S: 12415 "Zum Lesen verlocken - Umgang mit Kinderliteratur im verbundenen Sprachunterricht"
Referenten: A. Bars, N. Blöhm, M. Happel, K. Ismer

Förderung der Lesemotivation in Schule und Unterricht


 

Katharina Ismer

Schriftliche Ausarbeitung zum Referat bezieht sich auf den Text von Richard Bamberger aus dem Jahr 1986, der da lautet:

"Leseförderung: Die Kunst der Motivation - Mehr Zeit für Bücher"


Die heutige Lesesituation

Die Bedeutung des Lesens für die Schule und die Freizeit

Motivationsmöglichkeiten

Methode zur Einführung in die Lektüre


 

Die heutige Lesesituation

In den USA wurden schon viele Forschungen zum Thema Lesen und Leseverhalten unter Jugendlichen und Schülern betrieben, bei denen es zu erschreckenden Ergebnissen gekommen ist. Bei den amerikanischen Kindern ist eine stetige Abnahme des Lesens zu bemerken. Da diese Studie über 10 Jahre alt ist, nehme ich an, dass mittlerweile auch bei den deutschen Kindern dieser Trend zu verzeichnen ist. Der Vergleich mit einer deutschen Studie zu diesem Thema ist mir leider nicht möglich gewesen. Die amerikanischen Kinder aber lasen zur Zeit dieser Studie etwa 1% ihrer Frei- und Schulzeit, was nur 6-8 Minuten am Tag entspricht. Eine nur natürliche Folge dieser Situation ist die stetige Abnahme der Leseleistung und eine parallel laufende Zunahme der Analphabeten. Bamberg nennt nun zwei maßgebende Gründe für den geschilderten Sachverhalt: Einmal ist es die immer weiter steigende Bedeutung der Medien in Form von Fernsehen, Video, Kassetten und CD’s, die immer mehr Zeit aber auch das Interesse der Kinder in Anspruch nehmen. Der zweite Fakt ist, dass in der Schule die Theorie des Lesens im Vordergrund steht, d.h. die kognitive Auseinandersetzung mit den Texten und nicht das praktische Lesen selbst. Um die Kinder nicht in dem Strudel der Medien zu verlieren, muss die Motivation zum Lesen beginnen, bevor die anderen Medien zu dominant sind.


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Die Bedeutung des Lesens für die Schule und die Freizeit

Lesen ist nicht einfach nur eine Auseinandersetzung mit Geschriebenem, vielmehr formt es den Lesenden aktiv in großem Maße. Durch das Lesen wird viel Wissen und parallel dazu Unterhaltung vermittelt. Ohne das Lesen wäre es schwierig überlieferte Kulturgüter aufzunehmen und richtig weiterzugeben, zudem ist das Lesen heutzutage unabdingbar für beruflichen Erfolg.

Der entscheidendste Faktor aber ist, dass es eine große Rolle in der Entwicklung der Anlagen des Kindes spielt. Einen Text zur Hand zunehmen und ihn durchzuarbeiten fördert das Verstehen und Denken des Kindes. Es unterstützt das Wachsen der Fantasie und des Gefühlslebens durch das Einfühlen in das Gelesene, in Gedanken gesehene und dadurch praktisch aktiv miterlebte.

Bamberger folgert aus der Wirkung des Lesens auf den Lesenden, dass bessere Leser auch bessere Lerner sind. Was zur Folge hat, dass Lesen als Garantie für Erfolg zu sehen ist.

Ein wichtiges Ziel im Leseunterricht ist es, die Lesegeschwindigkeit und das Sinnverständnis der Kinder zu steigern. Über einen Versuch dies zu erreichen gibt es eine österreichische Studie, in der es gelungen ist, die Kinder mit einfachsten Mitteln zum Lesen zu motivieren. Es standen in gleicher Anzahl Schulklassen und Kontrollgruppen zur Verfügung. Die Klassen wurden mit allem Nötigen Lesematerial, wie z.B. Taschenbüchern in Klassenstärke versorgt, während die Kontrollgruppen unbeeinflusst in der Schule das Lesebuch und zu Hause privat weiterlasen. In den Schulklassen ergab sich, dass schwache Leser oft besonders kurze Texte lasen, aber auch für Bücher begeistert werden konnten, die dann privat gelesen wurden. Am Ende des Versuchs zeigte sich, dass die Kontrollgruppen ihre Leseleistung um 4% gesteigert haben, während in den Schulklassen, die zum Lesen angeregt wurden eine Zunahme der Leseleistung um durchschnittlich 24% zu verzeichnen war.

