S:12415: "Zum Lesen verlocken - Umgang mit Kinderliteratur im verbundenen Sprachunterricht"

Biographisches Schreiben
"Lesen in meiner Kindheit - so wurde ich ein Leser/ eine Leserin...
Erinnerungen an meinen Leseunterricht, meine Lese(lern)erlebnisse, Lieblingsleseorte, Lieblingsbücher...
Gedanken zum Lesen und zu allem was es mir heute bedeutet..."

Stefanie Zeidler / WS 99/00

Meine Lesebiographie

Denke ich heute an meine ersten Leseerlebnisse, so fällt mir sofort ein, wie ich das Lesen gelernt habe. Es war in den Sommerferien vor meiner Einschulung. Wir waren im Urlaub und eines Nachmittages brachte mir meine Schwester das Lesen bei. Ich kann mich noch gut daran erinnern. Wir saßen auf dem Bett und ich versuchte, die einzelnen Buchstaben zu Wörtern zusammenzusetzen. Das war gar nicht so einfach. Ich konnte zwar die Wörter lesen, wusste am Ende eines Satzes aber nicht was ich eigentlich gelesen habe. Das Buch hatte viele Bilder und große Druckbuchstaben und hieß Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg.

Somit konnte ich also vor meiner Einschulung lesen. An die Lesestunden in der Grundschule habe ich nicht so viele Erinnerungen. Doch nachdem ich meine alten Schulsachen durchgesehen habe, sind mir einige Leseübungen wieder eingefallen. Am Anfang der ersten Klasse haben wir mit Anlauttabellen die Buchstaben gelernt. Zu den einzelnen Buchstaben gehörten immer Bilder, die wir bunt anmalen durften. Später mussten wir Wörter zu Sätzen zusammensetzen, Sätze in die richtige Reihenfolge bringen oder Anweisungen erfüllen, die in Sätzen standen. Zum Beispiel hatten wir ein kleines Heft, in dem ein Mädchen erzählte, dass es einen roten Ball besitzt, ein rosa Kleidchen trägt oder mit einem blauen Roller fährt. Daneben waren Bilder gezeichnet, die wir in den entsprechenden Farben anmalen sollten. Da der Leseunterricht nicht nur daraus bestand, Texte zu lesen, sondern auch gemalt oder gepuzzelt wurde, war das Lesenlernen nicht langweilig sondern interessant und abwechslungsreich. Motiviert wurde man zum Teil durch die unterschiedlichen Arbeitsaufträge, vor allem aber durch die tollen Stempel, ein Lob der Lehrerin oder durch Lachgesichter welche dann unter dem fertigen Arbeitsbogen standen. Außerdem hatten wir eine Fibel, in der wir lesen übten. Diese Leseübungen waren meist mit Schreiben verbunden. Später haben wir viele Gedichte gelesen, zu denen wir Bilder malen sollten. Manchmal gab es auch Fehlerlesen. Am Ende der Stunde hat uns unsere Lehrerin ein paar Seiten aus einer Geschichte vorgelesen. Besonders gut hat mir die Geschichte vom Sams gefallen.

Zu Hause habe ich früher nicht viel gelesen. Das kam erst als ich älter wurde. Doch die bekannten Kinderbücher von Astrid Lindgren oder anderen Autoren habe ich auch gelesen: Michel aus Lönneberga, Pippi Langstrumpf, Die Kinder von Bullerbü oder Alice im Wunderland. Sehr gerne habe ich die Donald Duck-Bücher gelesen, welche sich mein Vater jeden Monat gekauft hat. Wenn ich bei meinen Großeltern zu Besuch war, habe ich immer die Salamanderbücher über Lurchi und seine Freunde gelesen. Interessant und lesenswert waren auch die Bücher, die mir meine Tante geschenkt hat. Da sie Grundschullehrerin ist, weiß sie wohl, was Kinder in einem bestimmten Alter gerne lesen.

Mein Lieblingsort zum Lesen war schon immer mein Bett. Gerade vor dem Einschlafen lese ich gerne noch ein paar Seiten. Früher sind meine Eltern dann abends hereingekommen und ich sollte schlafen. Meistens war das Buch gerade so spannend. Ich überredete meine Eltern, die Seite noch zu Ende lesen zu dürfen. War die Tür wieder zu, las ich meistens noch ein paar Seiten weiter. Hörte ich dann Schritte vor der Tür, legte ich das Buch so schnell es ging beiseite und schaltete das Licht aus. Heute muss ich mich oft zwingen, das Buch abends zuzuklappen, damit ich am anderen Morgen nicht ganz so müde bin.

Vor allem Kriminalromane können einem abends zum Verhängnis werden. Man möchte unbedingt noch herausfinden wer der Täter oder Mörder war. Ich lese auch sehr gerne Australienromane. Letztes Jahr hatte ich im Urlaub nichts mehr zu lesen. Also kaufte ich mir ein Buch. Es war ein Australienroman von Patricia Shaw. Ich war von dem Buch so begeistert, dass ich fast alle ihrer Bücher gelesen habe.

Es ist aber eher die Ausnahme, dass ich mir ein Buch selber kaufe. Entweder ich bekomme sie geschenkt oder ich lese die Bücher meiner Schwester oder meiner Mutter. Da wir einen ähnlichen Geschmack haben, was Bücher betrifft, klappt es mit dem Austauschen ganz gut.


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Sergej Gohrbandt WS 99/00

Meine "Lesebiographie"

Eine "Schreibbiographie" über meine "Lesebiographie"? Na ja, öfter mal was neues. Was mir zum Thema "Lesen" noch im Gedächtnis geblieben ist?

  1. vorlesen,

  2. Lesen lernen,

  3. selber lesen und

  4. wieder vorlesen.

Das wäre es eigentlich schon.

Vorlesen, das war toll. Jeden Abend vorm zu Bett gehen. Die Geschichten von "Birne". Eine fliegende und denkende Glühlampe. Vom heutigen "wissenschaftlichen" Wissen aus gesehen absoluter Quatsch. Aber damals habe ich mich fast totgelacht. Und auch die ganzen anderen Bücher, deren Titel ich nicht mehr kenne. Meine arme Mutter. Eine Geschichte reichte mir fast nie. Noch eine Geschichte und noch eine und noch eine...

Na ja, sie musste auch andere Dinge über sich ergehen lassen. Als ich z.B. endlich gelernt habe, selbst zu lesen. Wir mussten jeden morgen eine halbe Stunde zur Schule fahren und nachmittags dann auch wieder eine halbe Stunde zurück. In dieser Stunde Fahrzeit habe ich ihr so ziemlich jedes Straßenschild, jedes Werbeplakat, jede Schaufensterbeschriftung ("Mama, was heißt eigentlich ´Sexshop´?") und was weiß ich nicht noch alles vorgelesen. Aber auch das hat sie irgendwie überlebt (bzw. sie hat es dann irgendwann geschafft, mich alleine mit dem Bus fahren zu lassen.

Vom "Lesen lernen" selbst weiß ich eigentlich fast nichts mehr. Nur ein Erlebnis ist mir in Erinnerung geblieben. Wir sollten Wörter aus drei Buchstaben bilden. Ich bildete das Wort "OMO" (scheinbar war ich schon damals Werbefernsehgeschädigt) und wurde daraufhin erstens von meinen Mitschülern ausgelacht und zweitens von meiner Lehrerin darauf hingewiesen, das dies kein Wort wäre. Da man ja damals noch "Teachers Darling" sein wollte, habe ich es nicht gewagt, mit ihr eine Diskussion über Waschmittel anzufangen. Ich habe dann wohl auch relativ schnell angefangen, selber Bücher zu lesen. Dafür sprechen die massiven Mengen an Kinderbüchern, die in meiner Wohnung und in meinem Keller rumfliegen. Irgendwann haben wir dann auch angefangen in der Schule "Ganzschriften" zu lesen. Und das war so ziemlich das Letzte. Gemeinsames Lesen, was für´n Schwachsinn. Einer stammelt mehr oder weniger vor sich hin (war nicht als Beleidigung gemeint, ich selbst habe damals beim laut Vorlesen meine Schwierigkeiten gehabt, da meine Augen schneller gelesen haben, als mein Mund sprechen konnte) und die anderen schauen stur ins Buch und freuen sich über die Fehler, die der andere macht. Insbesondere das Fehlerlesen. Pädagogisch sicherlich extrem wertvoll. Irgendwann haben andere und auch ich angefangen, schneller zu lesen als der, der vorlas. Das führte dann dazu, das man den nächsten Anschiss bekam wenn man drangenommen wurde, weil man nicht wusste, wo die anderen grade waren. Na toll.

In der Oberschule haben wir natürlich auch gelesen. Aber hier waren es meist Bücher, die literaturwissenschaftlich sicher sehr wertvoll waren, aber leider auch Stinklangweilig. So kommt es dann auch, dass ich im Endeffekt gar nicht mehr genau weiß, welche Bücher ich in der Zeit in der Schule gelesen habe. Zu Hause las ich jedoch mit wachsender Begeisterung weiter. Ich fand auch bald meine Lieblingsliteratur: Fantasy- und Science-Fiction. Nirgendwo anders konnte und kann man so schön abtauchen. Nichts ist festgelegt, alles kann man sich erspinnen, aus der realen Welt verschwinden (am Anfang die Unendliche Geschichte [der Film war im übrigen die absolute Enttäuschung], Momo, später der Wüstenplanet, Perry Rhodan, u.s.w.). Aber nicht, das mich jetzt jemand für realitätsfremd hält.

Und heute?

Na ja, im Moment ärgere ich mich meistens darüber, das ich (außer zum Lesen von Fachliteratur) nicht mehr zum Lesen komme. Und etwas anderes ist auch geblieben: Wenn ich einmal mit einem Buch angefangen habe, kann ich nicht mehr aufhören. Das führt dann sogar hin und wieder dazu, das ich eine ganze Nacht durchlese und erst am nächsten Morgen, wenn ich mit dem Buch fertig bin, schlafen gehe (ist natürlich sehr ungünstig, wenn man eigentlich in der Schule bzw. Uni sein müsste). Und auch andere Sachen, die wichtig wären (Referate, Schreib- oder Lesebiographien, Abwasch, dreckige Wäsche, etc.), bleiben liegen.

Und noch etwas habe ich entdeckt: Vorlesen macht riesen Spaß!!!

Selbst "große" Kinder (nämlich genau die, die einen böse anschauen, wenn man sie Kinder nennt) sind begeistert wenn man sich hinsetzt und ihnen vorließt. Und man selbst muss sich sehr bemühen, Sprache, Sprechweise, u.s.w. immer gleichmäßig einzusetzen ("Wer redet jetzt eigentlich grade? Ach mist, das ist ja jetzt doch die Katze und nicht der Rabe, also noch schnell die Stimme ändern oder IMPROVISIEREN"). Man glaubt gar nicht was Kinder alles merken, aber auch nicht, wie begeistert Kinder sind, wenn man sie in andere Welten, Phantasiewelten entführt, sie mitnimmt in eine Traumwelt, ganz ganz weit weg... und doch so nah und einfach zu erreichen. Ein Griff ins Bücherregal genügt. Aber der Griff zur Fernbedienung ist meistens leichter.

P.S.:
Mein Gott, da bin ich ja am Ende ganz einfallsreich und poetisch geworden...


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Nadine Gottschalk / WS 99/00

Mein Leseerlebnis

Mit Büchern habe ich eigentlich schon fast mein ganzes Leben zu tun. Meine Mutter hat mir im Alter von 2 - 9 Jahren regelmässig vorgelesen. Titel an die ich mich erinnern kann sind: Sams, Lotter aus der Krachmacherstrasse, Schnüpperle, Jim Knopf, Kleine Hexe, der kleine Wassermann, Räuber Hotzenplotz und Wingewitt der weisse Schwan. Als Autorin fällt mir nur Astrid Lindgreen ein. In der Grundschule habe ich das Lesen als langweilig empfunden. Ich habe mir eher selber Geschichten ausgedacht und aufgeschrieben. Zu dieser Zeit wollte ich unbedingt Schriftstellerin werden. Durch meine ältere Schwester fing ich ab ca. 12 Jahren an regelmässig zu lesen. Die komplette Reihe von Bille und Zottel, Hanni und Nanni, Polly und Tina und Tini habe ich verschlungen. In diesem Alter fand ich auch Comics sehr interessant (Asterix, Lucky Luke). Danach kam eine längere Lesepause. Erst ab der 11.Klasse fing ich wieder an, mir Bücher aus der Bücherei auszuleihen. Dies waren meistens Themen, die meine Leistungsfächer Biologie und Politische Weltkunde betrafen. Natürlich beschäftigte ich mich auch mit Büchern aus dem Deutschunterricht: Die Physiker, Kabale und Liebe, Die Leiden des jungen Werthers, Die neuen Leiden des W. usw.. Diese Bücher regten mich auch privat an, mir solche Literatur zuzulegen, die ich meistens in den öffentlichen Verkehrsmitteln lass. Das Buch "Die Physiker" von Dürrenmatt hatte mir so gut gefallen, dass ich auch freiwillig an einem Theaterkurs teilnahm, wo ich eine Hauptrolle übernahm.

