Dagmar Wilde • SS 00 / FUB • 12417 S

"Planung von Unterrichtssequenzen zum Texte verfassen in der Grundschule"


Schreiben als reflexive Praxis

Schreibbiografien 9 - 18

"Schreiben in meiner Grundschulzeit - Erinnerungen an meinen Schreibunterricht, meine Schreib(lern)erlebnisse, Schreibprozesse, Schreibprodukte, Lieblingsschreiborte...
Gedanken zum Schreiben und zu allem was es mir heute bedeutet..."


S. B.

A. D.

B. v. B.

A. O.

S. M.

C. W.

K. I.

S. S.

M. P.

T. L.


S. B.

Lesen lernte ich bereits bevor ich die Schule besuchte. Meine Großmutter weckte durch Vorlesen das Interesse selbst lesen zu können, schreiben lernte ich allerdings erst in der Schule, das aber recht schnell und ohne große Schwierigkeiten.

Wir begannen die Buchstaben nacheinander in Schönschrift zu üben und gingen dann dazu über ganze Worte zu bilden. Dazu benutzten wir entweder das Tafelbild, vorgegeben durch den Lehrer oder eine Fibel. Hausaufgaben waren die Regel. Es wurden z.B. Blätter mit Bildern verteilt, daneben waren Zeilen vorgegeben, in die wir das Wort in Schönschrift und möglichst richtig festhalten sollten. Die Ergebnisse wurden an die Tafel geschrieben. Einer der Schüler las das Wort zu dem Bild vor, die Lehrerin schrieb es an die Tafel.

Später folgten Diktate und andere Schreibanlässe. Die Lehrerin sprach sehr akzentuiert und überdeutlich beim Diktat, las zuerst den gesamten Satz vor, um ihn dann zum Mitschreiben in kurzen Einzelteilen zu wiederholen. Anfangs wurden alle Satzzeichen mit diktiert, was später wegfiel, um die Interpunktion sicher zu beherrschen. Ich erinnere mich an die große Abneigung fast aller Kinder, mich eingeschlossen, gegen das Lernen grammatikalischer Regeln. Es war einfach langweilig. Später, im Französischunterricht, wurde die Grammatik streng gehandhabt, trotzdem hat der Unterricht Spaß gemacht.

In den ersten Schuljahren wurden erste Schreibversuche und Diktate mit schriftlichem Lob und Zensur unter das Geschriebene kommentiert. Als Kind habe ich wenig Eigenes geschrieben. Ich habe im Schreiben geübt, indem ich aus dem Schulbuch Texte abschrieb, mit meinem Vater Diktate imitierte oder Postkarten schrieb. Während der Oberschulzeit entwickelte ich eine Vorliebe für Textanalysen. Meine Lehrerin war in der Beurteilung sehr tolerant. Sie hat alle Analysen, Texte, Interpretationen und Meinungen gelten lassen, stellte sie aber zur Diskussion. Jeder Autor hat anschließend sein Werk vor der Gruppe vertreten müssen.

Ich bin sehr froh, durch den Kunst- Deutsch- und Philosophieunterricht mit so vielen verschiedenartig geschriebenen Texten, Werken, Gedanken und so weiter in Berührung gekommen zu sein.

Heute schreibe ich ein Tagebuch, mit Vorliebe lange Briefe, Urlaubskartenund schreibe am Computer Hausaufgaben und Referate für das Studium.


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A. D.

