Sommersemester 99 FUB: Arbeitsmittel im Deutschunterricht

Arbeitsmittel aus meinem Deutschunterricht, an die ich mich erinnern kann...

Aufgabenstellung

Schreibbiographie
Arbeitsmittel aus dem Deutschunterricht, an die ich mich erinnere, Lernsituationen mit ihnen... Bücher, Arbeitshefte, Spiele, Karteien (?)...
Umgang meiner Lehrer, meiner Mitschüler damit... meine Eindrücke (Gerüche, Anblicke, Gefühle)...
Form: egal (Ichform, Brief, Stichpunkte, Gedicht...) Umfang: egal...
Darstellung: eigene Arbeitsmittel aus der Grundschule mitbringen, Lösung der Aufgabe für alle präsentieren (Plakate), Text abgeben


 

Liebes Tagebuch
Heute zwang man mich in einem Unikurs, mich an meine Schulzeit zu erinnern und dann auch noch an meine Grundschulzeit. Nicht nur das, sondern ich mußte mir auch noch Berichte darüber anhören, wie die Schulzeit bei anderen Leuten so verlaufen war. Das brachte natürlich alte, längst vergessen geglaubte Erinnerungen wieder zum Vorschein. Zum Beispiel musste ich mich an die stinkenden diskriminierenden Matrizen erinnern. Ich weiß es noch ganz genau, man mußte links oben seinen Namen eintragen und rechts oben das Datum, Da kam natürlich immer zum Vorschein, daß ich aus ärmlichen Verhältnissen kam und mir keine Digitaluhr leisten konnte, die auf Knopfdruck das Datum anzeigte. Viel schlimmer war aber die Matrize auf der ein kleines Baby abgebildet war, ich glaube es war im Sexualkundeunterricht der dritten Klasse. Dieses Baby hatte ein Namenskettchen um die Hand und darauf stand Lala, was mein Nachname ist. Alle Kinder haben dann meinen Namen im Chor gesungenwas man als Drittklässler ganz besonders gut leiden kann. Die Lehrerin meinte dazu nur, daß alle Neugeborenen so etwas um die Hand bekommen.

Eine andere Erinnerung aus meinem Deutschunterricht in der Grundschule ist das Verfahren nach dem ich das Schreiben gelernt habe. Wir hatten alle einen kleinen Kasten, etwa von der Größe eines Tuschkastens. Wenn man den aufklappte, waren darin ganz viele kleinen Magnetbuchstaben. Diese konnte man auf Linien im Deckel befestigen. Eigentlich durften wir diesen Kasten nicht mit nach Hause nehmen, wir hatten damals noch Fächer unter dem Tisch, aber so etwas gibt es ja heute gar nicht mehr. Jedenfalls sollten wir die Kästen da lassen, aber als Stolz meiner Eltern wollte ich ihnen natürlich zeigen, was für ein kluges Kerlchen sie da in die Welt gesetzt hatten. Ich kann mich noch ganz genau an das Gesicht meines Vaters erinnern, als ich ihm meine ersten Worte auf Magnettafel legte. "OMA" und "OPA" in Großbuchstaben. Ich habe den Kasten noch ein paar mal mit nach Hause geschmuggelt, um meinem Vater meine neuen Worte zu legen aber ich glaube er hatte wenig Verständnis dafür, dass das "V" erst ziemlich spät in der ersten Klasse gelehrt wird. Ich glaube auch, daß von da an mein Vater das Interesse an meiner schulischen Karriere verloren hat, erst als ich als erster Schüler meiner Klasse auf die Idee gekommen bin, beim Prügeln mit anderen Kinder den Gürtel zur Hilfe zu nehmen hat sein Interesse wieder zugenommen.

Nach einem Telefonat mit meiner Mutter mußte ich feststellen, daß es tatsächlich noch Relikte aus meiner Schulzeit gibt, obwohl ich sicher war alles den reinigenden Flammen des Feuers übergeben zu haben. Was ich natürlich übersehen hatte waren die Muttertagsgeschenke die wir in der Schule basteln mußten. Ich hoffe nicht jeder hat so eine Mutter, die einen auch noch zwanzig Jahre später so anguckt als wolle sie einem sagen: Junge, da hättest du dir ja wirklich etwas mehr Mühe geben können!". Und das auch noch durchs Telefon. Ansonsten gibt es außer schlechten Erinnerungen nur noch zwei Dinge die ich aus meiner Schulzeit besitze, daß eine ist mein Abizeugnis und das andere ist ein Tonkopf den ich mal im Kunstunterricht getöpfert habe. Beides kann ich nicht wegschmeißen, das Zeugnis nicht, weil, na ja, vielleicht tu ich das ja mal für was brauchen und den Tonkopf hält meine Freundin für Kunst. Junge Junge, die hat wirklich noch weniger Ahnung als ich.

Marcus Lala 05/99


 

Eins der Arbeitsmittel, die mir noch am deutlichsten in Erinnerung geblieben sind, sind die Arbeitsbögen, auf denen wir das Schreiben in Schreibschrift erprobt und gelernt haben.