Heutzutage bin ich nicht auf eine bestimmte Leserichtung beschränkt. Ich lese was mir interessant vorkommt. Hat mich allerdings ein Buch erst richtig gefesselt, kann ich es nicht aus der Hand legen und nehme es überall mit hin.

Melanie Kamradt / WS 99/00

Liebe Leser,
zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass das hier Niedergeschriebene nur eine Auswahl von Erinnerungsfragmenten zum Thema " Lesen in meiner Kindheit" ist und somit nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Mein erster Kontakt mit Büchern waren die abendlichen " Gutenachtgeschichten", die mir von meinen Eltern vorgelesen wurden. Über Bilderbücher und Comics, wurde so allmählich das Interesse am eigenständigen Lesen und Lesenlernen geweckt.

Ich erinnere mich noch genau, wie ich meinen ersten zusammenhängenden Satz in der " Lese- bzw. Kuschelecke" meines Klassenzimmers gelesen habe. Titel, Autor und Inhalt des Buches weiß ich heute nicht mehr, ich erinnere mich nur an das für mich überwältigende Gefühl, welches ein Gemisch aus Stolz, Verblüffung und einfach nur Freude war. Was mir noch in Erinnerung geblieben ist, ist dass ich anschließend alles lesen wollte, und sei es nur die Aufschrift auf einer Milchtüte, was irgendwo schriftlich niedergeschrieben war.

Doch irgendwie muss diese anfängliche Euphorie rasch nachgelassen haben, denn an meine Grundschulzeit in Bezug auf das Lesen, erinnere ich mich so gut wie gar nicht. Das nächste woran ich mich erinnere ist, dass ich das laute Vorlesen in der Klasse immer als sehr lästig und in Zusammenhang mit der Angst des Verlesens empfunden habe. Wie es zu dieser Angst kam, kann ich heute nicht mehr nachvollziehen. Vielleicht war es der eigene Druck, vor der gesamten Klasse die eigene Leseleistung beweisen zu müssen.

Zu meinem bedauern bin auch ich einer der vielen Menschen, die sich aus Bequemlichkeit und durch das zunehmende Angebot an anderen Medien wie Fernsehen, Kassetten, Kino, Computer usw. und dem Gesellschaftsproblem "Zeit" immer mehr von Büchern entfernt habe.

Ich wurde eigentlich erst wieder in der Oberschule an das Lesen herangeführt. Wobei ich sagen muss, dass ich großes Glück mit meinen Lehrerinnen hatte.

Heute ist es so, dass es für mich zum einen das notwendige Lesen gibt, d.h. Zeitung, Fachliteratur u.ä. und dann mein "individuelles Lesen". Wobei ich nicht zu den Menschen gehöre, die abends noch im Bett lesen, sondern ich brauche viel Ruhe und Zeit, um mich wirklich an einem Buch zu freuen und auch darin versinken zu können. Häufig lese ich daher im Urlaub.

Bei der Bücherauswahl lasse ich mich gerne durch Freunde und Bekannte animieren, wobei ich mich nicht speziell auf bestimmte Themen festlegen lasse. Häufig sind es jedoch Bücher, die sich mit alltäglichen Situationen, Problemen und menschlichen Schicksalen beschäftigen.

Abschließend muss ich sagen, dass es mir allgemein nicht leicht fiel, mich an meine kindlichen Lesetätigkeiten zu erinnern, was eventuell damit zusammenhängt, dass ich immer nur ein sporadischer Leser war und es vermutlich auch bleiben werde.


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Nina Rieke WS 99/00

Wie ich zum Lesen kam

Meine Eltern haben sich schon sehr früh, erfolgreich bemüht mir das Lesen schmackhaft zu machen. Meine Mutter hat uns stundenlang am Abend vorgelesen und das war immer die schönste Zeit des Tages.

An die allerersten Bücher kann ich mich nicht erinnern, aber zu meinen Lieblingsbüchern gehörten eindeutig "Lotta aus der Krachmacherstraße", "Willi Wieberg" und am wichtigsten in der Weihnachtszeit war "Schnüpperle".

Später kamen dann die gesamten Astrid Lindgren Bücher hinzu und die alten Märchenbücher meines Urgroßvaters. Er war Förster und deshalb spielten die Märchen fast alle im Wald und handelten von Waldgeistern und Feen. Ich lese sie heute noch mit Begeisterung.

Nach Erzählungen meiner Mutter hat sie mich schon mit zwei Jahren in die Bücherei geschleppt. Später gingen wir dann jeden Freitag zum Bücherbus.

Mit fünf Jahren wurde ich eingeschult und konnte, das wurde mir jedenfalls erzählt, nach drei Monaten fließend lesen. An das Lesenlernen in der Schule kann ich mich nicht mehr erinnern, ich weiß nur, dass ich mich immer um das Vorlesen in der Schule gerissen habe. Ich kam aber fast nie dran, weil die Lehrerin ja wusste, dass ich es konnte. Ich habe dann schon weitergelesen, und wusste dann oft nicht mehr, wo die anderen gerade waren.

In der sechsten Klasse habe ich dann auch an einem Vorlesewettbewerb teilgenommen, bin dabei aber nicht über die erste Runde hinweggekommen.

Bis ich 14 Jahre alt war hatten meine Eltern keinen Fernseher. Er war irgendwann kaputt gegangen und sie hatten sich keinen neuen angeschafft. Ich hatte also immer viel Zeit zum lesen, und habe das Fernsehen lange Zeit nicht vermisst.

Meine Eltern haben sich zwar immer bemüht, mir gute Literatur nahe zu bringen, aber ich durfte mir trotzdem im Bücherbus ausnahmslos das ausleihen, was mir Spaß machte. Meistens lieh ich mir Comics, Mädchenbücher (z.B.Hanni und Nanni) und Romane aus. Später hatte ich dann von ganz alleine Lust auch "gute Literatur" zu lesen.

Gehasst habe ich Bücher über den 2. Weltkrieg, weil sie meistens so traurig und deprimierend waren. Das schlimmste Buch, das wir in der Grundschule lesen mussten, war "die letzten Kinder von Schevenborn". Ich habe nächtelang danach Alpträume gehabt.

In der Oberschule im Deutschleistungskurs ist mir das Lesen von guten Büchern durch meinen Deutschlehrer sehr verleidet worden. Überhaupt lese ich Bücher, die ich lesen muss, sehr ungern, obwohl sie mir, freiwillig gelesen, vielleicht gefallen hätten.

Mich muss ein Buch sofort ansprechen, damit ich es bis zum Schluss durchlese. Entweder es gefällt mir sofort, oder gar nicht. Gefällt mir ein Buch, kann ich aber auch solange nichts anderes machen, bis ich es ausgelesen habe. Von der Umwelt bekomme ich dann nicht mehr viel mit. Deshalb muss ich mir immer gut überlegen, ob ich genug Zeit habe, um ein bis zwei Tage abzutauchen. Am liebsten lese ich Bücher ab 300 Seiten aufwärts, denn ich bin immer traurig, wenn ein Buch, das mir gut gefiel, zu Ende ist..


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Andrea Siwek WS 99/00

"Lesen in meiner Kindheit - so wurde ich eine Leserin"

An meine ersten Leseversuche kann ich mich kaum noch erinnern, ich weiß nur, dass ich vor meiner Schulzeit noch nicht lesen konnte und meine ersten Erfahrungen erst während der Schulzeit sammelte. Ich glaube, ich fand es damals auch nicht so spannend, einzelne, zusammenhangslose Wortlaute (Konsonanten und Vokale), Wörter und Sätze lesen zu können, die in keinem Bezug zu irgendetwas standen und mit vielen Bildansichten versehen waren.

Toll war es nur, wenn ich meiner Oma oder einer anderen Person Schilder, U- Bahnhof - und Geschäftsnamen vorlesen konnte und ihr stolz präsentieren durfte, was ich schon alles gelernt hatte. Aber egal, wem ich dies präsentieren wollte, fast jeder schmunzelte über meine Leseversuche oder wollte mir seine Verbesserungsvorschläge einprägen. Dieser Zustand dauerte eine ganze Weile an, bis ich dann irgendwann verschiedene Worte einigermaßen flüssig aneinander reihen konnte, ohne dass dabei der Zuhörer fast einschlief.

Außerdem erinnere ich mich an die "Phase der Betonung." Jeden Text, den wir in der Schule bekamen und lesen sollten, musste ich zu Hause so lange üben, bis ich ihn flüssig und mit guter Betonung lesen konnte. Dabei hat mir meisten meine Mutter geholfen und so las sie mir den jeweiligen Text in ihrer Betonungsweise so übertrieben vor, dass ich kaum eine Chance hatte diese anzunehmen. Zum Glück, denn wie sich später herausstellte, las sie nur mir und später meiner jüngeren Schwester die Texte in einer so übertriebenen Betonungsweise vor.

Ab dem Zeitpunkt an wurde meine vier Jahre jüngere Schwester damit gequält, Worte, Wortlaute und Sätze zu lesen, was jedoch auch mir zum Verhängnis wurde, da wir ein gemeinsames Zimmer hatten. Ich fand es damals ziemlich schlimm dieses Gestammel zu ertragen und wollte es natürlich nicht glauben, dass ich auch einmal so angefangen habe.

Während ich zu Hause die ersten Bücher las, wurden in der Schule die ersten Sachtexte vorgelesen und mir wurde bewusst, dass die Hälfte der Schüler nicht allzu gut lesen konnte. Wir machten oft Fehlerlesen, was mir nie etwas ausmachte. Im Gegenteil ich fand das damals ganz toll, habe aber nie daran gedacht, dass es auch Schüler gab, die aufgrund ihrer nicht vorhandenen Lesekenntnisse, Fehlerlesen verabscheuten.

Es gab sogar eine Zeit, wo wir Lesewettbewerbe veranstalteten und jeder in der Klasse einen Text vorlesen sollte, um eventuell an der Schulausscheidung teilnehmen zu dürfen. Ich weiß nicht, wie es dazu kam, dass ich an dieser Ausscheidung teilnehmen durfte, ich glaube meiner Mutter lag ziemlich viel daran. Während es bei mir bei der Schulausscheidung blieb, was ich auch gar nicht weiter schlimm fand, kam meine Freundin in die Endausscheidung von ein paar Berliner Schulen.

Mit der Zeit bekam ich als Schüler immer mehr Sachbücher. Dicke, dünne, große, kleine, in jedem Fach gab es ein Buch, was unter anderem dazu beitrug, dass meine Schulmappe immer schwerer und schwerer wurde.

Neben den Schulbüchern bekam ich Bücher als Geschenke und ging auch oft in die Bücherei, wo ich mir Bücher auslieh. Später nahm ich sogar meine kleinere Schwester mit, die nicht in der Jugendliteratur, sondern bei den Kinderbüchern suchte. Außerdem musste ich oft mit ihr lesen üben, da meine Eltern der Meinung waren, dass sie an dieser Stelle ein Defizit hätte.

Es wurde eingeführt, dass wir um acht Uhr im Bett liegen mussten und bis neun Uhr lesen durften, was mir sehr gut gefiel. So kam auch meine Schwester dazu, zu lesen, was auch wegen des Aufbleibens geschah.

Bis zur Grundschule las ich viele Taschenbücher und die ganze Reihe "Blitz der Schwarze Hengst", doch mit zunehmender Klassenstufe verringerten sich meine Lesestunden, bis ich nur noch am Wochenende und in den Ferien dazu kam, was auch bis heute so geblieben ist.

Ich hoffe, jetzt hat jeder einen kleinen Einblick in meine "Lesekindheit" gewonnen, außerdem gebe ich meinem zehnjährigem Bruder mein herzliches Beileid zu seinen täglichen Leseübungen mit unserer Mutter. "Das Ergebnis zahlt sich erst später aus".


