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Unterrichtsmodelle / Lernbereich MÄERZ


Andrea Judt-Schuknecht
1. SPS Hellersdorf
10. Dezember 1998

Stundenentwurf
für den unterrichtspraktischen Teil der Zweiten Staatsprüfung für das Amt des Lehrers -
vorfachlicher Unterricht - Lernbereich Kunst - Klasse 4:
Zur Architektur Hundertwassers - Das "Fensterrecht"


Planungszusammenhang

Unterrichtsziele

Sachstruktur

Unterrichtsvoraussetzungen

Didaktisch-methodischer Begründungszusammenhang

Literatur


1. Planungszusammenhang

1.1. Thema der Unterrichtseinheit

Die "drei Häute des Menschen" - eine Auseinandersetzung mit dem Künstler Friedensreich Hundertwasser und seinen Werken

1.2. Thematische Gliederung nach Stunden

1./2. Spiralbilder (Malen)
Der Maler Friedensreich Hundertwasser und die "gerade Linie" - Die "1. Haut" (Identität).

3. Die Haut des Menschen

4. Das "lch" ("Mein Inneres beschreiben") - Die "2. Haut" (Kleidung).

5. "Kleider machen Leute" (nach der Novelle v. G. Keller) (Ideen zum Ausgang der Novelle, Gespräch über Kleidung (u.a. Gruppenzugehörigkeit, Mode, Lieblingskleidung,...)

6. Kleidung - das "lch" erhält Kleider (praktische Arbeit mit Stoff) (in der Auseinandersetzung mit Hundertwassers Aussagen zur "2. Haut")
Die "3. Haut" (Architektur und Häuser)

7. Der "Architekturdoktor" Hundertwasser und einige seiner Projekte

8.-13. Gruppenarbeit zu einzelnen typischen Architekturelementen (Umsetzung der Aussagen Hundertwassers am Modell Gestalten mit Farbe, Knete, Naturmaterialien und Styropor) Farben und Formen - "Entschärfung" der Kanten und Fassadenbemalung
-"Die Baumpflicht" (Applikationen aus der Natur)
- Türme und Kuppeln
- Säulen und Vordach

14. "Das Fensterrecht"

15. Abschließende Arbeiten am Modell

16. Ein Geburtstagsbrief an Friedensreich Hundertwasser - Abschließende Einschätzung der Positionen und Arbeiten des Künstlers

1.3. Einordnung der Stunde in die Unterrichtseinheit

"Der Mensch hat drei Häute: Er wird in der ersten geboren, die zweite ist sein Kleid, und die dritte ist die Fassade seines Hauses." (Hundertwasser, 1989)

Die Unterrichtseinheit zur Auseinandersetzung mit dem Künstler Hundertwasser und ausgewählter Werke ist in drei große Teile gegliedert, entsprechend der Aussage Hundertwassers, dass der Mensch drei Häute habe, wobei der Schwerpunkt der Unterrichtseinheit in der Architektur Hundertwassers liegt, da sich die Schülerlinnen bereits auf verschiedene Weise mit (Moderner) Malerei im Lernbereich Kunst auseinandergesetzt haben, kaum aber mit Architektur. Hier geht es, wie in der gesamten Unterrichtseinheit sowohl um die theoretische, als auch die praktische Auseinandersetzung mit Hundertwassers o.g. Ansatz. Im Bereich der "3. Haut" entsteht ein Haus-Modell, angelehnt an den Stil Hundertwassers und seine Thesen zu einer natur- und menschengerechteren Architektur, wobei der Ausgangspunkt ein weißer Styropor-Klotz mit einheitlichen Fenstern ist, im Stile funktionaler Hochhaus- oder Plattenbau-Architektur, wie sie den Kindern der Klasse vertraut ist. In dieser Stunde geht es um das "Fensterrecht", mit dem sich die Schüler/innen zuerst theoretisch durch Zitate und anschließend praktisch durch die Gestaltung ihrer individuellen Fenster (für das Modell) auseinandersetzen.

Am Ende des 3. Teils der Unterrichtseinheit steht das Modell eines Hauses, das auf drei Seiten im Stile Hundertwassers gestaltet ist und an dem zentrale Aussagen von Hundertwasser wiederzufinden sind (z.B. Begrünung, "Fensterrecht", weitgehender Verzicht auf Geraden (Kanten, Ecken). Die vierte Seite des Hauses ist zum Vergleich in der ursprünglichen Form und Farbe geblieben.