Dieses Ergebnis ist mit der Charakteristik des Leseprozesses erklärbar, denn Kinder erkennen beim Lesen bekannte Wörter und Wortgruppen wieder, die durch Übung automatisiert werden. Kinder die nur im Schullesebuch lesen begegnen etwa 500 - 1000 geschriebenen Wörtern pro Woche. Wenn sie aber freiwillig täglich zusätzliche Texte lesen, zu denen sie in der Schule angeregt wurden, steigt die Zahl der Wörter auf 50.000, was einen erklärbar größeren Übungseffekt hat.


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Motivationsmöglichkeiten

Durch Erzählen und Vorlesen in der Schule und in der Familie wird der Wortschatz des Kindes gefördert und der Sprachschatz entwickelt sich weiter. Durch den persönlichen Kontakt zwischen Lehrer und Schüler, der beim Erzählen entsteht, vertieft sich die Beziehung zwischen Lehrendem und Lernenden. Es ist die Aufgabe des Lehrers den Leseunterricht möglichst interessant zu gestalten, dies gelingt ihm vor allem durch die stärkere Gewichtung auf die Freude am Lesen, als auf das mechanische Lesen selbst. Allerdings muss die Freude am Lesenkönnen in Freude am Inhalt des Gelesenen gewandelt werden. Ein einfacher Weg dies zu erreichen ist, den Kindern die Dinge nahezulegen die ihnen besonders gefallen und die sie zum Lesen anregen. Gut zu verwirklichen ist es auch durch den Einsatz von Zeit- und Kleinschriften im Unterricht. In vielen Zeitschriften gibt es fortlaufende Geschichten, so dass sich die Schüler schon auf die nächste Ausgabe freuen und erfahren wollen, wie die Geschichte weitergeht. Der Unterricht wird dadurch abwechslungsreich und spannend und kommt ein Stück weiter vom Lesebuch weg. Das Lesen allein ist aber nicht so effektiv, wenn man es nicht mit dem Schreiben verbindet. Dazu müssen Texte gewählt werden, die der Sprache und dem Wortschatz des Kindes entsprechen. Die Schüler schreiben kleine Geschichten selber und lesen diese anschließend der Klasse vor. In diesem Zusammenhang sind auch sogenannte ‚Schreib-weiter-Geschichten‘ sehr beliebt, d.h. ein Teil der Geschichte wird vorgelesen und der Rest dann in Still- oder als Hausarbeit ausgedacht und aufgeschrieben. Ein weiterer Motivationspunkt ist auch eine gewisse Konkurrenz zwischen den Kindern, z.B. bei Vorlesewettbewerben oder einer Lesefeier am Elternabend. Den Kindern ist damit eine natürlicher Anreiz für das Wiederholen und üben von Texten gegeben, da ihr Leistungs- und Geltungsbedürfnis befriedigt wird. Dies ist auch der Fall, wenn Kinder ihren Mitschülern unbekannte Texte vorlesen, da sie sich im Mittelpunkt des Geschehens befinden, allerdings ist das nichts für alles Schüler, da es einigen Schülern unangenehm ist, vor der Klasse zu stehen und laut vorzulesen.

Für diese Motivationsmöglichkeiten gibt es einige erprobte Methoden und Aktionen:

Ausschlaggebend ist das Leseklima in der Klasse. Es wird positiv durch eine Leseecke, Buchausstellungen, Zeichnungen zu gelesenen Büchern, usw. beeinflusst.

Damit der Lehrer einzelne Leseerfolge seiner Schüler hervorheben kann, muss eine individuelle Leseerziehung erfolgen, durch die den Kindern dann ganz spezielle Anreize zum Weiterlesen gegeben werden können.

Beim Partnerlesen und einer anschließenden Partneraussprache über das Buch können die Schüler den Umgang miteinander üben und haben vielleicht nicht so große Hemmungen, ihrem Partner gegenüber Nichtverstandenes einzugestehen und nachzufragen, wie gegenüber der ganzen Klasse und dem Lehrer. Anschließend können auch noch Gruppenaussprachen folgen.

