Jutta Leutgeb Juni 1999
1. SPS Marzahn (L)
Klasse 2

Entwurf für eine Unterrichtsstunde im vorfachlichen Unterricht
(Musisch-ästhetische Erziehung), Lernbereich Kunst
"Erkundung des Materials Ton und Herstellen elementarer Formen"

1 Planungszusammenhang

1.1 Thema der Unterrichtseinheit

Arbeiten mit Ton

1.2 Gliederung der Unterrichtseinheit

1. Std.: Erkundung des Materials Ton und Herstellen elementarer Formen
2. Std.: Wulsttechnik zur Herstellung kleiner Gefäße bzw. Pinchpot-Methode zur Herstellung kleiner Gefäße
3. Std.: Formen von Tieren
4. Std.: Anmalen der Perlen, Herstellung der Ketten und Raupen
5. Std.: Bemalen der Tiere

2 Bezug zum Rahmenplan

Der Berliner Rahmenplan für den Kunstunterricht in der Grundschule führt für den Bereich "Formen und Bauen" der Klassen 1/2 unter anderem den Tätigkeitsbereich "Formen mit den Händen: Ton, Plastilin oder andere leicht formbare Materialien" an und formuliert folgendes ästhetische Problem: "Differenzierung der plastischen Zeichen durch spezifische körperliche Merkmale: - vollplastische kugel-, walzen-, würfelförmige Körper verschiedener Größe formen, umformen, durch Zusammenfügen und Abtragen von Teilformen gliedern" (S.11).

3 Sachdarstellung

Ton ist einer der ältesten Werkstoffe und das Herstellen keramischer Gefäße gehört bis in unsere Zeit zur Kulturgeschichte der Menschheit. Die Verbreitung des Tons über die gesamte Erdkugel und seine Lagerung in der obersten Erdkruste haben ihn allen frühen Kulturen zugänglich gemacht. Seine Bedeutung zeigt sich in der Vielfalt keramischer Erzeugnisse.

Die Eigenschaften des Werkstoffes Ton

Die Plastizität eines gut durchgefeuchteten und homogenisierten Tons kann zu der Annahme führen, dieses Material sei eine Art Knetmasse (Plastilin). Ton ist jedoch ein natürlicher, elementarer Werkstoff, der in Tongruben ausgebaggert, von fremden Substanzen gereinigt und aufbereitet wird. Je nach der Zusammensetzung des Tons unterscheidet man sog. "fetten" Ton (hier ist der Anteil von reinem Ton hoch) und "mageren" Ton (dieser Ton ist stark mit Staubsand vermengt). Der "fette" Ton lässt sich zwar leichter verarbeiten, aber er schrumpft beim Trocknungsprozess sehr stark, so dass in dem Tonprodukt häufig Risse entstehen. Für den Einsatz in der Grundschule eignet sich daher eher der "magere" Ton.
Ton gibt es in vielen Farben: erdige Farbtöne vom kalkigen Weiß über Gelb, Rot, Braun bis Schwarz.

Eine wichtige Erfahrung beim Umgang mit dem Werkstoff ist, dass er unter der Einwirkung von Wärme, die die Hände beim Formen abgeben, oberflächlich trocknet und feine oder gar grobe Risse zeigt. Daher müssen die Hände beim Arbeiten immer wieder angefeuchtet werden.
Bevor die entstandenen Gegenstände gebrannt werden können, müssen sie langsam trocknen, dabei wird der Ton hart und verliert seine plastische Verformbarkeit. Geschieht der Trockenprozess zu rasch (etwa auf der sonnenbeschienenen Fensterbank), können Risse entstehen. Durch den Brennvorgang (bei ca. 900-1200°C) wird Ton form- und wasserbeständig.

Arbeitsmittel

Die Bearbeitung des Tons erfordert keine aufwendigen Werkzeuge. Als formgebende Modellierwerkzeuge wirken vor allem die Hände. Sie haben direkten Kontakt mit dem Werkstoff und können die formgebende Absicht unmittelbar auf diesen übertragen. Nur wenn die Hände bestimmte Formdetails oder Strukturen nicht mehr ausführen können, werden Arbeitsmittel (Modellierhölzer, Stäbchen usw.) verwendet, zum Beispiel für Oberflächenstrukturen.

Herstellen von plastischen Grundformen

Plastiken aus weichem Material bauen sich aus den geometrischen Grundformen Kugel, Kegel und Zylinder (= Walze) auf. Alle lebenden Körper unserer Umwelt lassen sich auf diese drei Grundformen zurückführen. Man formt sie durch Drücken oder Rollen der Masse in der Hand oder auf einer Unterlage. Dabei werden diese Grundformen in ihren Proportionen variabel gestaltet.