Soweit ich mich erinnern kann, haben wir in der Schule als erstes Buchstaben nachmalen müssen. Es hat sich dann langsam gesteigert, wir mussten dann ganze Wörter, dann ganze Sätze nachschreiben. Großartige Probleme in Rechtschreibung, oder Hemmungen eigene Texte zu verfassen, hatte ich nie. Als die Klasse in der Lage war selbstständig Texte zu verfassen, sollten wir eigene Geschichten schreiben. Das hat allen Schülern sehr viel Spaß bereitet (glaube ich jedenfalls). Eine Freundin und ich haben ab diesem Zeitpunkt auch in unserer Freizeit sehr viele Geschichten geschrieben. Im Nachhinein fällt mir auf, dass die privat geschriebenen Geschichten immer an das Thema im Unterricht gebunden war. Briefchen schreiben und Briefbuch führen waren Tätigkeiten, die seit dem schriftlichen Spracherwerb zu unseren Lieblingsbeschäftigungen zählten. Gerade in diesen Briefen wurden Sachen ausgetauscht, über die wir dann grundsätzlich nur schrieben und nicht redeten.

Die ersten Schreibhemmungen traten auf, als mir bewusst wurde, dass es solche gibt. Vorher hatte ich mir keinerlei Gedanken über das Schreiben gemacht, sondern einfach geschrieben. Sobald mir aber Mitschüler von ihren Problemen erzählten, kam mir in den Sinn, dass ich vielleicht auch diese Probleme habe. Beim nächsten Schreiben eines Aufsatzes hatte ich dann auch prompt diese Probleme. Heute habe ich ein relativ "normales" Verhältnis zum Schreiben im Gegensatz zum Lesen (ich lese unwahrscheinlich ungern). Briefe haben einen speziellen Aussagewert, finde ich. Bei e-mails, die zwar praktisch sind und einfach und schnell zu verschicken sind, geht ein gewisser "Zauber" verloren. Einen privaten Brief würde ich nicht per e-mail verschicken, außer es ist sehr eilig. Das menschliche, die Handschrift geht dadurch verloren, Emotionen werden abgeschwächt. Ein elektronisch verfasster Brief ist ziemlich unpersönlich.


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B. v. B.

Wenn Bilderbücher und Geschichten, erzählt oder vorgelesen , schon immer in einer Familie wichtig sind , wenn der kreative Opa selbst Comics erfindet , oder Briefe ein wichtiges Kommunikationsmittel sind, dann ist es eine selbstverständliche Notwendigkeit, selbst mit Schreiben anzufangen.

Ich finde, dass Lesegewohnheiten sehr prägend sind für eigene Schreibkünste. Jugendbücher von Enid Blyton haben mich schon früh beeindruckt, gefesselt und zur regelmäßigen Büchereigängerin werden lassen. Ein Traum war schon immer, selbst einmal ein Buch zu schreiben. Mit Freundinnen versuchte ich, selbstgeschriebene Bilderbücher zu verkaufen, und nebenbei schrieb ich seit der zweiten Klasse intensiv Tagebuch. Das war etwas sehr Persönliches, ich wollte schriftlich festhalten, was ich fühlte und wie ich nie sein sollte. Vielleicht war es eine Art Selbsttherapie. Das Tagebuch der Anne Frank faszinierte mich sehr.

Eigentlich war Schreiben eher eine außerschulische Aktivität, obwohl mir Aufsätze schreiben auch viel Spaß machten. Trotzdem fühlte ich mich in der Grundschule sehr unterfordert , da die Themen meist sehr eingeschränkt waren. Später waren Erörterungen, Argumentationen und Beschreibungen der reinste Graus , den eigentlichen Sinn fand ich erst wieder bei Interpretationen, da das auch wieder mit ( genauem) Lesen verbunden ist.

Brieffreundschaften pflegte ich mit größter Sorgfalt, schrieb während der Schulzeit seitenweise und regelmäßig bis zu 15 FreundInnen. Andere konnten diese Schreibwut überhaupt nicht verstehen.

An Familienmitglieder verschenkte ich zu Geburtstagen und Weihnachten illustrierte Gedichte, manchmal war es eine regelrechte "Produktion", denn die Gedichte waren sehr beliebt.

Bei interessanten Themen arbeitete ich bei der Schülerzeitung mit, wo meine Artikel auch immer veröffentlicht wurden.

Schreiben ist für mich ein ganz normaler Ausdruck von Kreativität und dazu gehört auch Kunst und Musik (z.B. Liedtexte).