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Ich lese

Von Andrea Bars

Ich lese laut
Ich lese leise
Jeder liest auf seine Weise

Ich lese im Sitzen
Ich lese im Liegen
So, wie sich die Wörter wiegen

Ich lese alleine
Ich lese zu dritt
Und all die Worte gehen mit

Ich lese zu Hause
Ich lese auf Reisen
Worte, die mir die Wege weisen

Ich lese Bücher
Ich lese Seiten
Und über vieles kann man sich streiten

Lieber Marius!

Endlich ist es soweit und Du lernst lesen. Du lernst es in der Schule, zusammen mit FU und FARA, genauso, wie ich damals lesen gelernt habe. Nur sind Eure Lesebücher noch viel bunter und schöner, als es unsere waren.

Oft, wenn Du mich fragst, ob ich Dir etwas vorlesen kann, dann bin ich geneigt Dir zu sagen, dass Du mittlerweile schon selber lesen kannst. Doch dann erinnere ich mich daran, wie schön ich es fand, wenn mir jemand vorgelesen hat. Meistens hat Hanne vorgelesen und wir haben es uns immer richtig gemütlich gemacht. Im Winter gab es dann für jeden Kakao oder Tee und Alex, David und ich haben das Sofa beschlagnahmt und Hanne hat in dem grünen Sessel gesessen. Im Sommer haben wir oft im Garten auf einer Decke gelegen. Aber im Sommer gab es wichtigere Dinge zu tun, als zu lesen. Im Winter war das ganz anders.

Abends gab es auch immer eine Gute-Nacht-Geschichte. Genau wie bei Dir. Und meine Eltern haben meistens immer nur eine Geschichte vorgelesen. Du hast oft Glück, denn wenn Du anfängst zu betteln lesen wir fast immer noch eine zweite Geschichte.Das war bei mir nicht so. Da aber Alex und David früher ins Bett mussten als ich, habe ich erst bei ihnen mit zu gehört und mir dann selber noch etwas vorlesen lassen. Die beiden haben auch ganz andere Geschichten gehört als ich. Z.B. die Geschichten von Schnüpperle. Ich wollte aber nie so gruselige Geschichten, wie die vom Kleinen Vampir, abends hören. Ich hätte vor Angst nicht schlafen können. Und Märchen mochte ich auch nicht. Du findest das ja alles ganz spannend und aufregend. Viele Bücher, die bei Dir über dem Bett im Regal stehen, standen schon in meinem Regal. Am lustigsten fand ich, als ich noch ganz klein war, die Geschichte von der "Dummen Augustine" und die von "Schwarzpfötchen und Weissnäschen". Beim "Räuber Hotzenplotz und Wachtmeister Dimpelmoser" musste ich oft ganz doll lachen.

Als ich dann etwas älter war, durfte Axel auch mal vorlesen. Er war zuständig für die spannenden Geschichten, denn er hat immer ganz schnell gelesen, so dass die Geschichten auch ganz schnell zu Ende waren. Ich glaube, deshalb habe ich mich dann auch nicht mehr so gegruselt. Dies waren Geschichten um verlassenen Burgen und Abenteuer, die Kinder in ihren Ferien erlebt haben. Eines Tages haben meine Eltern dann angefangen nur noch ein Kapitel vorzulesen und das andere musste ich ihnen dann vorlesen.

Und ich denke, so werden wir es dann auch bald machen. Zuerst lese ich Dir vor und dann liest Du mir vor.

Und wenn Du dann alt genug bist und nur noch alleine lesen willst, weil vorlesen dann etwas für Babys ist, gebe ich Dir meine anderen Bücher, die ich alle aufgehoben habe, weil ich sie zum Teil noch heute lese. Die Geschichten von Klaus Kordon z.B., der über die Kinder aus Berlin zu Kriegszeiten schreibt, finde ich heute fast besser als damals.

Aber nun übe erst einmal weiter lesen mit FU und FARA.

Deine Andrea

Andrea Bars

Wegen Dir, du alter Schraube,
muß ich schreiben auf Papier.
Tinte muß ich auch verschwenden,
um Dir diesen Brief zu senden.
Schick mir mal ein Bild von Dir,
das häng ich an die Kellertür.
Damit es alle Mäuse seh`n,
und nicht an die Kartoffeln geh`n.
Viele Grüße aus der Ferne,
Deine alte Blechlaterne.

Lieber Marius!
Dieses Gedicht und noch viele andere gehören zu den schönen Erinnerungen meiner Grundschulzeit, in der man fast täglich ein fremdes Poesiealbum mit nach Hause genommen hat. Es wird nicht mehr lange dauern, dann wirst Du jeden morgen mit deinem Ranzen auf dem Rücken unsere Wohnung verlassen und in die Schule gehen. In der ersten Klasse werdet ihr bestimmt so einen schönen Klassenraum haben wie wir damals. Die Wände haben wir mit selbstgemalten Bildern verschönert, jedes Kind hatte ein eigenes Fach für seine Malsachen. In der Kuschelecke konnten wir uns Bücher aus der Bücherei ansehen und manchmal auch mit nach Hause nehmen. In der Pause haben wir auf dem Schulhof immer Murmeln gespielt. Die große blaue Murmel aus dem Glas ist noch von damals übriggeblieben.
Musikunterricht hatten wir in dem Musikraum, ganz am anderen Ende der Schule. Dort konnte man alle Instrumente ausprobieren und hat Liedtexte auf Matrize abgezogen bekommen. Dieses Matrizenpapier hat ganz komisch gerochen, manchmal ein bißchen wie Parfum. Und neben dem Musikraum war die Aula. Dort wurden alle Kinder eingeschult. Einmal im Jahr hat die Theater AG ein Stück dort aufgeführt, daß war vielleicht immer spannend.
Lesen und Schreiben habe ich mit Fu gelernt. Fu war eine Strumpfpuppe. Jedes Kind hat eine eigene Puppe von seiner Mutter bekommen. Hanne hat mir auch eine gebastelt- in blau mit gelben Haaren. In der Schule hatte man auch für jedes Fach einen Ordner. Der Deutschordner war rot, der Matheordner blau, Sachkunde grün und Musik gelb. Aber das wirst du selber alles noch merken, wenn du erst einmal in der Schule bist.
Deine Andrea


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Leila Becker WS 99/00

"Meine Lese-Biographie"

Erste Berührungspunkte mit Büchern waren wohl die abendlichen Vorlesestunden meiner Eltern. Später war ich dann selbst zum Nacherzählen gefordert.
Im Alter von 6 Jahren, anlässlich der Festlichkeiten zu unserer Einschulung, bekam ein jeder von uns Schulanfängern von der Schulleitung das Buch "Die ABC-Mädchen" überreicht. Dieses erzählt die Geschichte von 3 Freundinnen, die wie wir damals voller Erwartung vor ihrem ersten Schuljahr stehen und stellte sozusagen unser erstes "Schulbuch" dar. Irgendwo in den hinteren Reihen meines Regals lässt sich dieses Buch auch noch finden.

An den Anfangsleseunterricht in der Schule, der mittlerweile schon 17 Jahre zurückliegt, habe ich allerdings kaum Erinnerungen. Das mag darin begründet sein, dass ich mit dem Erwerb der Lesefähigkeit keine weiteren Schwierigkeiten hatte und so wirklich prägende Momente ausblieben. Wobei es insgesamt aber sehr faszinierend war, mit dem Lesen vertraut zu werden, erstes eigenes Schmökern in Büchern anzustellen; überhaupt die Tatsache, nicht ständig fragen zu müssen, was dieses oder jenes denn heiße und so allmählich den Erwachsenen mit ihren geheimnisvollen Fähigkeiten näherzukommen.

Was den späteren Literaturunterricht betrifft denke ich ungern an die von großen Teilen der Klasse verhassten kleinlichen Interpretationen, insbesondere von Gedichten, zurück. Diese Art der Auseinandersetzung mit Texten kann, zumindest vorübergehend, jegliches Interesse an der Beschäftigung mit Literatur zurückdrängen.

Meine Beziehung zu Büchern war über die Jahre sehr unterschiedlicher Natur. Es gab Zeiten, in denen ich Bücher regelrecht verschlungen habe. So konnte ich es, gerade die Bibliothek verlassend, manchmal gar nicht abwarten, bis ich unsere Wohnung erreicht hatte und suchte mir ganz in der Nähe ein Plätzchen und begann bereits dort mit der Lektüre der kurz zuvor ausgeborgten Bücher. Ich erinnere mich, zu diesem Zeitpunkt gleich in drei Bibliotheken angemeldet gewesen zu sein. In der Sekundarstufe widmete ich mich vorwiegend der Lektüre von Fachbüchern. Und auch in der Anfangszeit des Studiums blieb für andere Literatur nebenher wenig Zeit. Dazu kommt die Tatsache, dass es seine Zeit braucht ein wirklich interessantes Buch für mich zu entdecken. Während des letzten Jahres tat ich mich etwas schwer mit dem Zugang zu Büchern. Hier und da ein flüchtiges Lesen, doch oft ertappte ich mich dabei, dass ich gar nicht richtig bei der Sache war, es mangelte mir an der nötigen Konzentration. Diesem, mich momentan doch sehr unbefriedigenden Umgang mit der Literatur hoffe ich in nächster Zeit begegnen zu können.


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Katharina Ismer WS 99/00

Meine Lesebiographie

Ich habe immer schon gerne und viel gelesen, an den genauen Anfang meiner Leidenschaft kann ich mich allerdings nicht mehr präzise erinnern. Wahrscheinlich fing es, wie bei so vielen anderen, auch mit den allabendlichen Geschichten an, die meine Eltern mir vorgelesen haben.

Eines der ersten Bücher die mir mehr in Erinnerung geblieben sind, ist "Die kleine Raupe Nimmersatt", dieses Buch habe ich so sehr geliebt, dass ich es auswendig konnte und immer so tat, als ob ich schon lesen könnte. Als ich noch in den Kindergarten ging, habe ich meinem großen Bruder immer seine Comic-Hefte geklaut und mir die schönen bunten Bilder angesehen, und war traurig, dass ich die Sprechblasen nicht lesen konnte. Meine Mutter musste mir dann immer die Geschichten zu den Bildern erzählen.

In der Grundschule hat mir das Lesen großen Spaß gemacht, weil ich anfangs schneller als die anderen lesen konnte. Leider hat sich dieser Vorteil ins Negative gekehrt, da ich nicht selten schneller als die anderen fertig war, und mich dann gelangweilt habe. Das Lautvorlesen war mir aber trotzdem ein Greuel und ich hatte immer Angst, dass ich die nächste sein könnte, die sich vor lauter Aufregung verhaspelt. Als wir alle Buchstaben gelernt hatten und ich einigermaßen zusammenhängend lesen konnte, habe ich alles verschlungen was ich in die Finger bekam, auch wenn ich mit vielen Texten noch gar nichts anfangen konnte. Es ging sogar soweit, dass ich immer während der Autofahrt sämtliche Reklameschilder gelesen habe, was sich dann höchst negativ auf meinen sensiblen Magen ausgewirkt hat, so dass meine Eltern versucht haben Umwege zu nehmen und nicht durch die Hauptstraßen zu fahren, damit ich nicht zuviel lesen kann.

In der Schule haben wir, soweit ich mich noch erinnern kann hauptsächlich die Bücher gelesen, die auch in vielen anderen Schulen gelesen wurden, wie z.B. "Damals war es Friedrich". Aber wir durften auch immer Bücher von zu Hause mitbringen, aus denen dann manchmal laut vorgelesen wurde (z.B. im Religionsunterricht). Alle anderen Kinder wollten dabei dann immer irgendwas malen oder spielen. Ich wollte natürlich auch malen aber besonders zuhören und war enttäuscht, wenn es geklingelt hat. Unsere Lehrerin hat uns oft gefragt, welche Bücher wir zu Hause gerade lesen und ob sie vielleicht zum aktuellen Thema passen könnten.

Mit 10 oder 11 Jahren habe ich die obligatorischen Pferdebücher verschlungen, die heute immer noch auf meinem Regal stehen, und von denen ich teilweise immer noch den genauen Inhalt wiedergeben kann, weil ich sie ständig wieder gelesen habe. Als ich etwas älter wurde konnte ich ja natürlich nicht mehr solche Kinderbücher lesen, jedenfalls nicht öffentlich, und habe versucht die Romane meiner Eltern zu lesen, die meinen kindlichen Horizont aber noch etwas überstiegen. Aber im Schulranzen hat sich etwas Hochtrabendes wie z.B "Dr. Schiwago" wirklich gut gemacht. In der Schule habe ich nicht selten heimlich unter der Bank gelesen, vor allem im Mathe-Unterricht, was glaube ich auch mein immer noch fehlendes mathematisches Verständnis erklären könnte.