Es waren DIN A-4 Bögen, auf denen in breitem Abstand und im Querformat Linien gezogen waren. Um uns die Linienführung der einzelnen Buchstaben zu erleichtern, erlaubte uns unsere Lehrerin, jeweils ein Haus an je en Anfang einer Zeile zu setzen. Die erste Spalte bekam dann die Bezeichnung "Dach", die mittlere war das "Erdgeschoß" und die unterste wurde zum "Keller". Das machte das Ganze etwas farbenfroher. Die erste Aufgabe bestand dann darin, das ganze Blatt voller "o's" zu malen - wobei wir ja noch nicht wußten, daß es "o's" waren. Am nächsten Tag wurden es dann kleine "l's". Ich hatte eine gewisse Freude daran, zu sehen, daß meine Kringel von Reihe zu Reihe immer perfekter, also dem Original immer ähnlicher wurden. Aber nach einer gewissen Weile des "Kreiseziehens" wurde mir immer langweilig. Ich wurde dann auch schon immer so schnell fertig. Das war glaube ich der Zeitpunkt, an dem ich zum ersten Mal anfing, aus Langeweile mit meinen Sitznachbarn zu quatschen und damit meine Lehrerin empfindlich zu stören.

Das zweite Arbeitsmittel, an das ich mich noch erinnere, ist mein Buchstabensteckkasten. Das war ein flacher Kasten, den man aufklappen konnte und darin befanden sich eine aufstellbare Papptafel und eine Menge kleiner Plastikplättchen mit Buchstaben drauf. Diese waren alle dem Alphabet nach geordnet und vorne in Druckschrift und hinten sogar in der viel schwierigeren Schreibschrift bedruckt. Die Aufgabe im Unterricht bestand nun darin, ein Wort, das angegeben wurde möglichst schnell und möglichst fehlerfrei in diese Papptafel zu stecken. Diese Art von Wettbewerb hat mich eigentlich immer angespornt und somit auch Spaß gemacht.

Auch an eine Alphabettafel, die an der Wand unseres Klassenzimmers hing, kann ich mich noch gut erinnern. Das ganze Alphabet war dort der Reihenfolge nach aufgemalt und neben jedem Buchstaben ein Tier, dessen Name mit dem jeweiligen Buchstaben begann. Auf dieses Plakat waren wir alle sehr stolz, da Paul Maar es uns mal persönlich angefertigt hatte, als er unsere Klasse besuchte. Wir hatten damals das Sams gelesen und Paul Maar kam für einen Tag in unsere Klasse, um uns daraus vorzulesen. Die schöne Alphabettafel haben wir dann bei jedem weiteren "Umzug" im neuen Klassenraum wieder aufgehängt.

Kim Daskiewicz 05/99


 

Sehr verehrtes Trampeltier!
Wegen Dir, du alter Schraube,
muß ich schreiben auf Papier.
Tinte muß ich auch verschwenden,
um Dir diesen Brief zu senden.
Schick, mir mal ein Bild von Dir,
das häng ich an die Kellertür.
Damit es alle Mäuse seh'n,
und nicht an die Kartoffeln geh'n.
Viele Grüße aus der Ferne,
Deine alte Blechlaterne.

Lieber Marius!

Dieses Gedicht und noch viele andere gehören zu den schönen Erinnerungen meiner Grundschulzeit, in der man -fast täglich ein fremdes Poesiealbum mit nach Hause genommen hat. Es wird nicht mehr lange dauern, dann wirst Du jeden morgen mit deinem Ranzen auf dem Rücken unsere Wohnung verlassen und in die Schule gehen. In der ersten Klasse werdet ihr bestimmt so einen schönen Klassenraum haben wie wir damals. Die Wände haben wir mit selbstgemalten Bildern verschönert, jedes Kind hatte ein eigenes Fach für seine Malsachen. In der Kuschelecke konnten wir uns Bücher aus der Bücherei ansehen und manchmal auch mit noch Hause nehmen. In der Pause haben wir auf dem Schulhof immer Murmeln gespielt. Die große blaue Murmel aus dem Glas ist noch von damals übriggeblieben. Musikunterricht hatten wir in dem Musikraum. ganz am anderen Ende der Schule. Dort konnte man alte Instrumente ausprobieren und hat Liedtexte auf Matrize abgezogen bekommen. Dieses Matrizenpapier hat ganz komisch gerochen, manchmal ein bißchen wie Parfum. Und neben dem Musikraum war die Aula. Dort wurden alle Kinder eingeschult. Einmal im Jahr hat die Theater A& ein Stück dort aufgeführt. daß war vielleicht immer spannend. Lasen und Schreiben habe ich mit Fu gelernt. Fu war eine Strumpfpuppe. Jedes Kind hat eine eigene Puppe von seiner Mutter bekommen. Hanno hat mir auch eine gebastelt- in blau mit gelben Haaren. In der Schule hatte man auch für jedes Fach einen Ordner. Der Deutschordner war rot. der Matheordner blau. Sachkunde grün und Musik gelb. Aber das wirst du selber alles noch merken, wann du erst einmal in der Schule bist.

