Aspekte der Schreibforschung

Verwendete Quelle: Merkelbach, Valentin, Legt die Korrekturwaffen nieder, in: Praxis Schule 5-10 4/93.

Der geschriebene Text ist als Produkt eines problemorientierten und problemlösenden Schreibprozesses zu sehen

Eine Annäherung der Schrifterwerbs- und der Schreibentwicklungsforschung ist zu verzeichnen: seit den 70-er Jahren wächst das Interesse am Prozess des Schreibens als einem problemorientierten Handeln.

zentrale Teilkompetenzen des Schreibens: Planen und Überarbeiten

Ein Überarbeiten in Peer-Gruppen (Schreibkonferenzen) führt zu einer deutlichen Verbesserung der kommunikativen Struktur von Texten. Durch gemeinsame Überarbeitung wird Schreiben in seiner immanent kommunikativen Funktion deutlicher akzentuiert (als z.B. beim isolierten Schreiben und Überarbeiten, welches dann primär rechtschriftliche Überarbeitung bleibt).
Die Leserperspektive wird so in den Überarbeitungsprozess explizit integriert.

Überarbeitung durch Schülergruppen (Schreibkonferenzen)

Schüler/innen (auch jüngere) verfügen - zumindest in Ansätzen - als Leser und Textkritiker bereits über ein globales Textstrukturierungsbewusstsein - welches sie als Verfasser/Schreiber noch nicht bewusst einsetzen könnten. (Kompetenzentwicklung beim Planen und Überarbeiten: s. o.).

Adressatenbezug des Schreibens

Die Ergebnisse der Schreibforschung legitimieren alle Formen der mündlichen und schriftlichen Veröffentlichung der Schülertexte: erst so rechtfertigen sich die Mühen des Planens, Schreibens und Überarbeitens, erst so wird Schreiben zu adressatenbezogenem Schreiben.

Prozessorientierung

Prozessphasen des Planens, Schreibens, Überarbeitens und Veröffentlichens müssen für die Schüler erfahrbar werden: Ein produktfixierter Schreibunterricht ist überkommen. Texte verfassen sollte als kommunikatives Handeln von Schülern erfahren und von Lehrern verstanden werden.

Rehabilitierung des Sprachgefühls

Lange als irrational verpönt, wird nunmehr die Tradition schulischer Stilarbeit Rudolf Hildebrandts wiederbelebt: Stilarbeit sollte an von Schüler/innen verfassten Texten erfolgen.
Stilistische Kompetenz erwerben Schüler/innen, indem sie Formulierungen, mit denen man sich identifizieren kann, suchen und besprechen, auswählen und verwerfen. (Hier ist die Bedeutung des lauten Vorlesens in den Blick zu nehmen!)

Zum Umgang mit Schülertexten

Warum begegnen wir Schülertexten von vornherein mit dem Defizitblick? (Vgl. hierzu insbes. die Kritik und die Beispiele für einen veränderten Blick auf Schülertexte bei Dehn.) Unausgesprochene Vorurteile, die Annahme Schülertexte müssten defizitär sein, Verbesserungen erfordern, gilt es kritisch zu reflektieren. Bei der Erstbegegnung mit Schülertexten sollte zuerst einmal ein echtes Leseinteresse bestehen, nicht das professionell-analytische Interesse der Lehrer/innen, das Korrigieren.


Dagmar Wilde • Seminarpapier FS VU / FUB 1996 • Fassung 04/00


Texte überarbeiten - was müssen Kinder in der Grundschule lernen?

Texte planen - schreiben - überarbeiten (Schreibkonferenzen)

Zum Texte Verfassen und Aufsatzschreiben in der Grundschule

Literaturauswahl - Texte Verfassen

 

 

 

©opyright Dagmar Wilde, Berlin, April 2001

letzte Aktualisierung 07.04.2003

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