Zum Lesen verlocken - Umgang mit Kinderliteratur im verbundenen Sprachunterricht - Materialien aus dem Seminar im Wintersemester 1999/2000 (FU Berlin)

Aktuelle Kinder- und Jugendbücher
- Kurzrezensionen


Harry Potter und der Stein des Weisen (Joanne K. Rowling)

Beschützer der Diebe (Andreas Steinhöfel) I

Beschützer der Diebe (Andreas Steinhöfel) II

Lola und das Gespenst (Ole Könnecke)

Jens-Peter und der Unsichtbare (Klaus-Peter Wolf)

Shiloh (Phyllis Reynolds Naylor)

Gefahr für den Süderhof (Brigitte Blobel)

Der Menschenfresser (Klaus Kordon)

Grimpel (Clement Freud)

So klein ... und schon verknallt? und andere Geschichten vom Liebhaben (Achim Bröger)

Auf dem Hügel unter dem Maulbeerbaum (Gila Almagor)

Berts gesammelte Katastrophen (A. Jacobsson, S. Olsson)

4 Freunde und die wachsamen Gartenzwerge (Joachim Friedrich)

Christina - Freunde gibt es überall (Inge Meyer-Dietrich)

Hallo, ist da jemand ? (Jostein Gaarder)

Das allerbeste Apfelmus ( Dorothy Canfield Fisher)

Die Flaschenpost (Klaus Kordon)

Die Rätselhexe (Eva Marie Helm)

Der Ring der Gedanken (Andreas Schlüter)

Emil und die Detektive (Erich Kästner)

Eine Woche voller Samstage (Paul Maar)

Der Wunschpunsch (Michael Ende)

Ich und Jonna (Torill Eide)

Mein 24. Dezember (Achim Bröger)

Und wenn ich zurückhaue? (Elisabeth Zöller)

Ein Goldfisch wär' mir lieber (Els Beerten)

Der Adler der Neunten Legion (Rosemary Sutcliff)


 

Harry Potter und der Stein der Weisen (Joanne K. Rowling)

Carlsen Verlag

Harry Potter wächst seit seinem ersten Lebensjahr bei seiner Tante Petunia und seinem Onkel Vernon Dursley auf, da seine Eltern angeblich (so wurde es ihm jedenfalls erzählt) bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind. Diese Zeit ist furchtbar für ihn, er wohnt in einem Schrank, Petunia und Vernon wollen eigentlich nichts mit ihm zu tun haben und sein dicker, verwöhnter Neffe Dudley hat nur ein Hobby: ihn mit seinen Freunden zu jagen. Jedoch geschehen immer wieder merkwürdige Dinge um Harry. Mal wachsen seine frisch geschnittenen Haare innerhalb einer Nacht wieder genauso lang wie sie am Vortag waren, mal verschwindet im Zoo einfach die Glasscheibe des Terrariums der Boa constrictor. Das einzige was Harry toll an sich findet, ist seine blitzförmige Narbe auf der Stirn.

Kurz vor seinem 11. Geburtstag bekommt Harry zum ersten Mal in seinem Leben einen Brief mit der merkwürdigen Adresse: Harry Potter, im Schrank unter der Treppe, Ligusterewg 4, Little Whining, Surrey. Er bekommt den Brief aber nicht zu lesen, auch nicht als in den folgenden Tagen immer mehr Briefe (bis zu 100 Stück) an ihn kommen. Petunia und Vernon lassen ihn einfach nicht seine Briefe lesen. An seinem 11. Geburtstag bekommt Harry seinen Brief dann schließlich doch, allerdings von einem Riesen namens Hagrid, persönlich überreicht. Der Brief ist eine Aufnahmebestätigung zum Besuch der Hogwarts Zauberschule, der besten Zauberschule überhaupt. Es stellt sich heraus, dass Harrys Eltern von dem mächtigsten bösen Zauberer Voldemort umgebracht worden sind. Harry war der einzige, der es geschafft hatte, Voldemort aufzuhalten und das trotz seines zarten Alters von nur knapp einem Jahr. Das erklärt auch die Narbe auf seiner Stirn und dass Petunia und Vernon nichts mit ihm zu tun haben wollen, er ist ja ein Zauberer und somit nicht normal.

Von nun an ist jedenfalls alles anders, Hagrid besorgt mit Harry die Ausrüstung für die Zauberschule und erklärt ihm einiges über die Welt der Zauberer, unter anderem auch, dass Harry in dieser Welt durch seinen Sieg über Voldemort schon berühmt ist.

Auf Hogwarts lernt er neue bzw. zum ersten Mal in seinem Leben Freunde kennen, mit denen er einige Abenteuer erlebt. Aber es gibt nicht nur nette Mitschüler dort und auch einige Lehrer scheinen etwas merkwürdig zu sein. Und dann ist da noch der dreiköpfige Riesenhund namens Fluffy, der irgend etwas bewacht. Was das alles mit Voldemort zu tun hat, das klären Harry und seine Freunde dann mit vielen Abenteuern verbunden auf.

J.K. Rowling schafft es den Leser mit der Geschichte zu fesseln. Man sieht die Welt zwar mit Harrys Augen und erfährt auch seine Gefühle während des ganzen Buches, trotzdem fühlt man sich genauso mit den anderen Figuren des Buches wie mit Harry verbunden. Obwohl er unter furchtbaren Umständen bei seiner Tante und seinem Onkel aufwächst, überkommt den Leser kaum das Mitleid, das man vielleicht erwartet, wenn man die Zusammenfassung oben liest. Das könnte daran liegen, dass Harry sich nie über die Zustände beklagt, weder laut noch in Gedanken. Es wird alles so hingenommen, wie es ist - trotz der wahnsinnigen Ungerechtigkeiten. Außerdem passieren so viele überraschende Ereignisse, auch schon während der Zeit bei den Dursleys, dass der Leser sich mit anderen Dingen beschäftigt als Mitleid mit Harry zu haben. Manchmal fühlt man sich auch als erwachsener Leser genauso wie Harry in die neue Welt, die mit so viel Staunen betrachtet wird, hineinversetzt. Schließlich muss der Leser ja auch selber die Regeln von Quidditch (das Spiel in der Welt der Zauberer und Hexen) und die Unterschiede der einzelnen Häuser auf Hogwarts lernen.

Ich kann nur noch abschließen sagen, dass ich die Begeisterung aller erwachsenen und jungen Leser von Harry Potter verstehen kann und wenn man doch mal etwas Zeit hat, diese sicherlich nicht mit der Lektüre verschwendet ist.

Sandra Rex


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Beschützer der Diebe (Andreas Steinhöfel) I

Autor:

Erschienen:

Preis:

Schauplatz:

Hauptpersonen:

Dags (Dagmar)

Guddie (- Gudrun)

Olaf

Handlung:

Dags wird von ihrer Mutter gebeten, sich um Guddie zu kümmern. Sie treffen sich am Bahnhof Zoo und lernen dort Olaf kennen. Zusammen denken sie sich ein Spiel aus: "Leute verfolgen und Beobachten". Guddie beobachtet dabei eine Entführung. Der einzige Hinweis ist ein Zettel, den der Entführte verloren hat. Auf ihm steht KEM 5018, darunter eine Zickzacklinie. Da ihnen die Polizisten nicht glauben, versuchen die Kinder auf eigene Faust den Fall zu lösen. Sie finden heraus, dass im Pergamonmuseum das "Tor von Milet" gestohlen werden soll. Bei ihren Nachforschungen kommen sie auch in gefährliche Situationen, das Abenteuer endet aber natürlich mit einem Happy End.

Meine Gedanken zum Buch:

Altersstufe:

Angela Berkholz


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Beschützer der Diebe (Andreas Steinhöfel)

Die " Beschützer der Diebe" von Andreas Steinhöfel, ist ein spannend und abenteuerlich erzählter Jugendroman, in dem drei Kinder zufällig auf die Spur eines sensationellen Verbrechens kommen. Die Geschichte spielt in der heutigen Zeit sprich Ende des 20. Jahrhundert in Berlin. Hauptpersonen des Romanes, ist zum einen Dagmar Kreuzer von ihren Freunden auch "Dags" genannt. Sie ist ein quirliges, eigensinniges, wissbegieriges und vor allem mutiges Mädchen. Mit ihren 12 Jahren ist sie bereits sehr selbständig und jemand, der die Dinge gerne selbst in die Hand nimmt. Ihr bester "Freund", ist eine vor Laborversuchen gerettete Ratte, die auf den Namen Romeo hört. Im Gegensatz zu anderen Mädchen ihren Alters interessiert sich Dags sehr für die Forschung und möchte später auch in dieser Richtung tätig sein. Sie bildet mit all ihren guten Ideen so zusagen den "klugen Kopf" des Trios.

Dann gibt es da noch Gudrun Berger. Sie hört im allgemeinen auf den Spitznamen "Guddie". Sie ist die Cousine von Dags und erst vor einem halben Jahr, nach der Scheidung ihrer Eltern, in den Ostteil von Berlin gezogen, wo ihre Mutter eine Stellung in einer Bank gefunden hat. Sie vermißt ihren Vater und ihr altes zu Hause in einer westdeutschen Kleinstadt sehr. Außerdem hat sie große Schwierigkeiten sich im großem Berlin einzuleben und Freundschaften zu schließen. Sie wirkt zu Anfang des Romans sehr verschlossen, ängstlich, zerbrechlich und schüchtern. Im Laufe der Geschichte jedoch kommt auch die abenteuerlustige, aufgeschlossene Seite und die von ihr gut durchdachten Vorschläge zum Ausdruck. Durch die sich entwickelnde Freundschaft zu ihrer Cousine und Liebe zu Olaf gewinnt sie ihre ursprüngliche Lebendigkeit zurück.

Der letzte im Bunde ist Olaf Nienburg. Er ist der Sohn reicher Eltern,die viel zu wenig Zeit für ihn aufbringen. Sein Vater ist Vorsitzender einer Bank und sehr selten zu Hause. Seine Mutter lebt eigentlich nur für ihren Mann und verbringt die meiste Zeit damit, dass viel zu große Haus für spezielle Anlässe, die dass Berufsleben ihres Mannes betreffen, herzurichten. Durch Geld versuchen beide ihr schlechtes Gewissen und ihre mangelnde Liebe Olaf gegenüber auszugleichen. Aus diesem Mangel an Zuwendung entwickelt Olaf einen krankhaften Zwang zu stehlen. Es gibt da diese imaginäre Stimme, die ihn immer wieder dazu drängt und seinen Verstand im Augenblick des Stehlens außer Kraft setzt. Er ist im Grunde ein sehr einsamer Junge, der durch seine Lügengeschichten, welche er immer wieder erfinden muss, damit Dags und vor allem Guddie nicht hinter sein Geheimnis kommen, sehr unsicher ist. Es bedrückt ihn, dass er seinen Freunden vor allem Guddie, in die er sehr verliebt ist, nicht die Wahrheit sagen kann, doch seine Angst auf Ablehnung zu stoßen ist größer. Erst nach einem Gespräch mit dem schwulen Fotographen Bernd Wörlitzer, entschließt er sich alles aufzuklären und sein Gewissen zu erleichtern. Er ändert auch seine anfängliche Intoleranz Schwulen gegenüber und erkennt, dass auch dies ganz normale Menschen sind. Im Verlauf der Geschichte ändert Olaf auch seine Einstellung Dags gegenüber, die er anfänglich als oberschlau und besserwisserisch empfindet und mit Mißtrauen behandelt. Es zeigt sich jedoch, dass sie äußerst fair gegenüber ihm ist, als sie trotzdem sie hinter sein Geheimnis kommt, den Mund gegenüber Guddie hält. Dies läßt auch zwischen ihnen eine richtige Freundschaft entstehen.

Die spannende Geschichte, die die drei Kinder in ihren Ferien erleben, entwickelt sich aus einem Spiel, dem folgende Regeln zu Grunde liegen: "Gehe einer Person deiner Wahl nach und finde so viel wie möglich über sie heraus."

Guddie ist diejenige, die sich ausgerechnet einen jungen Mann mit einem grauen Anzug aussucht. Die Verfolgung des Mannes führt sie direkt zur Museumsinsel, genauer zum Pergamonmuseum. Dies ist auch der Ort, wo das Abenteuer beginnt. Sie wird nämlich Zeugin einer Entführung. Der Entführte ist eben der Mann, den sie verfolgt hat. Es gelingt ihm noch bevor er kopfüber in einen Wagen gestoßen wird, einen Zettel mit einer Nachricht unauffällig und für Guddie gut sichtbar fallenzulassen. Auf diesem Zettel befindet sich eine Botschaft, die aus den Buchstaben KEM 5018 und einer merkwürdigen Zickzack- Linie besteht.

Gemeinsam mit ihrer Cousine Dags und Olaf, den sie kurz zuvor erst durch ein zufälliges Anrempelmanöver kennengelernt hat, versuchen die Kinder den Vorfall aufzuklären. Nachdem man sie bei der Polizei nicht ernst nimmt beschließen die drei die Aufklärung selbst in die Hand zu nehmen. Schon bald finden sie heraus, dass es sich bei den Buchstaben und der Zahl, um eine Zimmernummer des "Kempinski- Hotels" handelt, welches von dem Modezar Mervyn Griffith gemietet ist. Doch was bedeutet bloß diese Zickzack - Linie? Das Nachforschen nach diesem merkwürdigen Zeichen bringt alle drei immer wieder in riskante und gefährliche, aber auch abenteuerliche Situationen. Weitere Nachforschungen führen Guddie und Olaf auch zu dem schwulen Fotographen Bernd Wörlitzer, der sich später als guter Freund erweist. Von ihm erfahren sie, dass der Modezar Griffith nicht nur Millionen mit Mode macht, sondern ebenfalls in dunkele, zwielichtige Geschäfte verwickelt ist.

Die Kinder finden ebenfalls heraus, dass Griffith in der Stadt ist, um ein Geschäft mit dem Berliner Kultursenator Helmut Röhricher abzuwickeln. Ein heimliches Treffen der beiden, so stellt sich heraus, gilt zum Teil der Planung, den Hausvogteiplatz als Zentrum der weltberühmten Berliner " Haute Couture" wieder zum Leben zu erwecken. Dabei fungiert Griffith als Geldgeber. Für Röhricher bedeutet dies zunehmende Popularität so kurz vor der Wahl. Doch was verlangt Griffith für diese Gefälligkeit? Und was hat das alles mit der Zickzack - Linie auf sich? Und warum musste der Mann mit dem grauen Anzug aus dem Weg geschafft werden? Dies sind alles Fragen, die die Kinder in diesem Buch zu lösen haben. Nur soviel sei gesagt, es gelingt ihnen und sie klären das Verbrechen auf, auch wenn sie dabei mehr als nur einmal ins Schwitzen geraten.

Stilmittel des Autors:

Der Autor versteht es eine permanente Spannung zu erzeugen, indem er die Geschichte durch alle drei Kinder erzählen läßt. D.h. er springt ständig zwischen den Erlebnissen und Entdeckungen, welche die einzelnen Kinder während ihrer Nachforschungen erleben, hin und her. Häufig unterbricht er ihre Erlebnisse an den spannendsten Stellen und zeigt was die anderen gerade erleben. Diese spannungerzeugenden Sprünge sind stets durch das Symbol der Zickzack - Linie unterteilt.

Er läßt auch häufig die Gedanken der Kinder übereinander oder gegenüber anderer Personen sprechen. Dadurch erfährt der Leser viel über die denkende Person und dessen Sichtweise bzw. Einstellungen in Bezug auf gewisse Themen.

Durch genaue, detailierte und ausführliche Orts- und Personenbeschreibungen fesselt er den Leser an das Geschehen.