Deine Andrea

Andrea Bars 05/99


 

Es ist erschreckend, wenn man Lehrer werden will und sich kaum noch an die ersten sechs Jahre der eigenen Schulzeit erinnern kann. Sicherlich gibt es eine Menge an persönlichen Erinnerungen, aber an die Vielzahl von Schulbüchern oder Arbeitsbögen, ihre gelesene und bearbeitete Anzahl geht wahrscheinlich in die Hunderte, kann ich mich fast gar nicht mehr erinnern. So möchte ich hiermit meine wenigen, noch vorhandenen geistigen Eindrücke der damaligen Zeit aufschreiben und beschreiben:

Ich glaube es gibt niemanden, der sich nicht an seine Fibel erinnert. Meine war rot, und vorne war ein Bär abgebildet. Ich glaube in den ersten Seiten wurde der Buchstabe "i" behandelt, und die Namen "Ulli" und "Ulla" habe ich auch noch irgendwo zwischen den Hirnwindungen. Doch bevor man echte Buchstaben malen durfte, wurden Figuren, wie z.B. Spazierstöcke in ein extra dafür vorgesehenes Heft gezeichnet. Die später eingeführten Hefte hatten in ihrem Liniensystem drei "Stockwerke", in die man die erlernten Buchstaben und Wörter ordentlich eintragen mußte; anfangs waren diese größer, später wurden sie kleiner. Bei der Erforschung neuer Buchstaben und Wörter ging man folgendermaßen vor:

Ein neuer Buchstabe wurde genannt, und alle Kinder mußten Wörter finden, die mit diesem genannten Buchstaben begannen. Auf die gleiche Weise wurden auch "schwere Wörter" der deutschen Sprache, wie z.B. Wörter mit "h" oder "ie" behandelt; die Kinder suchten nach/ überlegten sich solche/n Wörter/n, die Lehrerin schrieb diese an die Tafel, und die Kinder schrieben sie dann in ihr Heft.

Auch an meinen Wortschatz, ein ebenfalls rotes Buch, kann ich mich erinnern. Und auch an Sprachbücher erinnere ich mich. Sie dienten aber mehr als Schulwegballast, als als Lektüre. Zumindest sind keine Erinnerungen an Inhalte in meinen grauen Zellen gespeichert.

Gut kann ich mich an bunte Tafeln mit allen Formen der vier Fälle erinnern! Sie hingen rechts neben der Tafel über dem Klassenschrank.

Auch die Ethanolausdünstungen der meist violetten Matrizenabzüge sitzt noch zwischen den Chemorezeptoren meiner Nase. Auf einem dieser Papiere stand damals in der 3. Klasse das Gedicht des Herrn Ribbeck von Ribbeck im Havelland geschrieben, welches wir umgehend nach Erhalt der Seite in unseren Geist schleusen durften. Auch jetzt nach fast 16 Jahren bin ich in der Lage dieses Gedicht, wenn auch eventuell mit ein paar Versprechern, aufzusagen. Das einschlagende Erlebnis, an das ich mich erinnern kann, ist der Moment als ich den Unterschied zwischen "DAS" und "Daß" (seit der neuen Rechtschreibung "ASS") verstand.

Zusammenhangslose Erinnerungen:

Bücher:

Gedichte:

Mathematikhefte waren gelb, Deutschhefte rot

Ich kann nur hoffen, daß ich in den sechs Jahren mehr gelernt habe als es nach diesem kurzen Abriß den Anschein macht!

Philip Schneider 05/99


 

Lesen lernen in Langenberg bei Essen 1981

Es war im August. Ich, der sechsjährige Christian, bekam zwei Bücher zu Beginn der ersten Klasse, die beide quadratisch waren. Die Titel habe ich erst wieder erfahren, als ich die Bücher zuhause gefunden habe: "Lesen heute" von Dietrich Pregel, erschienen im Schroedel Verlag. Das eine enthielt Texte, das andere Übungen. Ich erinnerte mich auch noch an Grafiken aus Quadraten und Halbkreisen, nicht aber an den Einband.
Hier ist eine kurze Beschreibung meiner ersten Lehrmittel im Deutschunterricht:
Die Seiten sind durchgehend farbig, in den Werken sind viele Zeichnungen und Fotos. Der Band "Übungen" (108 Seiten) beginnt damit, daß Farben ihren Wörtern zugeordnet werden. Es kommen keine einzelnen Buchstaben vor, sondern zunächst einzelne Worte, dann kurze Sätze. Ich kann nicht mehr nachvollziehen, ob ich damals nach einer analytischen, synthetischen oder analytisch-synthetischen Methode das Lesen lernte.
Der Band "Texte" (76 Seiten) beginnt mit einem großen, schwarz-weißen Foto einer Straßenszene. Die Verkehrs- und Werbeschilder sind farbig hervorgehoben. Weiter geht es mit Farben und ihren Namen.
Bei der Arbeit mit den Büchern war mir nie langweilig, sofern ich mich erinnere. Ich war eifrig und gewissenhaft und hatte Freude an der Arbeit. Ich erledigte sie einfach - ohne darüber nachzudenken. Es kommt mir heute sehr selbstverständlich und problemlos vor, aber mein Gedächtnis verändert und verfälscht den Eindruck und die Gefühle zum Lesenlernen sicherlich.
Wer mehr über Grundschule in den 80er Jahren in NRW erfahren möchte, kann mich gerne fragen.

Christian 05/99


 

Wenn ich an Deutsch denken soll
oh Graus...
da seh' ich ziemlich dämlich aus
s' ist lange her
ich war noch jung
und ganz blaß ist die Erinnerung.

Buchstabenkarten
mit 'nem Magnet hinten dran
ja,
das hatten wir dann und wann.
In Vordruckheften
meterlang Buchstaben malen
... was waren das für Qualen.

Wandzeitung und Bildertext
es war alles wie verhext.

Nur ein einziges Mal
war ich sehr überrascht
es war kalt draußen und vermatscht
fragte unsere Lehrerin keck
"Wie bekommt man das Eis vom Fenster weg,
um rauszugucken in die Natur?"
Wir sahen sie an und staunten nur.