4 Unterrichtsvoraussetzungen

Die Kinder der Klasse 2a haben im ersten Schuljahr erste Formversuche mit Plastilin unternommen. Mit dem Werkstoff Ton kamen sie während ihrer Klassenfahrt nach Schluft in Berührung. Sie hatten dort die Möglichkeit, ca. 1 Stunde lang mit Ton zu arbeiten. Dabei erhielten sie aber keine Einführung und langsame Hinführung zur Umgangsweise mit dem Werkstoff, sondern die Kinder entschieden spontan, was sie "herstellen" wollten. Eine Betreuerin gab ihnen dann individuelle Hilfen und Tipps. Außerdem gab es auf dem Kinderfest, das vor einer Woche auf dem Schulhof stattfand, einen Töpferstand, an dem die Kinder (kurz) arbeiten konnten. Welche Schülerinnen und Schüler dieses Angebot wahrnahmen konnte ich nicht beobachten. Die Auseinandersetzung mit dem Medium im Sinne von Aissen-Crewett (S. 63), ein Bewußtmachen und Verbalisieren der sinnlichen Erfahrungen bei der Arbeit mit dem Material fand bisher nicht statt.

5 Didaktische Reduktion

Ziel der Stunde ist es, dass die Kinder sich mit dem stark anregenden Material Ton befassen. Sie sollen den Ton kneten, in der Hand spüren, zunächst seine Kälte-, dann seine Wärmeausstrahlung, die sich von dem eigenen Körper auf den Ton überträgt. Sie sollen die taktilen Qualitäten erfahren und zugleich die eigenen haptischen Bedürfnisse. Die zunächst eher unbewusst in der Hand entstehenden Formen sollen aufgegriffen werden. Im Sinne einer Reduktion habe ich vor, mich bei der Aufgabenstellung auf die elementaren Formen Kugel und Walze (und Kegel, als einer "ungleichmäßigen" Walze) zu beschränken. Meine Absicht ist nicht, die Kinder "zu bremsen", sondern ihre Aufmerksamkeit auf das Material und mögliche Variationen an einer Form (Kugel oder Walze) zu lenken.

6 Lernziele

6.1 Intentionen der Unterrichtseinheit

Die Schülerinnen und Schüler

6.2 Stundenziel

Die Schülerinnen und Schüler sollen die elementaren Formen Kugel und Walze (und Kegel) aus Ton herstellen und in Größe und Verzierung unterschiedlich gestalten.

6.3 Teillernziel

Die Schülerinnen und Schüler

7 Didaktisch - methodische Überlegungen

In der Regel zeigen die Kinder größtes Interesse am Werkstoff Ton. Damit zu arbeiten bedeutet für die Schülerinnen und Schüler, aus ungeformtem Material zu einer Form zu finden. In dieser spezifischen Begegnung wird ihre Kreativität gefordert, bilden sich allmählich Vorstellungen von dem, was machbar und werkstoffgemäß ist und entwickelt sich der Sinn für plastische Qualitäten. Damit wächst der Mut, zu experimentieren und zu gestalten.

Im Mittelpunkt dieser Stunde stehen die sinnliche Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schüler mit dem Werkstoff Ton und die Herstellung der elementaren Formen Kugel und Walze (und Kegel). Eingebettet sind die Formübungen in die Aufgabenstellung, Perlen für eine Kette oder eine Raupe, eventuell auch Murmeln herzustellen. Die in der Einführungsphase geplanten Tast- und spontanen Formversuche kommen den starken sinnlich-taktilen Bedürfnissen der Kinder entgegen. Gisela Hein schreibt dazu: "Wenn man Ton mit beiden Händen in handgroßer Menge ohne Benutzung des Tisches, frei und absichtslos formt, neigt man dazu, die ungestaltete Materie zu vereinheitlichen, klopfend, rollend, bis aus diesen Bewegungen kugel-, walzen- und scheibenähnliche Formen entstehen, [ …]."

Die Sinneswahrnehmung die die Schülerinnen und Schüler während ihrer Arbeit mit dem Ton machen, sollen immer wieder zur Sprache gebracht und bewusst gemacht werden.
Schon bei den ersten Formversuchen können die Kinder die Erfahrung machen, dass Ton beim Arbeiten langsam abtrocknet und dieser sich dann nicht mehr so leicht bearbeiten lässt. Sie lernen, dass er immer feucht gehalten werden muss.
Vorschläge der Kinder, was man aus den Formen Kugel und Walze herstellen kann sollen möglichst aufgegriffen werden, nicht unmittelbar in dieser Stunde, sondern auch in den folgenden Stunden der Unterrichtseinheit. Erwartete Vorschläge der Kinder:
- Perlen für eine Kette,
- Murmeln,
- kleine Tier, z.B. Igel, Maus, Käfer.

Mit den gemeinsam erarbeiteten Variationsmöglichkeiten für Perlen (Größe, verschiedene Formen, Verzierungen, verschiedene Farben) bekommen die Kinder Kriterien an die Hand, die sie bei der Erfüllung ihres Arbeitsauftrags beachten sollen. Ob die Kriterien beachtet wurden, soll an ausgewählten Beispielen in der Auswertungsphase überprüft werden. Bei der Erarbeitung der Kriterien sollen zwei oder mehr Kinder Versuche unternehmen, Tonkugeln oder Tonwalzen mit einem Holzstäbchen zu verzieren, damit darauf hingewiesen werden kann, weiche Techniken möglich sind (Einritzung und Einstechung).
Die Festlegung auf eine Technik bei der Herstellung der Formen erfolgt bewusst nicht. Es ist zwar einfacher, Kugel und Walze (und Kegel) zwischen beiden Handflächen zu formen, denn sobald man den Ton aus der Hand gibt und die Tischplatte mitnutzt, verliert man den umfassenden Kontakt zur angestrebten Form, aber diese Erfahrung sollen die Schülerinnen und Schüler möglichst selbst machen.

