Rechtschreiben üben / 2

Lernpsychologische Erkenntnisse, die für den Rechtschreibunterricht hilfreich sind

Zwar ist die Einteilung in vier Lerntypen (visuell - auditiv - haptisch - verbal) in dieser Abgrenzung und Ausschließlichkeit heute nicht mehr haltbar, da die Lernfähigkeit noch von weiteren Faktoren abhängig ist, trotzdem ist das Wissen um die unterschiedlichen Lerntypen bedeutsam: Schülerinnen und Schüler müssen lernen, mit ihrer unterschiedlichen Behaltensfähigkeit umzugehen, Lehrer/innen müssen Inhalte sehr vielfältig anbieten, um Lernen auf verschiedene Weise zu ermöglichen und verschiedenen Lerntypen gerecht zu werden.

Auch beim Rechtschreiblernen sind unterschiedliche Faktoren beteiligt

  • visuelle

  • akustische

  • sprechmotorische

  • schreibmotorische

  • semantische

  • kognitive

  • mnenotechnische

Kinder, deren visuelle Fähigkeiten stark ausgeprägt sind,

prägen sich auch falsch geschrieben Wörter schnell ein - hier ist umgehende Korrektur eminent wichtig!

Kinder, deren auditive Fähigkeiten besonders ausgeprägt sind,

orientieren sich vorrangig am Hören. (RS-lernen über den akustischen Weg ist bedeutsam; akustische Übungen (Erkennen der Lautabfolge, Silbensprechen) sollten auch nach Ende der 1. Klasse Bestandteil des RSU sein.

Kinder, deren verbale Fähigkeiten besonders ausgeprägt sind,

sprechen sich Wörter, die sie aufschreiben, häufig vor. Hier ist das deutliche und normgerechte Sprechen bedeutsam, ohne dass dabei dabei das Klangbild des Wortes verfälscht wird (z.B. Hinweise auf dialektal gefärbte Sprechweisen).

Kinder, deren Lernvorgänge über den schreibmotorischen Weg laufen,

prägen sich Wörter besonders nachhaltig ein, wenn sie sie häufig schreiben. Angebote zur Aneignung der Schreibungen über das Automatisieren der Wortspur sind hier wichtig.

Kinder, für die die Wortbedeutung hilfreich ist,

gelangen vor allem über das Inhaltsverständnis (Satzkontext, Wortfamilie) zur richtigen Schreibweise.

Kinder, für die Regeln hilfreich sind,

orientieren sich an auf kognitivem Weg vermittelten Gesetzmäßigkeiten, sind an Einsicht orientiert und/oder wenden abstrakt-verbale Begriffe bewusst an.

Kinder, für die Assoziationen hilfreich sind,

gelangen über anschaulich-bildhafte Elemente (Merkverse, Eselsbrücken) zur richtigen Schreibweise.

Keiner dieser Typen besteht für sich allein: RS-Übungen müssen nach Möglichkeit alle diese Bereiche berücksichtigen, da die einzelnen Komponenten auf unterschiedliche Weise ineinandergreifen. Für Lehrer/innen ist oft nicht erkennbar, wo genau jedes einzelne Kind seinen persönlichen Schwerpunkt hat, Einseitigkeiten würden etliche Kinder in ihrem Lernen benachteiligen.


Dagmar Wilde • Seminarpapier Fachseminar VU • 02/97


 

 

©opyright Dagmar Wilde, Berlin, April 2001

letzte Aktualisierung 07.04.2003

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