1.4. Bezug zum Rahmenplan

Laut vorläufigem Berliner Rahmenplan für Bildende Kunst in der Grundschule sollen Schüler/innen verschiedenartige ästhetische Objekte kennenlernen" und in der Produktion und Reflexion "sinnliche, emotionelle, intellektuelle und kommunikative Erfahrungen" sammeln. Der Unterricht soll offen sein für "lnteressen der Schüler und Lehrer im Hinblick auf Inhalte, Medien, Unterrichtsformen und Kooperationsmöglichkeiten", es soll Lernen stattfinden in "enger Wechselwirkung von Machen, Sehen, Tasten, Fühlen, Denken und Reden" und es sollen sowohl "praktische und theoretische Auseinandersetzungen mit verschiedenen Gegenständen (..) aus der Erfahrungswelt der Kinder" initiiert werden. Die "gestaltende und phantasiebetonte Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit", die ein "ganzheitliches Lernen mit allen Sinnen" einschließt, steht im Vordergrund der ästhetischen Erziehung. (Vgl. Rahmenplan Bildende Kunst, Grundschule, S.2 f). Gerade für die Klassen 3 und 4 sollen "Entdeckendes Lernen, Anregung der Phantasie und Entfaltung des individuellen Ausdrucks" besonders im Vordergrund stehen. (Vgl. Rahmenplan, S.6)

Diese allgemeinen Aussagen, sowie die zu Lerninhalten ("wirkliche und vorgestellte Welt"), zu Medien (vielfältige Erfahrungen im Umgang mit verschiedenen Materialien und Werkzeugen), zu Zielen, Themenbereichen (anknüpfend an die Erfahrungen der Kinder), Tätigkeitsbereichen und zu ästhetischen Problemen lassen Spielräume zu, die z.B. eine Auseinandersetzung mit Friedensreich Hundertwasser beinhalten können.

So entsprechen Ziele der Unterrichtseinheit den im Rahmenplan für Klasse 3 und 4 formulierten Zielen, wie die Erweiterung des "bisher erworbenen Repertoires an technischen und ästhetischen Mitteln und Darstellungsmöglichkeiten", des Bewusstwerdens über die Absicht, mit der Schüler/innen ästhetische Objekte herstellen (z.B. "anderen etwas mitzuteilen, formale Mittel und deren Wirkung erkunden, Vorgegebenes verändern, mit eigenen Ideen zu experimentieren, das Beschreiben eigener Herstellungsprozesse, das Üben der kritischen Stellungnahme zu ästhetischen Objekten. Die Themenbereiche umfassen u.a. "Wünsche und Phantasien", "Beziehungen zwischen Mensch - Bauwerk" (z.B. "in der Stadt", "Wohnhaus"). Die Tätigkeitsbereiche schließen u.a. "Malen" und "Formen und Bauen" (mit verschiedenen Materialien) ein. (Hier z.B. Malfarben, Stoff, Knete, Zweige, Styropor und Pappe).
Auch "Ästhetische Probleme". die der Rahmenplan vorsieht, finden sich in der Einheit, wie z.B. "Linie als Muster" oder "Differenzierung körperlicher Beziehungen" und "komplexere Raumbeziehungen". (Vgl. Vorläufiger Rahmenplan Bildende Kunst, S. 12 ff)

Entsprechend des Anspruchs des "Vorfachlichen Unterrichts" fließen in die Unterrichtseinheit vor allem auch Teilbereiche des Lernbereichs Deutsch ein, vor allem der mündliche Sprachgebrauch (z.B. im sach- und partnerbezogenen Gespräch über Hundertwasser und seine Werke und die Reflexion auch im Bezug zur eigenen Praxis), das sinnerfassende Lesen (z.B. durch Zitate Hundertwassers oder der (Nach)Erzählung "Kleider machen Leute") und das Verfassen von Texten (z.B. in der Auseinandersetzung mit der "1. Haut", der eigenen Identität).


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2. Unterrichtsziele

2.1. Intention der Unterrichtseinheit

Die Schüler/innen setzen sich praktisch und theoretisch mit dem Künstler Friedensreich Hundertwasser sowie ausgewählten Werken auseinander.