In der Oberschule haben wir natürlich die absoluten Klassiker wie "Hamlet" oder "Faust" gelesen, die ich beim ersten lesen nicht ganz so interessant fand. Aber wir hatten eine sehr engagierte Lehrerin, die mit uns immer die passenden Theateraufführungen besuchte. Und nachdem wir im Theater waren habe ich mir das Buch dann oft freiwillig noch ein zweites Mal durchgelesen, und dann meistens mit wirklichem Interesse. Ich habe in der Schülerbibliothek unserer Schule von der siebten Klasse bis zum Abitur freiwillig fast jede Pause gearbeitet, anfangs natürlich nur, um in den Pausen nicht auf den Hof zu müssen, aber irgendwann habe ich dann entdeckt, dass Schulbücher doch gar nicht so doof sind, wie ich immer dachte. Ich denke auch durch diese Arbeit sind meine Regale mit Schulklassikern überfüllt, die ich, wie ich leider gestehen muss, noch nicht alle gelesen habe.

Heute lese ich, wann immer ich genügend Zeit dazu habe, aber vor allem im Urlaub und dann ununterbrochen. Wenn ich ein Buch angefangen habe, das mich interessiert, lege ich es praktisch nicht aus der Hand, bis es ausgelesen ist. Ich kann sogar auf meinen Schlaf verzichten und die Nächte durchlesen. Auch früher schon, durfte ich immer so viel und lange lesen wie ich wollte, so dass das Unter-der-Decke-lesen nicht nötig war. Es gibt praktisch keinen Abend, an dem ich nicht wenigstens ein paar Seiten in meinem aktuellen Buch lese.

Am liebsten sind mir dicke Romane, weil die nicht immer so schnell ausgelesen sind, das Thema spielt dabei eigentlich kaum eine Rolle. Teilweise ist es so, dass ich mich so in die Bücher einfühlen und mich mit der Hauptfigur identifizieren kann, dass ich Angst davor habe, dass das Buch zu schnell zu Ende ist, weil es manchmal das Gefühl ist, als ob man in ein Loch fällt, wenn man zwar weiß wie das Buch endet, aber nicht, wie die Geschichte der Person weitergeht. Ich lese aber auch gerne Fachliteratur (Biologie) oder Biographien und viele Zeitschriften. Wenn meine Familie oder meine Freunde nicht wissen, was sie mir schenken könnten, ist den meisten schon bekannt, dass sie mit einem Buch nicht viel verkehrt machen können.

Wenn mir ein Buch sehr gut gefällt, kommt es auch vor, dass ich es mehrmals hintereinander lese, und bestimmte Passagen immer wieder laut vorlese. Es ist auch nicht selten, dass ich mehrere Bücher, die völlig unterschiedliche Inhalte haben, parallel lese.

Etwas schwerer tue ich mich mit Büchern, die mir nicht gefallen, ich habe immer das Gefühl einer Verpflichtung das angefangene Buch auch zu Ende zu lesen. Da fällt mir als erstes "Sophies Welt" ein, dieses Buch ist so berühmt, das man es einfach gelesen haben muss. Aber ich bin mit ihm einfach nicht klargekommen. Ich habe Seiten überblättert, was ich sonst nie mache und habe nur sehr flüchtig etwa jede zweite Zeile gelesen. Oft bin ich mit dem Schluss unzufrieden und enttäuscht, wie auch in diesem Fall, da ich gewisse Vorstellungen vom Ende habe, die nicht selten unerfüllt bleiben.

Aber ein paar kleine Niederlagen werden mich nicht davon abbringen weiterzulesen.


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Simone Schmidt WS 99/00

Meine Lese- Biografie

Ich habe keine guten Erinnerungen an den Leseunterricht in der Grundschule. Für mich war das Lesen eine Qual. Ich konnte nur sehr stotternd und langsam lesen, ohne jegliche Betonung. Meine Lehrerin wußte das, und nahm mich ständig dran, um laut vorzulesen. Heute weiß ich, daß sie es nur gut mit mir meinte, um mir mehr Zeit zum Üben zu geben. Aber damals empfand ich es als Demütigung. Ich dachte, sie nimmt mich mit Absicht dran, um mich vor meinen Mitschülern bloß zu stellen. Dies geschah dann auch meistens. Wenn ich vorlas ging es nur im "Schneckentempo" voran. Ich bekam einen knallroten Kopf, mein Herz raste, meine Hände blieben an den Buchseiten kleben, weil ich schwitzte und meine Mitschüler wurden unruhig und machten sich über meinen Zustand lustig. Dadurch konnte ich noch viel schlechter lesen. Außerdem konnte ich zwar vorlesen, aber ich konzentrierte mich dann so auf das Lesen, daß ich den Inhalt überhaupt nicht mitbekam. Alles in allem: Es war schrecklich.

Wenn wir Leseübungen aufbekamen, las ich den Text solange, bis ich Ihn auswendig "runterrattern" konnte. Dann war es schön vorzulesen. Leider wurde ich dann nicht oft rangenommen.

Ich muß ehrlich gestehen, ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, was ich selbst für Bücher gelesen habe. Am tollsten fand ich, wenn uns unsere Lehrerin vorgelesen hat. Sie hat uns immer aus dem "Sams" und "Krabat" vorgelesen. Meine Mutter hat mir immer tschechische Bücher vorgelesen. Vorlesen fand ich sehr entspannend. Man mußte sich nicht anstrengen, sondern durfte einfach nur zuhören.

Allein lesen fand ich viel zu anstrengend. Ich war viel zu ungeduldig, um ein Buch zu Ende zu lesen. Manchmal fing ich mit gutem Willen an ein Buch zu lesen, las ein paar Seiten vor dem Schlafengehen, aber ich rührte das Buch am nächsten Tag nicht wieder an. Dies ruhige Rumsitzen fiel mir sowieso immer sehr schwer. Ich brauchte Bewegung, draußen spielen war viel besser.

Die blödsten Geburtstagsgeschenke waren Bücher. Darüber habe ich mich damals nie gefreut. Für mich hatten die Bücher keinen Wert, sie bedeuteten nur harte Arbeit für mich. Viel besser fand ich TKKG Kassetten.

Wenn ich heute darüber nachdenke, bereue ich ein bißchen, dass ich nicht mehr gelesen habe, denn ich kann nicht mitreden, wenn sich z. B. Schüler oder Lehrer über Bücher unterhalten. Bis heute bin ich noch nicht dazu gekommen die Sachen nachzulesen, obwohl ich es gern machen würde.


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Britta Schumacher

Vorlesen

Meine Eltern haben mir und meiner Schwester früher sehr oft vorgelesen - auch, als ich schon längst lesen konnte. Meistens war das abends vor dem Schlafengehen.
Als ich noch ganz klein war, hat sich mein Vater jeden Abend mit mir auf dem Arm vor die Poster in meinem Kinderzimmer gestellt, um sich mit mir genau die Bilder auf den Postern anzuschauen und mir dazu eine ausgedachte Geschichte erzählen zu können.
Ich fand das immer unheimlich toll, weil ich so mit meinen Eltern etwas gemeinsam erleben konnte. Außerdem hatte es eine "gewisse" Gemütlichkeit.

Es gibt einige Bücher, an die ich mich noch genau erinnern kann und die ich früher immer wieder vorgelesen bekommen wollte. Dazu gehörten "Das Nilpferd in der Kartoffelfabrik", "Willi Wieberg", "Oh wie schön ist Panama", "Kinder aus der Krachmacherstraße", "Pipi Langstrumpf", "Kinder von Bullerbü" und "Sams".

Vor ein paar Jahren habe dann ich sehr viel Spaß daran gehabt, meinem derzeitigen Babysitterkind vorzulesen.

Lesen in der Schule

Ich erinnere mich noch ganz genau an eine Leselernmethode in der ersten Klasse: L und I ist Li, L und A ist La, F und I ist Fi und Fund U ist Fu.

Genauso gut kann ich mich an Nachmittage erinnern, an denen meine Mutter bzw. mein Vater schon fast völlig verzweifelt mit mir dasaßen und versuchten, mir das Zusammenziehen von zwei Buchstaben beizubringen - wie halt F und U ist Fu. Ich "wollte" das einfach nicht begreifen und noch demotivierter wurde ich, als meine kleine Schwester im Hintergrund damit anfing die Buchstaben problemlos zu "etwas" zu machen, was meine Eltern dann mit einem erstaunten Kopfnicken bestätigten, ich aber leider überhaupt nicht nachvollziehen konnte. Schließlich habe ich es dann aber doch noch gelernt und meine "Fu - Fibel" verbinde ich selbst heute noch mit etwas Schönem. An Lesebücher habe ich keine Erinnerungen mehr. Ich weiß nur, daß wir in der Schule welche besaßen.

Sowohl in der Grundschule als auch in der Oberschule gehörte ich immer zu den Schülern, die sehr gerne vorlasen. Wieso, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht so genau. Vielleicht deshalb, weil man auf diese Weise "leicht" einen Arbeitsbeitrag im Unterricht leisten konnte (dachte ich wenigstens).

In der Grundschule kann ich mich an zwei Bücher erinnern, die wir gemeinsam in der Klasse gelesen haben: "Vorstadtkrokodile" und "Die Insel der blauen Delphine". Beide Bücher fand ich toll und spannend und ich besitze sie heute noch.

Das Schönste war es aber damals, wenn uns unsere Klassenlehrerin aus "Sophiechen und der Riese" oder "Hallo, da bin ich" vorgelesen hat.

Als ich auf die Oberschule kam habe ich das Lesen oft als "lästig" empfunden. Die Masse, die an Lektüre regelrecht "abgeklappert" wurde, hat mich manchmal erschlagen. Das ewige "Darüber reden", "Analysieren" und "Interpretieren" wurde mir irgendwann zu trocken und zu langweilig.

Lesen in der Freizeit

Zu Grundschulzeiten habe ich gerne gelesen. Zu meinen Lieblingsbüchern gehörten sämtliche "Astrid Lindgren" Bücher, "Leselöwe" Bücher, sowie "Fünf Freunde" und anderes von "Enid Blyton". Mein absolutes Lieblingsbuch war "Olga da Polga", ein Buch über ein Meerschweinchen, das ich mindestens fünf Mal hintereinander gelesen habe.

Als eine "richtige" Leseratte hätte ich mich damals nicht bezeichnet, da ich ebenso oft und gerne Hörspielkassetten gehört habe, zu denen ich dann gleichzeitig malen konnte (das konnte man beim Buchlesen nicht, zumindest nicht gleichzeitig).

Zu Oberschulzeiten empfand ich es oft als störend, daß durch das Bücherlesen im Deutschunterricht oder später auch im Englischunterricht für das freiwillige und private Bücherlesen manchmal keine Zeit oder auch keine Lust mehr übrig blieb. Dennoch habe ich oft und gerne in der Freizeit gelesen, wenn auch am meisten in den Ferien.

Auch heute ist es noch so, daß ich zum "richtig" intensiven Lesen eines Buches eigentlich mehr in den Ferien komme.


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Nadine Blöhm 31.10.1999

Schreibbiographie über das" Lesen

Eigentlich weiß ich gar nicht, womit ich anfangen soll! Am besten sollte ich vielleicht erst mal damit beginnen, was "Lesen" überhaupt bedeutet, bzw. wie "Lesen" definiert wird.

Lesen bedeutet: zu einem Wort zusammengefügte Buchstaben, Buchstaben im Wort entziffern, Verstehen (was man liest), Schriftbild in Sprache umsetzen.

Was kann man alles lesen?

- Bücher, - Zeitschriften, - Comics, - Artikel, - Aufsätze, Erzählungen usw.

Ich kann mich eigentlich gar nicht mehr so genau daran erinnern, wie ich lesen gelernt habe. Nur noch an einige Details, die ich behalten habe.
In der Schule fing alles damit an, daß wir einzelne Buchstaben an der Tafel gelernt haben. Nachdem wir einige Buchstaben konnten, bekamen wir eine Lesefibel namens..Fu". Darin fingen wir dann richtig an zu lesen, wie "Fu ruft tut oder Fu ruft Uta".
Doch zu Hause habe ich nie gelesen. Ich habe mich immer darauf gefreut, wenn mir meine Mutter oder mein Vater abends vor dem Zu-Bett-gehen vorgelesen haben. Aber was mir meine Eltern vorgelesen haben?! Wenn ich das noch wüsste!