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A. O.

Wie ich eigentlich Schreiben gelernt habe, weiß ich gar nicht mehr so genau. Ich weiß nur, dass ich es gar nicht erwarten konnte schreiben zu lernen. Als ich ca. fünf Jahre alt war, war ich sehr eifersüchtig auf meine Schwester, die bereits schreiben konnte, und so beschloss ich so zu tun, als ob ich schreiben könnte. Meine Schrift sah dann ungefähr so aus: "uuuunnnununnnnuuunnnnnu". Als dann im ersten Schuljahr uns das Grundlegende der deutschen Rechtschreibung mit Hilfe von "Lilo und Tilo" (vielleicht können sich noch einige an die beiden erinnern) nahegebracht wurde und ich in bis dahin geschriebenen Diktaten immer geglänzt hatte, konnte ich es dann kaum erwarten, die ersten Aufsätze zu schreiben. Meine Vorfreude wurde dann darin bestätigt, dass ich fast immer positive Ergebnisse erzielte.

Methoden, die das Schreiben förderten, weiß ich leider nicht mehr. Ich kann mich lediglich sehr gut an den Grammatikunterricht erinnern, den ich in der 5.- 6. Klasse genießen durfte. Der in dieser Zeit unterrichtende Deutschlehrer hat mit uns vom Deklinieren bis Konjugieren, vom Futur bis zum Plusquamperfekt, alles mindestens zehnmal durchgenommen, so dass am Ende fast jeder das Gelernte im Schlaf aufsagen konnte.

Die Zeiten sollten sich allerdings ändern, als ich aufs Gymnasium kam. Ab der neunten Klasse standen keine Einsen oder Zweien unter meinen Aufsätzen und Diktaten, sondern meistens Vieren. Ich hatte aber schnell begriffen, dass es daran lag, daß ich sehr wenig gelesen hatte, wollte aber auch nichts daran ändern. So blieb meine Ausdrucksfähigkeit, die durch vieles Lesen trainiert wird, lange auf dem gleichen Niveau. Man sollte zwar davon ausgehen, dass der Inhalt bei der Benotung ausschlaggebend sein sollte, nur leider hat mich meine mangelnde Ausdrucksfähigkeit so weit eingeschränkt, dass ich gar nicht das ausdrücken konnte, was ich eigentlich wollte. Später hat mich diese Tatsache sehr unter Druck gesetzt. Demnach habe ich in der Oberschule nicht mehr gerne Aufsätze oder Diktate geschrieben.

Anders war das bei meinem Tagebuch. Ich bin heute noch erstaunt darüber, was für tiefgründige Sätze ich aufs Papier gezaubert habe. Es lag sicherlich daran, dass es hier keinen Druck beim Schreiben gab. Allerdings war ich auch keine typische Tagebuchschreiberin, die jeden Tag bis ins kleinste Detail ihren Tagesablauf aufschreibt, sondern eher jemand der es kurz machen wollte und auch nur Gedanken oder Gefühle aufschrieb. Es kam vor, dass ich ein Jahr gar nichts ins Tagebuch schrieb, weil ich einfach keine Lust hatte. Leider trifft diese Gewohnheit auch heute noch beim Briefeschreiben zu. Ich hatte sehr viele Brieffreunde, die ich durch meine blöde Schreibfaulheit verloren habe. Ich bin zwar schreibfaul, aber es gibt auch Situationen, in denen ich gerne schreibe. Nur leider ist das viel zu selten.


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S. M.

19.05.2000

An alle, die mir geholfen haben schreiben zu lernen und Spass dabei zuhaben - oder auch nicht!

Als ich im Seminar die Aufgabe bekommen habe, mich zu erinnern, wie ich schreiben gelernt habe, dachte ich zu erst, oh Gott!, mir fällt bestimmt nichts ein. Doch mit der Zeit und mit der Hilfe der Mind-Map sind dann doch einige Erinnerungen wach geworden.