Eigene Meinung und Beurteilung:

Ich halte das Buch " Beschützer der Diebe" für einen sehr gelungenen Jugendroman, der es durchaus Wert ist in einer 5./6. Klasse gelesen zu werden. Er bietet neben der spannenden Geschichte, eine Vielzahl von anderen wichtigen Themen, die Kinder im Alter von 12 Jahren interessieren.

Z.B.:

All diese Themen verwirklicht bzw. spricht Andreas Steinhöfel gekonnt in seinem Jugendroman an, so dass diese Buch nicht nur ein Abenteuerroman, sondern auch ein Buch über Gefühle, Freundschaft und Liebe ist.

Kurzbiographie des Autors:

Andreas Steinhöfel wurde 1962 in Battenberg im Ederbergland geboren. Er studierte Literatur und Medienwissenschaften und entdeckte mitten im Examen seine Leidenschaft fürs Schreiben. Er lebt und arbeitet mit seinen heute 37 Jahren als freier Autor in Berlin. Er schreibt und arbeitet außerdem auch für Rundfunk und Fernsehen.

Melanie Kamradt


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LOLA UND DAS GESPENST (Ole Könnecke)

Lola ist ein kleines aufgewecktes Mädchen, dass bei seinen Großeltern an der Küste lebt. Eines Tages, als die Großmutter vereist ist, lesen Lola und der Großvater in der Zeitung einen Bericht über Menschen aus ihrer Umgebung, bei denen es nachts an der Tür klopft, doch nie jemand zu sehen ist. Der Großvater hält es für Märchen, bis eines Abends Kapitän von Schulz, pensionierter Seeräuber und Leuchtturmbesitzer, bei ihnen vor der Tür steht. Aufgeregt erzählt er von dem nächtlichen Klopfen an seiner Tür und dass jedoch nie jemand davor steht.

Für Lola steht es sofort fest: es handelt sich hierbei um Gespenster, die es zu fangen gilt. Noch in der selben Nacht verabreden die drei, dass sie sich am nächsten Tag auf Gespensterjagd begeben. Doch Lola muss am folgenden Tag feststellen, dass der Großvater und der Kapitän gar keine Lust haben Gespenster zu fangen. Nur widerwillig folgen ihr die beiden doch noch zum Leuchtturm des Kapitäns. Während Lola alle Vorbereitungen trifft, um die Gespenster fangen zu können, vertreiben sich die Männer die Zeit mit Spielen. Die Vorbereitung für die Gespensterfalle ist aufwendig, immer wieder ertönt das Geräusch tok tok tok, bei dem dem Kapitän und dem Großvater angst und bange wird. Und dann beginnt die Zeit des Wartens. Da, plötzlich ist es wieder da, das Geräusch. Tok, tok, tok. Lola, deren Gespensterfalle aus einer Sofortbildkamera besteht, ist sich sicher, dass sie nun das Gespenst auf dem Foto erkennen kann. Doch sie muss feststellen, dass es sich hierbei um einen Specht handelt. Kapitän und Großvater fühlen sich nun bestätigt, dass es gar keine Gespenster gibt. Doch da tokt es schon wieder. Diesmal hat Lola das Gespenst getroffen. Der Blitz der Kamera hat es in Ohnmacht versetzt. Endlich können die drei das Gespenst zur Rede stellen.

Es hat eine lange Geschichte zu erzählen und mit dem Unterschreiben einer Versicherung gegen Gespenster wird der Kapitän nie wieder nachts durch klopfende Geräusche erschreckt.

Das Buch "Lola und das Gespenst" von Ole Könnecke ist im Rowohlt Taschenbuch Verlag im Juni 1999 erschienen und kostet 12.90 DM

Andrea Bars


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Jens - Peter und der Unsichtbare gegen den Rest der Welt (Klaus-Peter Wolf)

Verlag, Ort, Jahr: Gerstenberg - Verlag: - Hildesheim, Gerstenberg, 1997

Inhalt: 6 Geschichten, ab 8 Jahre, 78 Seiten, bunte Bilder

Kosten: 16, 80 DM

Autor: Klaus - Peter Wolf

(gesetzt nach den ab 1998 gültigen Rechtschreibregeln)

Zum Autor:

Eigene Meinungen zum Buch:

Inhaltszusammenfassung:

Das Buch enthält 6 Kapitel, die eine fortlaufende Geschichte erzählen. Es ist die Geschichte von Jens - Peter einem eigentlich ganz normalen Jungen. Das Einzige, was Jens -Peter von den anderen Jungen unterscheidet ist, dass ihn der Unsichtbare auf Schritt und Tritt begleitet. Der Unsichtbare geht mit Jens -Peter durch dick und dünn. Meistens aber kommt es dick und daran ist gewöhnlich der Unsichtbare schuld.

Im ersten Kapitel zum Beispiel hetzt er Jens -Peter auf, für die tolle Julia zum Geburtstag eine rosa Strumpfhose im Kaufhaus zu klauen.

Im zweiten Kapitel verschluckt Jens- Peter die Fieberzäpfchen, weil er einmal nicht das machen wollte, was ihm der Unsichtbare sagte.

Das dritte Kapitel handelt vom Spicken in der Schule.

Im vierten Kapitel ist die Mutter von Jens -Peter einer Invasion Außerirdischer zum Opfer gefallen, sodass Jens - Peter gegen sie in einen regelrechten Krieg zieht.

Im fünften Kapitel ist Jens -Peter unfreiwilligermaßen bei Tante Kea. Dort sind Konflikte schon vorprogrammiert.

Im letzten Kapitel wird der Silvesterabend bei Jens - Peter beschrieben, in dem natürlich auch alles ganz anders läuft, als es geplant war.

Ich habe mich bei der inhaltlichen Zusammenfassung sehr kurz gehalten, da ich den Lesern nicht die Spannung vorweg nehmen möchte.

Form:

Personen:

Hauptfiguren:

Charakterzüge des Unsichtbaren:

Charakterzüge von Jens - Peter:

Charakterzüge der Mutter:

Charakterzüge von Tante Kea:

Der Unsichtbare stellt eine Gegenfigur zu Jens - Peter dar, genauso wie die Mutter absolut konträr im Charakter zu Tante Kea beschrieben wird. Den Unsichtbaren und Tante Kea könnte man als die "Teufel" sehen, und Jens - Peter und seine Mutter als die "Engel".

Nebenfiguren:

Julia:

Herr Mantel ( Kaufhausdedektiv):

Paul (der Nachbar):

Vater:

Herr Mäuschen:

Simone Schmidt


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SHILO (Phyllis Reynolds Naylor)

Inhalt:

In ländlicher Abgeschiedenheit in West Virginia lebt der elfjährige Marty Preston mit seiner Familie, welche aus seinen Eltern und zwei jüngeren Schwestern besteht. Die Familie besitzt ein kleines Haus sowie Land, lebt aber in eher ärmlichen Verhältnissen, da die Verpflichtung besteht, Pflegegeld für die Oma zu ersparen. Aus diesem Grund ist es den Eltern nicht möglich dem Wunsch nach einem Haustier nachzukommen. Marty erscheint als ein naturverbundener und tierlieber Mensch. Auf einem seiner Streifzüge begegnet ihm ein Beagle, welcher Judd Travers, einem unangenehmen, unehrlichen und tierquälenden Farmer, gehört.

Nachdem dieser Hund, welcher von Marty liebevoll "Shiloh" getauft wurde, ein zweites Mal zu ihm kommt, versteckt er ihn vor seiner Familie, füttert ihn mit seinen eigenen halben Mahlzeiten und versucht Geld zu verdienen, um Shiloh kaufen zu können.

Bis Shiloh schwer verletzt wird und zum Arzt muss, hat Marty sich bereits in ein Geflecht von Lügen verstrickt, worunter er seelisch sehr leidet. Nach der Genesung des Hundes soll er ihn wieder zu seinem Besitzer zurückbringen, was Marty jedoch entschlossen verhindern möchte. Nachdem er entdeckt hat, daß Travers ein Reh gewildert hat, erpresst Marty ihn, ihm Shiloh für 20 Arbeitsstunden zu überlassen. Im Laufe dieser Zeit lernen die beiden miteinander auszukommen und am Ende der Geschichte erhält Marty seinen Hund, der bereits bei seiner Familie beliebt geworden ist.

Mögliche Anschlußthemen:

- Mensch-Tier-Beziehung

- Tiermisshandlung / Kindesmisshandlung

- Gewissenskonflikt zwischen Notlüge und Wahrheitsgebot

- Eskalation der Lügen

- Verantwortung für jemanden / für etwas übernehmen

- Konsequenzen für das eigene Tun tragen

- Definition von Recht und Unrecht?

- Loslösungsprozess von den Eltern

- zunehmend kritische Betrachtungsweise auf das Handeln der Erwachsenen

- Hundepflege / Tierpflege

- Grenzen des sozialen Engagements

- Vegetation und Tierwelt West Virginias oder übertragen auf andere Regionen

Erzählform:

Der größte Teil des Buches wird in Form eines inneren Dialoges geschrieben, den Marty führt. Dieser wird unterbrochen durch einige kurze Dialoge. Der Anlaß des Monologs wird jedoch nicht geklärt.

Grund für den Einsatz:

Dieses Buch eignet sich für die Klassenstufen 4-8, da es ein breites Spektrum an Anschlussthemen bietet ( s.o.). Es liegt in der Hand des Lehrers welche Aspekte er thematisieren möchte, soweit keine Vorschläge und Interessen der Klasse selbst bestehen. Durch die gewählte Erzählform können sich die Schüler in Marty wiederfinden und mit ihm seine sehr detailliert beschriebenen Gefühle teilen. Die Jüngeren sehen sicherlich das Buch als eine spannende Tiergeschichte, während ältere Schüler sich mit Marty, der sich gerade in der Pubertät befindet, identifizieren können.

Das Buch eignet sich zum gemeinsamen Lesen, aber auch zum Vorlesen, an welches sich Gespräche und Diskussionen anschließen können. An manchen Stellen könnte das Buch den Schülern als zu moralisch erscheinen.

Der Buchdeckel ist einladend gestaltet. Er zeigt in Farbe einen herumtollenden Beagle und einen lachenden Jungen. Allerdings ist die Bebilderung in der Geschichte selber nicht sehr motivierend. Die Zeichnungen sind schwarz-weiß und meist nicht detailliert.

Die oben aufgeführten Themen bieten ebenfalls Möglichkeiten für ein fächerübergreifendes Arbeiten.

Mögliche Arbeitsformen:

- Rollenspiele

- Wandzeitungen

- Tagebücher schreiben

- Tiergeschichten verfassen

- Kapitel weiterschreiben usw.

Titel: SHILO

Autor: Phyllis Reynolds Naylor

Verlag: dtv junior

Erscheinungsjahr: 1996

Dunja Voß


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Gefahr für den Süderhof (Brigitte Blobel)

Das Kinderbuch, dass ich gelesen habe heißt: "Gefahr für den Süderhof" und stammt aus der Serie "Neues vom Süderhof". Geschrieben wurde es von Brigitte Blobel, die auch kurz (mit Bild) auf der Rückseite der Titelseite vorgestellt wird. Der Verlag Pelikan bezeichnet das Buch als Tierabenteuerserie.

Auswahl des Buches

Durch meine kleine Schwester bin ich auf das Buch aufmerksam geworden. Sie ist 11 Jahre alt und besucht die 5. Klasse. Als ich sie fragte, was sie und ihre Freundinnen lesen, hat sie mir dieses Buch gegeben.

Inhalt des Buches

Das Buch handelt von den Kindern Molle, Bimbo,. Dany, Peggy und Ben (natürlich sind dies Spitznamen). Die Kinder leben auf dem Süderhof und sind besonders tierlieb. Tiere gehören zum festen Bestandteil des Buches. Die Pferde Klärchen und Shalimar, der Kater Samson sowie der Hund Anuschka gehören dazu. Der Vater der Kinder (Dr. Brendel) ist Tierarzt, die Mutter (Sonja Brendel) eine Autorin.

Zu Beginn des Buches stoßen die Kinder Bimbo und Dany bei einer Radtour auf zwei sehr unsympatische Herren. Diese beiden Herren (denen im gesamten Buch kein Name zugeordnet wird) stellen sich später als Geschäftsleute heraus, die den Süderhof kaufen möchten. Sie bieten Herrn Brendel 1,5 Mio. DM für den Hof. Herr Brendel überlegt sich das Angebot und möchte es annehmen. Die Kinder sind entsetzt. Sie hängen an ihrer Heimat und versuchen ihre Eltern umzustimmen. Als schließlich die diabetiskranke Bimbo deshalb zusammenbricht und per Notarzt ins Krankenhaus gebracht wird, ändern die Eltern ihre Meinung. Sie sehen ein, wie sehr die Kinder diesen Hof lieben und lehnen das Angebot der Geschäftsleute ab. Diese wiederum sind sehr erbost und versuchen mit üblen Tricks die Familie Brendel zu vergraulen. Sie schneiden z.B. die Strom- und Telefonleitungen durch, Elektrodrähte werden über den Reitweg gespannt und sogar einige Tiere getötet. Dany schöpft Verdacht und entlarvt zusammen mit Molle die Übeltäter. So kommt es schließlich zum Happy End.

Empfohlene Altersklasse und Lesegruppe

Das Buch wird als Mädchen- und Jungenbuch bezeichnet und mit der Altersklasse ab 9 Jahre angegeben. Diesen Angaben stimme ich zu. Ich denke, Kinder die unter neun Jahren sind, könnten eventuell die Zusammenhänge des Buches nicht verstehen. Außerdem ist das Kapitel mit den toten Hühnern etwas brutal geschrieben.

Interessant ist das Buch für Kinder, die einerseits Spannung lieben, aber andererseits auch besonders tierlieb sind.

Aufbau des Buches

Bevor die eigentliche Geschichte losgeht, werden die Kinder und die Tiere kurz vorgestellt (mit Bild). Auch der Süderhof und die Umgebung sind abgebildet. Im Buch sind ebenfalls viele Zeichnungen vorhanden.

Schrifttyp

Das Buch ist leicht zu lesen. Fremdwörter kommen nicht vor. Die Autorin bediente sich zum Teil der Umgangssprache (besonders bei den Kindern). Die Eltern und Gro?eltern werden im Buch grundsätzlich als Dr. Brendel und Sonja Brendel sowie Oma und Opa Brendel bezeichnet. Das immer der Nachname dahinterstand, hatte mich verwundert und wirkte unsympatisch.

Ergebnis

Ich finde schon, dass das Buch zum Lesen motiviert. Dennoch fand ich die Tricks der Geschäftsleute etwas arg übertrieben und das Ende zu abgehoben. Deshalb würde ich das Buch nicht im Unterricht verwenden, obwohl ich die Buchrichtung doch interessant finde (evtl. anderen Teil der Serie). Denn als positiv würde ich das beschriebene Verhalten der Personen untereinander einstufen. Es kommt unter den Kindern genauso zu Streitigkeiten wie bei anderen auch und dennoch halten sie zusammen und kämpfen gemeinsam für ihre Ziele.

Das Buch erfreut sich großer Beliebtheit bei den Kindern, was durch die aktuelle Fernsehserie unterstützt wird.

Nadine Gottschalk


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Der Menschenfresser - Geschichten vom Mut (Klaus Kordon)

Ich bin in mehrere Buchhandlungen gegangen und habe mich über die aktuellen Favoriten der 10- bis 12-jährigen erkundigt. In fast allen Läden hat man mir die Buchreihe über "Harry Potter" empfohlen, die mir aber preislich etwas zu hoch lag. Ich habe mich stattdessen etwas umgesehen und bin auf "Den Menschenfresser" von Klaus Kordon gestoßen. Das Buch ist ab 11 Jahren empfohlen. Es kann also in einer vierten oder fünften Klasse gelesen werden, bei aktuellem Anlass vielleicht sogar noch in einer sechsten Klasse. Das Buch ist vom Beltz & Gelberg - Verlag, und ist in der Reihe Gullivers Bücher erschienen. Es kostet 9,80 DM.