Ich wurde älter, und ich fing mit der Zeit an, immer mehr zu lesen. Irgendwelche Kitsch - Romane! Meistens habe ich im Urlaub gelesen und dann auch gleich 2,3 Bücher hintereinander. Mittlerweile lese ich auch abends vor dem Einschlafen.

Ich weiß noch, das erste Buch, was ich gelesen habe, war von Stephen King "ES" mit 800 Seiten oder so. Das habe ich richtig verschlungen. Ich liebe es, wenn ich mich so richtig in das Buch rein interpretieren kann und es mir dann so vorkommt, als ob es bildlich vor mir abläuft. Wie in der Realität! Heute lese ich gerne spannende Romane, Fantasiebücher, Krimis und Bücher mit geschichtlichem Hintergrund. Dazu gehören die Autoren Barbara Wood mit " Rote Sonne - Schwarzes Land ", " Das Paradies ", " Traumzeit "; Minette Walters mit " Die Schandmaske " und Tanja Kinkel mit " Mondlaub ".
Bin ich aber früher in der Schule im Deutschunterricht zum Lesen verurteilt worden, stellte ich mich dumm. Zum Lesen zwingen konnte mich noch nie einer, dies war nichts für mich.

Mein Bruder (10) hingegen fing schon sehr früh an, sich für das Lesen zu interessieren. Ich glaube mit 8 Jahren nahm er sich bereits das erste Buch und las es. Am liebsten hatte er die Asterixbände und jetzt liest er begeistert das " Sams " von P. Maar und "Gänsehaut " von R. L. Stine. Mein Bruder ist im Gegensatz zu mir eine richtige Leseratte.

Heutzutage ist es sehr wichtig wie man den Schülern/innen das " Lesen " beibringt/vemittelt. Ich sehe es an der Schule meiner Schwester. Sie hatte in der 1. Klasse eine Lehrerin, die es meiner Ansicht nach den Kindern überhaupt nicht beibringen konnte. Viele hatten Probleme bei der Betonung oder schon allgemein beim Lesen. Man muß schon bei dem Beibringen der Buchstaben darauf achten, wie man es ihnen vermittelt, z.B. statt ha sagen wir h oder nicht ka, sondern k. Daraus können die Schüler/innen leichter die Buchstaben zu einem Wort verbinden; z.B. bei Haus lesen, bzw. schreiben sie es auch so wie Haus und nicht wie H - u - s. Jetzt hat meine Schwester eine neue Lehrerin, bei der sie gleich viel besser betont lesen kann und es ihr auch Spaß macht.
Es ist wichtig, finde ich zumindest, den Deutschunterricht so zu gestalten, dass es den Kindern leicht fällt den Stoff zu verstehen (z.B. durch Spiele) und es ihnen auch gleichzeitig Spaß macht.


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Angela Berkholz

Biographisches Schreiben - Gedanken zum Lesen von Angela Berkholz

Die Vorlesestunden im Kindergarten und die Gutenachtgeschichten vor dem Einschlafen zählen zu den wenigen Erinnerungen, die ich noch aus dieser Zeit habe.
Geschichten wie "Die kleine Hexe", "Jim Knopf", "Der kleine Vampir", aber auch viele verschiedene Märchen gehören dazu.

Ich hätte stundenlang zuhören können! Leider hatten die meisten Erwachsenen nie genug Zeit oder Lust, so dass ich es kaum erwarten konnte, endlich selber lesen zu können.

Für mich bedeutet Lesen in erster Linie die Flucht aus der Realität und das Eintauchen in eine andere, viel aufregendere Welt. Ich schlüpfe dabei in die Haut eines anderen und sehe mit dessen Augen. Ich erlebe und fühle in dieser Welt so intensiv, dass ich nach dem Weglegen eines Buches eine Weile brauche, um mich in meiner eigenen Welt wieder zurechtzufinden. Das Lesen ist dabei völlig automatisiert. Das Entschlüsseln der Wörter geschieht ganz unbewusst.

Anders ist das beim Lesen von Fachbüchern und Sachtexten. Jedes Wort muss dabei verstanden werden, es ist mühsam, man muss arbeiten. Bei dieser Art von Lesen kann man nicht mitfühlen, man entnimmt lediglich Informationen.

An meinen eigenen Leselernprozess erinnere ich mich nicht. Ich kann dabei keine größeren Schwierigkeiten gehabt haben, da mir sonst ganz sicher mehr eingefallen wäre. Schließlich erinnert man sich leider häufiger an Misserfolge als an Erfolgserlebnisse. Außerdem war ich, wie schon gesagt, sehr motiviert. Das einzige, an das ich mich in dem Zusammenhang erinnern kann, ist der Name meiner Fibel: "Ina und Ali".

Irgendwann bekamen wir in der Grundschule die Aufgabe zu Hause unsere eigenen Bücher zu zählen. Ich hatte so viele, dass ich sie kaum zählen konnte. Um so mehr überraschte es mich, dass es tatsächlich Kinder in meiner Klasse gab, die nur ein oder zwei Bücher besaßen.

Ich konnte nicht nachvollziehen, dass jemand keine Freude am Lesen haben konnte. Ich hockte schließlich jede freie Minute über einem Buch. Natürlich auch heimlich abends mit der Taschenlampe unter der Bettdecke.

Meine Eltern fingen sogar an sich Sorgen zu machen, dass ich nicht genug an die frische Luft käme und mich zu einem Stubenhocker entwickeln würde. Das ging so lange bis mein Schwester ebenfalls ins lesefähige Alter kam und ganz im Gegensatz zu mir kein Buch auch nur eines Blickes würdigte. Von nun an war ich das leuchtende Vorbild, an das sie sich halten sollte.


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Annika Burmeister

Lesen in meiner Kindheit

Meine früheste Leseerinnerung reicht bis in die Kindergartenzeit zurück, damals konnte ich es nicht erwarten, Lesen zu lernen und freute mich wahnsinnig auf die Schulzeit. Neidisch hörte ich mir die Erzählungen meiner Mutter an, daß sie schon vor ihrer Einschulung lesen konnte.

In der ersten Klasse lernten wir zuerst die einzelnen Buchstaben kennen. Dazu hatte unsere Lehrerin eine große Pappe in Form eines Hauses gebastelt und alle paar Tage "zog" ein neuer Buchstabenbewohner, begleitet von einem Lied, das die ganze Klasse sang, ein. Der Text war (z.B. für das A): "Das A zieht ein, das A zieht ein, da freu´n sich alle Kinderlein." Sobald wir genügend Buchstaben kannten, fingen wir an, mit einer Lesefibel zu arbeiten. Wir bekamen von unserer Lehrerin auch einen Grundwortschatz, aus dem wir jede Woche ein paar Wörter lernen mussten.

Von Anfang an machte mir Lesen großen Spaß, was sich bis heute nicht geändert hat. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich in meiner Grundschulzeit einmal die Woche mit meinem Fahrrad, den Korb voller Bücher, von unserer Stadtbücherei nach Hause radelte, wobei ich mich im Laufe der Zeit durch sämtliche Regale las.

Schon damals hatte ich gewisse Lesephasen, so habe ich z.B. eine Zeitlang Krimis, dann Mädchengeschichten oder Bücher über Kinder aus dem Dritten Reich gelesen. Zwischendurch habe ich immer vereinzelt Rowohlt-Bücher gelesen und erinnere mich noch heute an die Comics auf der Rückseite. Zur Zeit lese ich übrigens mit Vorliebe Historische Romane, die im Mittelalter spielen und bin schon auf meine nächste Lesephase gespannt.

In der dritten und vierten Klasse las uns unser Klassenlehrer "Die Brüder Grimm", "Krabat" und "Latte Igel" vor, manchmal mußte ich (auch noch als einzige) für ihn einspringen, was ich zwar bereitwillig, aber nicht gerne machte. Die Abneigung gegen Vorlesen hat sich im Laufe der Zeit noch verstärkt, denn irgendwie komme ich mir immer schrecklich affig dabei vor, die Worte entsprechend zu betonen. Auch werde ich regelrecht aggressiv, wenn jemand mit honigsüßer Stimme jedes einzelne Wort besonders hervorhebt und fast zwischen jedem Satz eine bedeutungsschwangere Pause einlegt und dabei am besten den Kopf von einer Seite zur anderen neigt. (Ich weiß, diese Macke muß ich überwinden!)

Dazu fällt mir noch der Lesewettbewerb in der fünften Klasse ein, bei dem sich jeder eine Textstelle aus seinem Lieblingsbuch heraussuchen und vorlesen sollte. Ich weiß noch bis heute ganz genau, dass ich mir voller Furcht "auf den letzten Drücker" am Morgen des Vorlesetages ein TKKG-Buch heraussuchte und dann extra schlecht vor der Klasse las, um ja nicht die Klasse im Schulwettbewerb vertreten zu müssen.

Die Bücher, die ich für den Deutschunterricht der Oberschule lesen musste, habe ich bis auf wenige Ausnahmen nicht gerne oder überhaupt nicht gelesen. Ich vermute, dass der Zwang und der Druck, der von den Lehrern ausgeübt wurde, daran Schuld war. Außerdem hasste ich es, Textabschnitte so lange zu zerreden, bis nichts mehr an Stimmung oder Gefühlen übrig war.

Dies waren nun meine Schulleseerlebnisse, nun erwähne ich noch kurz Gedanken, die mir während des Schreibens der Biografie gekommen sind.

So habe ich schon seit meiner Grundschulzeit versucht, ein Wort nur als eine Ansammlung von Buchstaben zu sehen, doch sehe ich mir ein Wort an, so muss ich es automatisch lesen.

Und was ich schon immer ganz enttäuschend fand, das war, wenn ich ein tolles Buch gelesen hatte und danach den Film sah. Das liegt wohl daran, daß man sich in seiner Fantasie alles anders vorstellt.

Um noch für die Väter zu sprechen, die sich laut Statistiken nicht genug um die Leseförderung ihrer Kinder bemühen: Mein Vater hat mir als Kind vorgelesen und schenkt mir bis heute regelmäßig Bücher.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass mir Lesen schon immer sehr viel Spaß bereitet hat und eines meiner größten Hobbies ist, und ich diese Freude später auch an meine Schüler weitergeben möchte.


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Miriam Happel

Ich habe mir lange überlegt, in welcher Form ich etwas über meine Leseerinnerungen schreiben soll. Als erstes fing ich an aufzuschreiben, was mir dazu einfällt. Dabei fiel mir auf, dass ich eigentlich durch meine Mutter zum Lesen "gefunden" habe, deshalb möchte ich einen Brief an sie schreiben.

Hallo Mama!

Kannst du dich noch daran erinnern, wie ich am Anfang das Lesen gehasst habe? Du wolltest mich oft dazu ermuntern, dass es Spaß macht zu lesen, aber ich wollte es nicht. Am Schlimmsten war es für mich immer in der Schule laut zu lesen.

Wie habe ich eigentlich Lesen gelernt? Ach, hatten wir dafür nicht etwas gebastelt, jetzt fällt es mir wieder ein: Lesen gelernt habe ich mit der Leseraupe. Das war eine Raupe, die ich selber gebastelt habe. Diese Raupe hatte ein großes Maul, durch das ich die Wörter, Buchstabe für Buchstabe durchgeschoben habe.

Später wurden in der Schule Bücher gelesen, wie z.B. "Der fliegende Stern". Aber obwohl ich die Bücher oft spannend fand, habe ich nicht sehr gerne gelesen. Ich habe es immer genossen, wenn du mir etwas vorgelesen hast. Ich weiß noch genau, wie du mir und Till (meinem Bruder) abends im Bett noch etwas vorgelesen hast. Es hat mir immer viel Spaß gemacht dir zuzuhören.

Wann habe ich eigentlich das erste mal freiwillig und mit Spaß gelesen? Ich kann mich an ein Buch erinnern, dass du gelesen hast, als ich ungefähr in der fünften Klasse war. Es hieß "Auf einem langen Weg" von Gudrun Pausewang. Du hast mir von diesem Buch erzählt und mich neugierig gemacht. Ich habe dir dann während des Lesens über die Schulter geschaut und ein bisschen mitgelesen. Dieses Buch hat mich sofort fasziniert, so dass ich es gleich nach dir lesen wollte. Es hat mir so gut gefallen, das ich mich bis heute daran erinnern kann. Von da an habe ich eigentlich immer sehr viel und auch gerne gelesen. Ich habe euch oft mit meiner "Lesesucht" genervt, da ich das Buch nicht mal zum Essen weglegen wollte.

