus Papiermaterialien. "Sammeln und Bilder machen sind genuine Prozeduren des Auslegens von Welt. Im Sammeln wie im Machen vergewissere ich mich in je unterschiedlicher Weise der Welt, verleihe ihr durch Zuwendung und Eingriff Sinn, bringe meine Ordnung, meine Sicht der mich umgebenden Weit zur Geltung" (Otto/Otto, zit. nach Ciocchi, S. 83). Die Schüler sollen heute ihre eigene Bildwelt entwerfen und können dabei auf ihr Vorwissen über Kubismus, geometrische Formen und ihre Erfahrungen im Umgang mit Papier zurückgreifen. In Anlehnung an die "papiers collés" sollen die Schüler spielerisch-experimentell mit dem gesammelten Material umgehen und sich ihrer individuellen Möglichkeiten und Ausdrucksfähigkeit bewusst werden. Beim Herstellen von Produkten erfahren sich die Schüler in ihrem Können, so dass Sachkompetenz und Selbstständigkeit entfaltet werden. Im aktiven Umgang mit Kunst wächst Verständnis und werden Zugänge zu ihr eröffnet (vgl. Regel, S. 14), so dass durch differenziertes Wahrnehmen ihrer Collagen auch die Urteilskompetenz der Schüler gefördert wird.

Die Schüler sollen in Partnerarbeit miteinander kooperieren und sich gestalterisch anregen. Das Experimentieren wird zu einem gemeinsamen, kommunikativen Erlebnis und stärkt besonders die Schüler, die bei Einzelarbeit leicht resignieren. Eine Differenzierung und Individualisierung ergibt sich aus dem Ziel ästhetischer Erziehung, die individuellen Fähigkeiten und den individuellen Ausdruck der Schüler zu fördern sowie der relativen Offenheit der heutigen Gestaltungsaufgabe (Wahlmöglichkeit der Papiersorten, verschiedene Bearbeitungsmöglichkeiten, Art der Darstellung).


zurück nach oben


 

6. Lernziele

6.1 Intentionen der UE

Die Schüler

6.2 Stundenziel

Die Schüler gestalten eine Collage aus unterschiedlichen Papiermaterialien, indem sie in Partnerarbeit mit Formen, Strukturen und ihrer Wirkung experimentieren und eine individuelle Anordnung fixieren.

6.3 Phasenziele

Die Schüler

7. Didaktisch-methodische Grundkonzeption

Die Inhalte der heutigen Stunde decken sich mit den im Rahmenplan für das Fach Bildende Kunst, Kl. 3/4 aufgeführten Tätigkeitsbereichen "Collagieren mit unterschiedlich strukturiertem Material (Papiere, Karton, Pappe)", "flächenhaftes Montieren von vorgefundenen Materialien", "Schneiden, Falten, Kleben etc." (S. 13). Die Stunde lässt Raum für eigene Phantasien, ebenfalls ein im Rahmenplan genannter Themenbereich (S. 12). Als ästhetische Probleme sind bei der praktischen und theoretischen Auseinandersetzung Fragen der gestalterischen Verwendung von vorgefundenen Materialien wie Linie als Umriss, Fläche und räumliche Beziehungen von Bedeutung (S. 13).

Die Umsetzung erworbenen Wissens in kreatives Gestalten bildet den Schwerpunkt der Stunde und ist als Produktionsphase eingebettet in eine erarbeitende Hinführungsphase und eine abschließende Präsentations-/Reflexionsphase. Zu Beginn der Unterrichtsstunde werden die Schüler im Gesprächskreis mit dem Arbeitsmaterial und der Aufgabenstellung vertraut gemacht. Zunächst sollen sie ihre - einige Tage zurückliegenden - Erfahrungen mit Papier-Karton-Pappe verbalisieren und sich damit in Erinnerung rufen. Durch ein gemeinsames, exemplarisches Probehandeln soll anschließend die heutige Aufgabenstellung deutlich werden. Die Schüler sollen in dieser Phase und der folgenden partnerweisen Produktionsphase auf ihr Wissen (geometrische Formen, kubistische Collage, Papierbearbeitungsmöglichkeiten) zurückgreifen können. Entscheidend ist aber nicht, ob sie an dieser Stelle den Begriff Collage erklären können, sondern vielmehr ihre Fähigkeit zur Spontaneität und Lust am Experimentieren (dies soll durch das Vorlesen eines Picasso-Zitates unterstützt werden). Wenn die Gestaltung einer Collage davon bestimmt wird, dass Einzelteile spontan und assoziativ in Beziehung gesetzt werden und Anordnung, Formgefüge und Struktur vor inhaltlichen Überlegungen dominieren (vgl. Eid, S. 36), dann liegt die kreative Leistung des Collagierens nicht im naturgetreuen Abbilden, sondern in der Verknüpfung von Material zu etwas Neuem. Entscheidend wird sein, ob vom Material Impulse ausgehen, die die Schüler zu einer Gestaltung anregen, wobei das zunächst ziellose Hantieren im Sinne des Zufallsprinzips durchaus nötig sein kann, um spielerisch auf neue Gedanken und Kombinationen zu kommen. "Wer vor einem Materialberg steht..., versucht meist schon in Gedanken eine Verbindung zwischen einzelnen Teilen herzustellen. Das Thema findet sich mit dem Material" (Eid, S. 21).