Klaus Kordon hat schon einige Kinderbücher veröffentlicht, die teilweise mit Literaturpreisen ausgezeichnet wurden. Das Buch "Der Menschenfresser" hat er 1988 geschrieben. Es enthält 14 Kurzgeschichten, die alle voneinander unabhängig sind. Sie spielen in verschiedenen Zeiten mit unterschiedlichen Hauptpersonen. Aber eines verbindet alle Geschichten: Sie handeln von Kindern, die mit einer neuen Situation konfrontiert werden, in der sie sich behaupten und ihren Mut beweisen müssen. Ich finde die Geschichten sehr schön, da sie so unterschiedliche Themen abdecken, die alle sehr menschlich sind und von den Kindern selber schon erlebt sein oder zumindest sehr gut nachempfunden werden können. Die Geschichten sind relativ kurz und können in einer Stunde durchgelesen oder als Hausaufgabe aufgegeben werden, um sie anschließend zu besprechen. Das sie nicht so lang sind, gibt vielleicht auch leseschwachen Schülern einen Anreiz zum schmökern.

Ich möchte nicht jede einzelne Geschichte genau beschreiben, gebe aber einen Überblick: In der ersten Geschichte geht es um ein Mädchen dessen Vater nach dem Tod der Mutter eine neue Frau mit nach Hause bringt. In der heutigen Zeit ja nichts ungewöhnliches mehr und von einigen Kindern in der Klasse bestimmt schon selbst erlebt. Dieses Mädchen lehnt die neue Frau, ohne sie zu kennen von vorne herein ab, merkt aber dann wie ungerecht sie sich verhält und versucht die Neue kennenzulernen. Sehr schön finde ich, dass diese Geschichte, wie die übrigen auch, ein mehr oder weniger offenes Ende hat, über das man in der Klasse gemeinsam spekulieren kann.

In einer weitere Erzählung wird ein geistig behindertes Mädchen beschrieben, dass keine wirklichen Freunde hat und das seinem großen Bruder lästig und unangenehm ist. Als sie dann aber wegläuft sucht ihr Bruder sie verzweifelt. Das Mädchen findet eine Freundin und ist glücklich als diese sogar mit zu ihr nach Hause kommt. Allerdings bleibt offen, ob die neue Freundin wiederkommen wird.

Ein paar der Geschichten spielen in der Vergangenheit, genauer gesagt in der Nachkriegszeit, sind aber auch in der heutigen Zeit denkbar, da sie Themen aufgreifen, die immer noch aktuell sind. In einer anderen Erzählung wird die deutsch-deutsche Trennung behandelt, die für die heutigen Schüler an der Grundschule wirklich nur noch Geschichte ist. Zwei türkische Kinder aus West-Berlin schauen verbotenerweise über die Mauer und sehen das erste Mal, dass es dahinter genauso aussieht wie bei ihnen auch. Eine Geschichte bearbeitet das Gefühl, durchhalten zu müssen, eine andere die wahre Freundschaft. Es geht aber auch um Diebstahl und Lügen, um Krankheit, um Gemeinheit und um den Wunsch, endlich mal zu fliegen. Eben alles, was Kinder auch in dem Alter, in dem meist die Hauptpersonen sind erleben und erfahren müssen.

Ich finde das Buch sehr schön als eine Anregung zum Selberschreiben von kleinen Erfahrungsberichten oder ausgedachten Kurzgeschichten. Oder einfach nur als Gesprächsthema in der Klasse, da wie gesagt die Geschichten oft im entscheidenden Moment enden und man über ihren Ausgang nur spekulieren kann. Den Schülern kann die Frage gestellt werden: Wie wird sich die Hauptperson weiter verhalten? Wie würde ich reagieren, wenn mir so etwas widerfahren würde? Habe ich so etwas tatsächlich schon mal erlebt? Die Fragen können dann schriftlich oder mündlich beantwortet werden.

Zum Schluss möchte ich noch eine Passage anfügen, die mir gut gefallen hat. Die Geschichte heißt "Der Clown auf dem Rad". Sie handelt von einem Jungen der unbedingt einen Stoffclown aus einer Schießbude vom Jahrmarkt haben möchte, diesen auch gewinnt, aber kurz darauf wird sein Clown von einem Mitschüler kaputt gemacht. Der Junge nimmt daraufhin die Puppe von einer fremden Frau, lässt aber Geld zurück, um zu bezahlen.

"Der Vater schimpft. Auch die Mutter ist ungehalten. "Du hattest mir doch versprochen, pünktlich zu sein", sagt sie enttäuscht. Jo antwortet nicht, atmet nur hastig; er ist auch das letzte Stück Weg gelaufen. "Was hast du denn da?" Der Vater zeigt auf Jos ausgebeulte Jacke. Vorsichtig öffnet Jo die Jacke und zeigt den Eltern den Clown vor seiner Brust. "Der ist aber ulkig!" lacht die Mutter. Der Vater steht auf, nimmt die Figur in die Hände und überprüft sie auf ihre Stabilität. "Was hast du denn dafür bezahlt?" - "Sieben Mark" antwortet Jo. Er hätte lieber erzählt, wie er ihn schoss, seinen Clown, und wie der Schützen-Fred ihm die beiden Schüsse schenkte, aber das wäre ja nicht die Wahrheit. "Sieben Mark?" Der Vater lässt den Clown los. "Der ist doch keine einsfünfzig wert." Er sieht die Mutter an: "Du gibst dem Jungen zu viel Geld. So leicht verdient es sich nicht." - "Ich verdiene es auch", erwidert die Mutter, "ich weiß, wie es sich verdient." Dann fährt sie Jo mit der Hand über den Kopf. "Kinder kaufen sich nun mal ab uns zu unnützes Zeug. Hast du das nicht getan?" Der Vater nimmt seine Zeitung und schüttelt nur den Kopf. "Wasch dich und komm essen", sagt die Mutter zu Jo. Jo geht in sein Zimmer, setzt sich auf sein Bett und guckt dem Clown in das Gesicht mit den zwei Kreuzen anstelle der Augen. Dann öffnet er das Fenster, wirft die Figur aus Stoff, Papier und Draht hinaus und legt sich hin. Er wird sich nicht waschen gehen, und er wird auch nicht essen gehen. Er wird nie wieder das tun, was andere wollen. In ihm ist etwas kaputtgegangen, und das wird nie wieder heil."

von Katharina Ismer


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Grimpel (Clement Freud)

Freud, Clement: Grimpel. 1. Auflage als Arena- Taschenbuch 1998. Band 1917.

Clement Freud ist Journalist und Kinderbuchautor. Er hat die Geschichten "Grimpels" im englischen Fernsehen vorgelesen und hat daraufhin Tausende von Zuschriften begeisteter "Grimpel-Fans" bekommen. Eine geringe Anzahl von Zuschriften stammten von "Lehrern", die seine Geschichten missbilligten.

Handlung

Grimpel ist ein Junge mit sehr merkwürdigen Eltern. Das zeichnet sich schon dadurch aus, daß Grimpel nie genau weiß, wann er tatsächlich Geburtstag hat. Seine Eltern feiern seinen Geburtstag immer zu einem beliebigen Zeitpunkt mehrmals im Jahr. So ist Grimpel "ungefähr" zehn Jahre alt. Besonders merkwürdig ist jedoch, daß Grimpel eines Tages aus der Schule kommt und feststellen muß, daß seine Eltern mal eben ohne Vorwarnung für fünf Tage nach Peru geflogen sind. Grimpel haben sie allein zurückgelassen. Es ist jedoch dafür gesorgt, daß er in Notfällen anhand von geschriebenen Zetteln seiner Eltern (befinden sich überall im Haus und in der näheren Umgebung) immer genau weiß, was zu tun ist. Notfälle tauchen meistens dann auf, wenn es darum geht, daß Grimpel allein sein Abendessen zubereiten muß. Mittagessen bekommt er in der Schule. Die Schule ist für ihn so und so das einzige "Geregelte" in seinem Leben. Da Grimpel in seinen Augen ein sehr einfallsreicher und auch kochbegabter Junge ist, geht es des öfteren auf sehr amüsante und chaotische Weise darum, wie er sich gerade wo und was zum Abendessen kocht. Krönung vom Ganzen ist eine selbstgebackene Torte, mit der Grimpel seine Eltern bei deren Heimkehr überrascht.

Kritik

Die eigentliche Idee der Geschichte gefällt mir gut. Die Ereignisse werden meistens lustig dargestellt. An einigen Stellen des Buches finde ich die Geschichte allerdings zu albern und daher etwas langweilig. Ich denke aber, daß dieses auf acht-, neunjährige Kinder ganz aders wirken kann. "Grimpel" ist kein "hochwertig literarisches" und "pädagogisch wertvollles" Buch mit besonderer Wissensvermittlung. Ich denke aber, dass in dem Moment, wo die Kinder Freude an diesem Buch finden, die Lesefreude und Lesemotivation geweckt werden könnte und somit das Buch seinen Zweck erfüllen würde. Ein bestimmtes Thema aus diesem Buch herauszugreifen, mit dem man dann auch im Unterricht arbeiten kann, halte ich für schwierig (deshalb vielleicht eher nicht dafür geeignet, wenn ein Buch mit der ganzen Klasse über einen längeren Zeitraum gelesen werden soll).

Einsetzbar ist es eher fürs Vorlesen im Unterricht (2./3./4. Klasse) zwischendurch bzw. für die Leseecke (Kinder können sich dann individuell aussuchen, ob sie das Buch lesen möchten).

von Britta Schumacher


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So klein ... und schon verknallt? und andere Geschichten vom Liebhaben (Achim Bröger)

I Zur Auswahl des Buches

Aus der Fülle der Kinderbücher habe ich mich für Achim Brögers "So klein ... und schon verknallt? und andere Geschichten vom Liebhaben", welches 1994 im Arena-Verlag erschien, entschieden. Der freiberufliche Kinder- und Jugendbuchautor, insbesondere bekannt für seine Geschichten um den Hund Flocki, wurde für seine Veröffentlichungen bereits mehrfach ausgezeichnet - u.a. dem Deutschen Jugendliteraturpreis.

Das von der Lesereihe "Der LiLa-Lese-Stier" selbst für etwa achtjährige Schüler empfohlene Buch spricht zunächst aufgrund des Titels eine Kinder in dem Alter doch zunehmend interessierende Thematik an. Die vier Geschichten haben nicht alle die im Titel anklingende erste Verliebtheit zum Thema, sondern schildern die vielen Facetten von Zuneigung, angefangen bei Freundschaften zwischen Jungen oder Mädchen aber auch untereinander bis hin zu erster kindlicher Verliebtheit. So das sich sowohl die Schülerinnen als auch die Schüler von der ein oder anderen Geschichte angesprochen fühlen dürften. Zudem wird auf die doch häufig anzutreffende Problematik schwächerer oder ausländischer Schüler in sehr anschaulicher und gefühlsreicher Beschreibung aufmerksam gemacht. Generell können die in den einzelnen Geschichten behandelten Beziehungsgeflechte zum Entdecken von Parallelen in den realen Beziehungen der SchülerInnen und dem Hinterfragen und Ersichtlichwerden bestimmter Beziehungsformen dienen und darüber hinaus die sozialen Umgangsformen positiv beeinflussen.

Mittels Ich-Erzählform oder auch Dialogform werden die Geschichten sehr lebendig und v. a. in der Sprache der Kinder dargestellt. Die Schüler können sich selbst und eigene Erfahrungen in diesen Texten wiederfinden.

Insbesondere zur Heranführung an längere Texte/ Ganzschriften Ende der 2. Klasse Anfang 3. Klassenstufe ist Brögers Buch mit seinen 4 abgeschlossenen Kurzgeschichten von einem jeweiligen Umfang von 10-15 Seiten geeignet. Hinzu kommt die große Schrift. Auch die zahlreichen farbigen Illustrationen tragen zur Lesefreude und - was in den ersten Lesejahren von großer Bedeutung ist - zur Unterstützung des Inhaltsverständnisses bei.

II Zum Inhalt der einzelnen Geschichten

Kurz umrissen beschäftigt sich die erste Geschichte "So klein und schon verknallt", die dem Buch auch den Titel verleiht, mit den ersten aufkeimenden Gefühlen eines vielleicht 8 oder 9-jährigen Jungen (Bröger macht hierzu weiter keine Angaben) . Julian stellt eines Tages fest, dass er die Gesellschaft einer Klassenkameradin, mit der er bereits seit der ersten Klasse täglich den Schulweg antritt, doch sehr genießt und ihre Anwesenheit zunehmend vermisst. In der Hoffnung, sie käme aus eigenem - ähnlichen - Interesse auf einen Besuch vorbei sitzt er träumend vorm Fenster. Später macht er sich auf den Weg zu ihr. Erfreulicherweise hegt sie den gleichen Gedanken.

"Tschüs, Bär" hat einen anderen Gegenstand zum Inhalt. Der Wegzug von Miriam steht kurz bevor. Vor einem halben Jahr verkündete ihr Vater sie würden aus beruflichen Gründen nach Hamburg ziehen. Miriam konnte sich mit dem Gedanken all ihre Freunde und ihre vertraute Umgebung zu verlassen nicht anfreunden und verdrängte so diesen Tag. Doch nun ist es soweit. Ihr letzter Schultag liegt hinter ihr. Zwischen Umzugskisten wartet sie auf ihre Klassenkameradin Laura - ihre beste Freundin, die nun ein letztes Mal zu Besuch kommt. Dieses vorerst letzte Wiedersehen wird nun in der Geschichte, die von Gefühlsbekundungen, Traurigkeit aber auch erfreulichen Ausblicken auf zukünftige Besuche, Briefe und Telefonate geprägt ist, geschildert. Den Höhepunkt der Geschichte stellt die Überreichung eines sehr persönlichen Gegenstandes, Miriams Lieblingskuscheltier - einem Bär - an die zu vermissende Freundin dar.

Im Gegensatz zu "Tschüs, Bär" erzählt die folgende Geschichte "Den mag ich" von einer Jungenfreundschaft . Die Szene spielt sich in der Pause auf dem Schulhof ab. Özkan und Philipp kommen auf die vorhergehende Mathematikstunde zu sprechen, wobei Özkan seinem Klassenkameraden anbietet, ihm in Mathe Nachhilfe zu geben. Im weiteren Verlauf der Pause finden sich einige Jungen zu einem Fußballspiel zusammen, darunter auch Özkan und Philipp. Von einem Teil der Jungen - unter der Leitung Jörns - wird Özkan allerdings aufgrund seiner nichtdeutschen Herkunft gemieden und soll vom Spiel ausgeschlossen werden, zumal er auch einen sehr schlechten Fußballspieler abgibt. Zur Verwunderung der anderen wählt Philipp Özkan demonstrativ als ersten Spieler in seine Gruppe. Jörn missfällt diese Entscheidung und als sich auch die anderen von ihm und seiner Einstellung distanzieren zieht er beleidigt davon. Im Gegenzug zur Mathe-Nachhilfe plant Philipp, mit seinem Freund für das nächste Fußballspiel zu trainieren.