2.2. Stundenziel

Die Schüler/innen setzen sich mit dem von Hundertwasser formulierten "Fensterrecht" auseinander, indem sie dessen Inhalt und Bedeutung sinnlich und kognitiv nachvollziehen und "ihre Fenster" in Anlehnung an bisher erfahrene Architektur-Ansätze Hundertwassers gestalten.

2.3. Teillernziele

Die Schüler/innen


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3. Erschließung der Sachstruktur

Der Künstler Friedensreich Hundertwasser wurde 1928 als Friedrich Stowasser in Wien geboren. 1952 hatte er seine erste Ausstellung in Österreich. Er ist keiner vorherrschenden Kunstrichtung zuzuordnen. Zunächst beschränkte sich seine Kunst auf die Malerei. Seine Bilder sind oft gegenständlich. Motive sind häufig Landschaften, Häuser, Bäume und Regentropfen.

Er verwendet viele kräftige Farben und Kontraste. Teilweise verwendet er Gold oder metallische Pigmente als Farbe, die dem Bild speziellen Glanz verleihen. Licht, Schatten oder Perspektive vernachlässigt er in seinen Bildern. Er wurde u.a. durch seine "Spiralbilder" bekannt, ein Thema, das sich durch sein Werk zieht als Symbol des Lebens, der Natur.

Genauso vielfältig und fantasievoll wie seine Namen (Friedensreich Regentag Dunkelbunt Hundertwasser) sind auch die Tätigkeiten des Künstlers als Maler, Architekt und Ökologe. Schon lange vor seinen ersten Architektur- und Ökologieprojekten äußerte er sich in Manifesten und Aktionen zu einem natur- und menschengerechten Leben.

Er beschreibt den Menschen, als ein von drei Häuten umgebenes Wesen- seiner ersten natürlichen Haut, seiner Kleidung und seinem Haus.
Er kritisiert dabei, dass die Schichten Kleidung und Gebäude sich in den letzten Jahrhunderten auf eine Weise entwickelten, die nicht mehr der Natur und den Bedürfnissen der Menschen entsprächen. Dabei kritisiert er die Uniformität und den Verlust an Individualität.
Ähnlich wie die erste und zweite Haut, soll auch die dritte Haut dem Menschen Schutz, Wärme und Geborgenheit geben. Die rationale, kalte Architektur der modernen Städte könne dies aber nicht leisten.
Hundertwasser sagt, dass alle drei Häute ständig wechseln müssten, sich erneuern, wachsen und sich ununterbrochen wandeln müssten, da sonst der Organismus sterbe. (Vgl. Hundertwasser (1980) in: Taschen-Verlag, 1997, S.258).

Die Architektur Hundertwassers

"Diese vielen Häuser, die wir alle tausendfach erdulden, sind gefühls- und emotionslos, diktatorisch, herzlos, aggressiv, gottlos, glatt, steril, schmucklos, kalt und unromantisch, anonym und haben gähnende Leere. (.) Sie deprimieren derart, daß sowohl die Bewohner als auch vorbeigehende Menschen krank werden." (Hundertwasser (1990) in: Rand, 1991, S. 169)

Man kann die Arbeit Hundertwassers - bezogen auf Architektur - in 3 Kategorien einteilen.

Hundertwassers Architekturträume sind inspiriert von Kinderbüchern, von einfachen und erdverbundenen Bauweisen, die ihm bei seinen Reisen begegneten, wie z.B. auf Santorin, im Jemen, bei den Pueblo-Indianern oder in Neuseeland. Bauweisen, die mit ihren organischen "Konstruktionen" im Einklang mit der Natur stehen.

Bereits 1958 kritisierte Hundertwasser in seinem Verschimmelungsmanifest gegen den Rationalismus in der Architektur Städte "als zu Beton gewordene Schnapsideen von verbrecherischen Architekten" (Hundertwasser in Rand, 1991, S.38). Hundertwasser spricht sich gegen gerade Linien und rechte Winkel in der "stupiden Rasterarchitektur" der Städte aus und ist dementsprechend seit jeher Gegner der funktionellen Architektur, wie etwa der Bauhausarchitekur.

Inzwischen gibt es weltweit mehr als 50 Projekte, die nicht nur Neugestaltungen sind, sondern bei denen Hundertwasser als "Architekturdoktor" fungierte, wie er sich selbst bezeichnet, der "kranke, seelenlose und sterile Häuser" von "rationalistischen Architekten" behandelt und die "Menschenwürde und Harmonie mit der Natur und mit der menschlichen Kreation wiederherstellt. (Hundertwasser, in: Rand, 199t, S. 68).