Heute lese ich noch genauso gerne. Am liebsten lese ich Romane, die einen geschichtlichen Hintergrund haben. Wenn ich mit einem Buch anfange, kann ich es erst wieder weglegen, wenn ich es fertig gelesen habe, deshalb habe ich leider, seit ich studiere nur noch selten Zeit einen Roman zu lesen.


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Khaled ElSayed

Liebe Antje,

ich hoffe aus ganzem Herzen, dass es euch - dir und deiner Kleinen - gut geht. Ich wollte mich auf diesem Wege noch mal für den tollen Sonntag mit euch bedanken. Es war wirklich herrlich dich und Vicky wiederzusehen und den Tag mit euch zu verbringen - hoffentlich hat es euch beiden ebenso große Freude bereitet.

Anbei schicke ich deiner Tochter ein kleines Geschenk: ein spannendes Lesebüchlein mit vielen schönen, bunten Bildern.

"Lesen bildet", das sagte schon mein Lehrer und diese Volksweisheit ist gar nicht mal so unwahr. Ich selber habe als kleiner Schuljunge kaum gelesen und auch nur, wenn ich musste. Nein, Lesen war leider nicht meine Stärke. Vielleicht lag es daran, dass ich als Knabe keine faszinierenden Kinderbücher besaß. Meine Eltern haben mir auch nie (Gutenacht-) Geschichten vorgelesen, so wie bei den meisten anderen Kindern. Stattdessen erzählte meine Mutter meinen Geschwistern und mir fesselnde orientalische Märchen, die sie frei vortrug, während wir uns im wohligen Bett verkrochen hatten. Es sind schöne Erinnerungen; trotzdem wünschte ich, ich hätte damals mehr gelesen: zum Beispiel Bücher wie Pippi Langstrumpf oder Jim Knopf - aber bedauerlicherweise kenne ich die Erzählungen nur aus dem Fernseher.

Heute, als erwachsener Student, weiß ich wie wichtig häufiges Lesen ist und welchen positiven Einfluss es auf die Rechtschreibsicherheit ausübt. Als Schüler konnte ich dieses so noch nicht ersehen und wohl möglich wäre es mir doch egal gewesen - ich hatte ja "Wichtigeres" zu tun, musst du wissen.

Aber es gab doch etwas, das ich als kleiner Bub gerne gelesen habe, und das nicht zu knapp: Comics - was denn sonst! Am allerliebsten las ich Asterix und Obelix, die Schlümpfe, Lucky Luke und Donald Duck Hefte. Ja, ich weiß, das ist nicht gerade die allerfeinste Weltliteratur - aber immerhin!

Ich glaube, hätte ich seinerzeit reichlicher gelesen, würde ich heutzutage weniger Schwierigkeiten mit dem Lesen von Texten haben. Vor allem besitze ich eine Konzentrationsschwäche und das Einprägen von Buchinhalten lässt manchmal zu wünschen übrig - so muss ich vieles oftmals mehrmals lesen.

Es gibt da noch eine Volksweisheit: "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr". Vermutlich kann man verpasste Entwicklungen in der Kindheit kaum mehr nachholen, wer weiß. . .

In der Hoffnung, dass deine Tochter eine kleine Leseratte wird, wünsche ich euch alles Liebe und drücke dich in Gedanken.

Bis bald, dein Khaled.


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Anna Müller-Rehm

Meine ersten Leseerfahrungen habe ich vor dem eigentlichen Lesenlernen in der Schule gemacht. Schon vor der Schule konnte ich, wie sicherlich die meisten Kinder, meinen eigenen und die Namen meiner Familienmitglieder und Freunde schreiben, wenn sie nicht zu lang und kompliziert waren. Erfahrungen mit Büchern habe ich in dieser Zeit hauptsächlich über das Vorlesen durch meine Eltern oder einen Babysitter gemacht.

Allein habe ich mir illustrierte Kinderbücher oder gegebenenfalls Comics angeschaut. Der Text einiger solcher Bücher, wie z.B. Janosch "Oh wie schön ist Panama" und "Post für den Tiger" oder "Die kleine Raupe Nimmersatt", war mir so vertraut, daß ich glaubte den Text "lesen" zu können, denn ich konnte anhand des jeweiligen Bildes den Text der Seite fast wortgetreu wiedergeben. Auch habe ich teilweise das Lesen der Erwachsenen imitiert, indem ich irgendein Buch oder eine Zeitschrift vor mich hielt und dazu laut murmelte.

Das ernsthafte Lesen begann wohl in der Schule, wo ich zunächst nur Schreibschrift lesen und schreiben konnte. Demnach war mein erstes eigenes Buch, das ich allein lesen konnte, in Schreibschrift geschrieben. Ich kann mich weder an den Titel noch an den Inhalt dieses Buches erinnern, aber ich weiß noch, daß ich sehr stolz auf dieses Buch war.

Ich las zwar gern, aber ich war selten von einem Buch so gefesselt, daß ich dafür ganze Nachmittage nicht vor die Tür ging und für niemanden zu sprechen war. Wenn mir ein Buch gut gefiel las ich es meist auch von Anfang bis Ende durch. Es kam aber häufig vor, daß ich Bücher nur anfing und nie zu Ende las. Die Klassiker, wie "Pipi Langstrumpf" und "Ronja Räubertochter" kannte ich schon vom Vorlesen, deswegen fesselten mich diese Bücher beim Selberlesen nicht so sehr. Zu meinem 9. Geburtstag bekam ich ein sehr schweres und dickes Buch mit sehr klein gedruckter Schrift. Es war ein Sammelband von einer 13-bändigen Bücherreihe mit dem Titel "Bille und Zottel". Normalerweise hätten mich die Ausmaße des Buches schon davor abgeschreckt, es zu lesen. Da ich es aber nun mal zum Geburtstag bekommen hatte, beschloss ich doch wenigstens einmal hinein zuschauen . Schon von der ersten Seite an gefiel mir das Buch sehr gut und ich las es auch wirklich bis zum Ende durch, was natürlich auch seine Zeit dauerte, weil es zwischenzeitlich andere Dinge gab, die meine Zeit in Anspruch nahmen, so dass das Buch auch mal ein bis zwei Wochen herumlag. Das Buch handelte von den Abenteuern des Mädchens Bille und ihrem frechen Pony Zottel, da ich in dieser Zeit auch selbst mit dem Reiten begonnen habe waren Pferdebücher im Allgemeinen meine bevorzugte Lektüre.

An Bücher, die wir in der Grundschule gelesen oder besprochen haben, kann ich mich überhaupt nicht erinnern. Ich weiß nur noch, daß uns unser Deutschlehrer in der 5. Klasse das Buch "Der Herr der Ringe" vorgelesen hat und ich diese Vorlesestunden als äußerst angenehm und erholsam empfand.

Mein heutiges Leseverhalten hat sich kaum zu dem anfangs beschriebenen verändert. Ich lese vor allem gern im Urlaub oder wenn ich viel Zeit und Ruhe habe. Denn ich verliere schnell die Lust ein Buch weiter zu lesen, wenn die Abstände zwischen dem Lesen zu groß werden und ich mich kaum noch an das Geschehene erinnern kann.


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Astrid Ouart

Mit Sätzen wie " Ich könnte den ganzen Tag lesen" oder " Ich lese für mein Leben gerne" kann ich mich leider überhaupt nicht identifizieren. Lesen hat in meinem Leben eigentlich nie eine große Rolle gespielt bzw. ich habe es immer als etwas Unangenehmes empfunden. Vielleicht fällt es mir daher schwerer meine Leseerlebnisse aus der Grundschulzeit wieder ins Gedächtnis zu rufen. Es ist nicht gelogen, wenn ich sage , dass ich so gut wie keine Leseerinnerungen an die Grundschulzeit habe. Ich habe eher konkrete Erinnerungen an die Zeit, in der mir vorgelesen wurde, auch wenn diese in die Grundschulzeit mit einfließt.

Auch als ich schon lesen konnte, wollte ich immer, dass mir vorgelesen wird Sicherlich habe ich auch selber die vorgelesenen Seiten durchblättert, aber ich habe es schon damals als sehr unangenehm und langweilig empfunden. Ich wollte immer die gleichen Bücher vorgelesen bekommen, und das fand ich komischerweise nie langweilig.

Besonders sind mir die Geschichten von Astrid Lindgren über das Mädchen Lotta , das Buch " Oh wie schön ist Panama", die Märchen der Gebrüder Grimm und die Geschichten über den kleinen Jungen Schnüpperle geblieben. Ich habe mich bis heute nicht von diesen Büchern trennen können, und sie stehen immer noch in meinem Regal. Obwohl ich in der Grundschulzeit eigentlich nie privat gelesen habe, hatte ich immer gute Noten im Lesen.

Bestimmte Erinnerungen an Leseübungen oder Bücher, die im Unterricht durchgenommen wurden, sind mir auch nicht mehr präsent. Lediglich ein Buch ist mir in Erinnerung geblieben. Es hieß "Die schwarze Hand" und war eine Krimigeschichte, die versteckte Rätsel enthielt. Dieses Buch hat mich fasziniert, und ich habe es bestimmt zehnmal durchgelesen. Ab der 6. Klasse habe ich mir wie so viele Mädchen die Bravo gekauft. Doch hier wurden lediglich die tollen Posters aussortiert oder die " Liebe, Sex und Zärtlichkeit"- Seite gelesen. Artikel habe ich mir fast nie angeschaut.

Dann überfiel mich, wenn man von der Quantität meines Lesens ausgeht, ein Leserausch. Nachdem ich einmal zu Weihnachten das Buch " Anne of Green Gables" geschenkt bekommen hatte, wagte ich nach Auffordern meiner Mutter doch mal einen Blick hinein und habe es sogar zu Ende gelesen. Darauf folgten die weiteren vier Bände, denn ich mußte ja schließlich wissen, wie es mit dem rothaarigen Mädchen aus England weitergeht. Ich wette aber, wenn die Geschichten von ihr verfilmt worden wären und ich sie im Fernsehen hätte sehen können oder es eine Hörspielkassette davon gegeben hätte, hätte ich diese Medien eher bevorzugt. Ich habe ohnehin sehr viel Hörspielkassetten gehört, woran meine Oma vielleicht nicht ganz unschuldig ist., denn sie hat mir wirklich fast alles geschenkt, was es auf Hörspielkassettenmarkt gab. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum ich nie zum Lesen verlockt wurde. Aber selbst bei dieser Bücherserie empfand ich das Lesen letztendlich als unangenehm. Das macht sich auch noch bis heute daran bemerkbar, daß ich ständig auf die Seitenanzahl schiele, um zu gucken, wie weit ich schon gekommen bin, und das geschieht nicht erst nach der Hälfte des Buches sondern jede 5- 10 Seiten.

In der Oberschule haben sich dann zum ersten Mal die Resultate meiner mangelnden Lesebeschäftigung gezeigt. Ich war fast nie gut im Aufsätzeschreiben, und auch in anderen Fächern hatte ich Schwierigkeiten, den Inhalt, den ich im Kopf hatte, gut auszudrücken. Und obwohl mir immer mehr bewusst wurde, dass Lesen die Ausdrucksfähigkeit und auch das Allgemeinwissen fördert, habe ich es, jedenfalls nicht freiwillig, getan.

Natürlich habe ich die Literatur gelesen, die im Unterricht durchgenommen wurde und sogar ganz intensiv, wenn es darum ging, ein Referat darüber zu halten. Ich erinnere mich an das Referat über "Das Tagebuch der Anne Frank". Das Buch hat mich inhaltlich wirklich interessiert, aber das ständige Gucken auf die Seitenanzahl konnte ich nicht unterdrücken, auch wenn es hier nicht ganz so ausgeprägt war wie beim Lesen von in meinen Augen uninteressanter Literatur. Ohnehin fand ich die Literatur, die im Unterricht gelesen werden sollte, in vielen Fällen uninteressant, was aber vielleicht nicht ganz abnormal ist. Der Satz: " Das müsst ihr aber bis nächste Woche fertig gelesen haben" versetzte einen ohnehin immer unter einen so großen Druck, daß es noch nicht mal ein bißchen Spaß gemacht hat. Aber wahrscheinlich hat mir gerade dieses Pflichtlesen, wozu nicht nur Literatur, sondern auch sehr viele Sachtexte zählten, dazu verholfen, dass ich mein Abitur geschafft habe, denn mir ist nicht unbewusst, wie wichtig Lesen ist.