Meine ersten Erinnerungen stammen noch aus der Kindergarten- und Vorschulzeit. Damals habe ich oft Formulare von der Sparkasse und der Post in meiner "eigenen Schrift" ausgefüllt. Außerdem haben mein Freund und ich uns gegenseitig Briefe und Mitteilungen geschrieben - in einer " Geheimschrift".

An die richtigen ersten Buchstaben, die ich in der Schule geschrieben habe, kann ich mich auch noch erinnern. Wir haben auf große weiße Zettel geschrieben und zwar mit Wachsstiften, dass hat mir viel Spaß gemacht. Ansonsten habe ich viel mit einem Bleistift geschrieben, den ich am ersten Schultag von den Lehrern geschenkt bekommen habe. Erst viel später, durfte ich mit dem Füller schreiben - zumindest kam es mir so vor.

Das Schreiben von Texten hat mir meistens Freude gemacht, doch ich hatte immer viele Rechtschreibfehler. Die Fehler musste ich beim Überarbeiten der Texte immer berichtigen, was ich nicht immer gut fand. Aber am meisten habe ich es gehasst, (und das tue ich noch heute) wenn einer meinen Text las und anschließend lachte und sagte: "Das wird aber so.... geschrieben!" oder "Wie lustig, Stifft mit ff!"

Auf Grund meiner vielen Rechtschreibfehler habe ich nie gerne Diktate geschrieben. Auch wenn ich viel geübt hatte, hatte ich viele Fehler und dies hat mich total demotiviert. Wegen meiner Rechtschreibung musste ich auch zu einem Schreibtraining, was mich oft ganz schön genervt hat, besonders weil ich zweimal die Woche dort hingehen musste.

Texte zu schreiben habe ich anhand der Freinet-Pädagogik gelernt. In der Klasse durften wir stempeln und ich hatte auch einen Stempelkasten zu Hause. Außerdem konnten wir unsere Texte auf Matrize schreiben und für die ganze Klasse vervielfältigen. Oft haben wir in der Schule Hefte zu bestimmten Themen (z. B. Blumen, Klassenfahrt) erstellt, ganz besonders gut kann ich mich noch an das Heft " 6 Jahre Klasse a" erinnern.

Nach der sechsten Klasse hat meine Schreibbegeisterung in der Schule ein bisschen nachgelassen. Jetzt habe ich nur noch gerne Texte geschrieben, wenn ich das Thema als interessant empfunden habe. Dies war vor allem in den Fächern Naturwissenschaft und Geschichte der Fall, was auch daran lag, dass es dort es dort keine Bewertung für Rechtschreibung gab.

Im Verlauf meiner weiteren Schulzeit ist das Schreiben, für mich immer funktioneller geworden. Auch heute schreibe ich fast nur noch, wenn ich muss oder wenn ich mal Zeit habe. Auch in der Freizeit schreibe ich weniger als früher. Früher habe ich unter anderem für mich Tagebuch geschrieben, Posiealben gestaltet und auch viel mehr Briefe verschickt. Obwohl ich heute fast nur noch schreibe, wenn ich muss, macht es mir meistens doch noch Freude, besonders dann, wenn ich erst mal einen Anfang gefunden habe. Außerdem muss mir genügend Zeit zur Verfügung stehen, in der ich den Text noch mal überarbeiten kann oder mir überhaupt erst mal überlegen kann, was ich schreiben will.


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C. W.

Zu Beginn ist es mir recht schwer gefallen, Erinnerungen, speziell auf Schreiben bezogen, auch per MindMap-Methode, wachzurufen. Ich denke aber, das liegt einfach am "Universalgebrauch", an der automatisierten Alltagszweckmäßigkeit des Schreibens. Ich schreibe seit ich sechs Jahre alt bin beinahe täglich, wie soll mir da alles im Gedächtnis bleiben? Aber über einige Tage verteilt sind mir dann doch immer wieder kleine, prägnante Schreiberlebnisse eingefallen. Mir ist allerdings aufgefallen, wie man auch an meiner Gliederung der Schreibbiographie erkennen wird, dass meine Erinnerung sich doch hauptsächlich auf die Schule bezieht und nicht mit den wenigen Erinnerungen, die ich an "Freizeitschreiben" habe, im Zusammenhang steht.