Dazu gehört z-. R. das Brechen der geraden Skythe, der ungleichmäßige Farbauftrag der Fassadenfarbe, das Wachsenlassen der Spontanvegetation, die Variierung von Fenstern und unregelmäßige Abrundung von Ecken und Kanten, das Setzen vom Türmen und Säulen, die Pflanzung von "Baummietern", die Begrünung und das "Fensterrecht".

1972 veröffentlicht er sein Manifest "Dein Fensterrecht - Deine Baumpflicht". Zur Demonstration der "Baumpflicht" pflanzte Hundertwasser erstmals 1973 auf der Triennale in Mailand 13 Bäume als "Baummiete" in Häuser.

Das Fensterrecht

"Ein Bewohner muß das Recht haben; sich aus seinem Fenster zu lehnen und mit einem langen Pinsel soweit er reichen kann alles außen zu bemalen, so daß man von weitem, von der Straße sehen kann, dort wohnt ein Mensch, der sich von seinen Nachbarn unterscheidet" (zusammengesetztes Zitat aus Aussagen Hundertwassers (1958 und 1990, in: Rand, H., 1991, S. 168 und S. Taschen-Verlag, 1997, S. 78)

Häuser sind nach Hundertwasser wachsende Gebilde und sollen von den Bewohnern verändert werden Entsprechend des von ihm verkündeten "Fensterrechts" sollen Bewohner also das Recht haben, den Außenbereich ihrer Fenster (der "Augen der Häuser') soweit ihr Arm reicht, nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Die in Serie hergestellten Dinge (z.B. Einheitsfenster oder -türen) so zu belassen, wie man sie bekomme, sei ein Zeichen der eigenen Unfreiheit

Hundertwasser plädiert dafür, "die Häuser den Menschen zurückzugeben" (Hundertwasser in Rand, H., 1991, S.168). Die Grenzen der Gestaltung seien da, wo der Mensch andere Menschen oder die Natur schädige.

So sind die Fenster in einem Haus von Hundertwasser verschieden, von der Form, dem Rahmen, der Aufteilung und der Größe her, als auch von der farblichen Gestaltung und Umrandung (z.B. durch Schlieren). Damit soll Individualität möglich werden. Jeder Mieter besitzt "sein" Fenster.

Da bei den Häusern, die von Hundertwasser (um)gestaltet werden, die Fenster bereits nach seinen Vorstellungen gestaltet sind (z.B. durch farbige Umrandungen im Putz, als Mosaik, durch "Zungenbärte" und "Schlußsteine") bleibt zunächst offen, ob die Bewohner der Häuser tatsächlich das Fensterrecht in Anspruch nehmen. (irr der Literatur habe ich diesbezüglich keine Aussagen gefunden.)

4. Unterrichtsvoraussetzungen

4.1. Allgemeine Voraussetzungen

Seitdem letzten Schuljahr unterrichte ich in der Klasse im Rahmen des Vorfachlichen Unterrichts zwei Stunden im Lernbereich Bildende Kunst (und zwei weitere im Lernbereich Deutsch).
Die Klasse ist eine Integrationsklasse mit 18 Schüler/innen (9 Mädchen und 9 Jungen. Zwei Jungen sind körperbehindert und haben Einschränkungen in ihrer Grob- bzw. Feinmotorik.
Einer der beiden hat außerdem Schwierigkeiten in der Artikulation und zeigt Störungen im Koordinierungsvermögen seiner Bewegungen. Sein verlangsamtes Reaktionsvermögen zeigt sich z. B. darin, dass er längere Zeit braucht, bis er Aufgaben oder Arbeitsaufträge verstanden hat.
Der andere Junge ist hauptsächlich in seiner Motorik eingeschränkt, sowohl beim Laufen durch eine Fußfehlstellung als auch in der Feinmotorik der Hände. Ihn strengt es z. B. sehr stark an, länger zu schreiben.
So sind stundenweise Ambulanzlehrer/innen oder eine Schulhelferin in der Klasse tätig, die vor allem die behinderten Kinder unterstützen.

Der Kunstunterricht findet im Klassenzimmer statt, was immer mit einem größeren organisatorischen und zeitlichem Aufwand des Her- und Wegräumens verbunden ist, da davor und danach Unterricht im selben Raum stattfindet. Aufgrund der vier Unterrichtsstunden, die ich selbständig in der Klasse unterrichte, ist es immer möglich, dass ich zwei Stunden zusammenhängend unterrichten kann, was im Lernbereich Kunst häufig sinnvoll ist.

