Ilka Seulen
2. SPS Wilmersdorf (L)
30.05.1996

KURZENTWURF
für eine Unterrichtsstunde im vorfachlichen Unterricht,
Lernbereich Sachkunde, Klasse 2,
"Veränderung von Aussehen und Geschmack verschiedener Samen nach der Keimung"


1 Thema der Unterrichtseinheit

Beobachtung und Pflege einer Pflanze

1.1 Thematische Gliederung der Unterrichtsreihe

1. Betrachten der Bohnenhülse und des Bohnensamens

2. Anlegen einer Versuchsreihe zu unterschiedlichen Wachstumsbedingungen (Was braucht eine Pflanze zum Wachsen?)

3. Genaue Betrachtung eines gekeimten Bohnensamens

4. Die Bohnenpflanze wächst heran (Bohnentagebuch)

5. Kennenlernen verschiedener Samen/ Wahrnehmungsspiele mit dem Streichholzschachtelmuseum (Samenmuseum)

6. Aussehen und Geschmack verschiedener Samen vor der Keimung (Ernährungserziehung)

7. Veränderung von Aussehen und Geschmack verschiedener Samen nach der Keimung (Ernährungserziehung)

8. Zubereitung einer Quarkspeise mit den Sprossen

1.2 Parallel laufende Unterrichtsreihe

Teilungsgruppen im Wechsel jeden Montag:
a) Gartenarbeitsschule
b) Herstellen, erweitern und arbeiten mit einer Pflanzenkartei

1.3 Folgende Untenichtseinheit des Lernbereichs Sachkunde

Basteln mit Papier/ Karton

2 Sachklärung

Zur Keimung eignen sich alle Samen von Pflanzen, deren oberirdischen Sproßteile (Blätter und/ oder Sproßachsen) eßbar sind. Es gibt auch Samen, die für die Erzeugung von verwertbaren Keimen ungeeignet sind, wie die Samen der Nachtschattengewächse und Gartenbohnen. Sie enthalten das giftige Solanin. Je nach Pflanzenart benötigt der Keimvorgang Wasser, Sauerstoff, Wärme und Licht. Nach dem Quellvorgang wird die Schale atmungsaktiv und der pflanzliche Embryo kann sich entfalten. Bald sind Keimwurzel und Laubblätter wie auch die Sproßachse erkennbar. Der Geschmack der Keime richtet sich nach der Keimdauer und den verschiedenen Samenarten.

Bedeutung in der Ernährungswissenschaft

Durch die Keimung werden nicht nur die äußere Erscheinung, sondern auch die Inhaltsstoffe der Samen verändert. Durch äußere Einflüsse wie Feuchtigkeit, Licht, Temperatur und innere Faktoren wie Pflanzenhormone wird der Vorgang gesteuert. Im Verlauf der Keimung tritt z.T. eine Verbesserung des Nährwerts gegenüber den getrockneten Samen ein. So erhöht sich der Vitamingehalt, die Proteinqualität steigt, während der Phytinsäuregehalt wie der anderer wertmindernder Bestandteile sinkt. Der Grad der Veränderung in den Samen hängt von der jeweiligen Art bzw. Sorte und den Keimbedingungen ab. Der Vitamingehalt (vor allem Vitamin C) steigt während der Keimung beträchtlich an. Die Vitamine des B-Komplexes erfahren durch den Keimvorgang bei Hülsenfrüchten eine Steigerung bis hin zum 17-fachen des Ausgangswertes. Auch die Gehalte an Niacin und Vitamin E sind nach der Keimung beträchtlich. Vor allem im Winter und Frühjahr, während die Gemüsevielfalt eingeschränkt ist, sind Keime und Sprosse eine wichtige, vitaminreiche Ergänzung des Speiseplans.

3 Ziele

3.1 Intentionen

Die Schülerinnen und Schüler...

  • erweitern ihr Wissen, indem sie neue Samenarten kennnenlernen und Samen in Früchten ermitteln.

  • beobachten die Entwicklungsstadien einer Pflanze.

  • untersuchen die Keimungsbedingungen einer Pflanze.

  • pflegen eine Bohnenpflanze über einen längeren Zeitraum.

  • gewinnen Einsichten in einfache biologische Zusammenhänge.