Wir sind Freunde" beschreibt nun eine Freundschaft zwischen Mädchen und Junge. Maike und Florian haben etwas im Keller zu erledigen. Plötzlich fällt die Tür zu, die beiden sind eingesperrt. Versuche die Tür zu öffnen, Hilferufe oder auch die Flucht durchs Fenster scheitern. Zunehmend wird es dunkler und kälter. (Auch hier schildert der Autor wieder sehr eindrucksvoll den Wortwechsel zwischen den Kindern.) So bietet Florian Maike seine wärmere Jacke an. Beide stellen fest, dass sie " ... richtig Glück gehabt haben ...", dass gerade sie miteinander in dieser Situation sind, kein anderer an dessen Stelle ist. Dadurch werden auch wieder die Eigenschaften, die eine Person für einen anderen so wichtig machen und letztlich Zuneigung in welcher Form auch immer erst erwachsen lässt, angesprochen.

Möglichkeiten der unterrichtlichen Verwendung dieses Buches werden bei der Referatsausarbeitung in Zusammenarbeit mit Tanja Lau zum Thema "Didaktisch-methodische Zugriffsweisen auf Kinderbücher" besprochen, von daher möchte ich an dieser Stelle darauf verzichten.

von Leila Becker


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Auf dem Hügel unter dem Maulbeerbaum (Gila Almagor)

Okt. 1999: München: Deutscher Taschenbuch Verlag.

Das Buch handelt über ein Kinderdorf in Israel in den 50iger Jahren. Es ist schwer für die Kinder und Jugendlichen, denn einige haben ihre Eltern im Krieg verloren und suchen sie jetzt, andere sind Waisen. Das Kinderheim ist in verschiedenen Gruppen nach dem Alter aufgeteilt. Hier geht es besonders um die "Sonnenblumen". In der Gruppe sind überwiegend Jugendliche, die aus Polen oder aus Deutschland kommen. Zwei, Ahiva und Ajala, kommen aus Israel, und deswegen ist es manchmal schwer für sie, die Meinungen der anderen zu akzeptieren. So auch, als es darum geht, ob die israelische Regierung Wiedergutmachungsgelder von der deutschen Regierung für die Verbrechen der Nazis annehmen oder die Annahme verweigern sollte.

Besonders geht es in dem Buch um die Personen Sarah B., Jurek, Jola, Mira und Ahiva. Und um den Maulbeerbaum. Sarah B. ist mit Jurek zusammen, bis es zwischen den beiden zum Streit kommt wegen der Wiedergutmachung. Sie ist anderer Meinung als Jurek und er erkennt, dass sie nicht zu ihm passt.
Er nimmt engeren Kontakt zu Ahiva auf, die allerdings ist am Anfang sehr skeptisch aber auch sehr verliebt in ihn. Das ändert sich aber nach einer Weile, denn Jurek bleibt hart (S.23 - 24). Ahiva und Jurek werden Freunde! Ahiva ist eine sehr selbständige Person und sie hat auch noch eine Mutter, die ist allerdings sehr krank. Sie will herausfinden wer ihr Vater war, der tot ist. Sie schafft es auf eigene Faust herauszufinden, wo er begraben wurde.

In das Kinderheim kommt eine "Neue" namens Mira. Sie ist sehr hochnäsig und widerspricht allem und allen. Sie wird von allen gehasst. Mira ist auf der Flucht vor ihren angeblichen Eltern (an ihre wirklichen Eltern kann sie sich nicht mehr erinnern), die sie leider in dem Kinderheim aufspüren und versteckt sich vor ihnen. Ahiva bekommt das mit und hilft ihr. Jetzt erst begreifen alle, was los ist mit Mira und stehen ihr bei. Es kommt zu einem Prozess. Die "Eltern" wollen ihre Tochter wieder haben. Der Prozeß ist auch schon fast verloren für Mira, als ihr klar wird, wie ihre Eltern in Wirklichkeit aussehen, und sie beweist dem Richter, daß das nicht ihre wahren Eltern sind. Sie gewinnt den Prozess und darf im Heim bleiben.(S. 135 - 136 / 137 - 138 / 139 - 140)

Jola wartet sehnsüchtig auf ein Lebenszeichen ihrer Eltern. Sie hat Glück, wie nicht viele in dem Heim. Man hat ihren Vater gefunden. Doch das Glück hält nicht lange an, denn ihr Vater stirbt, bevor sie zu ihm fahren kann. Alle in dem Heim sind betroffen und stehen ihr bei.

In dem Kinderheim gibt es einen Baum. Einen Maulbeerbaum, der auf einem Hügel steht. Er wird als Symbol des Kinderdorfes gesehen. Haben die Kinder/Jugendlichen Probleme, sind traurig oder haben Freuden, gehen sie auf den Hügel zum Maulbeerbaum und erzählen ihm alles. Der Baum wird von einem Holländer namens Wirn gepflegt, der immer sagt: " Eines Tages geschieht ein Wunder. Ihr werdet es schon sehen. " Der Gärtner behält recht, denn eines Tages blüht der Baum in seiner vollen Pracht. Vergißmeinnicht, Narzissen, Tulpen und Hyazinthen (S. 101 - 104)

Immer häufiger beherrschen Schreckensnachrichten den Alltag - immer mehr Kinder bekommen die Nachricht, daß ihre Eltern im Konzentrationslager ermordet wurden. Eine Geschichte über Jugendliche, die ohne Familie überleben müssen. Eine Geschichte über Freundschaft, Vergangenheitsbewältigung und was es bedeutet, erwachsen zu werden.

Einige Textstellen aus dem Buch

Begründung der Buchauswahl

Ich habe mir dieses Buch ausgesucht, weil ich den Text hinten auf dem Buch sehr interessant fand, und weil ich es gut finde geschichtliche Sachen in den Deutschunterricht mit einzubeziehen. Hier geht es um Freundschaften, verschiedene Glaubensarten, über die Vergangenheit wie es den Kindern geht nach dem II. Weltkrieg. Man sollte den Kindern von heute zeigen, wie gut es ihnen heute geht. Ich finde dieses Buch sehr gut geschrieben und ich konnte mich sehr gut einlesen. Es ist sehr real geschrieben, und somit läuft es wie in einem Film vor einem ab. Das Buch würde ich in der 5. Klasse anfangen zu lesen und bearbeiten in einer Lese-Projekt-Woche.

Zur Autorin selbst

Gila Almagor zählt in Israel zu den bekanntesten Schauspielerinnen und Schriftstellerinnen. Sie schreibt Bücher für Kinder und Jugendliche. Ihr Jugendroman "Der Sommer von Ahiva" wurde mit der Autorin in der Hauptrolle verfilmt und unter anderem mit dem "Silbernen Bären" der Berliner Filmfestspiele und dem "Preis für den besten ausländischen Film" in San Remo ausgezeichnet.

(ALMAGOR, GILA, Okt. 1999: Auf dem Hügel unter dem Maulbeerbaum, S. 1 - 140, München: Deutscher Taschenbuch Verlag.)

von Nadine Blöhm


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Berts gesammelte Katastrophen (A. Jacobsson, S. Olsson)

 

Illustration:

Das Buch enthält mehrere halb- oder ganzseitige schwarz-weiß Zeichnungen, die im Comic-Stil gehalten sind

Inhalt:

Das Buch ist Teil einer achtbändigen Reihe. Die Bücher sind in Tagebuchform aus der Sicht von Bert geschrieben. Er erzählt darin von ganz alltäglichen, kleinen und großen Katastrophen, die einem ganz normalen Jungen in seinem Alter so passieren.

In diesem Band ist Bert elf Jahre alt und zum ersten Mal verliebt. Rebecka, seine erste große Liebe, will aber nichts von ihm wissen. Am Ende des Buches lernt er dann aber noch Nadja kennen, die sowieso viel besser zu ihm passt. Kleine Geschichten am Rande handeln von seinem besten Freund Arne, von seinem größten Rivalen Klumpen und von einem riesigen Pickel, der ihm mitten auf der Nase wächst.

Einsatzmöglichkeiten:

von Annika Burmeister


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4 Freunde und die wachsamen Gartenzwerge (Joachim Friedrich)

Um ein schönes, aktuelles Buch zu finden, ging ich in die Leihbücherei. Dort fand ich von den Büchern der in Frage kommenden Altersstufe gerade einmal fünf Bücher, die aus den letzten drei Jahren stammen.

Ich entschied mich für das Buch "4 Freunde und die wachsamen Gartenzwerge" von Joachim Friedrich, das ein Buch aus der Krimireihe 4 Freunde ist und im Jahr 1998 veröffentlicht wurde. Das Buch ist für Kinder ab zehn Jahren geeignet und da ich in einem Seminar gelernt hatte, dass sich das Verhalten von Kindern gegenüber Tieren in diesem Alter manifestiert, wählte ich es, da es aus der Sicht eines Hundes geschrieben ist. Zusätzlich habe ich Krimis als Kind sehr gerne gelesen.

Joachim Friedrich promovierte in Volkswirtschaftslehre und war Professor für Betriebswirtschaft. Er schreibt Theaterstücke und Kinder- und Jugendbücher und hat selbst eine Vorliebe für Krimis.

Die 4 Freunde sind Kalle, Friedhelm, Steffi, Radieschen und der Hund Tausendschön. Kalle hat das Detektivbüro Kalle&Co. gegründet und die Freunde ermitteln auf eigene Faust Kriminalfälle.

Wie bereits erwähnt ist das Buch aus Sicht des Hundes Tausendschöns geschrieben, der sich den Menschen geistig überlegen fühlt und der Ansicht ist, dass Menschen auf keinen Fall merken dürfen, wie intelligent die Hunde wirklich sind. Sie machen Sachen wie Stöckchen holen, Pfötchen geben und Männchen nur, um sich bei den Menschen einzuschmeicheln, Tausendschön weigert sich aber, dieses zu tun, nicht weil er es nicht kann, sondern weil er keine Lust dazu hat. Er ist ein ehemaliger Straßenköter, wohnt in dem Schrebergarten Friedhelms und wird von diesem auch versorgt. Bei Friedhelm zieht ein Untermieter ein und Tausendschön findet heraus, dass dieser ein Einbrecher ist. Mit Hilfe seiner geliebten Gartenzwerge bringt er Kalle&Co. auf dessen Spur.

Hier ist eine Textstelle, die die Denkweise Tausendschöns verdeutlichen soll: "Eh, Mann eh! Schläfst du, Tausendschön?" (Friedhelm) "Das siehst du doch, du Trottel!", hätte ich am liebsten geantwortet. Ich habe es nicht getan. Das größte Geheimnis, das wir Hunde vor den Menschen bewahren, ist unsere Intelligenz. Die einzige Eigenschaft, die uns die Menschen zutrauen ist Treue. Das liegt an unserm berühmten treuen Blick. Den bringen uns unsere Mütter schon als Babys bei. Dieser Blick ist sehr wichtig. Er bringt Menschen dazu uns zu ernähren. Dabei hilft uns, dass wir genauso denken und reden können wie sie. Unser Glück ist unser feines Gehör und unsere leise Stimme. So haben sie unser Geheimnis bis heute noch nicht entdeckt. Damit wir bei den Menschen keinen Verdacht erregen, haben wir uns etwas einfallen lassen, um mit ihnen zu reden. Wenn wir bellen, heißt das: "Hallo! hier bin ich!", wenn wir knurren, bedeutet das: "Ich bin stinksauer!"..."

Zwar ist das Buch zu Anfang sehr amüsant und nett geschrieben, doch ist es Joachim Friedrich nicht gelungen, eine typische Krimispannung aufzubauen. Je länger ich, ein eingefleischter Krimifan, gelesen habe, desto enttäuschter wurde ich. Da ich selbst einen Hund habe, konnte ich oft Vergleiche zu ihm ziehen und finde, daß Herr Friedrich das Verhalten der Hunde gut beobachtet hat und er die Sicht der Hunde gut und lustig dargestellt hat.

Fazit:

Ich würde das Buch nicht weiterempfehlen, es ist vielleicht für Hundeliebhaber ganz interessant, aber damit eine Klasse zum Lesen zu verlocken erscheint mir sehr schwierig.

von Christina Happel


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Christina - Freunde gibt es überall (Inge Meyer-Dietrich)

Das Buch ist 1997 im Ravensburger Verlag erschienen. Es ist mit farbigen Bildern von Dagmar Henze illustriert und kostet 12.80 DM.

Inge Mayer-Dietrich lebt in Gelsenkirchen-Buer. Sie schreibt hauptsächlich Bücher für Kinder und Jugendliche und hat schon zahlreiche Preise erhalten. 1995 wurde sie für ihr Gesamtwerk mit dem Literaturpreis Ruhrgebiet ausgezeichnet. Im Ravensburg Verlag ist von ihr auch noch die Geschichte "Wenn Fuege Feuer spuckt" erschienen.

In dem Buch geht es darum, dass ein neuer Junge in die Klasse von Christina kommt. Er heißt Kenan und spricht kein Wort Deutsch. Doch es dauert nicht lange bis er viele Freunde gefunden hat. Dann aber kommt ein Brief, Kenans Familie muss umziehen.

1. Kapitel: "Der neue Junge"

Christina sitzt in der Schule und träumt davon, dass jemand kommt und es Hitzefrei gibt, da klopft es und der Rektor tritt ein. Er hat einen Jungen dabei, den er vorstellt. Es ist Kenan und er spricht noch kein Wort Deutsch. Er gehört zu den Roma, kommt aus dem ehemaligen Jugoslawien.

"Roma, das sind Zigeuner", flüstert Kai. "Die klauen alle." Christina sieht Frau Rengel an. Ein Glück, sie hat nichts gehört. Sie mag es nicht, wenn man schlecht von Menschen denkt, die man gar nicht kennt. Aber vorsichtshalber steckt sie ihren knallroten Füller ganz tief nach unten in ihre Schultasche. Für den Fall, dass Kai Recht hat. ( S. 11)

Christina betrachtet ihn genau und kommt zu dem Entschluß, dass er süß aussieht. Er hat ganz schwarze Haare und dunkle Augen.

2. Kapitel: Summen in der Rechenstunde

Kenan sitzt, seit er in die Schule gekommen ist, stumm auf seinem Platz und starrt vor sich hin. Christina macht sich Gedanken über ihn und wünscht sich, dass er einmal lacht.

"Hoffentlich müssen wir nie flüchten, denkt Christina. Sie wohnt im selben Haus, seit sie ein winziges Baby war. Papa ist sogar in dem Haus geboren, nicht in der Klinik wie Christina. Oma, ja, die musste als kleines Kind mit ihrer Familie flüchten. Als der Zweite Weltkrieg zu Ende ging. Aber sie sagt, sie erinnert sich nicht mehr richtig daran. Es ist lange her.(S. 16)

Christina denkt daran, wie es mit Radine war, ihrer Freundin, sie kam aus Afrika und konnte auch kein Wort Deutsch, aber sie hat von Anfang an versucht zu reden. Plötzlich summt jemand in der Klasse, es ist Kenan. Es klingt sehr traurig und fremd. Randine spring auf und fängt an in ihrer Sprache zu singen. Als sie fertig sind klatschen die Kinder und Kenan lächelt zum ersten Mal.

3. Kapitel: Streit auf dem Schulhof

Kenan ist jetzt schon über drei Monate in der Klasse. Er spielt mit den anderen Kindern auf dem Schulhof und singt gerne. Doch als sie einmal auf dem Schulhof sind, prügelt sich Kenan mit zwei Jungen. Die Jungen rufen zu Kenan "Tanz doch mal, Zigeunerchen, los komm! Mach schon!" Christina rennt hin und möchte Kenan helfen und mit ihr kommen noch andere Kinder aus ihrer Klasse. Die Jungen verschwinden.