Wir fingen an wie wild zu hauchen
"HHHHHHHHHHHHHHHH"
"Ja, dazu muß man einen Buchstaben gebrauchen!"
sagte sie und brachte uns bei
wie wichtig so ein H doch sei.

Nach dieser Stunde
war ich ganz von den Socken
man konnte Kinder also auch noch anders locken
(um) am Unterricht Spass zu haben
doch leider mußten wir uns an dieser einen Stunde laben.

Katrin Kempf 05/99


 

Grundschule - Oh Gott! Das ist doch schon so lange her - ich glaube, ich kann mich an nichts mehr erinnern. Obwohl, Moment mal, da war doch der "Wortschatz", den jedes Kind in der Klasse hatte. Meiner hatte den schönsten Umschlag, eine selbstklebende Folie, weißer Hintergrund mit Blümchenmuster in verschiedenen Grüntönen. Die anderen hatten nur durchsichtige Umschläge, einige wenige hatten ihren Wortschatz in Geschenkpapier eingeschlagen, aber das hat nicht so schön geglänzt wie meine Folie. Jetzt fällt mir auch wieder ein, daß unsere Lehrerin immer ein Wort vorgegeben hat, und wir haben um die Wette nachgeschlagen, wer es am schnellsten finden kann. Wenn ich es gerade gesehen hatte, rief ein anderer schon die Seitenzahl. Es waren auch immer dieselben, die gewonnen haben, das hat mich geärgert (weil ich nicht dabei war).

Das kann aber doch noch nicht alles sein, mal sehn. An was kann ich mich noch erinnern? Was für Arbeitsmittel im Deutschunterricht gibt es doch gleich? Arbeitsbögen,... Und bei diesem Stichwort fallen mir sofort die beiden Känguruhs ein. Wie hießen die doch gleich? Hatten die überhaupt Namen, oder waren das nur "das große und das kleine Känguruh?" Jedenfalls waren die bei allen Deutsch-Arbeitsbögen dabei und haben immer lustige Sachen gesagt und gemacht. Meine Mitschüler/innen mochten die beiden genauso gern wie ich. Die Aufgaben und Rätsel mit den Känguruhs waren auf farbigem Papier gedruckt, nie auf weißem. Das Papier selbst war so faserig, daß die Tinte aus dem Füller immer in die Breite gelaufen ist. So war das auch mit anderen Arbeitsbögen, die die Lehrer/iinen für uns vorbereitet hatten. An den Abzügen von Matrizen haben wir immer geschnuppert, wobei der Geruch für mich weder angenehm noch abstoßend war - ich fand es einfach nur interessant, daß das Papier überhaupt nach etwas gerochen hat.

In welchem Arbeitsheft das war, weiß ich nicht mehr, aber einmal hatte ich das große Schreibschrift-E verkehrt herum geschrieben, also wie die Zahl drei. Daraufhin hat meine Lehrerin es einmal vorgeschrieben, und ich sollte die Reihe dahinter mit diesem Buchstaben füllen - die Reihe kam mir ziemlich lang vor... Nach drei oder vier korrekten Schreibschrift-E's hatte ich versehentlich wieder die 3 geschrieben, das waren dann so ca. zehn bis zwölf Stück. Was meine Lehrerin damals wohl gedacht hat?

Als Fibel hatten wir "lfix und lfine", einen kleinen Jungen und ein Mädchen - irgendwie mochte ich die beiden nicht besonders. Meine Mutter arbeitet an einer Grundschule, und sie hatte damals die Fibel mit Ulli dem Fehlerteufel, der war in meinen Augen viel besser und lustiger. Echt schade, daß wir den nicht auch hatten. Schade außerdem, daß unsere Lehrerin keine Handpuppe oder so etwas für uns hatte - zumindest kann ich mich nicht daran erinnern (und das hätte ich mir bestimmt gemerkt!). Meine Mutter hat einen "Fu" sogar selbst gebastelt, der erzählt den Kindern tolle Sachen, stellt ihnen Fragen und läßt sich die Antwort ins Ohr flüstern, schreibt mit seinem Maul an die Tafel und läßt sich streicheln. Das größte für die Kleinen ist, wenn sie selber mal den Fu sprechen lassen dürfen! O.k., Fu ist zwar kein Arbeitsmittel aus meiner eigenen Grundschulzeit, aber weil ich ihn zu niedlich finde, bringe ich ihn trotzdem mit.

Komisch, ich kann mich an kein einziges Buch aus dem Deutschunterricht der Grundschule erinnern, nur an Rätsel- bzw. Detektivgeschichten, die uns unsere Lehrerin vorgelesen hat. Es war echt spannend, darüber zu grübeln, was die Lösung sein könnte.

Zum Umgang der Lehrer mit Arbeitsmitteln fällt nur wieder ein, daß wir manchmal Arbeitsbögen mit unserem Nachbarn getauscht haben und uns dann gegenseitig korrigieren sollten. Dabei kamen wir uns unheimlich wichtig vor! Obwohl das von der Lehrerin nicht ausdrücklich gewünscht war (aber eben auch nicht verboten), haben wir uns zum Spaß Zensuren für unsere Übungen gegeben.