Meine Erfahrung mit dem Schreiben beginnt mit dem "Schreiben" des eigenen Namens kurz vor der Einschulung. Am Anfang der schulischen Schreibentwicklung stand das Erlernen der Schrift, des Alphabets, einzelne Buchstaben wurden zu Wörtern. Hier trat das Problem des richtigen Stifthaltens auf, was ich mir erst in der Mittelstufe aneignete, weshalb mir auch bei längeren Texten oft die Finger schmerzten. Man musste in dieser Anfangsphase viel abschreiben, von der Tafel, aus Büchern und sogar im Matheunterricht die Textaufgaben, wobei mehr und mehr klar wurde, dass Schreiben sich nicht nur auf den Deutschunterricht bezieht. Dieses funktionale Abschreiben war zu Beginn der Schreibentwicklung recht mühselig, anstrengend aber mit der Zeit wurde es immer selbstverständlicher und z. T. sogar angenehm. Dann kamen die Diktate, die immer länger wurden und die Grammatik dazu. Etwas später wurden diese mit Aufsätzen jeglicher Art angereichert und schließlich ganz verdrängt, was ich schade fand. Denn wo Diktate relativ klare Zeichensetzungsregeln hatten, fehlten mir diese bei den Aufsätzen. Das war allerdings auch das einzig wirklich Nervige daran. Ansonsten empfand ich Aufsätze, auch wenn sie oft zu unsinnigen Themen verfasst werden sollten, als interessant, da man eben etwas von sich selbst, eine Idee, eine Erfahrung, eine Meinung mit einbringen konnte. So erinnere ich mich hier z. B. an einen Erlebnisbericht mit dem Thema: "Ein spannendes Erlebnis in den Sommerferien". Ich schrieb einen ewig langen - ich habe in der Schule immer endlose Aufsätze verfasst - Text, in dem ich total übertrieb. Aber das war ja das Schöne daran, Kinderlebenswelt und trotzdem phantasievoll. Dann gab es noch die thematisch sehr konstruierten Aufsätze, an denen wohl die verschiedenen Textarten geübt werden sollten, wie beispielsweise Vorgangsbeschreibung. In einer Arbeit zu diesem Schwerpunkt mussten wir sehr genau schildern, wie wir einen beliebigen, das sollte dann vielleicht der kreative und individuelle Aspekt sein, Tierkäfig reinigen würden, was mir völlig absurd vorkam. Die " Einleitung - Hauptteil - Schluss" - Regel vereinfachte das Aufsatzschreiben. Ich zumindest benötigte eine solche Begrenzung, sonst wären meine Texte unendlich und eventuell auch unübersichtlich geworden.

Ich denke zu freiem Schreiben in der Schule wurde uns wenig Gelegenheit und Ansporn gegeben. Aber an eine Stunde erinnere ich mich noch, da sie auf die Schreibmotivation unserer gesamten Klasse Einfluss nahm. Wir durften vollkommen frei und phantasievoll, ohne Themenangabe, sinnlos oder sinnvoll Geschichten schreiben. Die Unfreiheit daran bestand in der zeitlichen Begrenzung und in der Vorgabe des Schemas. Es war eine Art Schreibspiel, bei dem jeder ein Blatt bekam und einen Satz schreiben sollte, der den Beginn der Geschichte darstellte, egal welche Perspektive und welche Textart, es schrieb natürlich keiner in Gedichtform. Dann wurden die Zettel weitergegeben und jeweils der nächste Satz von der nächsten Person geschrieben, bis man sich einigte die Sache zu beenden. Diese Schreibanregung hat so viel Spaß gemacht, dass unzählige dieser Geschichten in allen möglichen anderen Fächern heimlich unter den Tischen entstanden sind. Und ich muss zugeben, ich habe einige gesammelt und aufgehoben, auch wenn sie übersprudeln von unsinnigen, gemeinen Teeniegedanken.

