Dagmar Wilde • SS 2000 / FUB • 12417 S

"Texte verfassen im verbundenen Sprachunterricht"


Journalschreiben als seminarbegleitende Tätigkeit


Journal der Gruppe 9.1: Texte beurteilen - aber wie?

Schüler/innen verfassen Texte mit dem Wissen darum, dass diese von ihren Lehrerinnen und Lehrern gelesen - und beurteilt - werden. Lehrerinnen und Lehrer lesen 25 bis 30 Texte, bilden sich ein Urteil und geben eine Bewertung ab.
Was ist beim Beurteilen von Schülertexten zu beachten? Wie lässt sich der Schritt von einer produkt- zu einer prozessorientierten Beurteilung vollziehen?
Welche Möglichkeiten eines fördernden Beurteilens gibt es?

Kinder verfassen Texte mit dem Wissen darum, dass diese von ihren Lehrerinnen und Lehrern gelesen werden. Schreiben hat immer Mitteilungscharakter - beim Schreiben in der Schule richtet sich der Blick aber stets auch auf die Form dieser Mitteilung. Lehrer/innen, die Schülertexte wahrnehmen, scheinen oft weniger ein Interesse an der Mitteilung, sondern einzig an der Form zu haben.
Was ist beim Lesen und Beurteilen von Schülertexten zu beachten? Welche Möglichkeiten eines prozessorientierten Beurteilens gibt es?

Das subjektive Sprachgefühl, eigene schulische Bewertungserfahrungen, intersubjektive Sprachnormen, Sympathie/Antipathie spielen in die Beurteilung von Kindertexten hinein. Auch eine Trennung der Beurteilung von sprachlichem Ausdruck und Inhalt, sogar umfangreiche Kriterienkataloge vermitteln nur eine Scheinobjektivität. Sprache und Inhalt sind so miteinander verknüpft, dass sie sich oft gegenseitig bedingen. Von Lehrerinnen und Lehrern monierten sprachlichen Mittel sind oft durchaus zulässig. Zweifelsfrei können Fehler nur auf der orthographischen und (teilweise) grammatischen Ebene markiert werden - alle stilistischen Markierungen bedürfen der kommentierenden Erläuterung stilistischer Varianten.


 

03.06.2000

Arbeitsgruppe: Astrid Ouart, Sandra Rex, Silke Bull, Daniel Pöch, Susanne ?

In den ersten beiden Wochen haben wir uns mit den Arten, dem jeweiligen Nutzen und Sinn und den Tücken der Beurteilung beschäftigt. Unsere Quelle für unsere Erkenntnisse sind die Artikel "Wie Kinder uns zeigen, wo sie im Lernprozess stehen" von Gabriele Hinney und "Schreiben: Aufsätze beurteilen" von Jürgen Baumann.

Als erstes muss man zwischen produktorientiertem und prozessorientierten Bewerten unterscheiden. Unserer Meinung nach ist es nicht möglich einen Aufsatz , der als Klassenarbeit fungiert, prozessorientiert zu beurteilen, da in diesem Moment doch nur das Endprodukt zählt.

Da liegt die Crux ;)

Die Zeit vor der Klassenarbeit sollte aber prozessorientiert beurteilt werden, d.h. auch die Entwicklung der Schüler zu beobachten, ob Hilfestellungen angenommen und aufgegriffen werden. Hilfestellungen könnten z.B. das Vorstellen verschiedener Produktionsphasen sein. 1. Phase die Planung, 2. Phase die sprachliche Umsetzung und die 3. Phase das endgültige Niederschreiben.

Nicht zu vergessen die Phasen der Überarbeitungen - hier lassen sich im Prozess Beobachtungen vornehmen, aber auch am Produkt Ergebnisse der Überarbeitung, Umsetzung von Hinweisen etc. beurteilen (damit ist prozessorientiertes Beurteilen - auch am Produkt möglich, wenn ich die Überarbeitung in den Prozess integriere...