Meine Schnellhefter hatten alle verschiedene Farben, für jedes Fach eine: Deutsch war gelb, Mathe blau, Englisch rot, Religion grün, Sachkunde orange usw. Das habe ich über alle Klassenstufen und selbst im Gymnasium so beibehalten.

Meine Mutter hat für mich noch mal nachgesehen und tatsächlich meine ersten vier Fibeln gefunden. Selbst beim Durchblättern erinnere ich mich nur sehr vage an die Aufgaben und Bilder, z.T. weiß ich noch, wie ich etwas ausgemalt habe. Dann sind da noch zwei Geschichten, eine, bei der die Bilder vorgegeben waren (zum Ausmalen), und emie, bei der wir die Bilder selber zeichnen mußten. An das Buch "Bildergeschichten" erinnere ich mich erst, als ich es wieder vor mir habe - wie konnte ich das nur vergessen! Zu Hause habe ich es früher oft angesehen, weil ich es so toll fand, und auch jetzt noch sind mir alle Geschichten vertraut, wenn sie so vor mir liegen. "Vater und Sohn" waren die einzigen, die nur ohne diese "Gedächtnisstütze" eingefallen waren, ich fand sie spannend und lustig. "Reizwortgeschichten", bei denen ein paar Wörter vorgegeben wurden, die irgendwie 'in der Geschichte auftauchen mußten, lagen mir am meisten, denn da konnte ich meiner Phantasie beim Schreiben freien Lauf lassen!

Erstaunlich, an was ich mich doch noch erinnern kann. Und eines steht fest. ich denke gerne an meine Grundschulzeit zurück, denn es sind überwiegend positive Erinnerungen, die ich schon vergessen glaubte. Und es hat Spaß gemacht, diese wieder aufleben zu lassen!

Tanja Schummert 23.04.1999


 

Wenn ich mich an meine Grundschulzeit erinnere, dann fallen mir einige lustige Geschichte ein. Aber sich an die Arbeitsmittel zu erinnern, die wir im Deutschunterricht hatten, da gibt es leider kaum noch irgendwelche Erinnerungen. Ich weiß nur, dass ich nicht Fu und Fara, sondern Uli, den Fleckenteufel hatte. Meine ältere Schwester hatte Fu und Fara, und zu Hause las sie dann immer, dass Uta Fu ruft und Fara Uta. Ich fand Ulli viel besser, weil er immer so schöne große blaue Flecken machte und dabei immer so grinste. Natürlich hatte ich auch den kleinen roten Wortschatz und eine Fibel.
Als dann aber einige Kommilitonen aus diesem Seminar ihre alten Grundschulmaterialien mitbrachten, entdeckte ich auch eine Fibel, die ich ja auch in der Grundschule hatte; es war die Bunte Fibel.
Ich schlug sie auf und las die ersten Seiten. Da kamen mir die einen oder anderen Geschichten bekannt vor. Dann erinnerte ich mich auch, welche Geschichte ich gerne las und welche nicht. Bei dem Gedanken musste ich lächeln, weil ich das Gefühl so schön fand, in dieser alten Fibel zu lesen, die ich vor ca. 13 Jahren das letzte Mal in der Hand hielt.

Narin Nasso 05/99


 

Ich habe leider keinen Deutschunterricht in der Grundschule gehabt, weil Deutsch nicht meiner Muttersprache ist. Ich komme aus Polen, also es ist klar, daß die grundlegende Sprache Polnisch war.

Als ich noch in der Grundschule war, wurden ganz wenige Materialien zur Gestaltung des Unterrichts zur Verfügung gestellt. Wir haben die ganze Grundschulzeit lang nur verschiedene Bücher, Diktathefte, Buntstifte und die Tafel genutzt. Das waren sozusagen unsere Arbeitsmittel. An dieser Stelle möchte ich etwas über unsere Bücher sagen. Wir haben immer ein Lesebuch und ein Arbeitsbuch für den Polnischunterricht benötigt. Die Lesebücher enthielten Erzählungen und Gedichte. Unter jedem Text befanden sich Fragen, die sich nicht nur auf das Gelesene, sondern auch auf die Orthographie und Grammatik bezogen haben. Ich erinnere mich, daß diese Arbeit immer ein Qual für mich und für alle meine Klassenkameraden war. Die Ursachen dafür waren unterschiedlich. Erstens war die Formulierung der Fragen schwer zu verstehen, zweitens hat die Lehrerin die Fragen nie erklärt. Wir mußten uns also selbst mit diesen Fragestellungen auseinandersetzen, was damals nicht so leicht war. Meiner Meinung nach war die dritte Ursache dafür, daß wir diese Arbeit mit dem Buch als Muß betrachteten die, daß wir nie Zeit hatten unsere Gefühle zu äußern. Es ging immer nur um das Schreiben.

Zum Glück war es aber nicht immer so langweilig, weil wir ganz oft unterschiedliche Bücher lasen, und dann sah der Unterricht ganz anders aus. Unsere Lektüre war interessant und spannend, und als wir diese erarbeiteten, konnten wir ohne Hemmungen unsere Meinung sagen. Wir fanden besonders toll, daß wir uns ausdrücken konnten, ohne das jemand ständig auf die Fehler geachtet hat. Für die Sekundärliteratur hatten wir ein separates Heft, in dem wir eine Zusammenfassung der Bücher, die wir auf eigene Faust gelesen hatten, schreiben sollten. Derjenige, der am Ende des Semesters am meisten gelesene Bücher nachgewiesen hat, bekam eine sehr gute Note und ein Abzeichen mit dem Aufdruck DER BESTE LESER DES JAHRES. Das war eine Art Motivation zum Lesen für uns alle, und wir waren alle damit zufrieden und einverstanden.