4. Kapitel: Zuhause ist sehr verschieden

"Die ganze nächste Stunde reden sie über die Volksgruppe der Roma, zu denen Kenan gehört. Und über Verfolgung von Menschen früher und heute, in Deutschland und überall in der Welt. Kenan sieht aus, als würde er vieles verstehen. Manchmal nickt er. Manchmal schüttelt er den Kopf. Und manchmal sagt er: "Gemein." Aber dann kommt langsam, ganz langsam, ein Lächeln in sein ernstes Gesicht. "Freunde", sagt er. Seine Augen wandern von den Kindern zu Frau Rengel." ( S. 30)

5. Kapitel: Herzlich Willkommen

Kenan ist jetzt schon ziemlich lange in Deutschland und er spielt jeden Nachmittag mit Christina, Kai und Radine. Einmal kommt er auch mit zu Christina nach Hause. Alle mögen Kenan sehr gerne.

Ein paar Tage später besucht sie Kenan. Er wohnt im Flüchtlingsheim in der alten Sonderschule. In der Schule ist es sehr laut. Kenan wohnt mit seiner Familie in einem Klassenraum, der mit Tüchern abgetrennt ist. Sie sind neun. Christina kann sich gar nicht vorstellen, wie es ist, wenn man kein eigenes Zimmer hat. Die Familie ist sehr nett, es fasziniert Christina, dass sie alle glänzend schwarze Haare haben und dunkle Augen.

6. Kapitel: Ein schlimmer Brief

Nach den Weihnachtsferien kommt Kenan nicht zur Schule. Christina läuft sofort nach Schulschluss zu ihm nach Hause. In der Schule stehen überall Koffer und in Kenans Zimmer sitzt die Lehrerin und tröstet Kenans Mutter. Kenan sitzt in der Ecke und ist sehr wütend. Er erzählt, das sie weg müssen, aber er weiß nicht warum.

"Am heiligen Abend kam der Brief vom Ausländeramt, ausgerechnet", sagt Frau Rengel. Ihre Stimme ist voller Zorn. "In dem Brief steht, dass sie auf andere Lager umverteilt werden sollen. " " Umverteilt?", fragt Christina. Bonbons kann man verteilen. Und Aufsatzhefte. Aber Menschen? "So nennen sie das", sagt Frau Rengel, "sie schicken die Flüchtlinge einfach woanders hin. Das es solche Gesetze gibt. Vorschriften für Menschen die zu uns kommen, weil sie in Not sind." ( S. 56)

7. Kapitel: Auf Wiedersehen

Zwei Tage nach Weihnachten kommt Kenan wieder in die Schule, aber es ist nicht mehr wie früher. Kenan ist immer still und starrt vor sich hin. Da sie nicht umgezogen sind, bekommt Kenans Familie kein Geld mehr. In der Schule sammeln sie für Kenan, aber nach sechs Wochen nimmt Kenan doch Abschied, da sie nicht länger das Geld annehmen wollen. Am letzen Tag bringt der Vater von Kenan ein Abschiedsessen in die Schule. Die Klasse ein Buch für Kenan als Erinnerung gemacht.

8. Kapitel: Angst um Kenan

Christina schreibt Kenan oft Briefe und Kenan antwortet, indem er etwas malt. Als Christina im Fernsehen davon hört, dass es Brandanschläge auf Ausländerwohnheime gab, hat sie große Angst um Kenan. Es gab auch einen Anschlag auf Kenan Wohnheim, aber zum Glück ist niemanden etwas passiert.

9. Kapitel: Freunde gibt es überall

Am nächsten Morgen unterhält sich Christina mit Randine darüber, dass bei Kenan im Heim die ganze Nacht Wache gehalten werden muss, das beschäftigt sie sehr. Da erzählt Randine ihr, dass sie auch hier die ganze Nacht Wache gehalten haben.

"Und warum hat Kenan mir das nicht erzählt?" "Vielleicht, weil du deutsch bist", sagt Randine. "Bestimmt wollte er nichts sagen von Deutschen, vor denen man Angst heben muss."

Christina ist traurig. Deutschland ist ihr Land. Ihr Zuhause. Da soll niemand Angst haben müssen. Und ihre Freunde schon gar nicht.

" Solche Leute, die keine Ausländer wollen, gibt's überall. Nicht nur in Deutschland", sagt Randine. Sie nimmt Christinas Hand und fängt an zu singen. Es ist dasselbe Lied, das sie damals für Kenan gesungen hat. Christina hört ihrer Freundin zu. Dann summt sie leise mit. In ihr drin tut es noch weh. Doch ihre Traurigkeit wird kleiner. Sie erinnert sich an Kenans allererstes Lächeln. Wie Radine so was bloß immer schafft?

Christina hat Radine so lieb wie ihre Brüder. Manchmal sogar noch lieber. "Was heißt denn das, was du singst?", will Christina wissen. "Es ist ein Lied über Freunde", sagt Radine. "Ein Lied mit vielen Strophen. Am Ende jeder Strophe heißt es: Freunde gibt es überall, und wenn du sie findest, bist du reich." ( S. 88-91)

Ich habe mich für dieses Buch entschieden, da mich das Thema angesprochen hat. Ich habe mir mehrere Bücher in der Bibliothek ausgeliehen und alle überflogen, aber als ich bei diesem Buch die erste Seite gelesen habe, hat es mir gleich so gut gefallen, dass ich es ganz gelesen habe. Ich finde es auch vom Thema her sehr interessant, da die meisten Klassen ja sehr gemischte Klassen sind. Es sind Kinder aller Nationalitäten zusammen, außerdem werden hier sehr anschaulich die sozialen Probleme dargestellt. Dies ist auch ein Grund, warum ich mich gerade für dieses Buch entschieden habe. Ich denke man kann es mit einer vierten Klasse lesen.

vorgestellt von Mirjam Happel


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Hallo, ist da jemand? (Jostein Gaarder)

Verlag: Hanser ; Original: Norwegen, 1996)

Ausgesucht habe dieses Buch eigentlich nur, weil ich den Autor bereits von Büchern wie "Sophies Welt" und "Das Kartengeheimnis" kannte. Im Unterschied zu diesen hat "Hallo, ist da jemand ?" ein größeres Format und einen Umfang von nur 100 Seiten, auch ist es mit vielen bunten Bildern illustriert.

Das Buch ist in Briefform geschrieben. Der Brief ist an die kleine Camilla gerichtet. Ihr Onkel Joakim berichtet ihr von einem Erlebnis in seiner Kindheit. Die Geschichte handelt von seiner Begegnung mit dem außerirdischen Jungen namens Mika.

Es beginnt in der Nacht, als seine Eltern im Krankenhaus sind, weil die Geburt seines Brüderchens bevorsteht. Plötzlich sieht Joakim eine Sternschnuppe am Himmel und kurz darauf hört er im Garten lautes Geschrei. Er läuft hinaus und sieht Mika kopfüber im Apfelbaum hängen. Mika stammt vom Planeten Eljo. Hier beginnen die Fragen über ihr Dasein und die Möglichkeit ihrer Begegnung. Sie sind sich beide nicht sicher, ob sie nicht vielleicht nur träumen. Gemeinsam entdecken sie das Geheimnis des Lebens. Dabei werden die verschiedensten Bereiche von der Entstehung der Erde bis zum Beginn der Entwicklung von Menschen und deren Weiterentwicklung naturwissenschaftlich, aber auch geistig, angesprochen. Das Buch ist dennoch in einer kindgerechten Sprache geschrieben, denn es ist ja auch direkt an eines addressiert. Der erwachsene Schreiber erinnert sich an seine Kindheit und schreibt auch aus dieser Position.

Für mich kann ich sagen, daß das Buch auch die Augen für die Faszination des Lebens geöffnet hat. Vieles, was man als Erwachsener als gegeben ansieht, wird hinterfragt und zu interessanten Standpunkten gebracht. Für den kleinen Mika ist das Leben auf der Erde völlig unbekannt. Er kann sich mit Joakim nur in dessen Sprache verständigen, weil er, wie alle auf dem Planeten Eljo, die Fähigkeit des Gedankenlesens beherrscht. Dennoch überrascht und erschreckt ihn vieles, was auf der Erde passiert. Joakim gibt sich größte Mühe, ihm alles möglichst gut verständlich zu machen. Joakim lernt auch einiges vom Leben auf Eljo. So ist es dort beispielsweise üblich, sich zu verneigen, wenn einem eine Frage gestellt wird. Durch dieses ihm unbekannte Verhalten lernt Joakim, wie groß die Bedeutung einer Frage ist und daß sie einen weiterführen kann.

Da das Buch ein handliches Format hat und in einer recht großen gut lesbaren Schrift gedruckt ist und außerdem mit ansprechenden Bildern illustriert ist, eignet es sich sowohl zum Vorlesen als auch zum eigenen Lesen für Kinder. Ich kann mir gut vorstellen, daß man das Buch gemeinsam mit den Kindern liest. Ein Kind oder der Erwachsene bzw. Lehrer liest aus dem Buch vor und die Kinder haben hinterher die Möglichkeit untereinander oder auch mit dem Erwachsenen über den Inhalt oder entstandene Fragen zu sprechen. Im Schulunterricht kann das Buch auch für den Sachunterricht (neben dem Deutschunterricht natürlich !) nützlich sein, da Themen aus naturwissenschaftlichen und gesellschaftlichen sowie z.T. philosophischen Bereichen behandelt werden. So könnte man mit Hilfe des Buches die Kinder an bestimmte, vielleicht etwas komplizierte Probleme heranführen.

von Anna Müller-Rehm


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Das allerbeste Apfelmus ( Dorothy Canfield Fisher)

Meine Buchvorstellung geht um das Buch" Das allerbeste Apfelmus" von Dorothv Canfield Fisher, einer amerikanischen Autorin. Im Deutschen erschien das Buch erstmalig 1975. Die Autorin selbst lebte von 1879-1959. Ich vermute, daß die Geschichte, in der ein kleines Mädchen die Hauptrolle hat, ungefähr in den vierziger oder auch fünfziger Jahren spielt.

Zum Inhalt

Betsy ist neun Jahre alt. Als sie noch ein Baby war, starben ihre Eltern. Und so wuchs sie bei ihrer Großtante Harriet und deren Tochter Frances auf. Diese umgaben Betsy mit wärmster Fürsorge, packten sie in Watte, verwöhnten sie und paßten auf, daß die nicht mit falschen Leuten oder falschen Dingen in Kontakt kam, weil sie ständig Angst um sie hatten. Das hat zur Folge, daß Betsy jetzt sehr unselbständig , ängstlich und auch teilweise sehr naiv ist. Doch eines Tages wird Großtante Harriet sehr krank, und sie und ihre Tochter Frances müssen in einen anderen Ort ziehen, wo Tante Harriet geheilt werden kann. Betsy kann nicht mitkommen, und so entschließen sie sich schweren Herzens, Betsy vorübergehend zu anderen Verwandten zu schicken. So landet Betsy allerdings nur über Umwege bei den Putneys (Verwandte ihres Vaters), von denen Tante Harriet und Tante Frances noch nie etwas gehalten haben. Die Putneys leben auf dem Land (vorher hat Betsy nur in der Stadt gelebt). Im Gegensatz zu dem Leben, das sie bei Tante Harriet und Tante Frances geführt hat, hat sie bestimmte Aufgaben (z. B im Haushalt) zu erledigen. Eigentlich erwartet Betsy Lob, für das, was sie leistet, aber die "kaltherzigen" Verwandten sagen kein Wort. Doch nach anfänglichen Schwierigkeiten und Heimweh, lebt sich Betsy sehr schnell ein, und aus den "kaltherzigen" Verwandten entpuppen sich sehr nette und verständnisvolle Menschen. Betsy wird von Tag zu Tag selbständiger. Außerdem stellt sie fest, daß sie keine Angst vor Hunden und Lehrern zu haben hat, was vorher der Fall war. Sie geht jetzt sehr gerne zur Schule und lernt dort auch Verantwortung für andere zu tragen. Vor allem entdeckt sie aber, was man mit Tatkraft und Überlegung alles erreichen kann. Am Ende will sie gar nicht mehr weg, und auch die Putneys haben Betsy sehr in ihr Herz geschlossen. Um so mehr ist sie traurig, daß Tante Frances, die sie immer noch sehr liebt, sie wieder "nach Hause" holen will. Doch Betsy schafft es, sie zu überreden, und so kann Betsy am Ende doch bleiben.

Zur Sprache

Dorothy Canfield Fisher macht es durch ihre Art zu schreiben einem sehr leicht, sich in die Situation von Betsy hineinzuversetzen. Man weiß immer genau, was Betsy gerade denkt und fühlt, und sie versucht den Leser direkt ins Geschehen mit einzubeziehen, indem sie ihn direkt anspricht. Den Unterschied zwischen der alten und der neuen Betsy macht sie durch die Wahl der Namensgebung deutlich (bei Tante Harriet und Frances heißt sie Elizabeth-Ann; bei den Putneys Betsy).

Weil die Protagonisten weiblich ist, nehme ich an, daß das Buch hauptsächlich von Mädchen gelesen wird Obwohl das Buch schon etwas älter ist, glaube ich nicht, daß die Thematik veraltet ist. Ich kann mir schon gut vorstellen, daß sich einige Mädchen die Geschichte von Betsy zu Herzen nehmen und vielleicht auch versuchen, mehr Selbständigkeit und Verantwortung in ihr Leben zu bringen.

von Astrid Ouart


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Die Flaschenpost (Klaus Kordon)

Erscheinungsjahr der ersten Auflage: 1988

Verlag: Ravensburger

Matze ist ein fast zwölfjähriger Junge, der in Ost-Berlin lebt und er hat eines Tages eine Idee: Er wirft eine Flaschenpost in die Spree, die eigentlich in seinen Träumen an einem Strand in der Südsee gefunden wird. Jedoch kommt sie nur bis nach West-Berlin, wo Lika sie findet. Lika ist zwölf Jahre alt und verbringt die meiste Zeit mit dem türkischen Jungen Bob am Ufer der Spree. Sie schreibt Matze, der schon gespannt mit seinem Freund Pipusch auf eine Antwort wartet. Matzes Eltern öffnen den Brief und besonders seine Mutter ist alles andere als begeistert über den Kontakt nach West-Berlin. Durch die Hilfe seines Vaters und eines alten Herren namens Opa Haase, um den sich Pipusch und Matze aufgrund einer Auflage in der Schule kümmern, kann der Brief doch noch beantwortet werden. Aber auch Lika bekommt etwas Probleme mit ihren Eltern wegen des Kontakts nach Ost-Berlin, aber dank Bob kann auch von der West-Berliner Seite her der Kontakt bestehen bleiben. Irgendwann telefonieren die beiden auch miteinander und verabreden sich, was mit einigen Hindernissen verbunden ist...

Das Buch beinhaltet viel über die Zustände im damals geteilten Berlin, wie z.B. dass das Abhören von Telefonaten üblich war. Andererseits wird aber auch durch die Figur des Opa Haase von der Zeit vor dem Mauerbau erzählt, z.B. berichtet Opa Haase vom Trubel auf dem Potsdamer Platz, was Pipusch und Matze nicht so recht begreifen können. Dort, wo Opa Haase den Potsdamer Platz beschreibt, ist nur öde Fläche.

Je vertrauter man mit den Hauptfiguren des Buches wird, denen das Verhalten der Erwachsenen nicht immer ganz klar ist, desto mehr merkt man, dass diese Kinder wohl vernünftiger als die Erwachsenen zu dieser Zeit sind.

Meiner Meinung nach eignet sich das Buch gut für den Unterricht so etwa in der 5. Klasse. Man kann viel über die Zeit vor der Wiedervereinigung, also die Teilung Berlins, die Sicherheitsmaßnahmen etc. den Schülern vermitteln.