Die praktische Arbeit der Schülerinnen und Schüler findet an Gruppentischen statt (4-6 Kinder). Möglichkeiten der Kooperation und des Austausches sind somit gegeben. Als Lernhilfe und Anregung stehen den Kindern die Wortkarten mit den Kriterien, die an der Tafel befestigt sind und ein Materialtisch mit Abbildungen aus Büchern und verschiedenen Perlen zur Verfügung. Es gibt keine Vorgabe, wieviele Perlen oder Murmeln jedes Kind herstellen soll.

In der Auswertungsphase werden einerseits die Arbeiten der Schülerinnen und Schüler ins Zentrum der Aufmerksamkeit gestellt und andererseits ergeben sich zusätzliche Lemchancen durch den Vergleich des Werkstoffs Ton mit anderen formbaren Materialien und den Ausblick auf das weitere Vorgehen mit den entstandenen Formen.

8 Literatur

Aissen-Crewett, M.: Kunstunterricht in der Grundschule. Braunschweig 1992.
Hein, G.: Werken mit Ton (I-IV). In: Grundschulunterricht 4, 5, 7-8 und 9/1995.
Kähne, Heinz: Wetterfrösche aus Ton. In: Grundschulunterricht 9/1998.
Schönherr, H. und J.: Formen und fertigen. Leipzig 1978.
Senatsverwaltung für Schule, Berufsbildung und Sport: Vorläufiger Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule. Grundschule. Fach bildende Kunst. Berlin 1991.
Wallner, L.: Töpfern. Eine Einführung in das traditionelle Kunsthandwerk. Köln 1996.

9 Verlaufsplanung

1. Phase: Einführung, ca. 10 Min. Sitzkreis

- Begrüßung
- Einstimmung auf den Werkstoff Ton durch blindes Fühlen
- Sch verbalisieren ihre Empfindungen
- Sch teilen soviel Ton ab. wie sie mit einer Hand fassen können
- Sch unternehmen spontane Knet- und Formversuche
- gemeinsames Betrachten und Ordnen der experimentellen Ergebnisse und Benennen der Formen
- Sch verbalisieren ihre Erfahrungen
- Ln gibt gegebenenfalls Hinweis auf Umgang mit zu trockenem Ton

Medien: Ton, ev. Schneidedraht oder Messer, Wasserschale

2. Phase: Problemstellung und Aufgabenstellung, ca 5 Min. Sitzkreis

- Ln lenkt die Aufmerksamkeit auf ev. entstandene Kugeln und Walzen
- Sch schlagen Verwendungsmöglichkeiten für Kugeln und Walzen vor
- gemeinsames Erarbeiten von Variationsmöglichkeiten einer bestimmten Form: (Größe, Verzierungen, Farbe) - Aufgabenstellung für die Stunde: Formen unterschiedlicher Perlen für eine Kette oder für eine Raupe und ev. Formen unterschiedlicher Murmeln - Hinweise auf die vorbereiteten Materialien und die Arbeitsweise

Medien: entstandene Formen, Holzstäbchen, Perlen als Anschauungsgegenstände, Wortkarten

3. Phase: Exploration / Produktion, ca. 15 Min. Einzelarbeit an Gruppentischen

- Sch formen unterschiedlich große Kugeln und Walzen und durchbohren sie
- Sch verzieren die Perlen
- Sch nutzen nach Bedarf die vorbereiteten Anregungen am Materialtisch
- Sch helfen und beraten sich gegenseitig
- Ln beobachtet die Arbeit der Sch und gibt individuelle Hilfen
- Ln bietet für sehr schnell Arbeitende Kinder eine Zusatzaufgabe an: Formen eines
ertasteten Gegenstandes (Würfel)

Medien: Ton, Holzstäbchen, Messer, Wasserschalen, Bücher und Perlen auf dem
Materialtisch, Wortkarten an der Tafel, Fühlsäckchen mit Würfel

4. Phase: Auswertung und Ausblick, ca. 15 Min. Sitzkreis

- Arbeiten einiger Sch werden betrachtet
- Sch vergleichen Aufgabenstellung und Ergebnisse
Fragestellung: Wurden unterschiedliche Perlen hergestellt?
- Sch berichten von ihrer Arbeit mit Ton
- Ln regt Vergleich mit anderen formbaren Materialien an (z.B. Plastilin, Teig) und gibt Informationen darüber, was Ton ist
- im Unterrichtsgespräch wird das weitere Vorgehen - Trocknungs- und Brennprozess, Anmalen und Auffädeln - geklärt

Medien: Arbeiten der Kinder


 

©opyright Jutta Leutgeb, Berlin, Januar 2000

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06.04.2003


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