Nach und nach wurden die Themen ernster, die Aufsätze schwieriger, weil man nicht mehr einfach nur von seinen Erfahrungen berichtete oder sich eine fiktive Geschichte ausdachte, sondern in Erörterungen Thesen und Antithesen belegen musste und in Interpretationen politische Ansätze erkennen sollte, beispielsweise bei der Gedichtinterpretation, die ich immer mit einer Kurvendiskussion aus dem Matheunterricht verglich. Diese Schreibanlässe sind, ähnlich wie die Hausarbeiten der Uni, eher negativ, da sie sehr zwanghaft ablaufen. Früher kam ich mir in solchen Situationen oft vor, als wäre mein Stift eingesperrt und es interessiere aber niemanden.

Wenn ich an Schreiben im Zusammenhang mit Schule denke, fällt mir auch sofort die Rechtschreibreform ein und die damit verbundene Unsicherheit, auch von Lehrerseite her.

Das freie bzw. freiwillige Schreiben fand bei mir also eher im außerschulischen Bereich statt. Da waren zuerst die Poesiealben und natürlich Briefe, das aber mehr halb-freiwillig. Von mir selbst ging dann das Schreiben von Tagebüchern und kurzen Phantasiegeschichten aus. Wenn ich diese jedoch heute lese, erinnern sie mich stark an die Aufarbeitung von Comics und Fernsehfilmen vermischt mit Wünschen und Träumen. Ich kann mich auch an eine Phase erinnern, in der ich unbedingt ein Buch schreiben wollte und damit auch begonnen habe. Mein Ehrgeiz ging soweit, dass ich sogar einige Seiten auf der Schreibmaschine abtippte. Das Buch ist nicht fertig geworden, der Anfang jedoch pubertär amüsant.

Zum Schluss ist mir noch die Veränderung meiner Handschrift aufgefallen, die ich weder dem schulischen noch dem privaten Schreiben zuordnen kann.


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K. I.

Schreiben ist so wichtig, dass man es fast täglich tut, es dabei aber eigentlich gar nicht merkt und für selbstverständlich hält. Ob es eine kurze Notiz auf dem Küchentisch ist oder eine Einkaufsliste, Mitschriften an der Uni, Hausaufgaben oder ein Tagebucheintrag. Ein Brief, eine Email oder eine Textnachricht übers Handy. Das Schreiben bestimmt unser Leben, genauso wie das Lesen. Das sieht man immer wieder daran, wie hilflos Menschen im täglichen Leben sind, die weder lesen noch schreiben können.

Aber wie fing das Schreiben an? Ja, natürlich hat es jeder mehr oder weniger in der Schule gelernt, besser gesagt, lernen müssen. Aber wie war es bei mir?

Ich weiß von mir, dass ich das Schreiben am Anfang gehasst habe. Da waren endlose Reihen mit immer den gleichen Buchstaben, groß und klein, mit Bleistift oder bunt... Wenn man seine Sache gut gemacht hatte gab's immer ein kleines lachendes Gesicht, das unter das 'Geschriebene' gemalt wurde. Aber ich empfand das nie als sonderlichen Anreiz besonders schön zu schreiben. Meine Handschriftnote hat sich dementsprechend auch immer im Dreierbereich befunden.

Warum sollte ich dem entsprechen, was meine Lehrerin als gut befand? Kann ich nicht genau das Gleiche ausdrücken, auch mit einer anderen Schrift als der Schulausgangsschrift? Ich hatte immer Angst, einen Aufsatz zu schreiben. Nicht des Inhaltes wegen, sondern wegen der Benotung der Schrift. Ich habe mir dann solche Mühe gegeben, schön zu schreiben, dass ich den Inhalt oft völlig vernachlässigt habe, Hauptsache, es sah gut aus. In der Oberschule, als die Schrift 'egal' wurde, konnte ich mich endlich entfalten und das schreiben, was ich wollte und konnte. In kürzester Zeit sind meine Deutschnoten dann viel besser geworden, als in der Grundschule.