Die Lehrerin versuchte uns auf verschiedene Weise die Rechtschreibung beizubringen. Einer diese Möglichkeiten blieb in meiner Erinnerung: Die Unterrichtende schrieb einen kurzen Text an die Tafel, dann hatten wir fünf Minuten Zeit, um das Ganze zu speichern, danach deckte sie alles zu und letztendlich schrieben wir der Text auf. Das Spannendste daran war zu erfahren, wer der Beste war und den ganzen Text fehlerlos aufgeschrieben hatte. Wer aber Fehler gemacht hatte, mußte das Wort zehn Mal wieder aufschreiben. Alle haben sich möglichst viel Mühe gegeben um keinen Fehler zu machen. Wir betrachteten es damals als Spiel und wollten das oft wiederholen.

Das waren unsere Arbeitsmittel, die wir für den Polnischunterricht benötigten, also kein OH-Projektor, keine Kopien und keine sonstigen Materialien, und trotzdem fanden ich und meine Klassenkameraden den Unterricht so gut wie nie langweilig.

Dominika Brzezina 05/99


 

An das erste und Hauptarbeitsmittel der ersten Klasse, die Fibel, kann ich mich recht gut erinnern, da ich es auch lange aufbewahrt habe. Auf dem festen Einband waren Kinder, gekennzeichnet durch Schülermütze und Schultüte, die über einen Zebrastreifen gingen. Jeder neue Buchstabe war zu Beginn des Kapitels in einem Kästchen in Schreibschrift abgebildet. Dieses Buch war mir angenehm, da die Bilder meinem Geschmack entsprochen haben und ich auch gerne geschrieben habe.
Von der ersten Klasse habe ich sonst nicht viele Arbeitsmittel in Erinnerung. Lernspiele (mit Material) kommen in meiner Erinnerung nicht vor. Nur so etwas wie " Stille Post " oder " Ich packe meinen Koffer Später gab es dann auch Matritzen, z. B. Bildergeschichten Der kleine Herr Jakob). Den Geruch der Matritzen mochte ich.
Wir hatten ein " Berlin-Buch ", das sehr schwer war und selten benutzt wurde. Von selbst habe ich auch kaum in Bücher gesehen. Wir wurden auch nicht dazu angehalten, Bücher zu lesen und es wurden auch keine besprochen. In einer Bibliothek war ich zum ersten mal in der 10. Klasse.
Im Sportunterricht wurden natürlich Sportgeräte benutzt. Turnen an Geräten hatte für mich einen größeren Aufforderungscharakter als z. B. Leichtathletik ohne Geräte.
Im Sachkundeunterricht und Biologieunterricht wurde viel der Overheadprojektor verwendet, was ich prinzipiell wegen der abgedunkelten Räume nicht so mochte.
Grundsätzlich war mir auch das sachliche Arbeiten mit Papier und Stift lieber als mit vielen Arbeitsmitteln.

Christina Hähnel 05/99


 

Arbeitsmitteleinsatz im Rahmen meiner grundschulischen Ausbildung. Arbeitsmittel ja, Einsatz vielleicht - aber weshalb?

Die 'Bunte Fibel'. Von der ersten bis zur letzten Seite in einheitlichem grau-weiß gehalten, der Umschlag ebenso. Wieder eine ‚Bunte Fibel‘, mit Arbeitsheft. Ausrufe die mich mein Leben lang begleiten. Fu ruft Fu. Fu ruft tut. Eine weitere ‚Bunte Fibel'. Wirklich sehr bunt, zu bunt.

‚Der Grundwortschatz‘. Schon damals schien es mir, als würde ich mit der Aushändigung dieses Dudens für Asketen nicht so recht ernstgenommen. Es folgte die Abschrift ausgewählter Wörter aus dem Grundwortschatz, zuerst in Schönschrift, dann aus dem Gedächtnis.

Aber mit Abschreiben ist eine Schülerexistenz nicht zu bestreiten, meinten die Lehrkräfte. Deshalb: Mechanisches Zerlegen von Wörtern in ähnlich klingende Laute.
Oder: Das Memorieren von Denksprüchen. Etwas Krankes ist nichts Gesundes. Etwas Reiches ist nichts Armes.

‚Uli schreibt Geschichten‘. Eigentlich schrieb er sie ja schon oder er hat sie schon geschrieben. Egal - wichtiger scheint es Fehlerteufel zu suchen und Sprachpuzzleteile einzukleben.

‚Uli entdeckt die Sprache‘. Noch mehr Puzzle.

Was bleibt? Unvollendetes. Ein schreckliches Unglück. Am Montag, dem 23.9., um 12.10 Uhr, geschah ein schreckliches Unglück. Olaf Klein, ein Schulanfänger, fuhr auf der Hauptstraße nach Hause. Da kam Peter Nonner freihändig...