Die Schüler/innen haben besondere Freude am praktischen Arbeiten und (noch) einen relativ unbefangenen und spontanen Zugang zum Lernbereich Kunst, probieren aus, sind begeisterungsfähig, haben einen (individuell ausgeformten) Bestand an differenzierten graphischen Symbolen und befinden sich noch nicht in der sog. Phase der "Präadoleszenz" (n. Aissen-Crewett), in der die eigenen Werke sehr stark der eigenen Kritik, der Kritik der Gleichaltrigen und dem Vergleich "echter" Kunstwerke ausgesetzt sind und Experimente aus Angst vor Versagen unterbleiben.

Die Schüler/innen haben im letzten Jahr aufgrund vielfältiger Gesprächsanlässe (wie z.B. den "Montagsgeschichten") große Fortschritte gemacht in sach- oder partnerbezogenen Gesprächen, z.B. bezüglich der Fähigkeit des Aufeinandereingehens, Zuhörens, Ausreden-lassens oder des Begründens der eigenen Meinung. Kritik der Mitschüler/innen wurde bisher immer als Anregung aufgenommen, was auch die sozial gute Atmosphäre in der Klasse widerspiegelt.

Die Schülerlinnen haben bisher Erfahrungen im Malen mit verschiedenen Farben (Schulmalfarbe, Dispersionsfarbe, Kreide...), Formaten und Untergründen (z.B. Papier, Pappe, Stoff), im Zeichnen (mit Bleistift, Wachsmalkreide und Kohle). Sie haben ferner Erfahrung in der Besprechung von eigenen oder fremden Bildern (unterschiedlicher Stile) und im Bereich "Formen" mit Knete. Sie sind es gewohnt, nicht nur praktisch zu arbeiten, sondern auch ihre Arbeiten kritisch zu betrachten und sich mit Künstlern und ihren Werken theoretisch und praktisch auseinanderzusetzen. Seit der Unterrichtseinheit zur Modernen Kunst und den vielfältigen Erfahrungen sind die Schüler/innen noch offener für die Auseinandersetzung mit Kunst und Künstlern.

Vor dieser Unterrichtseinheit machten die Schüler/innen eine Collage zum Thema Herbst und setzten sich mit dem Farbkreis auseinander. Aufgrund längerer Krankheit habe ich in diesem Schuljahr erst Weder mit dieser Unterrichtseinheit den Unterricht in der Klasse übernehmen können.

4.2. Spezielle Voraussetzungen

Inhaltliche Voraussetzungen

Der Künstler Hundertwasser und seine Werke waren vor dieser Unterrichtseinheit den Schüler/innen unbekannt. Mit Hundertwasser haben die Schüler/innen sich in den vorausgegangenen Stunden auf vielfältige Weise auseinandergesetzt und sind immer wieder auf das Thema Individualität gestoßen.
Im Bezug auf die "3.Haut" haben sie sich mit Hundertwassers Aussagen zu einer "natur- und menschengerechten" Architektur beschäftigt, einzelne Hausprojekte durch Bildmaterial kennengelernt, sich mit Aussagen Hundertwassers zur "geraden Linie", zur Begrünung und "Baummietern" oder zur Farbigkeit beschäftigt und ihre Kenntnisse praktisch am Modell eines Hauses umgesetzt.
Dabei haben sie erfahren, dass es nicht nur um ihr individuelles Werk (z.B. Baum, Säule...) geht, sondern die besondere Wirkung erst durch das Zusammenfügen aller Arbeiten am gemeinsamen Modell entsteht - eine Erfahrung, die sie als Klassengemeinschaft bei der Arbeit am Hausmodell immer Weder machten (und auch in dieser Stunde machen werden) und die das "Wir-Gefühl" der Klasse stärkte ("Unser Traum-Haus").
Vom "Fensterrecht" haben die Schüler/innen bisher keine Kenntnis. Allerdings werden sie sich wahrscheinlich an die Gestaltung der Fenster aus den Haus-Projekten, die (zwar unter anderen Aspekten) den vier Gruppen zugeordnet wurden, erinnern.