Da ja nach dem Besuch in der Erika-Mann-Schule das mögliche Aufsuchen der Schauplätze in Berlin als weiteres Kriterium in "Mode" gekommen ist, möchte ich also auch diese Möglichkeit erwähnen. Übrigens handelt das Buch am Rande auch noch vom ersten Verlieben (Bob in Lika) und nicht nur von der Ost-West-Problematik.

Ich kann nur noch abschließend sagen, dass ich dieses Buch auch sehr schön finde, weil man sich in die Anfänge seiner Pubertät zurückversetzt fühlt (welches Foto sieht gut aus, damit Matze einen guten Eindruck von Lika bekommt?)

von Sandra Rex


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Die Rätselhexe (Eva Marie Helm)

Das Buch "Die Rätselhexe" von Eva Marie Helm ist 1984 im Otto Maier Verlag Ravensburg erschienen und gehört zu der Reihe "Der blaue Rabe - Erster Lesespaß". In dieser extra für Leseanfänger konzipierten Reihe haben alle Bücher eine große Schrift, viele Bilder und 64 Seiten.

Das Buch "Die Rätselhexe" handelt von einer Hexe, die aufgrund ihres ungewöhnlichen Hobbies - sie sammelt Rätsel aller Art - von allen nur mit "Rätselhexe" tituliert wird. Sie wohnt mit ihrem Hund etwas außerhalb einer kleinen Stadt in einem winzigen Haus. Bei den Menschen in der Stadt ist sie sehr beliebt. Sie liebt die Stille, freut sich aber ebenso über Besuch, besonders von ihrem besten Freund, dem Zauberer.

Das Buch ist in 8 Kapitel mit den Überschriften "Die Rätselhexe", "Besuch des Zauberers"; "Das "Rätselei", "Rätsel auf dem Dach", "Verrätselte Buchstaben", "Rätsel an der Wand", "Abschied von der Rätselhexe" und "Auflösungen" unterteilt. Den Lesern wird in dem Buch ein Rätsel nach dem anderen gestellt, dessen Auflösungen sich zum einen in dem gleichnamigen Kapitel, zum anderen in den Zeichnungen von Margit Pawle finden.

In dem ersten Kapitel werden die Rätselhexe und ihr Hobby - das Rätselsammeln - vorgestellt. Die Leser erfahren etwas über ihre Lebensgewohnheiten, ihr Zeitvertreiben und bekommen das erste Rätsel gestellt.

Im "Besuch des Zauberers" wird das Zusammentreffen der Hexe mit ihrem Freund, dem Zauberer, geschildert. Sie stellen sich gegenseitig viele Rätsel und der Zauberer schenkt der Hexe ein grosses Ei, welches sie sich in den Garten stellt. Außerdem kündigt der Zauberer den Besuch von zwei Kindern an.

In "Das Rätselei" bekommt die Hexe den angekündigten Besuch: das Mädchen Zilli und der Junge Willi stehen bei ihr vor der Tür. Während sie zusammen frühstücken, gibt es einen lauten Knall in dem Garten. Das Rätselei ist geplatzt und viele Rätsel entspringen dem Ei..

In "Rätsel auf dem Dach" beschäftigen sich die Hexe und die Kinder mit vielen weiteren Rätseln, ebenso in "Verrätselte Buchstaben" und "Rätsel an der Wand".

Leider werden die Kinder - wie das immer ist - viel zu früh abgeholt ("Abschied von der Rätselhexe"). Aber sie bekommen noch ein letztes Rätsel mit auf den Weg...

Dieses Buch lässt sich aufgrund der guten Übersichtlichkeit (große Schrift und wenige Worte in jeder Zeile) am besten im Leseanfängerbereich einsetzen. . Durch die vielen Rätsel motiviert das Buch und es enthält Aufgaben für die Leser. Somit würde ich das Buch besonders im Förderbereich einsetzen, um den Spaß am Lesen zu vermitteln. Für eine Klasse ist es nur unter bestimmten Umständen brauchbar. Es könnte Kinder geben, die durch die vielen Rätsel gelangweilt werden, da das Buch inhaltlich nicht so viel hergibt.

Durch die starke Anhäufung von wörtlicher Rede, könnte man es gut zur Einführung dieser benutzen

Eine weitere Einsatzmöglichkeit wäre denkbar: man könnte Kinder, die eine Stillaufgabe erledigt haben und auf die anderen Schüler warten müssen, damit beauftragen, das Buch weiterzulesen und Rätsel zu lösen.

TEXTAUSZUG ("Rätsel auf dem Dach")

"Zilli hüpfte auf einem Bein durch den Garten und sang:

"Was rätseln wir jetzt, was rätseln wir jetzt?"

"Wir werfen Rätseldinge aufs Dach und schauen, wie sie wieder herunterkommen", sagte die Rätselhexe.

"Da mache ich sofort mit", rief Willi.

Er lief ins Haus, holte etwas und warf es auf das Dach.

"Was werfe ich weiß aufs Dach, und es kommt gelb wieder herunter?" rief er.

"Du bist ein Ferkel", sagte die Rätselhexe.

"Ich bin kein Ferkel", sagte Willi.

"Ich bin der große Rätselmacher."

"Ich weiß ein anders Rätsel", sagte die Rätselhexe.

Sie holte etwas aus einem Korb, der auf der Bank vor dem Haus stand, und rief: "Was werfe ich rund aufs Dach, und es kommt lang wieder herunter?" "Jetzt bin ich wieder dran", sagte Willi.

"Was werf ich einbeinig aufs Dach, und es kommt zweibeinig wieder herunter?"

"Oder kreuz und quer", sagte die Rätselhexe.

"Davon weiß ich noch ein anderes Rätsel", sagte Zilli.

"Unser blankes Hündchen läuft in einer Furche und sagt immer: knip knip."

"Jetzt wird es schwierig", sagte die Rätselhexe.

"Was werfe ich in einem Stück aufs Dach, und es kommt in zweiunddreißig Stücken wieder herunter?"

"Damit können wir heute abend Mau-Mau spielen", sagte Willi.

Am Abend waren die Kinder aber so müde, dass sie nur herumsaßen.

Zilli gähnte und sagte: "Warum muss der Mensch nur immer zu Bett gehen?"

"Weil das Bett nicht zum Menschen kommt", antwortete Willi.

"Ja, ja", murmelte die Rätselhexe. "Es ist fertig und wird doch täglich gemacht."

"Was?" fragte Zilli schläfrig.

"Das, wovon wir die ganze Zeit reden, du Schlafmaus", sagte Willi.

"Ich würde es sicher nicht jeden Tag machen."

Und dann gingen sie endgültig schlafen. Die Rätselhexe war so aufgeregt und glücklich über den wunderbaren Rätseltag, dass sie nicht gleich schlafen konnte.

Deshalb setzte sie sich noch eine Weile aufs Dach.

Sie sah in den Mond und beguckte die Sterne und dachte lange nach."

von Marit Stoye


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Der Ring der Gedanken (Andreas Schlüter)

Das Buch "Der Ring der Gedanken" wurde vom Hamburger Autor Andreas Schlüter geschrieben. Es ist das zweite von insgesamt vier spannenden Computerkrimis und erschien 1998 im Deutschen Taschenbuchverlag.

Die Hauptfiguren sind, wie auch in den drei anderen Bänden, vier Freunde im Alter von dreizehn Jahren: Ben, Frank, Miriam und Jennifer.

Die Geschichte beginnt damit, dass Ben einen Ring findet. Am anderen Tag passieren ihm im Unterricht merkwürdige Dinge. Er hört Stimmen von seinen Mitschülern und vom Lehrer, ohne dass diese den Mund bewegen. Nachdem er dieses Phänomen eine Zeit lang beobachtet hat, stellt er fest, dass es etwas mit dem Ring zu tun haben muss, den er am Vortag gefunden hat. Jedesmal wenn er den Ring auf die Stirn eines seiner Mitschüler richtet, kann Ben dessen Gedanken hören. Nach dem Unterricht erzählt er das sofort seinen drei Freunden. Diese sind ganz begeistert und träumen schon davon, nie mehr für eine Klassenarbeit lernen zu müssen. Sie brauchen den Ring dann nur noch auf ihre Klassenkameraden richten und schon hören sie die Lösungen der Fragen. Doch dann gerät der Ring ausgerechnet in die Hände von Kolja, einem älteren Mitschüler, der die jüngeren ständig bedroht und erpresst.

Beim Lesen einer Computerzeitschrift findet Ben heraus, dass der Ring aus einem Computerchip besteht, mit dem man die Gedanken anderer lesen kann. Die vier Freunde erfahren, dass der Chip von ihrem Lehrer entwickelt wurde und dass er auf einem Computerkongress vorgestellt werden sollte, vor kurzem aber gestohlen wurde. Es gelingt ihnen schließlich, den Ring von Kolja wiederzubekommen. Da sie nicht wollen, dass bald jeder in ihren Gedanken lesen kann, beschließen sie, den Ring zu zerstören. Doch dann entführt Kolja Jennifer, um den Ring zurückzubekommen...

Empfohlen ist das Buch für junge Leser ab elf Jahren. Da sich der Inhalt der Geschichte hauptsächlich um Computer dreht, fühlen sich vielleicht auch die männlichen Leser motiviert zu diesem Buch zu greifen, da somit auch ihre Interessen angesprochen werden.

Dadurch ist es auch gut für den Unterricht einer fünften oder sechsten Klasse geeignet. Es ist gut verständlich geschrieben und wird an keiner Stelle langweilig. Die Spannung zieht sich wie ein Faden bis zum Schluss durch die ganze Geschichte und wird von Kapitel zu Kapitel gesteigert. Die Haupthandlung wird von Nebenhandlungen und Ereignissen umrahmt, die die Geschichte auch abwechslungsreich machen. Zum Beispiel versuchen die vier Freunde den Computerraub aufzuklären, der an ihrer Schule passiert ist, und werden bei dieser Aktion dann selbst als Verdächtige festgenommen.

Das Buch eignet sich sowohl zum Vorlesen als auch zum Selberlesen und bietet gute Möglichkeiten, Hausaufgaben zum Inhalt aufzugeben. Auch können die Phantasie, Träume und Wünsche der Schüler angeregt werden, indem man Fragen stellt wie zum Beispiel: "Was würdest du tun, wenn du solch einen Ring finden würdest?" oder "Welche Fähigkeiten sollte dein Ring haben?".

von Stefanie Zeidler


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Emil und die Detektive (Erich Kästner)

Inhaltsangabe:

Für Frau Tischbein, eine Frau, die in einer Kleinstadt vom Frisieren leben und für sich und ihren Sohn Emil allein sorgen muß, sind 140 Mark viel Geld. Um so mehr Angst hat sie um Emil, der genau diesen Betrag allein zu seiner Großmutter nach Berlin bringen soll. Alles hat sie gut vorbereitet für Emils erste Fahrt nach Berlin, auch das " Wichtigste", das gesparte Geld für die Großmutter ist verstaut. Beim Einstieg in den Zug ermahnt die Mutter Emil noch einmal, auf das Geld aufzupassen. Im Zugabteil entwickelt sich zwischen dem höflichen Jungen und den Mitreisenden bald ein Gespräch. Ein Herr mit steifem Hut scheint sich anfangs nur für seine Zeitung zu interessieren. Ein wenig später mischt er sich allerdings ins Gespräch ein und erzählt Schauergeschichten über die Stadt Berlin . Als die übrigen Reisenden aussteigen, bleibt Emil mit dem unheimlichen Mann allein im Abteil. Plötzlich hat er sogar Angst um sein Geld und steckt so auf der Toilette das Kuvert mit dem Geld mit einer Stecknadel in der Innentasche seines Anzuges fest. Nur zögernd nimmt Emil den Bonbon, den der Mann ihm anbietet. Kurz nachdem der Mann einschläft, fällt auch Emil in den Schlaf und träumt die verrücktesten Sachen. Als er wie von der Explosion in seinem Traum aufwacht, ist er von der Bank gerutscht, der Mann verschwunden- und mit ihm Emils Geld! Am Fenster ziehen bereits die Häuser Berlins vorbei. Der Zug fährt in den Bahnhof Zoologischer Garten ein, wo Emil schließlich aussteigt. Im Gewimmel auf dem Bahnsteig entdeckt Emil einen steifen Hut. Zwar erwarten ihn die Großmutter und die Kusine Pony Hütchen auf dem Bahnhof Friedrichstraße, doch wie soll er ihnen ohne das Geld unter die Augen treten? Emil nimmt die Verfolgung auf, ohne einen Pfennig in der Tasche, quer durch die große fremde Stadt. Lange kann ein Junge aus der Kleinstadt, der in einer fremden Großstadt einen Dieb verfolgt, nicht unbemerkt bleiben, jedenfalls nicht den Berliner Jungen. So lernt Emil bald "Gustav mit der Hupe" kennen. Als der von Emils Geschichte erfährt, holt er zur Verstärkung seine Freunde. Gemeinsam wird die Verfolgung organisiert: Beobachter und eine Meldestelle aufgestellt, Geld, mit dem später eine Taxi- Verfolgungsjagd bezahlt werden muß, gesammelt, Detektive als Verfolger bestimmt und der "kleine Dienstag" als Depeschendienst nach Hause ans Telefon beordert, um jedem, der die Parole ( Emil ) kennt, den Standort der den Dieb beobachtenden Detektive mitteilen zu können. Nach einigen Ereignissen rufen die Jungs weitere Kinder zur Hilfe und verfolgen den Dieb nun öffentlich. Durch ihr gemeinsames Handeln kann der Dieb in die Enge getrieben werden, überführt werden aber erst, als Emil sich in letzter Minute einem Angestellten einer Bank anvertraut, und ihm einfällt, wie zu beweisen ist, daß die Geldscheine ihm gehören: Woher sollte er sonst wissen, daß die Scheine Löcher haben, wie von einer Nadel?

Entgegen seinen Befürchtungen wird Emil am Ende von der Polizei nicht verhaftet, sondern beglückwünscht, schließlich hat er es geschafft einen gesuchten Bankräuber zu überführen, auf den eine Belohnung von 1000 DM ausgesetzt war. Bei der späteren Feier zu Hause werden aber auch all die Helfer nicht vergessen, ohne die Emil nie in die Zeitung und zu seinem Geld gekommen wäre.

Buchbewertung hinsichtlich der Eignung für Grundschulkinder

Das Buch "Emil und die Detektive" von Erich Kästner, das bei seinem Erscheinen 1929 schon ein riesiger Erfolg war, hat, so denke ich, auch nach 71 Jahren nichts von seiner Wirkung verloren.

Als Leser geht einem , durch Erich Kästners tolle Art zu schreiben, das ganze Buch über weder die Lust zu lesen, noch die Spannung verloren. Ich denke, wie Emil, so beobachtet und verfolgt der junge Leser den Dieb und wird von zentralen Fragen, wie: Wird der Wachtmeister Emil überführen und festnehmen? Wird Emil dem Dieb auf den Fersen bleiben können? Wie wird er es mit seinen Freunden letztendlich schaffen, das Geld zurückzubekommen? , in Bann gehalten. Selbst als der Dieb sich von den Kindern in die Enge getrieben fühlt, bleibt unklar, wie Emil das Geld zurückerhalten kann. Verfolgungsjagd und Beweissuche sind klassische Krimielemente, die meiner Ansicht nach gerade für Kinder etwas Besonderes und vor allem Aufregendes sind.

Ich denke, zusätzliche Spannung bezieht das Buch daraus, daß Emil auf der Jagd nach dem Dieb auch wirklich Verbotenes, wie Schwarzfahren, tut oder tun muß.

