Hinweise zur Diktatpraxis

Die AV-Klassenarbeiten schreibt Diktate vor - ihre Abschaffung ist (entgegen dem provokativen Titel der Süselbeck-Aufsätze) nicht in Sicht.

Aber: Rechtschreiblernen findet nicht durch Diktate und auch nicht für Diktate statt!

Diktate sollten

• gut vorbereitet werden

(Texte sollten allerdings nicht durch isolierte Diktatübungen und keinesfalls wortgleich geübt bzw. sogar ausgeteilt werden: Dies fördert keine selbständige Rechtschreibleistung, sondern trainiert ausschließlich das Speichern von Wortbildern, denn nur die Erinnerung des gespeicherten Wortbildes im Kontext wird abgerufen. Wortgleiche Diktate können darüber hinaus bei Eltern zu falschen Maßstäben bezüglich der Rechtschreibleistung ihres Kindes führen. Wenn Richtigschreiben im gesamten Unterricht immer wichtig genommen wird, entstehen keine übersteigerten Anforderungssituationen.)

• kurz gehalten werden

(Viele Kinder ermüden schnell, die Fehlerhäufigkeit steigt mit der Anzahl der Wörter (vgl. Brügelmann). Rechtschreibschwierige Wörter solltenzum Ende der Texte hin vermieden werden.)

• keine gehäuften Schwierigkeiten enthalten

(Orientierung am normalen Sprachgebrauch bei der Formulierung der Texte, schwierige, rechtschreibseltene Wörter, künstliche Rechtschreibphänomenhäufungen, Ähnlichkeitshemmung im Text vermeiden.)

• einen Häufigkeitswortschatz üben und abprüfen

(vgl. z. B. Menzel-Liste...)

• in enger Verbindung zu den Lerninhalten des VU, der Lerngruppensituation und der Erfahrungswelt der Kinder stehen (Keine isolierten Inhalte - deshalb sind kommerzielle Diktatsammlungen kritisch zu prüfen. Diktate sollten nicht nur inhaltlich aus dem Unterricht erwachsen, sondern auch in ihrer Bedeutung im Kontext des gesamten Unterrichts eingebettet sein.)

• systematisch aufeinander aufbauen

(Wörter vorangegangener Diktate aufgreifen, Grundwortschatz, Klassenwortschatz konsequent einbeziehen. Wortschatz durch systematische Wiederholungen sichern: unsystematische Diktatpraxis führt dazu, daß Wortschatz nur kurzfristig für ein Diktat gespeichert und nicht langfristig gesichert wird.)

• sorgfältig durchgeführt werden

(Lernatmosphäre herstellen, stets wiederkehrendenOrientierungsrahmen anbieten, beim Diktieren Streß abbauen, organisatorische Unterbrechungen vermeiden, individuelles Schreibtempo berücksichtigen, Fehler vermeiden helfen, in der Diktiersituation über Klippen hinweghelfen, beim Diktieren Schwierigkeiten herausstellen, indirekte Lernhilfen geben...)

• Chancen eröffnen, Eigenkontrolle zu üben

(Möglichkeiten einer veränderten Prüfpraxis einbeziehen: Joker-Wörter, zeitlich versetzte Eigenkontrolle. Verwendung von Hilfsmitteln als Lernziel einbeziehen: Wörterbücher benutzen / Die AV-Klassenarbeiten regelt die Benutzung von Hilfsmitteln bei Prüfdiktaten in Nummer 2 Absatz 6. Sie kann "Duden-freundlich" interpretiert werden.)

Die Entwicklung der Fehlersensibilität kann dadurch gefördert werden, daß die Schülerinnen und Schülern nach einer Pause nochmals Gelegenheit erhalten, ihren Diktattext (mit oder ohne Hilfsmittel) zu prüfen.)

• sinnvoll korrigiert werden

(Kein „Unter"streichen von Fehlern: Je nach Klassenstufe und individueller Leistungsfähigkeit der Schüler/innen sind unterschiedliche Formen der Markierung denkbar und sinnvoll: z. B. Durchstreichen/Überkleben der Fehlerwörter, Markieren nur am Rand, Punkt unter dem Fehlerwort u. a. Aktuelle fachdidaktische Empfehlungen müssen Berücksichtigung finden; bei Prüfdiktaten sprechen juristische Gründe allerdings gegen ein Überkleben bzw. "Weglacken" der Fehlerwörter.)

• pädagogische Rückmeldungen bieten

(Das Feedback sollte den individuellen Lernzuwachs kenntlich machen, Mißerfolge wirken lern- und motivationshemmend.)

• planmäßig und individuell nachbereitet werden

(Es gilt, Fehlerschwerpunkte zum Gegenstand des Unterrichts zu machen, zum Üben anzuleiten sowie sinnvolle Berichtigungen durchzuführen: Ableitungen, Verben in Grund- und Personalformen, Nomen in Singular, Plural und Zusammensetzungen, Steigerungsformen von Adjektiven, Partikel in Satzbildungen etc. ... / Einrichten bzw. Führen einer individuellen Übungswortkartei.)


Diktate sind keine Rechtschreibübungen.

Diktate können ein Instrument sein, das Rückmeldungen über den individuellen Lernstand ermöglicht, sofern jedes Kind erfährt: Üben bringt Erfolg, Anstrengung lohnt sich, ich kann etwas!


Dagmar Wilde • Seminarpapier • Fachseminar VU  •   September 1994

 

Literaturhinweise

 

©opyright Dagmar Wilde, Berlin, April 2001

letzte Aktualisierung 07.04.2003

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