Bevor ich in die Schule kam, war das Schreiben das Größte für mich. Ich war so stolz, als ich meinen Namen selber schreiben konnte. Ich erinnere mich, dass meine Mutter Worte auf einen Zettel schreiben musste, die ich dann immer wieder und wieder abgeschrieben habe, bis ich sie konnte ohne hinzugucken. Wahrscheinlich fand ich deshalb die elendigen Buchstabenreihen so langweilig. Wenn ich mir meine ersten Hefte aus der Schule ansehe, dann steht da immer wieder: 'Katharina hat ihre Hausaufgaben schon wieder nicht gemacht!". Das kam aber immer nur in Deutsch vor, in keinem anderen Fach. Es war einfach zu eintönig. Bis ich das Schreiben für mich selber entdeckt habe. Ich habe schon früh angefangen, kleine Geschichten zu schreiben. Ich hatte viele Brieffreunde und schreibe seit ich denken kann alles auf, was mir wichtig ist. Ich kann mich nur noch sehr dunkel an meine ersten schulischen Schreibübungen erinnern, wahrscheinlich, weil ich sie aus dem Unterbewusstsein verdrängt habe. Meine Erinnerungen an die Oberschule sind da viel deutlicher und nicht nur, weil das noch nicht so lange zurück liegt. In der Oberschule ging es einfach nicht um die Technik des Schreibens, sondern um die Inhalte, die damit erfasst werden sollten. Es ging um Gedichtinterpretationen, Literaturbesprechungen und einfach um wichtigere Dinge, bei denen das Schreiben als Mittel verwendet wurde und nicht als Grund. Ein Mittel, um Gefühle und Gedanken auszudrücken, einfach ein Mittel um sich anders als mündlich mitteilen zu können.

Wenn ich das alles so betrachte, finde ich es sehr traurig, dass ich mich an so gar nichts mehr erinnern kann. Das Schreiben ist ein bedeutender Bestandteil meines Lebens und ich weiß einfach nicht mehr, wie es dazu kam. Als ob es schon immer da gewesen wäre und man es nicht erst mühsam hätte lernen müssen. Und es war bestimmt sehr mühsam!


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S. S.

Meine frühesten Erinnerungen an Schreibversuche sind die Schwungübungen in der Schule. Das hat mir Spaß gemacht. Die Linien mit immer anderen Farben erneut nachzufahren, bereitete mir Freude. Beim Schreiben strebte ich nach vorne, da ich immer so weit sein wollte wie mein drei Jahre älterer Bruder. Ich war immer sehr bemüht, meine Buchstaben innerhalb der vorgegebenen Linien zu halten, was mir anfangs nicht besonders leicht fiel. Zum Glück durften wir dann bald auf der einfachen Linie schreiben.

Zu Hause habe ich nicht nur beim Post-Spielen Briefe für sämtliche Familienmitglieder verfaßt. Auch wenn ich von meiner Mutter zu Unrecht ausgeschimpft worden war oder mich ungerecht behandelt fühlte, schrieb ich ihr kleine Zettel und legte diese auf ihr Kopfkissen. Diese Art der Kommunikation in angespannten Situationen haben wir beide lange Zeit beibehalten.

Meine negativste Schreiberfahrung aus der Grundschulzeit bestand darin, daß ich im Diktat einmal alle Artikel und Substantive zusammengeschrieben habe. Das Fatale daran war, daß das Diktat nur aus Substantiven und ihren Artikeln bestand! Das war mir peinlich.

Das Aufsatzschreiben fand ich ganz in Ordnung. Allerdings haben mich manchmal die Themen gestört. Ich weiß noch, wie ich nach Hause kam und meiner Mutter erklärte, daß ich in meinem letzten Tatsachenbericht wieder nur gelogen habe.

