Der Aufsatz ist in erweiterter Fassung erschienen in: Grundschulzeitschrift Heft 66/1993

Karin Babbe / Dagmar Wilde

Ist verbundener Sprachunterricht planbar?

Wer kennt sie nicht, die zwiespältigen Gefühle, die das Wort "Arbeitsplan" auslöst. Wer kennt sie nicht, die kalendarisch am Schuljahr orientierten Inhaltsverzeichnisse des eingeführten Schulbuches, die als "Stoffverteilungspläne" – von Jahr zu Jahr geringfügig modifiziert – in manchen Kollegien herumgereicht werden.
Als lästige, bürokratische Pflichterfüllung wird diese Routineaufgabe betrachtet.

Wird in den Arbeitsplänen - ob Halbjahres- oder Jahresplanungen - nur eine Verteilung des Stoffes auf die zur Verfügung stehenden Schulwochen vorgenommen, bleiben die Kinder mit ihren individuellen Lernvoraussetzungen und -interessen ebenso ausgespart wie Ziel- und Inhaltsdimensionen der Lerngegenstände und didaktische Leitlinien der Unterrichtsarbeit. Derartige "Arbeitspläne" sind das Papier kaum wert, auf dem sie gedruckt wurden. Besitzen sie doch weder für die Verfassrin/den Verfasser noch für irgend jemand anderen einen Informationswert.

Wir meinen, daß gerade eine Jahresplanung dazu verhelfen kann, Klarheit über die eigenen Absichten zu gewinnen, fachliche wie pädagogische Schwerpunkte zu setzen und von der täglichen Vorbereitung zu entlasten.
Sie kann für die Lehrerin/den Lehrer einen motivierenden Einstieg in das neue Schuljahr bedeuten.
Während des Planungsprozesses können Lehrer/innen – im Rahmen ihrer didaktisch-methodischen Kompetenz – reflektierend und kreativ mit den im jeweiligen Rahmenplan vorgegebenen Zielen und Inhalten umgehen, der Erfahrungswelt, den Fähigkeiten und Fertigkeiten der Kinder nachspüren, um deren Interessen und Bedürfnisse im Sinne schülergeleiteten Lernens und Arbeitens in die Planung einzubeziehen.

Soll der Arbeitsplan - so betrachtet - zu einer lebendigen Grundlage der gemeinsamen Lernzeit im laufenden Schuljahr werden, muß er sowohl detailliert und rahmenplanbezogen als auch offen für Veränderungen sein, die im Lernprozeß entstehen oder durch aktuelle Anlässen bedingt werden.
Wenn Planung neben dem "was" auch stets das "für wen" und "wie" reflektiert, dann stellt sie eine Arbeitserleichterung für die gesamte Arbeit im Verlauf des Schuljahres dar. Wird im Rahmen der Antizipation teilweise auch bereits schon das "woran und womit" bedacht, setzt Jahresplanung Zeit und Kreativität für die tägliche Unterrichtsvorbereitung frei und ermöglicht Offenheit für Kind und Sache. So betrachtet engt Planung gerade eben nicht ein: Im Gegenteil - erst Planung ermöglicht Offenheit und Flexibilität in konkreten unterrichtlichen Handlungssituationen.

Unterricht - als zielgerichtetes Handeln von Lehrer/innen und Schüler/innen - ist ohne Planung nicht denkbar. Je umfassender aber unsere langfristige, planerisch-gedankliche Vorbereitung war, desto souveräner können wir mit den Entscheidungsmöglichkeiten im pädagogischen Alltag umgehen: Ein detaillierter Planungszusammenhang befreit vom Improvisieren und vom unreflektierten Expressionismus.

Flexibilität und Planung sind keine Gegensätze. Flexibilität ist einerseits nicht gleichbedeutend mit einem "Sich-Treiben-Lassen". Planung muß andererseits - bei zeitlicher und inhaltlicher Vorordnung - immer Variabilität und Improvisationsfähigkeit zulassen. Dazu bedarf es vor allem der Klarheit über Zielstellungen, mögliche Alternativen, Kenntnis der Lernvoraussetzungen und Lernbedürfnisse der Kinder, Wissen um zur Verfügung stehende Materialien.

So betrachtet schafft Planung überhaupt erst die Freiräume, in denen Spontaneität sich entfalten kann.

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Ist verbundener Sprachunterricht planbar?

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© Karin Babbe / Dagmar Wilde, Berlin Mai 1993

 

Planungsbeispiel "Wohnumgebung"

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© Dagmar Wilde, Berlin Mai 1993

 

 

 

 

©opyright Dagmar Wilde, Berlin, April 2001

letzte Aktualisierung 07.04.2003

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