Methodische Voraussetzungen

Seit Beginn der Unterrichtseinheit arbeiten die Schülerlinnen mit "Gruppen-Kisten", in denen sich Arbeitsmaterialien, Bildmaterial und immer wieder Aussagen des Künstlers befanden. Der Ablauf (Aufbau der Gruppentische, Verteilen der Kisten...) ist zum Ritual dieser Einheit geworden. Die Neugierde auf den jeweiligen Inhalt der Kiste und ihren speziellen Arbeitsaufträgen hat sich gehalten.

Das praktische Gestalten mit Filzstiften ist den Schüler/innen mehr aus den "privaten" Zeichnungen bekannt, denn in letzter Zeit malten und zeichneten sie hauptsächlich mit Schulmalfarben und Buntstiften. Wenn auch die Schüler/innen oft Filzstifte bevorzugen würden, habe ich doch wegen der fehlenden Möglichkeit, die Farben zu mischen und zu verdünnen, wegen der unterschiedlichen Ausstattung der Schüler/innen mit Filzstiften und der groben Linienführung lange keine Filzstifte im Unterricht verwendet. Mit Buntstiften habe ich immer wieder das gleichmäßige Zeichnen behandelt, wobei es den Schüler/innen nicht immer gelingt.

Die beiden Schüler, deren Behinderung sich in der Motorik auswirkt, haben im Lernbereich Kunst speziell beim gegenständlichen kleinformatigen Zeichnen Probleme und ein Schüler ist oft unzufrieden mit seinen Produkten und bittet dann um Hilfe. Beim Gestalten der Fenster mit Filzstiften habe ich deshalb als Differenzierungsmaßnahme vorgesehen, dass die beiden Schüler sich größere Fensterformen aussuchen dürfen und dickere Filzstifte benutzen können. Im Bezug auf das Ausschneiden der Fenster kann es nötig sein, den beiden Schülern mit Behinderungen zu helfen.


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5. Didaktisch-methodischer Begründungszusammenhang

Das Besondere an den Werken Hundertwassers und speziell seiner Architektur mit ihrer Farbigkeit, der verspielten Bauweise, ihrer Detailfreude und ihrer organischen Formen dürfte die magische Wirkung sein, das Versetztwerden in eine Art Märchen oder Traumwelt, in eine Weit der Farben und der Fantasie, die nicht nur für Kinder besonderen Reiz ausüben dürfte. Die Schüler/innen sind von den Werken Hundertwassers begeistert und motiviert, sich intensiver mit seiner Architektur auseinanderzusetzen. Wie die Erfahrungen in der Unterrichtseinheit zu Moderner Kunst bereits zeigten, erhöht die Tatsache, dass er ein "noch lebenden Künstler" ist, noch den Reiz.

Häuser und Wohnen als Thema steht in unmittelbarem Bezug zu Interessen, Problemen und Bedürfnissen oder Wohnwünschen der Kinder, da es einen wichtigen (gegenwärtigen und zukünftigen) Lebensbereich der Kinder betrifft, mit dem sie ständig konfrontiert werden, gerade auch in einer Hochhaussiedlung wie Hellersdorf, in der in den letzen Jahren und weiterhin viel saniert wird und Häuser, auch die, in denen sie wohnen, sich sehr verändern (z. B. "Gelbes Viertel" als Einzugsgebiet der Schule).

Die Beschäftigung mit der Architektur Hundertwassers, die "natur- und menschengerechter" sein soll, als die "seelenlosen" Häuser, die sonst in Großstädten vorherrschen, kann stellvertretend gesehen werden für eine Beschäftigung mit anderen Ansätzen in der Architektur, die sich für ökologische Fragen öffnet und sich z.B. (wieder) verstärkt an der Natur und der Bauweise von Naturvölkern orientiert. Dabei können und sollen nicht sämtliche Hausprojekte thematisiert werden, sondern es wird eine Auswahl getroffen. (Projekte, zu denen vielfältiges Bildmaterial zur Verfügung steht, die typisch für Hundertwasser und trotzdem verschieden sind und die Material zu allen Schwerpunkten bezogen auf das Hausmodell bieten (z.B. zur Gestaltung der Fenster).

Neben bereits kennengelernten typischen Eiementen kommt der verschiedenartigen Gestaltung der Fenster (bezogen auf Farbe, Form, Umrandung, usw.) charakteristische Bedeutung in. Hundertwassers Architektur zu. Dass den Fenstern eine besondere Bedeutung zukommt, zeigt sich auch in Aussagen Hundertwassers, dass sie die "Augen des Hauses" seien, die Verbindung von Innen und Außen.