Ich habe mich und die Schüler beim Sammeln auf naturfarbenes und weiß-schwarzes Material beschränkt, damit mit der Wirkung von Farben im Bild in einer Folgestunde experimentiert werden kann (Farbenlehre, Farbreduktion). Der Reiz dieses Materials liegt in seiner Oberflächenstruktur, unterschiedlichen Transparenz und in der Möglichkeit, es auf unterschiedliche Weise "benutzen" und in Form bringen zu können (Reißen, Schneiden, Knittern etc.), "…im Gegensatz zum Malen...ist es beim Collagieren möglich und oft notwendig, die Fragmente vor ihrer letzten Fixierung in immer neuen Varianten auszuwechseln... Ob es nach festem Plan geschieht, nach mehr oder weniger konkreten Vorstellungen oder improvisiert: nur zu leicht ergeben sich unerwartete Konstellationen…" (Bayl, zit. nach Ciocchi, S. 47). Wenn die Schüler eine befriedigende Variation gefunden haben - ob rein optisch, emotional oder themenzentriert - bzw. wenn aus Zeitgründen der Gestaltungsprozess beendet werden muss, sollen die Schüler ihre Lösung auf schwarzem Tonkarton, der gut mit dem Material kontrastiert, fixieren.

Zur Präsentation bringen die Schüler ihre Bilder wie üblich mit Magneten an der Tafel an und betrachten ihre Ergebnisse. Grundlegend für die Reflexionsphase ist die Förderung des mündlichen Sprachgebrauchs sowie der Urteilskompetenz. Wenngleich ich die Wirkung der ästhetischen Darstellungsmittel in den Mittelpunkt stellen möchte, um die differenzierte Wahrnehmung der Schüler zu schulen, ist nicht auszuschließen, dass sie mehr an der inhaltlichen bzw. thematischen Interpretation der Collagen interessiert sind, zumal sie gern mit Titeln - auch für abstrakte Bilder - spielen. Es sollte Raum für beide Auswertungsmöglichkeiten sein (evtl. dann in der Folgestunde), das Gespräch soll offen sein für Impulse der Schüler.


zurück nach oben


 

8. Literatur

Behm, D. u.a.: Kreative Kinderwerkstatt. Oschersleben 1993.

Brügel, E.: Praxis Kunst. Zufallsverfahren. Hannover 1996.

Ciocchi, A.: Collage als Arbeitsprinzip bei Hannah Höch und Sarah Schumann. Wissenschaftliche Hausarbeit zur Ersten Staatsprüfung. Berlin 1996.

Eid, K.: Collage und Collagieren: Anregungen für Schule und Freizeit. Köln 1990.

Oesterreich, M.: Sachklärung: Papier-Pappe-Karton. Seminarpapier / Fachseminar VU im 1. SPS Friedrichshain. Berlin, 2.2.1998.

Regel, G. (Hg.): Moderne Kunst. Zugänge zu ihrem Verständnis. Stuttgart 1994.

Schmidt, G.: Kleine Geschichte der Modernen Malerei. Basel 1985, 14. Aufl.

Senatsverwaltung für Schule, Berufsbildung und Sport: Vorläufiger Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule. Grundschule. Fach Bildende Kunst. Berlin 1991.

Staudte, A. (Hg.): Ästhetisches Lernen auf neuen Wegen. Weinheim/Basel 1993.

Stevens, Clive: Kreatives Basteln mit Papier. Köln 1998.


zurück nach oben


 

9. Medien und Arbeitsmittel

- 2 Plakate (Schülerarbeiten)
- Papier, Karton, Pappe (weiß, Naturtöne, Zeitung) in 7 Schuhkartons
- Scheren, Klebstoffe
- 10 x Tonkarton, 35 x 70 cm, schwarz
- Tafel und Magnete
- Picasso-Zitat aus: Walther, Ingo F.: Pablo Picasso. 1881 - 1973. Köln 1992. S. 58 (von mir umgestellt und vereinfacht): Ich verwende in meinen Bildern alle Dinge, die ich gern habe. Es ist wahrscheinlich meine größte Freude, die Dinge so zu verwenden, wie ich Lust habe.


zurück nach oben


 

10. Verlaufsplanung

I Hinführung (10.05 - 10.15)

geplantes Lehrerverhalten

L legt Material in die Mitte des Stuhlkreises
Begrüßung
L nimmt Bezug auf die vorangegangenen Stunden (Wdh.) und leitet zum Stundenthema über (Begriff: Collage)
L wählt Papier aus, bringt es in eine Form, legt es auf das Tonpapier und gibt S den Impuls, weiterzumachen
L regt S an, die Anordnung zu verändern (Begriffe: Zufall, Idee)
L zitiert Picasso
L gibt kurze Arbeitsanweisung und zeitliche Orientierung

erwartetes Schülerverhalten

Stuhlkreis
S nennen ihre Erfahrungen im Umgang mit Papier
S fertigen einige Collageelemente an und legen sie auf den Untergrund
S experimentieren mit den Collageelementen und äußern ihre Meinungen zur Gestaltung
Auflösen des Stuhlkreises S verteilen das Arbeitsmaterial