Für die Kinder wird natürlich die Geschichte des Buches im Vordergrund stehen, doch es vermittelt ihnen auch einige Einblicke in die damalige Zeit. Der sehr "gesittete" Umgang der Jungen mit den Mädchen beispielsweise ist für Kinder heute sicher fremd und eher belustigend. Oder auch dadurch, daß z.B. 140 DM sehr, sehr viel Geld sind, wird so denke ich die historische Dimension des Buches für die Kinder erfahrbar. Trotz dieser Aspekte, geht das Buch in keine altmodische oder nicht mehr aktuelle Richtung. Schließlich stehen hier die Kinder mit ihren Gefühlen, ihrer Art zu handeln und ihrer Denkensweise im Vordergrund, und ich denke all dies kann von den Kindern in unserer Zeit noch immer sehr gut nachvollzogen und verstanden werden, denn die grundlegenden Vorstellungen und Ansichten an das Leben werden, bis auf einige Ausnahmen, auch heute noch im Kindesalter die gleichen sein.

Ebenfalls klassisch sind die Eltern-Kind-Beziehungen und die daraus entstehenden Konflikte. Zwar kann ich nicht sagen, daß Erich Kästners Buch viele Auseinandersetzungen zwischen den Eltern und Kindern enthält, jedoch stößt man als Leser immer wieder einmal auf typische Situationen, die jedes Kind selbst nur allzugut kennt.

Ich denke also abschließend, daß "Emil und die Detektive" eine Lektüre ist, die bestens für Kinder geeignet ist und auch von jedem Kind einmal gelesen werden sollte. Es ist ein spannendes, lustiges und einfach lesenswertes Buch, das auch für Erwachsene nicht uninteressant ist.

von Marc Zinkernagel


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Eine Woche voller Samstage (Paul Maar)

Friedrich Oetinger Verlag, Hamburg.

Paul Maar wurde 1937 in Schweinfurt geboren und ist einer der bedeutendsten Kinder- und Jugendschriftsteller deutscher Sprache, der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde. Seine beliebtesten und meistgelesensten Werke sind die Geschichten vom Sams.

Das Buch handelt von einem Mann, namens Herrn Taschenbier, der ein sehr ängstlicher Mensch ist und zur Untermiete bei seiner Zimmerwirtin, Frau Rotkohl wohnt. Diese ist eine dominante, "immer herummeckernde" Frau, die ununterbrochen etwas an Herrn Taschenbier auszusetzen hat. An einem solcher Tage flüchtet Herr Taschenbier aus der Wohnung.

"Herr Taschenbier schlug schnell die Tür zu und machte sich auf den Weg. Es war ein schöner Samstagmorgen, die Sonne schien und er freute sich, dass er das Geschimpfe der Frau Rotkohl nicht mehr hören musste. An der nächsten Straßenecke stand dichtgedrängt eine Menschengruppe. Herr Taschenbier ging neugierig darauf zu. Die Leute betrachteten etwas. Es schien nicht sehr groß zu sein, denn alle blickten mit gesenktem Kopf nach unten. Er versuchte herauszufinden, was es da zu sehen gab. Aber er war zu klein und die Leute standen zu dicht. "Man muss den Zoo benachrichtigen. Sicher ist es dort ausgebrochen. Ein gewöhnlicher Mensch hält sich so etwas nicht", sagte eine Frau, die ganz vorn stand. Offenbar war es irgendein Tier "Das scheint eine Affenart zu sein", stellte ein Mann fest. "Affenart? Mit dem Rüssel? Sieht eher wie eine Art Frosch aus", rief ein anderer Mann dazwischen. "Ein Frosch kann es unmöglich sein. Das Ding hat doch feuerrote Haare. Haben sie schon mal einen Frosch mit Haaren gesehen? Noch dazu so groß?" Das wurde ja immer interessanter: ein Tier, das man sowohl für einen Frosch als auch für einen Affen halten konnte! "Sie sollten sich schämen, sich so über ein kleines Kind lustig zu machen. Sie als erwachsene Menschen, pfui" sagte empört eine dicke Frau und sah strafend um sich....".

Herrn Taschenbier läuft also eines Tages ein Sams über den Weg und durch gewisse Umstände beschließt das Sams, bei ihm zu bleiben. Gezwungenermaßen muss Herr Taschenbier das Sams mit zu sich nach Hause nehmen, was ihm aufgrund der Zimmerwirtin anfängliche Schwierigkeiten bereitet. Da es noch sehr klein ist, kann er es vor Frau Rotkohl verstecken und so merkt sie erstmals nichts, bis auf dass Herr Taschenbier merkwürdiger Weise immer selbstbewusster wird. Das Sams ist nämlich ein respektloses Wesen, das sich von niemandem einschüchtern lässt, immer freche Bemerkungen macht und zurückschimpft, wenn andere schimpfen und zudem noch Herrn Taschenbiers Stimme nachahmen kann. Obwohl Herrn Taschenbier das anfangs sehr peinlich ist, fühlt er sich schon bald für das Sams verantwortlich. Er geht mit ihm einkaufen und da das Sams alles isst, was ihm in die Quere kommt, wird es immer dicker und dicker, so dass ihm nur noch ein dehnbarer Gummianzug passt. Schon bald kann Herr Taschenbier seinen Schützling nicht mehr verstecken und so stellt er es seiner Zimmerwirtin als seinen Neffen vor, was ihr natürlich überhaupt nicht gefällt. Nach einer Woche muss sich das Sams verabschieden, da Samse nur eine Woche bleiben und da Herr Taschenbier das Sams sehr lieb gewonnen hat, überlegt er, was er tun kann....

Meiner Meinung nach ist dieses Buch für den Unterricht, sowie für den außerschulischen Bereich ein sehr schönes Buch, da es lustig geschrieben und für Kinder gut verständlich ist. Außerdem ist es in acht verschiedene Kapitel unterteilt, welche sich im Unterricht gut behandeln bzw. lesen lassen.

Die Kinder lernen auf lustige Art und Weise verschiedene Charaktere kennen, können sich ein Bild von ihnen machen, da die Seiten mit ein paar Bildern versehen sind und werden vielleicht auch noch angeregt, die anderen Bände von dem Sams privat zu lesen.

von Andrea Siwek 08.01.2000


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Der Wunschpunsch (Michael Ende)

Ob es nun an der Millenium-Hysterie lag oder ob sich die Kinder verbündet haben, weiß ich nicht. Auf jeden Fall wurde mir von allen Seiten auf die Frage, welches Kinderbuch ich lesen und vorstellen sollte, bekam ich die Antwort "Der Wunschpunsch". Da ich das Buch in meiner Kindheit nicht gelesen hatte, machte ich mich gleich an die Arbeit.

Das Buch spielt am letzten Tag des Jahres, dem Silvesterabend von fünf Uhr bis Mitternacht. Die Hauptakteure sind der Geheime Zauberrat Beelzebub Irrwitzer, seine Tante die Geldhexe Tyrannja Vamperl sowie die Aufpasser des Hohen Rates der Tiere der Kater Maurizio di Mauro und der Rabe Jakob Krakel.

Beelzebub Irrwitzer und Tyrannja Vamperl haben ein Problem: Das Jahr neigt sich seinem Ende zu und beide haben ihr Soll an bösen Taten noch lange nicht erfüllt. Nicht ganz unschuldig daran sind Maurizio und Jakob. Zwar ist der Kater ein bisschen einfältig und vertrauensselig und lässt sich von Irrwitzer leicht einwickeln, aber er ist auch sehr neugierig und das ist der Grund, warum Irrwitzer doch vorsichtig sein musste und nicht in gewohnter Art und Weise Böses zaubern konnte. Der Rabe Jakob ließ sich nicht von Tyrannia zähmen und beobachtete sie sorgfältig, wodurch ihr Tatendrang auch erheblich gestört wurde.

Nun haben die beiden nur noch eine Chance ihr Defizit an bösen Taten aufzuarbeiten. Das Problem liegt nur darin, dass sie Beide zusammenarbeiten müssen, um ihren Plan in die Tat umsetzen zu können. Beide besitzen die Hälfte von der Rezeptrolle für den satanarchiolügenialkoköllischen Wunschpunsch. Dieser Wunschpunsch ist kein x-beliebiger Zaubertrank, sondern er hat eine fantastische Eigenschaft. Er kehrt nämlich alles was man sich wünscht, ins Gegenteil um. Daher sollen die Spione des Hohen Rates der Tiere beim Wünschen dabei sein, um bezeugen zu können, was für edle Leute Tyrannia & Irrwitzer sind. Der Kater und der Rabe belauschen die Absichten der beiden und wollen verhindern, dass ihr Plan funktioniert. Der Wunschpunsch besitzt den Nachteil, dass er beim ersten Ton der Silvesterglocken seine Umkehrwirkung verliert.

Während der Zauberer und die Hexe den Punsch brauen, machen sich die Spione auf den Weg, um die Silvesterglocken früher Iäuten zu lassen. Sie klettern auf den Kirchturm und fallen vor Überanstrengung in Ohnmacht. Als sie erwachen, steht Sankt Silvester neben ihnen und stellt sie zur Rede, warum sie sein Neujahrsgeläut stehlen wollen. Sie erzählen ihm von dein Punsch und seiner Wirkung. Daraufhin überlässt er ihnen einen Ton vom Geläut in Form eines Eiskristalls. Dieser muss jetzt nur noch im Punsch versenkt werden und die Umkehrwirkung ist aufgehoben.

Die beiden machen sich auf den Rückweg und hoffen, dass sie noch nicht vermisst werden. Sie kommen ungesehen ins Haus und es gelingt ihnen den Ton in den fertigen Punsch zu versenken. Nun sind sie gespannt ob es funktioniert. Mit der Absicht der Welt nur Unglück zu bringen, überbieten sich Irrwitzer und Tyrannia mit den besten Wünschen und werden vom Punsch Wunsch für Wunsch betrunkener und merken nicht, dass die Umkehrwirkung nicht eintritt. Am Ende werden Irrwitzer und Tyrannja wegen nicht erfüllen der bösen Taten im Auftrag seiner Höllischen Exzellenz Beelzebub gepfändet und für Jakob und Maurizio beginnt ein neues Leben!

von Ramona Richtzenhain


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Ich und Jonna (Torill Eide)

Erschienen: Mai 1997 in neuer Rechtschreibung im Deutschen Taschenbuch Verlag, München.

Die Autorin:

Torill Eide wurde 1950 in Oslo geboren, wo sie auch heute noch lebt. Sie absolvierte eine Fachausbildung als Beschäftigungstherapeutin und war mehrere Jahre in diesem Beruf tätig. Heute arbeitet sie in einem wissenschaftlichen Forschungsinstitut. Neben Kurzprosa und Erzählungen schreibt sie Jugendbücher, die inzwischen mehrfach ausgezeichnet wurden. Weitere Titel: "Wir könnten Schwestern sein", "Ein Sehnen nach etwas"

Zusammenfassung:

Der 9-jährige Paul lebt allein mit seiner Mutter in einer Großstadt. Er ist das Resultat eines Seitensprungs eines verheirateten Mannes, den er nie kennengelernt. Sein größter Wunsch ist es, eine "normale" Familie zu haben, insbesondere einen Vater, den er zum Elternabend in der Schule mitnehmen kann. Als die Mutter Johannes kennenlernt, von dem sie kurze Zeit später ein Kind erwartet, fühlt sich Paul zurückgesetzt. Trotz dieser Tatsache muss er sich selber eingestehen, dass er viel Spaß mit Johannes haben kann und dieser sich auch um ihn bemüht. Kurz darauf fahren sie zu dritt für ein paar Tage in eine Hütte in die Berge. Dort fühlt sich Paul ausgeschlossen und einsam, aufgrund der Annahme, er würde nicht mehr wichtig sein, wenn das Baby geboren sein wird und obendrein ist Johannes nicht sein leiblicher Vater. Mit der zunehmenden Gereiztheit der Mutter wächst Pauls Bedürfnis nach Geborgenheit und der Wunsch seinen wirklichen Vater kennenzulernen. Nachdem Johannes ihm von der Höhle in den Bergen und dem Weg dorthin während einer Gute-Nacht-Geschichte erzählt hat, macht sich Paul heimlich auf den langen, gefährlichen Weg, in der Hoffnung, seinen Vater dort vorzufinden. Begleitet wird er von Jonna, seinem Phantasiefreund, den er sich, seit er den eingeritzten Namen auf dem Klo entdeckte, einbildet. In Wirklichkeit stammt die Gravur von Johannes, der seinen Spitznamen als Kind verewigte. Nach zwei strapaziösen und gefährlichen Tagen erreicht Paul völlig erschöpft die Höhle. Entgegen seinen Erwartungen findet er die Höhle leer vor und entdeckt abermals den eingeritzten Namen Jonnas. Plötzlich realisiert er jedoch, dass Jonna nur in seiner Phantasie existiert hat, woraufhin sich Angst und Resignation bei ihm ausbreiten. Mitten in der Nacht erreicht Johannes die Höhle und findet einen traurigen und verängstigten Jungen vor. Diese Angst kann Johannes ihm jedoch während eines Gesprächs nehmen. Er erzählt ihm, dass sie sich Sorgen gemacht haben und vor allem, dass Paul bald ein großer Bruder sein wird, mit dem man viel mehr "anstellen" kann, als mit einem Säugling. Johannes gliedert ihn in die Familie ein und gibt ihm das Gefühl der Geborgenheit. Alle Zweifel werden ihm genommen, als er nach der Ankunft im Dorf wie gewohnt zu seiner Mutter ins Bett krabbelt, um dort, fest an sie gedrückt, einzuschlafen.

von Daniel Pöch


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Mein 24. Dezember (Achim Bröger)

Das Kinderbuch "Mein 24. Dezember" von Achim Bröger ist 1998 in der fünften Auflage im Arena Verlag erschienen. Der Autor wurde 1944 und hat selbst drei Kinder. Er schreibt Kinder- und Jugendbücher, die zum Teil in mehrere Sprachen übersetzt wurden.

Achim Bröger erzählt in seinem Kinderbuch "Mein 24. Dezember" die Geschichte des kleinen Hundes Flocki, der sein erstes Weihnachtsfest erlebt. Aus der Sicht Flockis schildert er amüsant die vorweihnachtliche Hektik in der Familie und die Vorbereitungen für den Heiligen Abend.

Der kleine zottelige Hund versteht die Welt nicht mehr. Plötzlich schleppt der "Große" einen Baum ins Wohnzimmer, der weder zum Verheizen noch für Flockis Bedürfnisse bestimmt ist, die Mutter futtert Stollen mit 'guter Butter"" und die drei Kinder tun geheimnisvoll hinter verschlossenen Türen. Der Kleinste putzt freiwillig Schuhe, in der Küche brutzelt ein großer Vogel, der allzu verlockend duftet, unter den elterlichen Betten ist vor lauter Päckchen nicht einmal Platz für ein Nickerchen und der Papa und die Mama streiten sich, ob der Baum nun mit roten oder gelben Kerzen angezündet werden soll. Und in all dem Trubel hat keiner Zeit, mit Flocki zu spielen oder ihn wenigstens zu streicheln. All diese Kuriositäten verwirren den kleinen Hund, denn niemand klärt ihn auf, was es mit der ganzen Hektik auf sich hat. Daß dies alles normal ist zu Weihnachten, daß das "komische grüne Ding mit den vier Füßen" ein Baumständer ist und, daß natürlich nicht der ganze Baum angezündet werden soll, darüber bleibt Flocki im Unklaren. So versteckt er vorsichtshalber die Streichhölzer, damit die Eltern keinen Unsinn anstellen, räumt den Ständer unters Sofa, damit keiner darüber stolpert und versteckt den Stollen, damit die Mutter sich nicht mehr über ihre Figur ärgern muss.
Doch, wie er es macht, macht er es falsch. Obwohl er es in seiner naiven Art nur gut mit der Familie meint, liegt er ständig im Weg, wird beschimpft oder sogar ganz ignoriert. Als gutmütiger Hund verzeiht er dies jedoch.