Oliver Rueß 05/99


 

Als ich in die Grundschule kam - oh Graus
- war es ganz schrecklich, ich wollt' nur nach haus'!
Zuhause war es doch so schön,
dort konnt' ich meinen Freuden fröhn'.
Mit meinen Schwestern, den frivolen,
konnte ich rumalbern und johlen.
Doch sie war'n auch schon lebensnah
und zeigten mir, was wichtig war.
Und dass ich sie so manches fragte,
was in der Schule ich nicht wagte.
Einst spielten wir noch Lehrerin,
das war dann in der Schule hin,
hier hieß es nur, wie doof ich bin.
In der Schule fing's gleich an mit "Eins" und "A",
ganz gleich, wie groß mein Verständnis war.
Durch "Einmal-Eins" und "ABC"
tat mir mein kleiner Kopf bald weh.
Die Lehrer erzeugten auf ihre Art
nur Kopfschmerzen und Bandsalat.
Und auch das "Hausaufgaben-machen",
fand' ich bald gar nicht mehr zum Lachen.
Nach "Schema-F" - der Unterricht,
der motivierte wirklich nicht;
hat nie den Lebensgeist geweckt,
der in den kleinen Kindern steckt.
So wurden die wahren Interessen und all die wichtigen Fragen
von einem Rahmenplan begraben.
Ganz tot, ganz losgelöst vom Leben
wie sollte man so streben hinauf in ein Wissensgebiet,
das durch den Schuljahrgang seine Grenzen erhielt.
Jedoch: Mit Nachbarn schwatzen war sehr lustig,
der Unterricht hingegen frustig.
Dort hörte man oft lediglich,
"So mußt Du's tun", "So darfst Du's nicht".
Linkshänder hatten's noch viel schwerer,
rechts zu schreiben war populärer.
Das Verwischen und Schmieren, was beim Schreiben entstand,
war nun mal Ausdruck meiner linken Hand.
Das Zeugnis zeigte es immer wieder:
über'nen Vierer kam ich nicht rüber.
Dann bekam ich einen Füller
von meiner Mama,
doch das Schmieren wurde schlimmer
und auch das Gejammer.
Die Finger war'n wund, der Unterarm blau,
es half alles nichts - ich wurde nicht schlau.
Das Nicht-Erkennen und -Ergreifen
meiner Fähigkeiten brachten mich dazu, abzuschweifen
und erst nach vielen, vielen Jahren
fing ich wieder an, zu fragen.

Sabine Kies 16.07.99


 

Ich kam mit 7 Jahren zur Schule, durfte also richtig ausreifen. Unsere Schule stand in Pankow dicht an der damaligen Grenze, was für alle Schüler immer sehr bedeutungsvoll erschien. Wir stellten uns von der 1. Klasse an, den naheliegenden Westen paradiesisch vor.
In unsere Klasse gingen 28 Schüler, jeweils die Hälfte an Mädchen und Jungen. Meine Lehrerin liebte ich abgöttisch, was sie sagte war für mich gerne Gesetz. Die Ideen meiner Eltern scheiterten an der Zuwendung meiner Lehrerin. Ich galt als gute Schülerin, war aber viel zu schüchtern. Wir erlebten den klassischen Frontalunterricht, der sehr systhematisch geprägt war und eine massenhafte Stoffdichte aufwies.

zu den einzelnen Fächern der Deutschdisziplinen: Jedes Fach stellte einen abgegrenzten Bereich dar, der bereits in der 1.Klasse benotet wurde. Fächerübergreifende Inhalte waren nicht vorgesehen, aber dafür ein prallgefülltes Einzelfach.

Lesen
Ich lernte in "Meine Fibel". Das Lesenlernen war für mich eine Krux. Ich konnte einfach nicht die Buchstaben zu Wörtern erlesen. Allerdings lernten wir auch jede Woche einen neuen Buchstaben in Viererkombination kennen-jeweils 2Druck, und 2 Schreibbuchstaben. Mein Lesen veranstaltete die ganze Familie. In die Ferien zu den Großeltern durfte ich nur reisen, wenn ich übte. Mein lieber Opa blickte bei mir auch nicht mehr durch. Wir besuchten mit der Klasse oft die Bibliothek. Am Anfang der 2. Klasse hatte ich das Lesen dann geschnallt. Ich las jede Menge Märchen und las sie ebenso flüssig der Klasse vor.

Im Schreiben hatte ich ziemlich schnell Erfolge. Ich schrieb Einzelbuchstaben und Wörter oft mehrmalig auf die Zeile im Heft. Mein Liebling war mein grüner Geha aus Stuttgart von der Tante. Wir schrieben gleich zu Beginn des Kurses mit dem Füller. Ich sah den neuen Buchstaben, schrieb ihn in der Luft, dann auf der Bank und weiter im Übungsheft. Ganz happy war ich über jeden Bienchenstempel nach den Übungen.

Die Rechtschreibung hatte ich gut verinnerlicht. Besonderheiten von Regeln hoben wir hervor und unterstrichen die Übungswörter. Nach jedem Diktat zog die Lehrerin 3 Hefte, aus dem Stapel heraus und Kontrollierte die Fehler. Das fand ich immer sehr spannend.

Nach dem Unterricht war ich im Hort. Dann spielte die ganze Klasse Räuber und wir rannten starken Jungen hinterher.

Manuela Pötter


 

Es war einmal, vor ca. 14 Jahren, ein kleines, liniertes Schreibheft, ähnlich einem Notenheft. Es sollte dazu dienen kleinen und großen Buchstaben einen deutlich sichtbaren Unterschied zu geben und so eine genormte äußere Form in die Schreib- bzw, zu Beginn nur Druckschrift der Erstklässler zu bringen.