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Sandra Rex

Liebe Frau G.,

ich möchte mich auf diesem Weg einmal für die ersten drei Jahre in der Schule bedanken. Sie waren es, die mir bzw. der 1-3a das Lesen und Schreiben beigebracht haben , erst Fu dann Fara später wurden die Worte und Sätze dann doch etwas länger. Aber dank ihrer Strickkunst wurden Fu und Fara "real" und begleiteten uns noch ein ganz schönes Stück. Außer an die beiden roten Stricktiere kann ich mich aber nicht sehr gut an die Zeit des Lesenlernens erinnern, wahrscheinlich deshalb, da mir das Lesen und Schreiben regelrecht zugeflogen kamen. Somit kann ich auch nicht sagen, dass Sie mich ermutigt haben. Gefördert haben Sie mich ganz sicher, jedenfalls habe ich zu Hause fast jede freie Minute ein Buch nach dem anderen verschlungen. Meine Lieblingsbücher handelten meistens von Spukschlössern und Ballett, warum, kann ich bis heute nicht beantworten. Eigentlich hatte (habe?) ich große Angst vor Gruselgeschichten und Geisterbahnen und Ballett wollte ich auch nie selber tanzen. Und dann waren da natürlich noch Bücher wie "Das Dschungelbuch" , "Pipi Langstrumpf" und "Mio mein Mio" die mich fasziniert haben.

Als dann die Zeit der Oberschule kam, habe ich anfangs auch noch sehr gerne gelesen. Allerdings hießen die Autoren dann Stephen King und Dean R. Koontz anstatt Astrid Lindgren und Enid Blyton. Ab der 10. Klasse wurde Lesen langsam mehr zur Qual als zum Vergnügen, ich verband Lesen fast nur noch mit Hausaufgaben, Referaten und Klausuren. In der Oberstufe war man selbst in den Ferien vor grauenhaft langweiligen Büchern nicht mehr sicher. Meine Erinnerung an den Sonnenbrand, den ich mir zuzog weil ich über genau so einem Buch eingeschlafen bin, ist noch nicht verblasst. Wenn ich in meiner Freizeit gelesen habe, dann war das Buch in englischer Sprache. Ich habe mehr aus Interesse an der Sprache als am Inhalt gelesen.

Jetzt bin ich wieder in gewisser Weise in der Grundschule, ich lese wieder sehr gerne Kinder - und Jugendbücher, allerdings wenn es möglich ist in englischer Sprache. Man könnte also sagen, ich habe die Grund- mit der Oberschulzeit verbunden.

Abschliessend möchte ich Ihnen noch sagen, dass mir die Grundschule immer Spass gemacht hat und dass es sehr schade ist, dass man die "alten" Lehrer nicht mehr sieht.

Schöne Grüsse und alles Gute für die Zukunft Sandra Rex


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Marit Stoye

Wenn ich versuche, mich an meine ersten Bücher zu erinnern, fallen mir Bücher ein, die meine Eltern mir früher abends vorgelesen haben. Diese "Gute-Nacht-Geschichten" vor dem Einschlafen habe ich geliebt. Zum Einen gab es da das Buch "Die Raupe Nimmersatt", das zu meinen Lieblingsbüchern zählte. Es handelte von einer Raupe, die sich von Seite zu Seite durch verschiedene Nahrungsmittel hindurch fraß. Ein weiters Buch, dessen Namen ich leider vergessen habe, fällt mir ein. Es wurden in diesem Buch verschiedene Wörter durch kleine Zeichnungen ersetzt, so z.B. Haus, Baum oder Apfel. Dieses Buch machte mir viel Spaß, weil ich das Gefühl bekam, mitlesen zu können. Ich weiss noch genau, wie sehr ich darauf wartete, dass meine Eltern endlich die Pause beim Lesen machten, in die ich das nächste Wort setzen durfte. Eine andere Geschichte hieß: "Herr Hase". Sie handelte von einem Hasen, der lesend viele Pannen erlebt, weil er so in sein Buch vertieft ist, dass er seine Umwelt nicht wahrnimmt.. Kurz vor einem Unglück, versuchten ihn immer Passanten darauf aufmerksam zu machen, und schrien: "Herr Hase, Herr Haaaaaaaaaaaaaaaaaaaase!" Aber es war immer zu spät. Diese Stelle fanden meiner Geschwister und ich so toll, dass wir immer laut mitriefen.

Als ich das Lesen gelernt hatte, war ich stolz, wenn ich etwas vorlesen durfte und mir jemand zuhörte. Ich las ständig meinen Eltern aus den Schulbüchern die ersten Wörter vor. Dieses "Buchstabenverständnis" wurde von mir dann auch zunehmend im Alltag angewendet. Angefangen habe ich mit dem Entziffern von Autokennzeichen, über Alltagswörter, bis hin zu dem Lesen von Büchern. In der Grundschule wollte ich immer schneller lesen können als meine Klassenkameraden. Auch das Vorlesen dürfen stand bei mir ganz hoch im Kurs.

Mit der Zeit wurde allerdings der Druck der Schule und meiner Eltern größer, so dass ich häufig unfreiwillig etwas lesen sollte, was mir nicht gefiel. Plötzlich war es nichts besonderes mehr, lesen zu können und es machte weniger Spaß. Jedoch ging ich jede Woche in den Bücherbus vor unserer Schule und lieh mir mit meiner Freundin Detektivgeschichten und andere schöne Bücher aus. Die las ich dann abends im Bett oder in den Ferien. Zu meinen Lieblingsbüchern gehörten "TKKG", "Die Pizzabande", "Die Maus, die Balalayka spielte" und so ziemlich alle Bücher von Astrid Lindgren. Besonders als wir in Schweden die "Astrid-Lindgren-Welt" besuchten, musste ich unbedingt auch noch die Bücher von ihr lesen, die mir bis dato unbekannt waren. In dieser "Astrid-Lindgren-Welt" sind nämlich die Umfelder aller Hauptpersonen in Miniatur nachgebaut, so z.B. Die Burg von Ronja Räubertochter mit den durch einem Blitz entstandenen Schäden. Im Sommer laufen sogar die Hauptfiguren dort herum. Mir kam alles so vor, als hätte ich es schon einmal gesehen. Es entsprach genau meinen Vorstellungen, wie Karlsson auf dem Dach saß, oder der Dachboden, in dem sich Lotta aus der Krachmacherstraße versteckt hatte.

Als ich dann in die Oberschule kam, wurden die Reclamhefte eingeführt, mit denen ich endlose Diskussionen über die Bedeutung der Blumenfarbe oder was sich der Autor alles bei dem noch so unwichtigen Wort gedacht hat. Ab diesem Zeitpunkt bekam Lesen einen Zwangscharakter und ich verlor nach und nach den Spaß am Lesen.

Auch durch die viele Pflichtlektüre in der Uni ist dieses Zwanghafte noch da. Jedoch gerade in meinem Hauptfach Sport habe ich so viele interessante Bücher entdeckt, dass es mir Spaß macht, mich auf diesen Gebieten "weiterzubilden".

Am Allerliebsten lese ich allerdings Briefe, und das Interesse wird mir auch keiner nehmen können. Besonders wenn der Brief von bestimmte männlichen Personen kommt, macht das Lesen richtig viel Spass.


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Marc Zinkernagel

Meine Erinnerungen an frühere Leseaktivitäten lassen sich eigentlich relativ schnell zusammenfassen. Kurz gesagt: Sie sind negativen Charakters.

Ich habe in meiner Kindheit so gut wie gar nicht gelesen, da ich das Anhören von Hörspielkassetten bezüglich der Dauer für viel ökonomischer hielt und es mir auch mehr Spaß machte. Darüber hinaus konnte ich mich dabei viel besser entspannen und Chips essen. Auf den Bücherseiten hätte das doch nur Fettflecken gegeben.

Meine Fantasie habe ich also damit ausgeprägt, mir das Szenario vorzustellen, in dem die ??? z.B. ihrer Arbeit nachgingen. Aber auch die 5 Freunde und TKKG sind mir noch in blendender Erinnerung. Wer erinnert sich nicht daran?

Ich weiß nicht, ob hier jemand die John Sinclair Kassetten kennt oder kannte. Zu dieser Zeit jedenfalls prägten sich bei mir im verstärktem Maße die Schweißdrüsen aus und ich lernte wie man das Türschloß zweimal abschließt. Eine tolle Zeit!

Aber wir waren ja eigentlich beim Lesen. Ihr seht, meine Erinnerungen sind ganz anders gepolt.

Wenn ich denn mal las, dann waren es höchsten "Was ist Was" Bücher oder irgendeine Fußballlektüre. Wer schoss 1978 in Argentinien eigentlich das 2:1 im Finale der Weltmeisterschaften? Ja, das war interessant.

Vielleicht lag es aber auch daran, dass meine Eltern, ohne ihnen irgendeinen Vorwurf machen zu wollen, mir immer sagten, wie wichtig das Lesen für meine Bildung sei. Tja, und wenn die Eltern das sagen, was macht man dann? Nicht lesen natürlich. Ich kann also nicht mit Bestimmtheit sagen woran es lag, daß ich nie zu den darwinschen Leseratten zählte.

Wie ihr aber hört, da ihr ja alle sehr aufmerksam zuhört, nicht wahr, schreibe ich in der Vergangenheit.

Etwas Unglaubliches ist nun noch in diesem Jahrtausend geschehen, wovon die Menschheit wohl noch im übernächsten Jahrtausend, falls es das noch Irdische geben sollte, berichten wird. Marc hat zum Lesen gefunden!

Niemand weiß wie lange, aber ich lese gerade mein siebentes Buch innerhalb eines Jahres, so viel wie in 27 Jahren zuvor nicht.


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Daniel Pöch

Früher als ich klein war, habe ich noch viel und gerne gelesen. Als Kindergarten- und Vorschulkind war ich immer begeistert, wenn meine Mutter mir zum Einschlafen und in den Ferien vorgelesen hat. Noch immer denke ich gerne an die Sommerferien zurück, als meine Mutter mir beide Bände von Michael Endes "Jim Knopf und Lukas..." vorgelesen hat. Weitere Titel, die mir vorgelesen wurden, waren u.a.: "Der kleine Wassermann" oder "Die kleine Hexe" von Otfried Preußler. Dabei erinnere ich mich viel mehr an die ruhige und entspannte Leseatmosphäre, als an den Inhalt dieser "Klassiker".

Als ich dann in der Schule gelernt habe, selber zu lesen, hat es mir die ersten Jahre auch sehr viel Spaß gemacht. Besonders gerne habe ich Abenteuer- und Gruselgeschichten gelesen. Von Angela Sommer-Bodenburgs Reihe "Der Kleine Vampir" habe ich alle Bände gelesen, die es gab und konnte es gar nicht erwarten, bis ein neues Buch erschien. Außerdem haben meine Eltern für mich die monatlich erscheinende Kinderzeitschrift "Mücke" abonniert, die ich immer sofort nach Erhalt durchgelesen habe. Bis zur 5.-6. Klasse (Orientierungsstufe in Göttingen) hat mir das Lesen dann noch Spaß gemacht, bis dann im Gymnasium aus dem Lese-Spaß nur noch Pflicht und Arbeit wurde. Im Deutschunterricht wurde das Lesen der Klassenlektüre für mich zur lästigen Hausaufgabe und das genaue Analysieren und Interpretieren der Romane nahm mir den letzten Spaß. Somit beschränkte sich das Lesen bei mir auf die Bücher, die im Rahmen des Deutschunterrichts gelesen wurden. In meiner Freizeit habe ich es immer vorgezogen, anderen Interessen wie z.B. Geigespielen und Handball nachzugehen.

So war ich bis zuletzt immer ein Wenigleser, da ich freiwillig höchstens 1-2 Bücher im Jahr gelesen habe. Die Bücher, die ich gelesen habe, wurden mir von meiner 9 Jahre älteren Schwester empfohlen. Es handelte sich hierbei um Bestseller, bei denen ich gemerkt habe, wie viel Spaß es machen kann, ein Buch zu lesen. In vielen Fällen habe ich es auch als motivierend und erleichternd empfunden, wenn ich zu einem Buchtitel erst den Kinofilm sah und anschließend das Buch gelesen habe. Für mich unvergessliche "Leseerlebnisse" waren das Bestseller wie "Das Parfüm" von Patrick Süßkind. Abgesehen von diesen wenigen "Leseerlebnissen", gab es jedoch selten Zeiten, in denen mir das Lesen Spaß gemacht hat.

