Kinderbücher im Unterricht - Zitate zur "Einstimmung"

Vgl. dazu auch: Gerhard Haas/Wolfgang Menzel/Kaspar H. Spinner: Handlungs- und produktionsorienderter Literaturunterricht in: Praxis Deutsch. Heft 123 (1994).

"Subjektiv bedeutsame Textbegegnungen stellen sich auf individuell ganz unterschiedliche Weise ein und müssen auch auf unterschiedliche Weise arrangiert und initiiert werden: Für den einen ist es das (mehrfache) stille Lesen, für den anderen ein eher handelnder oder kreativ-produzierender Zugang, der dritte macht vielleicht erst im gemeinsamen Gespräch die Erfahrung dieser Bedeutsamkeit. Ein Literaturunterricht, der auf Individualisierung zielt, muß in seinem methodischen Arrangement immer auch eine intensive Textbegegnung ermöglichen."

(Hannelore Daubert, Peter Härtling im Unterricht. Weinheim und Basel 1996. S. 15.)

"Der Umgang mit Literatur ist jedoch immer subjektiv und oft auch emotional geprägt und erfordert eine Vielzahl unterschiedlicher Verfahren, um der Vielzahl der Individuen und ihren individuell geprägten Zugangsweisen gerecht zu werden. Hier hat in den letzten Jahren ein methodisches Umdenken stattgefunden und zu einer Fülle von phantasievollen, motivierenden Unterrichtsverfahren geführt. Diese Neuorientierung war bestimmt von der Erkenntnis, daß ein ausschließlich kognitiv-analytischer Umgang mit Literatur, wie er im herkömmlich-interpretierenden Literaturunterricht praktiziert wurde, nicht allen Lern- und Begabungstypen gerecht werden kann. Hinzu kommt, daß ein "Zerreden" der Texte von den Schülern häufig als demotivierend empfunden wird. Der ausschließlich reflexiv-analytische Kontakt mit Literatur wird nun ergänzt und oft auch ersetzt durch handlungs- und produktionsorientierte Verfahren im Umgang mit Literatur. Diese Verfahren sind vor allem dort unerläßlich, wo - etwa in der Grundschule - rein analytische Vorgehensweisen nicht dem geistig-seelischen Entwicklungsstand entsprechen, oder auch dort, wo die dafür notwendige analytische Begabung nicht vorhanden ist."

(Hannelore Daubert, Peter Härtling im Unterricht. Weinheim und Basel 1996. S. 15.)

Prinzipen für den Umgang mit Kinderbüchern

  • "Es gibt verschiedene Formen des Umgangs mit Texten, die gleichberechtigt nebeneinander stehen. Die verbal-begriffliche Interpretation ist nur eine davon. Erkenntnisse können auch durch Nachempfinden, durch sinnliche und gefühlsbetonte Formen der Wahrnehmung und Beschäftigung mit Literatur erreicht werden.

  • Der Sinn eines Textes kann sich über handlungs- und produktionsorientierte Verfahren ebenso erschließen wie über kognitiv-analytische. Die Wahl der Methode muß sich aus der Eigengesetzlichkeit des Textes, dem Stand der Lerngruppe und den literaturdidaktischen Intentionen ergeben. Dabei sollten die einzelnen Verfahren sich nicht konkurrierend ersetzen, sondern gegenseitig ergänzen.

  • Keine der gewählten Methoden soll zum Selbstzweck werden, der handlungs- und produktionsorientierte Umgang mit Literatur ist ein Verfahren und sollte nicht um seiner selbst willen zum Inhalt gemacht werden.

  • Nimmt man den Anspruch auf Individualisierung im Literaturunterricht ernst, so muß versucht werden, ein möglichst breites Spektrum an Zugangsweisen und methodischen Verfahren zum Umgang mit Texten anzubieten, die möglichst vielen Lerntypen gerecht werden. Dennoch soll es nicht darum gehen, den Text lediglich als Ausgangspunkt - als Spielvorlage - für ein vielfältiges Animationsprogramm zu nutzen, mit dem aktionistisch und beliebig Schüleraktivitäten in Gang gesetzt werden, die sich im reinen Selbstzweck erschöpfen und mit dem Text in keinem Zusammenhang mehr stehen. Den Sinn des Textes zu erschließen, um den Schülern zu der Erfahrung der subjektiven Bedeutsamkeit von Literatur zu verhelfen, ist und bleibt die eigentliche Aufgabenstellung." (Daubert, S. 17.)


Dagmar Wilde - Seminarpapier Fachseminar VU - 09/1999


 

 

 

©opyright Dagmar Wilde, Berlin, April 2001

letzte Aktualisierung 07.04.2003

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