In freien Lesestunden dürfen die Kinder selbst gewählte und vielleicht von zu Hause mitgebrachte Bücher und Texte still und ohne Kontrolle lesen. Viele Kinder bevorzugen dabei Geschichten gegenüber Sachtexten. Sachtexte gehören natürlich auch in den Deutschunterricht, sollten aber von persönlichen Vorlieben der Schüler handeln, wie z.B. einem Hobby. In einem Klassenjahrbuch können die besten Geschichten eines Jahres gesammelt werden um jederzeit wieder gelesen zu werden zu können. Wenn sich ein Anschlagbrett mit Vorschlägen und Kritiken über gelesene Bücher in der Klasse befindet ist die Auswahl der Lektüre, auch für das Klassenjahrbuch für die Schüler viel einfacher. Vielleicht werden die Kinder durch ihre Mitschüler angeregt auch zu Hause mehr zu lesen, wenn diese ihnen interessante Vorschläge am Brett unterbreiten.

In einer Klasse mit ca. 30 Schülern ist es schwierig ein Thema zu wählen das allen gleichermaßen zusagt, hier eignet sich besonders gut die Einführung der Gruppenlektüre. Gruppenlektüre heißt, dass mehrere Kleingruppen, etwa fünf Schüler pro Gruppe, gebildet werden, die sich in Leistung und Interesse unterscheiden können. In jeder Gruppe wird ein Buch gelesen, das dann den anderen vorgestellt wird. Die verschiedenen Bücher können einem übergeordneten Thema entsprechen oder frei gewählt werden. Diese Methode eignet sich besonders gut, um die Kinder untereinander zum Selberlesen anzuregen. Wenn sich keine homogenen Gruppen bilden lassen und alle etwas anderes Lesen wollen, bietet sich die Einzellektüre an. Jeder Schüler sucht sich dabei ein Buch nach eigenem Interesse oder der Leseabsicht aus. Dies geschieht entweder in der schuleigenen Bibliothek oder z.B. bei einem gemeinsamen Ausflug in eine öffentliche Bibliothek. In der Schule gibt es dann spezielle Stunden, in denen jedes Kind sein eigenes Buch liest. Der Lehrer steht währenddessen für Fragen zu unbekannten Wörtern zur Verfügung und kann einzelne nicht verstandene Passagen erklären. Anschließend unterhalten sich Lehrer und Schüler im Zwiegespräch über das Buch. Durch den persönlichen Kontakt können sich beide besser kennenlernen. Wenn die Kinder, nachdem sie ihre Bücher fertig gelesen haben eine Kritik über das Gelesene abgeben möchten, können sie das am Anschlagbrett tun, oder aber einen Leserpass anlegen, in den sie die Titel eintragen und von 1-5 benoten. Der Lehrer erhält durch den Leserpass einen besseren Einblick in die Leseleistung und das Interesse des einzelnen Kindes. Dadurch ist es einfacher jedem Schüler eine spezielle Leseberatung zu geben, da gutbenotete Bücher auf Vorlieben weisen.

Aber wichtiger als die gesamte Schullektüre ist, dass der Lehrer einen dauernden Einfluss auf die private Lektüre des Kindes gewinnt, wobei die Unterstützung der Eltern unbedingt nötig ist.


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Methode zur Einführung in die Lektüre

Nach der Methode "Zum Lesen verlocken" erfolgt die Einführung in vier Schritten:

  1. Erzählen eines großen Teils der Geschichte

  2. Vorlesen einiger Seiten

  3. Stillen Weiterlesen im Unterricht

  4. Gemeinsam Vermutung über den Fort- und Ausgang der Geschichte

Die restlichen Seiten werden zu Hause weitergelesen, wobei die Anzahl der Seiten zwischen 80 und 120 liegen sollte. In der Schule folgt ein Gespräch mit Kritik über das Gelesene. Die Kinder können ihren persönlichen Eindruck und ihre Meinung abgeben und das Buch mit anderen vergleichen. Die Schüler lernen, ihre eigene Meinung zu vertreten und zu verteidigen. Der Lehrer hat während der Diskussion über das Buch die gleiche Rolle wie seine Klasse. Wenn die Schüler von Anfang an an diese Methode der Aussprache gewöhnt werden haben sie auch kaum Hemmungen ihre Meinung abzugeben.

Wenn in dieser Art an neue Texte herangeführt wird ergeben sich größere Leseerfolge, als bei den Lesebuchtexten, da mehr gelesen und weniger synthetisiert wird.

©opyright Katharina Ismer, Berlin, Februar 2000


 

1. Teil: Leseförderung (B. Hurrelmann)

2. Teil: Bücherlesen lernt man nicht über Lesebücher! (M. Sahr)

3. Teil: Kinderkultur: Produktiver Umgang mit Büchern (B. Hurrelmann)


©opyright Katharina Ismer, Berlin, Januar 2000

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06.04.2003


 

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