Strategien der Klassenführung

Mitarbeit und Störverhalten sind - in positiver wie in negativer Hinsicht - im wesentlichen auf Merkmale des Unterrichtsstils und des Verhaltens der Lehrer/innen zurückzuführen.

Klassenführung ist von Bedeutung für den Unterrichtserfolg

Lernen selbst muss jeder Schüler selbst - damit er aber lernen kann, sind seitens der Lehrer/innen vier Voraussetzungen zu erfüllen:

  • Schüler lernen besser, wenn sie bezüglich des Lernstoffes wissen, was sie eigentlich tun und was sie lernen sollen

  • Zum Lernen benötigt ein Schüler Möglichkeiten selbstständig und aktiv handelnd auszuprobieren, inwieweit er den Lernstoff verstanden hat

  • Auch wenn ein Schüler den Lernstoff verstanden hat, muss er ihn weiterhin selbstständig und aktiv handelnd bis zur Routine üben, um wieder Kapazitäten für neuen Lernstoff frei zu bekommen

  • Jedes Lernen muss daraufhin überprüft werden, ob es richtig verstanden und richtig geübt worden ist

Unterrichtsaktivitäten erfordern Regeln

Unterricht funktioniert nicht von allein, Unterrichtsaktivitäten unterliegen Regeln, die eine Klasse erst lernen muss (z. B. 1. ruhig sitzen, 2. still sein, 3. andere nicht ablenken, 4. sich nicht ablenken lassen), die zur reibungslosen Routine werden müssen. Wie etabliert man einzelne Unterrichtsaktivitäten (Lehrervortrag, Schülerdemonstration, Unterrichtsgespräch, Stillarbeit, Hausarbeitskontrolle etc.), um auf ihren reibungslosen und störungsfreien Ablauf bauen zu können?

Strategien, um Störverhalten zu unterbinden und aktive Mitarbeit zu fördern

Jacob S. Kounin hat das Klassenführungsverhalten von Lehrerinnen als einer der ersten untersucht und die einzelnen Merkmale beschrieben. Er nennt folgende wirkungsvolle Strategien, um Störverhalten von Schülern zu unterbinden und aktive Mitarbeit zu fördern.

Allgegenwärtigkeit

  • Lehrerin weiß, was aktuell in der Klasse vor sich geht, und macht dies den Schülern auch deutlich

  • Störungen durch einzelne Schüler werden unverzüglich, kurz und bündig und unter direkter Ansprache des störenden Schülers unterbunden (so kann sich Störverhalten nicht auf andere Schüler ausbreiten und den Unterrichtsgang beeinträchtigen)

  • Lehrerin macht explizit deutlich, welchen Lärmpegel und Grad an leichtem Störverhalten, sie während einzelner Unterrichtsaktivitäten duldet und welchen nicht

  • Lehrerin stellt die geltenden Unterrichtsregeln zu Beginn des Schuljahres explizit vor, spricht sie mit den Schülern ab, übt sie ein und achtet kontinuierlich auf ihre Einhaltung

Überlappung

  • Lehrerin ist in der Lage, zwei (oder mehr) Unterrichtsprozesse zeitgleich zu steuern, z. B. eine Störung zu unterbinden und zugleich das Unterrichtsgespräch fortzusetzen (widmet sich die Lehrerin ausschließlich einer Störung oder einem einzelnen Schüler, führt das u. U. dazu, dass die übrigen Schüler sich - wartend, unterbeschäftigt - unterrichtsfremden Aktivitäten zu widmen beginnen und eine Kettenreaktion an Störungen entsteht)

Reibungslosigkeit

  • Lehrerin macht den Übergang von einer Unterrichtsaktivität zur nächsten transparent, sodass alle Schüler bereitwillig und ohne Verzögerungen folgen können (z. B. Wechsel explizit ankündigen, sich durch Rückfragen vergewissern, dass zur abzuschließenden Unterrichtsaktivität keine Fragen mehr bestehen; Ende einer Aktivität explizit ankündigen, organisatorische Vorkehrungen für die neue Unterrichtsaktivität vornehmen; neue Unterrichtsaktivität explizit ankündigen, kurze Orientierung auf das Kommende geben)

Schwung

  • Lehrerin trifft das für die jeweilige Klasse angemessene Niveau und Tempo der Unterrichtsaktivität, sodass der Unterricht reibungslos abläuft (Länge und Detailliertheit der Erklärungen und des Vormachens sind z. B. auf das Verständnis der Klasse abgestimmt sind, d. h. nicht zu ausführlich, sodass es für Schüler langweilig wird, d. h. nicht zu kurz, sodass manche/alle Schüler nicht verstehen, was sie tun sollen)

Gruppenfokus

Fähigkeit, mit dem Unterricht jeden einzelnen Schüler zu erreichen und in eine aktive Auseinandersetzung mit dem Lerninhalt zu verwickeln. Vier Aspekte sind hier besonders wichtig:

  1. Für Schüler aller Leistungsgruppen existieren Angebote, sich mit dem Lernstoff aktiv auseinander zu setzen
  2. Schüler auf allen Sitzpositionen werden in die Lehrer-Schüler-Interaktion einbezogen
  3. Schüler müssen beim Lernen so wenig wie nötig nur zuhören und können so oft wie möglich aktiv handeln
  4. jeder Schüler ist aufgefordert, Rechenschaft bezüglich seiner Lernaktivitäten zu geben und erhält konstruktive Rückmeldung.


Wilde • Seminarpapier Fachseminar VU • 9/99


 

Prinzipien der Klassenführung nach Kounin (Seminarpapier von Dr. Manfred Rosenbach)

Wilde, Dagmar: Classroom Management - die Klasse erfolgreich führen. In: Grundschule 02/2005.

 


 

©opyright Dagmar Wilde, Berlin, Januar 2000

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13.11.2006


 

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