  • entwickeln Interesse an Pflanzen und werden angeregt, deren Lebensraum zu schützen.

  • setzen sich mit der Pflanzenproduktion im Sinne der Ernährung auseinander.

  • erlangen Kenntnisse über Quellung, Keimung und Wachstum von Samen.

  • erkennen, daß es sich bei der Aufzucht von Keimen und Sprossen nur um einen Teil eines natürlichen Kreislaufes handelt.

  • bereiten Speisen mit gekeimten Samen zu.

3.2 Stundenziele

Die Schülerinnen und Schüler...

  • tauschen ihre Vorerfährungen über den Geschmack von Samen und Sprossen aus. setzen sich mit der Pflanzenproduktion zum Zwecke der Ernährung auseinander.

  • stellen eine Veränderung (Aussehen/ Geschmack) der Samen durch Keimung fest. beschreiben und probieren Kressesamen, Linsen, Mungobohnen und Radieschensamen.

  • halten ihre Beobachtungen schriftlich in einer Tabelle fest und oben dadurch eine Arbeitstechnik ein.

  • stellen Beobachtungen, die in Tabelle abzulesen sind gegenüber. verbalisieren Beobachtungen.

  • üben sich in der Gruppenarbeit.

  • erkennen die notwendigen Wachstumsbedingungen einer Pflanze (zur Keimung
    und zum weiteren Wachstum).

  • formulieren das Tafelbild in Sprache um (verbinden Sach- und Sprachlernen).

4 Methodische Entscheidungen

Nachdem die Kinder schon die Entwicklung einer Pflanze vom Samen ausgehend beobachtet haben (Feuerbohne), bietet sich in Anlehnung daran ein kurzer gesundheits- und ernährungserzieherischer Exkurs an. Die Kinder erfahren, daß wir verschiedene Samen für unsere eigene Gesundheit nutzen können.

Kinder im Grundschulalter besitzen noch wenig Gesundheitsbewußtsein. Die Ernährung liegt nicht in ihrer Entscheidungskompetenz, sondern wird durch Familiengewohnheiten determiniert. Es ist sicherlich nicht Aufgabe der Grundschule, sich in das Ernährungsverhalten der Eltern einzumischen. Über schulische Informations- und Wissensvermittlung allein lassen sich gesundheitsrelevante Einstellungen nicht hinreichend genug transparent machen und routinierte Verhaltensmuster verändern.

Aus diesen Gründen sollen die beiden gesundheitserzieherischen Stunden (Vgl. 1. 17./8.) eine Möglichkeit der bewußten Ernährung aufzeigen und als Anregung möglicher Nahrungszubereitungen dienen.

Zudem lassen sich an den vier ausgewählten Samenarten die Veränderungen durch den Keimungsprozeß gut erkennen: sowohl äußerlich, als auch geschmacklich. Die Schülerinnen und Schüler führen hier eine fachgemäße Arbeitstechnik, wie das Beobachten und Beschreiben in Tabellenform und das Vergleichen der Ergebnisse, durch.

Zum Einstieg in die Unterrichtsstunde wird die Kenntnis über die Namen der vier Samenarten (Mungobohnen, Kresse, Linsen und Radieschen) auf spielerische Weise gefestigt. Auf einem Tisch liegen auf vier Tellern die vier verschiedenen Samenarten im trockenen Zustand. Sie dienen der visuellen Unterstützung.

Ein Schüler kommt nach vorne und beschreibt eine Samenart seiner Wahl nach Aussehen und Geschmack. Die Mitschüler ermitteln anhand dieser möglichst genauen Beschreibung die Samenart. Schließlich werden die entsprechenden Namensschilder zugeordnet. Hier findet eine Anknüpfung, bzw. Festigung des vorherigen Stundenthemas statt

Im Vergleich zu den trockenen Samen werden nun die gekeimten Mungobohnen gezeigt, an denen auch aus der Entfernung eine äußerliche Veränderung gut zu erkennen ist. Die Kinder stellen eine Veränderung fest und verbalisieren sie.