Didaktischer Kommentar

(Die Vorbereitung der Arbeitsplätze und des Stuhlkreises erfolgt vor Stundenbeginn.)
- Motivation für das praktische Arbeiten durch Vorbereiten der Arbeitsatmosphäre und Bereitstellen des Materials - Rückgriff auf Schülerwissen und -erfahrungen - Mündl. Sprachgebrauch/Begriffsbildung (als Hilfestellung: Schülerarbeiten an der Tafel)
- Hinführung zur Aufgabenstellung durch gemeinsames Experimentieren - Einbeziehung der Schülererfahrungen - Aufgreifen von Assoziationen
- Ermutigung zur Spontaneität und lustvollem Arbeiten durch Picasso-Zitat
- Übernahme von Aufgaben / Verantwortung

II Produktion (10.15 - 10.35)

geplantes Lehrerverhalten

L gibt - wenn nötig - differenzierte Hilfen
L fordert S auf, ihre Collageelemente zu fixieren

erwartetes Schülerverhalten

Partnerarbeit:
S stellen Collageelemente aus Papier/ Karton/ Pappe ihrer Wahl her
S experimentieren mit der Anordnung
S fixieren ihre Lösung

Didaktischer Kommentar

- PA ermöglicht gegenseitige Anregung, fördert die Zusammenarbeit u. Auseinandersetung mit der Sache
- Selbsttätigkeit, Handlungsorientierung, Förderung des individuellen Ausdrucksvermögens, Phantasie
- Einzelne S erhalten ggf. differenzierte Hilfe (Anregung, Ermutigung, Rat)

III Präsentation/ Reflexion (10.35 - 10.50)

geplantes Lehrerverhalten

L fordert S auf, ihre Collagen zu präsentieren
L regt S zum Hinterfragen der Wirkung der Collagen bzw. einzelner Bildelemente an
L fordert S auf, über weitere Gestaltungsmöglichkeiten der Collagen nachzudenken

erwartetes Schülerverhalten

S befestigen ihre Collagen an der Tafel
Halbkreis vor der Tafel
S betrachten ihre Ergebnisse
S äußern sich spontan
S beschreiben und beurteilen ihre Collagen
S äußern ihre Vorstellungen

Aufräumen der Arbeitsplätze

Didaktischer Kommentar

- Formulieren individueller Wahrnehmungen, Begründen von Meinungen zur Wirkung der Collagen bzw. zum Zusammenwirken einzelner Elemente, Assoziationen schülerorientiertes Unterrichtsgespräch mit Impulsgebung (möglich: Bezug zu geometrischen Formen und Kubismus, genutzte Bearbeitungsmöglichkeiten, Formen, Strukturen, Anordnungen, Themen/Titel)

- Sensibilisierung für die Offenheit des Arbeitsprozesses bzw. weiterer Gestaltungsmöglichkeiten (Farbe etc.) (Sollte die Zeit nicht mehr ausreichen, wird dieser Impuls an den Anfang der Folgestunde gestellt.)

 


©opyright Christiane Sprenger-Gräßer, Berlin 2000.

Sofern im Einzelfall nicht anders geregelt und soweit nicht fremde Rechte betroffen sind, ist eine Verwendung der Dokumente als Teile oder als Ganzes in gedruckter und elektronischer Form für den schulischen Bereich sowie Ausbildungszwecke gestattet, unter der Voraussetzung, dass die Quelle

"d.w. - online": http://www.dagmarwilde.de

genannt wird und diese Anmerkungen zum Copyright beigefügt werden.

Ohne vorherige schriftliche Genehmigung durch die Verfasser/innen ist eine kommerzielle Verbreitung der auf diesem Server liegenden Dokumente ausdrücklich untersagt.

These pages belong to "d.w. - online": http://www.dagmarwilde.de

Permission is hereby granted to use these documents for personal use and in courses of instruction at educational institutions provided that the articles are used in full and this copyright statement is reproduced. Permission is also given to mirror these documents on WorldWideWeb servers. Any other usage is prohibited without the written permission of the author. Please mail.

 


Weitere Unterrichtsmodelle / Lernbereich MÄERZ


 

 

06.04.2003


 

nach oben

Lernbereich MÄERZ

vorfachlicher Unterricht

Forum

Links

zur Startseite

Lernbereich Deutsch

Fachseminar VU

Unterrichtsmodelle

Willkommen

Lernbereich Sachkunde

Seminarergebnisse

Unterrichtsszenarien

Sitemap

Aktuelles

Neue Medien

Materialien für die Fachseminararbeit

Diskussion

Ein oter Faden