Begründung der methodischen Grundsatzentscheidungen

Das Hausmodell ermöglicht es, alle Elemente, die typisch für die Architektur Hundertwassers sind, in ihrer Gesamtheit nachzuvollziehen und in ihrer dreidimensionalen Wirkung erleben zu können.
Bezogen auf die heutige Stunde hätte sicherlich auch das auf dem Blatt gestaltete Fenster seine Wirkung erzielt. Aber die Wirkung von "tanzenden Fenstern" zeigt sich erst in der Vielfalt, im Neben- und Untereinarder, im Zusammenwirken am Modell.
Die Fülle der zu erledigenden Aufgaben (Säulen, farbliche Gestaltung, Begrünung, Türme mit Kugeln...) machte es notwendig, zunächst arbeitsteilig vorzugehen. In der heutigen Stunde ist es dabei sinnvoll, dass alle Schüler/innen ihr eigenes Fenster gestalten, da es um Individualität geht (d.h. Einzelarbeit in der produktiven Phase). Zudem werden die Fenster in ihrer Verschiedenheit am Modell zusammenwirken, mehr als bei mehreren kleinen Modellen.

Das Gestalten mit Fillzstiften kann sowohl zeichnerisch (Schwerpunkt auf der Linie) oder malerisch (Schwerpunkt auf ausgemalten Flächen) umgesetzt werden. Im Lernbereich Kunst habe ich, wie bereits erwähnt, längere Zeit bewusst keine Filzstifte eingesetzt. Beim Gestalten der Fenster scheinen sie mir jedoch geeignet, da sie eine kräftige und leuchtende Färbung haben (ganz im Sinne Hundertwassers), mit ihnen genauer gezeichnet werden kann (z.B. Fensterrahmen und Umrandungen) und sie nicht verlaufen wie Schulmalfarben sowie den Schüler/innen schnell Erfolgserlebnisse ermöglichen. Gerade auch bei dem Format der Fenster bzw. der Blätter eignen sich "trockene Materialien" (Filzstifte oder Buntstifte) besser. Trotz Einzelarbeit arbeiten die Schüler/innen auch heute an ihren Gruppentischen, u.a. da sie dann Filzstifte untereinander austauschen können.

Ich gebe (verschiedene) Fensterformen vor, die den Serienfenstern, die Hundertwasser bei seinen Häusern verwendet, entsprechen.

Als Differenzierungsmaßnahme biete ich den beiden behinderten Schülern dickere Filzstifte und größere Fenster an.

Eine weitere Differenzierungsmaßnahme habe ich für die Schüler/innen vorgesehen, die bereits mit der Gestaltung ihres Fensters fertig sind: Sie erhalten als Zusatzaufgabe Fenster Fotos von bereits bekannten Gebäuden Hundertwassers und sollen die Fotos den jeweiligen Häusern zuordnen.

Die Schüler/innen sind es bereits aus vorigen Stunden gewohnt, Impulse und Anregungen für ihre Arbeit durch Materialien wie Bilder und Zitate aus "ihren Kisten" zu erhalten.

Durch die Reflexion, die Auswertung der Fensterbilder, soll der individuelle Bezug bewusst werden, u.a. auch im Vergleich mit der im ursprünglichen Zustand belassenen Modellseite.


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6. Literaturverzeichnis

Benedikt Taschen Verlag GmbH (ohne Angabe des Verfassers): Hundertwasser, 6 Posters. Köln, 1995.

Benedikt Taschen Verlag (o.V): Für ein natur- und menschengerechteres Bauen Hundertwasser - Architektur. Köln 1997.

Senatsverwaltung für Schule, Berufsbildung und Sport Vorläufiger Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule Grundschule, Fach Bildende Kunst. Berlin 1991.

Rand, Harry: Hundertwasser. Köln 1991.

Restany, Pierre: Die Macht der Kunst - Hundertwasser. Der Maler-König mit den fünf Häuten, Köln 1998.

Rombach, Theo / Springmann, Heinz M.: Der Regenturm von Friedensreich Hundertwasser Ein Wohn- und Geschäftshaus in Plochlingen Plochingen 1994.


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©opyright Andrea Judt-Schuknecht, Berlin, Dezember 1998.

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06.04.2003


 

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