S: 12415 "Zum Lesen verlocken - Umgang mit Kinderliteratur im verbundenen Sprachunterricht"
Dozentin: Dagmar Wilde


Referentinnen: Nadine Gottschalk / Aleka Ngbongolo / Nina Rieke
21.01 2000
Schriftliche Ausarbeitung zum Referat

Lesesozialisation - Außerschulisches Lesen bei Kindern

Verschiedene Umfragen und Untersuchungen haben ergeben, dass viele Kinder entgegen aller Annahmen gerne und auch viel lesen. Z. B. ergab eine Untersuchung der Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendliteraturforschung der Universität Köln, dass 50 % der befragten Kinder von sich selbst sagen in der Freizeit gerne zu lesen, und nur 7,5 % der Kinder gaben an gar nicht gerne zu lesen. In der Freizeit wird alles gelesen, sowohl das Sachbuch aus der "Was ist was "- Reihe als auch die Kinderbibel und das Pferdebuch.

Zu den Lieblingstiteln gehören: "Karlsson vom Dach, Bruder Löwenherz, immer lustig in Bullerbü, Mio. mein Mio." und "Immer dieser Michel". Der Spitzenreiter ist jedoch unangefochten "Pippi Langstrumpf".

 

Die Autorin, die nach wie vor am meisten gelesen wird, ist Astrid Lindgren, dicht gefolgt von Enid Blyton. Es liegt der Verdacht nahe, dass diese Auswahl im engen Bezug zu den Vorlesegewohnheiten der Mütter steht. Die Klassiker werden einfach öfter vorgelesen als z. B. Comics. Auffällig ist auch, dass bei 63 % der Kindern, die Comics als ihre Lieblingsbücher angeben haben, gar nicht vorgelesen wird.

Bücher werden von Kindern am häufigsten aufgrund von Empfehlungen gelesen. Wenn man dieses Ergebnis aufschlüsselt, kommt heraus, dass die Empfehlungen zu 50 % von anderen Kindern stammen. In der Gruppe der Erwachsenen liegt die Mutter mit 34% deutlich an der Spitze. Die Lehrer treten dabei mit nur 4% in den Hintergrund.

Die Kinder lesen zum größten Teil Bücher, die sie selbst besitzen, aber einige benutzen auch Büchereien.

Vorgelesen wird etwa der Hälfte der Kinder, wobei das fast ausschließlich die Mutter oder andere Geschwister tun. Der Vater tritt nur sehr selten in Aktion.

Die Mutter ist also, nach den Umfragen zu schließen, immer noch das größte Vorbild für die spätere Lesekarriere (im Gegensatz zu dem vom Vater geprägten Fernsehverhalten). Ob Mütter anders als Väter vorlesen, oder generell andere Bücher, ist noch nicht geklärt.

Eine andere Untersuchung aus dem angelsächsischen Raum zeigt aber, dass Väter beim gemeinsamen Lesen mehr Wert auf Genauigkeit legen als die Mütter. Ob sich das aber negativ auswirkt, ist noch nicht bekannt.

Gewarnt wird aber vor zu hoch gesteckten Qualitätsanforderungen an Bücher. Es lässt sich nämlich kein Zusammenhang zwischen der literar- ästhetischen Qualität der bevorzugten Texte und Ausbildung stabiler Lesegewohnheiten feststellen. Erlaubt sollte sein, was gefällt und was teilweise auch an die Leseerinnerungen der Eltern oder Geschwister anknüpft, so dass sich gemeinsame Erfahrungen ergeben können.

Überhaupt ist das Vorbild der Eltern mit die wichtigste Komponente bei der Ausprägung einer Leseleidenschaft, wie schon die Umfrageergebnisse gezeigt haben.

Wenn die Eltern eine lebendige und vielseitige Beziehung zu Büchern praktizieren, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder Leser sind und bleiben, sehr hoch. Intensiviert wird diese positive Leitbildfunktion insbesondere durch gemeinsame Lesesituationen: durch Gespräche über Bücher, durch Vorlesen oder gemeinsame Besuche in Bibliotheken und Buchhandlungen.

Eine selbstverständliche Gegenwärtigkeit des Buches und von Texten überhaupt im familiären Alltag ist um vieles sinnvoller als Ermahnungen und Gebote.

Obwohl die schulischen Einflussmöglichkeiten auch auf dem Feld des Lesens geringer als die primären der Familie sind, sollte die Schule lesefördernd aktiver werden. Die große Chance der Schule im Gegensatz zur Familie scheint darin zu liegen, dass sie exemplarisch Leseerfahrungen für alle Kinder durch den kreativen und kindgerechten Umgang mit Texten und der Gleichaltrigengruppe intellektuell wie emotional vertiefen kann.

Folgerungen für die pädagogische Arbeit:

  • Lehrer und Eltern sollten gezielt das Vorlesen als einen bedeutsamen Weg der Heranführung von Kindern an Bücher nutzen.

  • Die Unterschiedlichen Rollen , die Väter und Mütter in der Leserziehung ihrer Kinder innehaben, sollten auf Elternabenden besprochen werden.

  • Um Eltern Hilfen für die Auswahl von Büchern zu geben, sollten Informationen über und zu Bücher ein Bestandteil der Elternarbeit sein; zeitgenössische Kinder- und Jugendliteratur sollte dabei in besonderer Weise berücksichtige werden.

  • Durch interessante Abgebote zur Fort- und Weiterbildung sollten Lehrer selbst wieder "Zum Lesen verlockt" werden.

  • Um einen Überblick über die aktuelle Lektüre der Kinder in einer Klasse zu erhalten, sollten auch die Bücher, die in der Freizeit gelesen werden, in den Unterricht einbezogen werden.

  • Die Tatsache, dass Kinder zu einem großen Prozentsatz auf die Empfehlung anderer Kinder zurückgreifen, könnte in Bücherstunden in der Schule, in denen Kinder Bücher empfehlen und vorstellen, genutzt werden.

  • Falls der Umgang mit Kinder- und Jugendbüchern nicht zum festen Bestandteil des Lebens in einer Schule gehört, sollten Lese-AG, Stellwände mit Buchempfehlungen von Kindern in der Pausenhalle, Jugendbuchwochen usw. verstärkt genutzt werden, um Kinder weiterhin in ihrer Lesewilligkeit zu unterstützen.


 

©opyright Nadine Gottschalk / Aleka Ngbongolo / Nina Rieke, Berlin, März 2000

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06.04.2003


 

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