Dieses kleine, linierte Heft wurde folgendermaßen genutzt: Ein neuer Buchstabe wurde von der Lehrerin an den Anfang einer Zeile gemalt und die immer dem gleichen Schema folgende Aufgabe der Schüler bestand darin, den besagten Buchstaben einige Zeilen lang nachzumalen bzw. zu schreiben und zwar sehr sorgfältig.

Weiterhin gab es da eine große, bunte Lesefibel mit einem blauen Stofftier namens
Quiesel, der die Schüler durch das gesamte Buch hindurch begleitete. Diesen Quiesel gab es außerdem noch in einmaliger Ausführung in der Klasse, zum anfassen. In dieser Fibel mussten die Schüler wiederum Buchstaben nachzeichnen. Desweiteren bestand die Aufgabe der Fibel natürlich darin, den Kindern erste Lese- sowie Schreibkenntnisse zu vermitteln. Die Leseübungen wurden durch einfache Wörter wie Uli, Oli; Uta, Omi, Roller, rot usw. bestimmt.

Einige Zeit später kamen noch ein dickes Lesebuch und ein Sprachbuch dazu. In dem Lesebuch gab es Gedichte, Geschichten und Bilder. Das Sprachbuch enthielt hauptsächlich Sprachspiele und Diktate. Aus dem Lesebuch mussten die Kinder immer Gedichte auswendig lernen und diese dann ganz allein vorn an der Tafel laut aufsagen. Aus dem Sprachbuch kamen die Diktate. Alle paar Wochen wurde eines davon geschrieben. Zuerst textgenau, später dann in leicht abgewandelter Form.

Meine erste Erinnerung an den Deutschunterricht in der Grundschule, das kleine Schreibheft, ist weder mit positiven noch mit negativen Eindrücken verbunden, vielleicht trug auch seine relativ neutrale Farbe, braun, dazu bei. Dieses Schreibheft war für mich damals selbstverständlich und somit wichtig. Es war für mich repräsentativ für den Begriff Schule. Aus heutiger Sicht würde ich diese Art der Schreibübung schon positiv bewerten, denn ich denke es ist einfach nötig und unumgänglich für Schüler die Größenrelationen der Buchstaben deutlich, schematisch und klar erkennen und auf das Papier bringen zu können. Und zur Übung dieses Lernziels eignen sich derartige Hefte. Ich bin allerdings der Meinung, dass es für weniger zeichenbegabte Kinder beinahe eine Qual und vor allem tödlich langweilig ist, zeilenlang ein und denselben Buchstaben zu malen und das auch noch schön und lesbar, was ja in der ersten Klasse soviel heißt wie sehr langsam, konzentriert und verkrampft.

Zu der Fibel kann ich sagen, dass sie mir ebenfalls in neutraler Erinnerung geblieben ist, ebenso der Quiesel. Dieses blaue Stofftier hat mich weder gestört noch in meinem Lernprozess irgendwie positiv beeinflusst. Heute würde ich an der Fibel kritisieren, dass sie keinen erkennbaren Zusammenhang aufwies,also keine abgeschlossene Geschichte in sich barg. Außerdem waren meißt recht sinnlose Sätze wie:" Uta rollt. Nanu.", darin zu lesen.

Es war mir damals wohl egal aber heute denke ich die Fibel sollte wenigstens Ansätze einer zusammenhängenden Geschichte enthalten, um die Schüler auch zum Weiterlesen zu animieren. Ich frage mich hierbei, ob Kinder mit einer Hilfsfigur, wie dem Quiesel, die sich ja, wie man sieht, noch bis Jahre später eingeprägt hat, besser, leichter, effektiver oder schneller lernen? Eventuell trägt eine solche Figur ja auch eher unbewusst zur Erlernung von Selbstständigkeit bei?

Eine sehr positive Erinnerung an Arbeitsmittel im Deutschunterricht ist bei mir das Lesebuch. Mir hat es immer Spaß gemacht darin zu lesen, in der Schule wie zu Hause. Ich habe gern vorgelesen und war sogar dermaßen an den Inhalten der Geschichten und Erzählungen interessiert, ich denke auch angeregt durch die Fotos darin, dass ich zu Hause das ganze Buch las, außer die Gedichte. Dieser Punkt ist mir so negativ im Gedächtnis geblieben, dass ich heute noch eine Abneigung gegen "typische Gedichte" habe. Aber im Rückblick betrachtet lag das natürlich nicht an dem Lesebuch, sondern am Umgang damit.

Aus heutiger Sicht würde ich sagen Lesebücher sind gut und wichtig, solange man sie sensibel einsetzt. Und ganz wichtig dabei ist noch, dass verschiedenartige Geschichten enthalten sind, sowohl vom Stil als auch von der Thematik her, denn sonst ist das Lesebuch besonders für leseschwache Schüler nichts wert, da sie für sich nichts Interessantes darin entdecken können.

Meine Erinnerungen an das Sprachbuch sind ebenfalls zweigeteilt. Sprachspiele jeglicher Art waren für mich immer völlig uninteressant. Ich kann weder benennen warum noch ein konkretes Beispiel geben Die Diktate allerdings waren erstaunlicherweise kein Problem. Heute bin ich mir recht unschlüssig, ob man die Sprachbücher wirklich braucht oder ob man die Inhalte nicht in anderer Form vermitteln könnte oder sollte?

Claudia Weber 23.04.1999





©opyright Dagmar Wilde, Berlin, Januar 2000

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06.04.2003


 

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