Auch in der Uni konnte ich den Spaß am Lesen bisher noch nicht zurückgewinnen. Als ich aber vor kurzem für ein Grundschul-Seminar (Zum Lesen verlocken...) einige aktuelle Kinder- und Jugendbücher gelesen habe, bekam ich neue Motivation zum Lesen. Ich hoffe nun, dass ich in der nächsten Zeit viel Freude am Lesen haben werde, so dass ich zukünftig auch andere zum Lesen motivieren werde.


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Tanja Lau

Hallo Katja!

Du schreibst immer so lustige und gleichzeitig interessante Dinge. Deine Randbemerkungen und die kleinen Zeichnungen unterstützen die Wirkung deiner Worte zusätzlich, da macht es viel Spaß deine Post zu lesen. Es erinnert mich jedes Mal an den ersten Brief, den ich bekam. Er war von meiner Mutter. Sie hatte mir einen Bilderbrief geschrieben. Einige Wörter waren darin durch Bilder ersetzt und bunt ausgemalt. Damals wurde mir erst richtig deutlich, was es bedeutet einen Text lesen zu können. Dies ist mir während des Leseunterrichtes in der Schule so vorher nicht bewußt gewesen. Ich denke, mir fiel das Lesenlernen deshalb auch schwer. Dies führte wiederum dazu, dass mir das Lesen in der Schule keinen Spaß machte. Obwohl wir teilweise sogar Lesematerial von zu Hause mitbringen konnten, welches dann in der Klasse gelesen wurde. Ein weiterer Grund dafür, dass mir der Leseunterricht nicht gefiel, war, dass wir meist in der Gruppe oder in mehreren Kleingruppen gelesen haben. Ich las aber sehr gerne, wenn ich ganz allein war. Dann wechselte ich manchmal vom Leise- zum Lautlesen und las mir selbst vor.

Heute lese ich gerne Zeitung, denn die Artikel darin sind immer von überschaubarer Länge. Bei Büchern habe und hatte ich nur selten das Gefühl die Dinge, die ich lese, haben sich wirklich ereignet. Darum kam es auch vor, dass ich ein Buch nicht zu Ende gelesen habe und lieber auf andere Medien ausgewichen bin.

Ausgenommen davon war die Pflichtliteratur der Schule. Diese las ich, auch wenn mir die Handlung mißfiel. Auch Fachliteratur zu einem bestimmten Thema, welches mich interessiert, lese ich durchaus in Buchform.

Ich besuche nun das Seminar, um vielleicht Möglichkeiten zu finden, später den Kindern Bücher näher zu bringen und ihnen Spaß am Lesen zu vermitteln. Auch wenn ich ihn nicht uneingeschränkt habe. Nun wünsche ich dir noch viel Spaß bei deinem Lyrik - Seminar, viele Grüße


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Ramona Richtzenhain

Heute zählt Lesen doch zu den selbstverständlichen Dingen auf der Welt. Gab es wirklich mal eine Zeit, in der, ich nicht lesen konnte? Ja, tatsächlich soll's sowas gegeben haben.

Diese Zeit meiner Kindheit muss wohl zu den schlimmsten Erinnerungen meiner Eltern zählen. Denn ich löcherte sie ständig mit Fragen über Buchstaben und Wörter. Selbstverständlich mussten sie mir auch vorlesen, wobei sie selten nach einer Geschichte entlassen wurden. Mehr als einmal hörte ich abends den Seufzer "Hoffentlich kann sie bald selber lesen". Tja, und was soll ich sagen, eines Tages war es soweit. Meinen Eltern aus dem Herzen gesprochen "Gott sei Dank''.

An den Titel meines ersten Buches kann ich mich zwar nicht mehr erinnern, aber auf jeden Fall war es aus der Reihe der "Pixi-Bücher". Von diesem Zeitpunkt an war- kein Buch mehr vor mir sicher. Ich verschlang sie förmlich alle. Nur kam immer an der falschen Stelle die Aufforderung "Licht aus und schlafen". Das ging nicht und so konnte sich die Industrie über eine neue Kundin für Taschenlampenbatterien freuen. In den Jahren gingen so einige beim Lesen unter der Bettdecke drauf.

Aber leider gab es auch noch das Lesen im Deutschunterricht. Das laute Vorlesen lag mir nicht. Der Grund war nicht die Angst vor dem Verlesen, sondern mein viel zu schnelles Lesen. Die Ermahnungen langsamer zu lesen konnte ich nicht mehr hören. Da ich relativ gut und flüssig lesen konnte, war ich immer weiter im Text als meine Mittschüler. Das war ein Nachteil, wenn man für, jemanden weiter lesen sollte.

Nachdem ich dann auch, wie ich es nenne ''Deutschunterrichtlesen" erlernt habe, ging in den nächsten Jahren alles glatt.
Als später die Klassiker der Deutschen Literatur auf dem Programm standen, erlebte meine Leselust ihren ersten Dämpfer. Ich musste mich selbst überreden ein Buch zu Ende zu bringen. Irgendwie lag mir der Stil nicht, aber man gewöhnt sich an alles.

Mir wurde zwar immer prophezeit, spätestens im Studium, wo man sowieso ständig über Literatur hocken muss, würde mir meine Leselust vergehen. Aber auch nach etlichen Semestern ist es noch nicht eingetreten. Ich brauche einen gewissen Ausgleich zur Fachliteratur und darum kann es als Wunder bezeichnet werden, wenn man mich ohne einen Schmöker in der Tasche antrifft.


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Jana Lehmann

Da bin ich, die Lehrerin von Morgen.

Eines Tages, in nicht allzu ferner Zukunft, werde ich vor ungefähr 25 Sechsjährigen stehen, die mich erwartungsvoll mit großen, runden Augen anschauen. Ich werde mein Bestes geben, all ihre Hoffnungen an die Schule zu erfüllen und ihre Wissbegier zu stillen. Ich werde ihnen Schreiben, Rechnen und Lesen beibringen, vor allem Lesen. Ich werde sie nicht mit langweiligen oder besonders lehrreichen Texten zuschütten, und ich werde sie nicht zwingen, sich ein ganzes Buch in einer Woche einzuverleiben, so wie ich es in meiner Schulzeit erlebt habe. Ich werde ihnen Zeit geben, ihre Lesepraktiken und -neigungen zu entfalten und zu verfeinern. Sie sollen Spaß am Lesen haben, so wie ich.

Ich war vor ungefähr 14 Jahren einer dieser erwartungsvollen, ungeduldigen Erstklässler, die es nicht abwarten können, endlich Lesen zu lernen. Ich wollte die Faszination des Lesens spüren, die mein Bruder schon längst entdeckt hatte. Ich wollte auch endlich abends im Bett lange das Licht brennen lassen und über einem spannenden Buch die Zeit vergessen. Dann hätte wohl auch der allabendliche Streit ums Licht, bei dem ich partout nicht einschlafen konnte, ein Ende gehabt.

Glücklicherweise ging dieser Wunsch bald darauf in Erfüllung. Von dieser Zeit an waren meine Nachmittage dem Lesen gewidmet, ganz gemütlich im Bett eingekuschelt, stundenlang.

Wie genau ich in der Schule das Lesen gelernt habe, daran kann ich mich leider nicht mehr erinnern. Jedenfalls bekamen wir damals noch unsere ersten Lesebücher übereignet und ich war mächtig stolz, als meine Mutter es zu Hause für mich in buntes Papier einschlug.

Bald darauf ergab sich das Problem des Büchermangels, denn mein erstes Lieblingsbuch (das heute noch in meinem Regal steht) vom "kleinen Brüllbären", "Die Kinder von Bullerbü" und "Ronja Räubertochter" waren schnell mehrmals gelesen. Zum Geburtstag und zu Weihnachten gab es fortan von sämtlichen Verwandten fast immer Bücher. Leider waren sie hauptsächlich "sozialkritisch" oder auffällig "lehrreich". Ich hatte stets das Gefühl, als wolle man mich in erster Linie mit Büchern bilden oder mir bestimmte Sichtweisen aufdrängen, mir mit einem Buch eine Freude zu machen, schien eine untergeordnete Rolle zu spielen. Sie hätten mich vielleicht nicht so ernst nehmen sollen, wenn ich in meinem jugendlichen Leichtsinn sagte, ich würde alles lesen. Der Fairness wegen muss ich meine Oma an dieser Stelle hervorheben. Sie schenkte mir vor allem Bücher, die Spaß machten. Aus heutiger Sicht hat sie meine Leseleidenschaft vermutlich entscheidend beeinflusst. Von meiner Großtante aus der ehemaligen DDR bekam ich einmal ein großes, schweres Märchenbuch, das ich bis heute nicht vollständig gelesen habe, weil ich Märchen mit ihrer allzu offensichtlichen Moral am Schluss noch nie leiden konnte.

Fast alle anderen, dieser lehrreichen, vergleichsweise unbeliebten Bücher, las ich in meiner Not trotzdem mehr als einmal. Büchereien mochte ich nie, obwohl ich mir über die vielen Vorteile und den theoretisch nie abreißenden Büchernachschub bewusst war. Allein die Atmosphäre, die erzwungene Stille und der muffige Geruch machten mir Büchereien gänzlich unsympathisch.

Meine Mutter ging einige Male mit uns dorthin, aber da weder mein Bruder noch ich irgendeine Leidenschaft für diese Besuche entwickelten, stellte sich dies bald ein. Sie sorgte jedoch stets dafür, das wir einen gültigen Bibliotheksausweis hatten, der aber fast nie genutzt wurde.

In der Oberschule wurde ich dann mit Dramen und Gedichten gequält, Werke, die mir jede Lust am Lesen nahmen. Analysieren und interpretieren, dem Dichter Aussagen und Hintergründe in den Mund legen, das alles war mir zuwider. Der einzige Lichtblick war "Das Parfüm" von Patrick Süßkind in der zehnten Klasse. Aber auch das entpuppte sich nach der Hälfte als besseres Schlafmittel. Ob ich zu kritisch oder aber zu anspruchslos bin, um den bedeutenden Werken längst vergangener Zeiten etwas abgewinnen zu können, weiß ich nicht. Ich halte es jedoch für möglich, dass ich mich, in ruhigen Momenten und ohne jegliche analytische Absicht, einmal an ihnen erfreuen werde.

Vielleicht geht es meinen Schülern später genauso wie mir früher. Dann werde ich ihnen von meinen Erfahrungen berichten, ihnen Mut machen und ihnen von Zeit zu Zeit etwas vorlesen. Mit etwas Glück springt dann etwas von meiner Lesebegeisterung auf sie über und sie lassen sich, wie ich, den Spaß am Lesen und an Büchern (welcher Art auch immer) nicht verderben.


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Aleka Ngonbolo

Es fällt mir schwer mich an meine ersten Leseerfahrungen zu erinnern. Ich weiß jedoch, daß ich sehr früh das Lesen lernen wollte, weil meine älteren Geschwister bereits lesen konnten. Voller Begeisterung habe ich sie beim Lesen beobachtet. Da ich meinem Bruder mit dem Beobachten auf Dauer genervt habe, haben meine Eltern angefangen mir Bücher vorzulesen, was mir viel Freude bereitete. Es waren alles französische Bücher: Le Petit Prince(der kleine Prinz), Les aventures de Oui-Oui von Enid Blyton, und viele Märchen. Ich kann mich auch erinnern meinen Puppen etwas vorgelesen zu haben., d.h., ich habe mir aus Bilderbüchern eigene Geschichten ausgedacht und sie meinen Puppen erzählt.

Wie ich das Lesen in der Schule gelernt habe, das weiß ich nicht mehr genau, doch von meiner Mutter weiß ich, daß ich sehr gut lesen konnte. Im Klassenzimmer gab es eine gemütliche Leseecke, in der ich sehr gerne gelesen haben. Doch irgendwann haben mich diese Kinderbücher nicht mehr interessiert, denn ab der 3. Klasse wollte ich unbedingt die Bücher meiner 4 Jahre älteren Schwester lesen. Sie waren natürlich schwieriger zu lesen, doch ich glaube, es war für mich eine Art der "Herausforderung." Später im Französischen Gymnasium habe ich nur gelesen, wenn es Pflicht war. Die Lesemotivation war irgendwie verschwunden. Ich habe mir nur Modezeitschriften wie "Brigitte", "Vogue" oder Magazine wie " Psychologie Heute" angeschaut.

Seit dem Anfang meines Studiums versuche ich neben der Fachliteratur auch selbstausgesuchte Bücher zu lesen. So langsam spüre ich, daß der Spaß am Lesen zurückkommt!


 

©opyright Dagmar Wilde, Berlin, Januar 2000

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06.04.2003


 

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