Das Bewerten von Texten sollte jedenfalls immer mit der Förderung des Schreibens verbunden sein. Der Sinn der Bewertung ist also bestimmte Eigenschaften oder "Talente" zu verstärken, verbessern oder sie zu kritisieren und zu unterbinden.

Eine Bewertung sollte sich immer nach der Entwicklungsstufe (in etwa parallel zur jeweiligen Klassenstufe) der Schüler richten, es sollte aber auch bedacht werden, ob manche Schüler vielleicht schon sehr weit sind oder andere eher zurückliegen mit der "Kunst zu schreiben".

Einzubeziehen wären auch die vorangegangenen Unterrichtsinhalte - wie wurden sie aufgegriffen, verarbeitet etc. Eigentlich können wir ja nur beurteilen, was wir vorab auch vermittelt haben...

Doch nicht nur die Einschätzung und danach individuelle Bewertung der Schüler sind Tücken der Bewertung. Leider hat jeder Lehrer seine "Vorurteile" im wahrsten Sinne.

Das Wissen um die eignen Beurteilungs-Blindflecken ist schon einmal etwas... Ganz abstellen lässt sich Subjektivität nie, aber es ist ein Unterschied, ob ich darum weiß oder nicht...

Manche Schüler sind halt schlecht und manche immer gut, ich glaube, das kennt jeder aus eigener Erfahrung. Auch ist die Reihenfolge der Korrektur der Aufsätze ausschlaggebend. Ein schlechter Aufsatz kann die Bewertung des nächsten beeinflussen, ob negativ oder positiv sei dahingestellt. Ein Lehrer allein kann also nicht immer objektiv sein, andererseits hat auch kein Lehrer immer Lust und Zeit für andere eine Zweitbewertung, obwohl das Bewerten von mehreren Lehrern eine höhere Objektivität verspricht.

Eines der schwierigsten Felder ist es, das Sie da beackern ;))


07.06.2000

In der letzten Woche haben wir beschlossen, das jeder von uns ein persönliches Muster einer Bewertung anfertigt, welche dann beim nächsten Treffen verglichen werden.

...das ist eine sinnvolle Strategie

Eine kleine Erkenntnis von mir möchte ich aber noch hinzufügen.

Da ich gerade mein Orientierungspraktikum an einer Grundschule mache und sozusagen "live" bei einem Aufsatz dabei sein konnte, habe ich jetzt erfahren können, wie ein Aufsatz prozessorientiert bewertet wird.

Den Schülern wird beigebracht, wie man sich eine gedankliche, vielleicht auch als Notizen, Planung macht. Ungefähr eine Woche vor dem eigentlichen Aufsatztermin fertigen die Schüler eine "Vorschrift" an, welche vom Lehrer korrigiert und mit Verbesserungsvorschlägen und Tipps versehen wird. Die "Vorschrift" wird dann von den Schülern beim Schreiben des Aufsatzes mitbenutzt. Die Bewertung richtet sich dann danach, wie gut die Schüler die Tipps und Vorschläge angenommen haben

...und eben das Verarbeiten von Schreibhinweisen ist wahrlich gerade auch die Leistung, die zu würdigen ist.

bzw. wie gut die Aufsätze auch ohne Tipps sind. So können Schüler, deren "Vorschrift" eher nicht so gut waren, trotzdem eine gute Note bekommen. Es ist wohl bei dieser Lehrerin schon der Versuch mit einem Kriterienkatalog gelaufen. Nur leider kann es dann passieren, dass eine furchtbar langweilige Geschichte als gut bewertet werden muss, da sie sonst alle Kriterien wie z.B. Satzbau, Wortwahl etc. erfüllt. Die Orthographie wird zwar verbessert, fließt aber nicht in die Note mit ein.

...das halte ich für sinnvoll, denn eine korrekte Orthografie ist einfach eine leserfreundliche Selbstverständlichkeit, daher ist es nicht "egal"..., andererseits handelt es sich aber um eine andere Leistung als die, die mit der Aufsatznote bewertet werden soll...


 

 

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©opyright bei den Verfasserinnen, Berlin, Mai 2000

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06.04.2003


 

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