"Mein 24. Dezember" eignet sich sehr gut zum Vorlesen, wobei es je nach Klasse sicherlich auch in der fünften oder sechsten Klassenstufe noch gut ankommen könnte. Für eine Verwendung im Unterricht halte ich es nur bis zur vierten Klasse für sinnvoll, da es inhaltlich nicht sehr anspruchsvoll ist und sich ältere und leseerfahrene Schüler unterfordert fühlen könnten. Durch viele bunte Bilder, die große Schrift und dem geringen Umfang von knapp 50 Seiten ist das Buch für Erstleser und leseschwache Schüler zu empfehlen, zumal die Sprache leicht verständlich ist. Die ungewöhnliche Perspektive bietet Möglichkeiten für begleitende Schreibprojekte, in die Aufgaben, wie beispielsweise die des Verfassens eines Textes aus der Sichtweise eines anderen Haustieres oder die Schilderung eines anderen Ereignisses aus Flockis Perspektive, eingehen könnten. Weiterhin wäre eine Übersetzung der von Flocki verwendeten Begriffe und Beschreibungen in die "Sprache der Menschen" denkbar.

Mir persönlich gefällt das Buch sehr gut, da es eine Abwechslung zur üblichen Erzählperspektive darstellt. Flockis Unwissenheit und seine Naivität mit der er versucht, die Familie zu beschützen und seine Neugier zu befriedigen, entlockt dem Leser (und Zuhörer) des Öfteren ein Lächeln.

von Jana Lehmann


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Und wenn ich zurückhaue? (Elisabeth Zöller)

Erschienen im Thienemann Verlag, 1994.

Elisabeth Zöller ist 1945 in Brilon geboren worden. In Münster, München und Lausanne studierte sie Deutsch, Französisch, Kunstgeschichte und Pädagogik. Sie arbeitete an verschiedenen Gymnasien und begann schließlich 1987 zu schreiben, Sie hat neben Beiträgen für Zeitschriften schon mehrere Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht.

Dieses Buch ist eine Ganzschrift. Es hat 127 Seiten und ist in einzelne Kapitel unterteilt. So kann man das Buch Kapitel für Kapitel mit der Klasse besprechen.

Die Hauptperson ist Krissi, ein Junge, der in die fünfte Klasse geht. Krissi geht nicht gerne zur Schule, denn er fürchtet sich vor den Angriffen größerer Schüler. Er möchte seiner Mutter von den "Schlägerkids"' erzählen, findet aber nie den richtigen Augenblick.
"Und wenn ich zurückhaue?", überlegt er. Schließlich vertraut er sich einem Freund an, fühlt sich dann aber von ihm im Stich gelassen und haut von der Schule ab.
Nun sprechen seine Mitschüler über die Gewalt an der Schule und unternehmen zusammen mit einem Lehrer etwas dagegen.

Ausgewählt habe ich dieses Buch zufällig, nachdem ich von einem Buchhändler ein Kinderbuchprospekt erhalten habe. Beim Durchlesen des Heftes bin ich dann auf dieses Buch gestoßen. Und habe mich dazu entschlossen es vorzustellen. Da ich die Themen Schule und Gewalt, welche in dem Buch verknüpft sind, als interessant und wichtig empfinde. Außerdem wollte ich auch erfahren wie diese Thematik. den Kindern mit dem Buch vermittelt wird.

Empfohlen ist das Buch für Kinder im Alter von zehn Jahren. Aber ich denke, dass es sehr von der Klasse abhängt, ob man das Buch schon liest. Ich würde es nicht früher lesen, sondern eher mit einer fünften Klasse. Da ich vermute, dass einige Situationen, welche beschrieben werden, den Kindern sehr nahe gehen könnten. Zu Beginn des Buches beschreibt Krissi, dass er von den anderen Schülern mit Ausdrücken beschimpft wird. Die Übergriffe geschehen dann immer öfter und werden auch immer brutaler. Andererseits gibt es vielleicht Kinder, denen Krissis Lage gegenüber der Bande gefällt bzw. Kinder, die diese Situation lustig finden.

Diese Bedenken hätte ich jedoch eher bei älteren Schülern. Und diese Problematik wird in dem Buch auch deutlich. So gibt es Mitschüler, die nach dem Verschwinden von Krissi verständnisvoll reagieren. Andere hingegen zeigen kein Verständnis. Das Buch verdeutlicht den Kindern ebenso, warum es solche Banden überhaupt geben kann. Dies wird einerseits durch die Reaktionen der Bandenmitglieder selbst gezeigt. Andererseits findet der Lehrer beispielsweise einen Brief in dem Gewaltbriefkasten der Klasse und darin beschreibt eines der Kinder, dass es früher selbst ein "Opfer" war und weshalb.

Insgesamt endet das Buch positiv. Die handeInden Personen sind sensibler für die Probleme anderer geworden. Seine Klassenkameraden machen Krissi Mut, wieder in die Schule zu kommen und auch seine Eltern nehmen sich jetzt mehr Zeit, um ihm zuzuhören und zu unterstützen.

Ich bin mir trotzdem nicht sicher, ob ich das Buch überhaupt in der Schule einsetzen würde. Zwar denke ich, dass sich ein Buch gut eignen kann, um ein Problem in einer Klasse zu thematisieren. Da sich die Schüler in der gewählten Geschichte wiedererkennen könnten und so zum Nachdenken gebracht werden. In diesem Buch wird aber sehr real beschrieben, wie man sich fühlt, wenn man ein solches Problem hat. Und nachdem die Klasse davon erfährt, gibt es auch Lösungsvorschläge, so dass man sich anderen Personen mitteilen kann. Ich finde aber, dass die Kinder schon viel früher das Gefühl haben müssen, ihnen wird geholfen. Damit es gar nicht erst dazu kommen muss, dass sie weglaufen.

von Tanja Lau


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Ein Goldfisch wär' mir lieber (Els Beerten)

(Niederland). Arena Verlag. 123 Seiten

Das Buch, das ich mir ausgewählt habe, trägt den Titel "Ein Goldfisch wär' mir lieber". Ich muß zugeben, daß ich dieses Buch ausgewählt habe, weil es in der Bücherei in dem Bereich "Familiengeschichten" stand. Solche Bücher interessieren mich am meisten, weil sie der Realität entsprechen und viel Gefühl zeigen.

In dem Buch ist die Hauptperson die kleine Katrin. Ihr Jahr wird nicht angegeben, doch sie muß ungefähr 8 Jahre alt sein. Katrin hat Geburtstag und wünscht sich ganz fest von ihren Eltern einen Goldfisch. Statt dessen kündigen ihr Mama und Papa als größte Überraschung "einen kleinen Bruder in fünf Monaten" an. Sie bekommt zwar ihren Goldfisch, den sie Peter nennt, doch sie ist sehr verärgert über diese Nachricht. Sind die große Schwester Tine und sie denn nicht gut genug?, fragt sie sich. Obwohl ihre ganze Familie (Mutter, Vater, große Schwester, Onkel, Tante) ihr zu erklären versucht, dass es sehr vorteilhaft ist ein Bruder zu haben, kommt sie gar nicht mit dem Gedanken klar, bald nicht mehr im " Mittelpunkt" zu stehen. Als sie ihr eigenes Zimmer für das kommende Baby aufgeben muß, fühlt sie sich von ihrer Familie hintergangen und verläßt ihr Zuhause, um bei ihrer Tante zu wohnen. Doch als der kleine "Jasper" (das Baby) endlich da ist, empfindet Katrin ein Wechselbad der Gefühle: Sie genießt die Rolle der großen Schwester und freut sich schließlich über das neue Familienmitglied.

Die Geschichte ist mit viel Humor und Zartheit geschrieben, und ich habe einfach unheimlich viel Spaß beim Lesen empfunden. Ich glaube man könnte mit diesem Buch in der Schule gut arbeiten, denn viele Kinder könnten sich sicherlich mit der kleinen Katrin identifizieren. Eine solche Erfahrung haben bestimmt eine große Anzahl von Kindern gemacht (genauso Jungen wie Mädchen). Das Buch ist relativ groß geschrieben und die benutzten Wörter gehören zum Alltags-Sprachgebrauch der Schüler. Es wäre ab der 2. Klasse vielleicht auch nur erst ab der 3. Klasse geeignet.

Damit Sie einen kleinen Eindruck von dem Buch gewinnen, habe ich für Sie Frau Wilde, ein Auszug aus den letzten Seiten des Buches herausgenommen:

..."Nur ganz kurz", sagt Katrin. Sie stellt sich neben das Bettchen. "Psst", sagt sie. "Sei still, sei doch jetzt mal einen Augenblick ruhig." "Weeee!" brüllt Jasper. "Psst, habe ich gesagt, ich muß dir was erzählen." "Wee...weee!" Jasper schluckt, und dann schreit er weiter. Er muß einen Moment still sein, denkt Katrin. Nur einen Moment. Aber was soll ich tun? Sie legt ihre Hand auf Jaspers Bauch und schüttelt ihn, während sie singt: "Schlaf, Kindchen schlaf, da draußen geht ein Schaf..." Jasper verstummt. Er sieht aus, als würde er staunen. Er schaut Katrin mit großen Augen an. Sie beugt sich vor. "Weißt du was?" flüstert sie. "Ich finde es gar nicht schlimm, daß du rote Haare hast, wirklich. Wenn sie dich auslachen, brauchst du mich nur zu rufen, dann verhaue ich sie alle. Und wenn du ganz ruhig bist, dann - dann gehört Peter auch dir. Nicht ganz, jedem die Hälfte. Ich werde ihn dir ab und zu neben das Bett stellen. Du am Wochenende, ich während der Woche, einverstanden? - Nein, nicht schon wieder." Sie schüttelt den Kopf und betrachtet Jasper, der gerade den Mund verzieht. Was für eine Menge Runzeln er hat, denkt sie. Er ist nicht schön, er sieht verschrumpelt aus. Aber er ist echt. Nicht aus Plastik wie die blöden Puppen, mit denen man nichts anfangen kann. Außer sie ans Fenster zu setzen oder in den Schrank stopfen, wenn man sie leid ist. "Verstehst du mich?", sagt sie. "Nicht mehr so weinen. Dann darfst du auch mit Peter spielen. Du allein. Und darüber kannst du dich wahrhaftig freuen. Denn eigentlich gehört Peter mir allein. Er ist mein Goldfisch, hörst du. Ich habe ihn zu meinem Geburtstag bekommen. Genau wie dich!" Jasper ist eingeschlafen. Katrin macht die Glastür zu. "So", sagt Papa, "wie hast du das denn hingekriegt?" "Geheim", sagt Katrin. Mein Geburtstagsgeschenk, denkt sie. Ein Brüllaffe mit roten Haaren. "Und wann dürft ihr nach Hause?" fragt sie Mama. (Auszug aus dem Buch Seite 120-123.)

von Aleka Ngbongol


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Der Adler der Neunten Legion (Rosemary Sutcliff)

Inhalt

Die Geschichte "Der Adler der Neunten Legion" spielt in der Zeit, als Britannien von den Römern besetzt war, diese aber schon wieder die Hälfte des Landes verloren hatten.
Der Centurio Marcus Flavius Aquila lässt sich als Anführer einer Kohorte nach Britannien versetzen. Dort ist vor einigen Jahren die gesamte Neunte Legion, deren Kommandant Marcus Vater war, bei einem Feldzug im Norden spurlos verschwunden. Kein Soldat kehrte zurück. Das Ehrenzeichen der Legion, der "Adler der Neunten Legion", unter dem die Legion aufgestellt wurde, tauchte nie wieder auf. Marcus möchte nun erkunden, was geschah und versuchen den Adler wiederbeschaffen, damit die Legion zu Ehren seines Vaters wieder aufgestellt werden kann.

Während eines Angriffes auf seine Garnison wird er schwer verletzt und muss aus der Armee ausscheiden. Er lernt den Sklaven Esca kennen, der ihn gesund pflegt und sich um ihn kümmert. Sie freunden sich an und als Marcus beschließt, endlich in Richtung Norden aufzubrechen um das Rätsel der verlorenen Legion zu lösen, schließt sich Esca ihm an.
Nach vielen Abenteuern erreichen sie das Dorf eines Stammes, dessen Schamane in einer Höhle ein Kultobjekt bewacht. Marcus vermutet, dass es sich dabei um den Adler der Neunten Legion handeln könnte. In der Nacht schleicht er sich in die Höhle und stellt fest, dass er recht hat. Er stiehlt den Adler und flüchtet mit Esca. Nach einer wilden Verfolgungsjagd gelingt es ihnen zu entkommen und in den römisch besetzten Teil Britanniens zurückzukehren.
Da er den Adler wiederbeschafft hat hofft er, dass die Neunte Legion nun wieder aufgestellt wird. Seine Hoffnung wird jedoch nicht erfüllt. Die Römischen Armeen haben immer mehr Schwierigkeiten, den Angriffen aus dem Norden Wiederstand entgegenzusetzen. Das Ende der römischen Besetzung zeichnet sich ab und eine Legion, die auf so seltsame Art vernichtet worden ist, soll nicht wiederbelebt werden. Marcus zieht sich enttäuscht zurück und versteckt den Adler in einer geheimen Kammer in seinem Haus.

Rosemary Sutcliff erklärt in einem Vorwort die Entstehungsgeschichte des Buches:
Die Neunte Legion gab es wirklich und sie ist auch wirklich im Jahre 117 n. Chr. in den Norden Britanniens gezogen, um dort einen Aufstand niederzuschlagen. Von dort kehrte sie nie zurück. Bei Ausgrabungen 1800 Jahre später fand man in Süd-England einen Adler. Wie er dorthin gekommen ist, ist nicht bekannt. Auch der Verbleib der Neunten Legion ist bis heute ungeklärt. Diese beiden Rätsel wurden von der Autorin verbunden und so entstand die Geschichte des "Adlers der Neunten Legion".

Hinweise zur Benutzung im Unterricht

Dieses Buch wurde mir von meinem Geschichtslehrer in der 5. oder 6. Klasse empfohlen. Ich interessierte mich damals sehr für das Römische Reich und seine Geschichte und las das Buch mit Begeisterung. Und auch jetzt, als ich es ein weiteres Mal gelesen habe, war ich wiederum gebannt. Rosemary Sutcliff schafft es in ihrem Buch, eine plastische und realistische Darstellung des damaligen Lebens zu beschreiben. Im Anhang ist eine Karte Britanniens eingefügt, auf der sich der Weg von Marcus und Esca verfolgen lässt und eine Tabelle, in der die früheren römischen Städtenamen den heutigen Namen gegenübergestellt werden.

Aufgrund des Umfangs (410 Seiten, kleine Schrift) ist das Buch zum Lesen oder Vorlesen in der Schule meiner Meinung nach jedoch eher ungeeignet. Auch das Thema spricht eventuell nicht alle Schülerinnen und Schüler an. Wenn es jedoch Schüler gibt, die sich für Geschichte (im Allgemeinen oder im Besonderen für römische Geschichte) interessieren, würde ich ihnen das Buch ohne jede Einschränkung empfehlen.

Das, was man in diesem Buch über das Leben zur Zeit des Römischen Reichs lernt, kann kein noch so gutes Schulbuch leisten. Geschichtsunterricht kann wirklich Spaß machen!!! Leider ist es aber etwas zu lang...

von Sergej Gohrbandt


 

©opyright Dagmar Wilde, Berlin, Januar 2000

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06.04.2003


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