In der folgenden Phase erhält jeder der 5 Gruppentische ein Schäfchen mit einer gekeimten Samenart. Die fünf Gruppentische sind durch die Sitzordnung bestimmt. Da nur vier verschiedene Samenarten zur Verfügung stehen (um Überforderung zu vermeiden), bekommt im Laufe des Wechsels jeder Gruppentisch die eine Samenart (Kresse) zweimal. Die Schüler können ihr erstes Ergebnis noch einmal überprüfen, bzw. sich bei der Beschreibung etwas mehr Zeit lassen. In dieser Phase sollen die Schüler in Anlehnung an die vorherige Stunde die äußerliche und geschmackliche Veränderung der Samen durch die Keimung in Worte fassen und schriftlich festhalten. Eine Schwierigkeit wird für einige Kinder darin bestehen, den Geschmack nicht durch subjektive Wertungen auszudrücken. Hier findet eine Verknüpfung von Sachund Sprachlernen statt. Da die Beschreibungen adjektivisch erfolgt, wird die Kleinschreibung der Adjektive wiederholt. Die Kinder können sich zur Rechtschreibung an der überarbeiteten Tabelle der letzten Stunde orientieren. Der Austausch der verschiedenen oder ähnlichen Geschmackserfahrungen der Kinder innerhalb der Gruppe ist den Gruppenprozessen, die gefördert werden sollen, dienlich. Dazu gehören speziell in dieser Lerngruppe: das einander Zuhören, Ergänzen, Beraten und Helfen.

In Anschluß an diese Phase tragen die Kinder ihre Ergebnisse zusammen, und die Veränderung wird im direkten Vergleich der beiden Tabellen ersichtlich. Jeweils zwei Kinder kommen dazu nach vorne und wählen eine Samenart aus, die sie durch Vorlesen der Ergebnisse in den beiden Tabellen im direkten Vergleich gegenüberstellen. Die besonders trffend formulierten Adjektive werden hervorgehoben und die se Wortfindung besonders gewürdigt. Die Schalen mit den jeweils trockenen und gekeimten Samenarten dienen visuell unterstützend der Gegenüberstellung.

Anhand der Erarbeitung eines Tafelbildes werden die Wachstumsbedingungen einer Pflanze, nämlich Licht, Wärme, Luft, Wasser (hier notwendig, damit unsere Samen zu Sprossen werden konnten) und später Erde, wiederholt und zusammengefaßt. Als gedankliche Hilfe und zur Veranschaulichung werden entsprechende Symbole (Sonne = Licht, Gießkanne = Wasser, Thermometer = Wärme, Luft als Wortkarte und ein Erdhügel mit Spaten = Erde) an die Tafel geheftet (Vgl. Tafelbild im Anhang). Als Begründung für die Notwendigkeit der Wachstumsbedingungen wird an die Vorerfahrungen der Kinder angeknüpft, nämlich an die Versuchsreihe mit den Feuerbohnen. Das Tafelbild soll zur Förderung von Sach- und Sprachlernen zusammenfassend von einem Schüler versprachlicht werden.

Die Frage, warum wir denn die Samen haben keimen lassen, wird noch einmal aufgegriffen und auf die gesunde Ernährung und die Speisenzubereitung in der folgenden Stunde hingewiesen.

Zur Festigung des Wissens werden die Schüler, je nach vorhandener Zeit, die erarbeiteten Keimungs- bzw. Wachstumsbedingungen auf einem Arbeitsbogen festhalten.

5 Literatur

BUNDESZENTRALE für gesundheitliche Aufklärung-. Ernährung und Gesundheit. Köln 1995.

BJÖRK, C./ ANDERSEN, L. - Linnäa und die schnellste Bohne der Stadt. Kösel 1978.

CLAUSSEN, C. - Umwelt und Natur - erleben, erfahren, begreifen, erhalten 1. Stuttgart 1993.

GRONAU, H.: Keime und Keimlinge - einfach köstlich. Walter Hadecke Verlag, Weil der Stadt.

NÖCKER, R,.- Sprossen und Keime. Heyne Verlag.

SCHUSTER, C, - Was die Kresse zum Wachsen braucht. In: Ehrenwirth Grundschulmagazin 10/1979, S. 13-14.

Senator für Schulwesen: Vorl. Rahmenplan Vorfachlicher Unterricht -Sachkunde. 1990


 

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©opyright Ilka Seulen, Berlin, Mai 1996

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06.04.2003


 

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