Auf dem Gymnasium blühte ich in Bezug auf meine Aufsätze auf. Ich freute mich auf jeden Aufsatz, den ich schreiben durfte. Ganz im Gegensatz zu meinen Diktaten, erhielt ich für meine Aufsätze gute Noten. Bestätigt fühlte ich mich dadurch, daß es häufig meine Aufsätze waren, die vorgelesen wurden.

Zur Aufbesserung meiner Deutschgesamtnote dienten die Referate. Bei meinem Lieblingslehrer sollten wir einmal zur Übung des Vortragens von Referaten ein fiktives Referat verfassen und halten. Dabei wurde als Beispiel die Reise durch eine Banane genannt. Dieses Referat hat mir ganz besonders viel Spaß bereitet, denn meiner Phantasie war keine Grenze gesetzt. Mit mir reisten meine Klassenkameraden durch eine fiktive Wolkenwelt und erlebten einige kleine Abenteuer. Mit einigen kleinen Mitbringseln versuchte ich sie in meine Phantasiewelt mitzunehmen.


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M. P.

Wenn ich mich mit dem Mindmapping meines Schreibenlernens beschäftige, habe ich gute Erinnerungen an diese Zeit. Am schönsten beim Schreibenlernen war für mich mein grüner Geha-Füller. Wir starteten in der Schule von Anfang an mit dem Füller-Schreiben. Es vollzog sich gleich mit der Schreibschrift. Ich weiß noch, dass ich den Füller viel zu sehr in den Heften aufdrückte und sehr kleckste. Meine Schrift sah sehr krakelig aus. Wir schrieben in speziellen, vorgedruckten Schreibheften und allmählich erzielte ich bessere Ergebnisse.

Für mich waren immer wunderschöne Momente, wenn ich unter meine Aufgaben ein Bild zeichnen durfte, weil es Arbeitsbögen zu dieser Zeit noch gar nicht gab.

Allerdings habe ich noch heute keine normgerechte Schreibhaltung. Sämtliche Stiftsorten lege ich auf den Mittelfinger sehr druckvoll auf, aber es geht auch so. Meinen geliebten Geha hatte ich bis zur 10. Klasse und kurze Zeit später, nach dem Schreibstart erhielt ich auch die ersten Bienchenstempel von meiner Lehrerin. Erschwerend fand ich insgesamt, dass wir pro Buchstabe im Alphabet vier Buchstaben gedruckt und in Schreibschrift lesen und zum Teil schreiben mussten So verzögerte sich mein Können bis in die 2. Klasse.

Ich hatte leider keinen Förderunterricht und viele verzweifelte Minuten seitens meiner Eltern und Großeltern beim üben in den Ferien. Irgendwann in der 2. Klasse hatte ich es allerdings dann gepackt.

In der Rechtschreibung war ich von Anfang an recht sicher. Es war schon interessant, dass wir die Wörter in der Zeile wiederholend schreiben sollten. Die Wortstämme und Endungen unterstrichen wir dabei stets farbig. Dies erleichterte insgesamt mein Rechtschreibverständnis.

Bei den Diktaten schnitt ich immer ganz gut ab. Unsere Lehrerin schaffte nach dem Diktat immer eine besondere Situation. Die Diktathefte stapelte sie aufeinander und ließ drei Hefte ziehen. So hob sie besondere Schwerpunkte hervor und machte uns eine Riesenfreude damit.

Bei Niederschriften mussten wir leider immer sehr systematisch nach den Lehrervorgaben schreiben. Das ließ wenig Raum für Kreativität und Phantasie und wurde von mir eher als ableistbare Pflichterfüllung gesehen.

Der Literaturlehrer ging sogar so weit, interessante Details bei mir zu verspotten und kränkte mich dadurch sehr. An einem regen, an Schülern orientierten Gedankenaustausch war gar nicht zu denken. Schreibkonferenzen gab es nicht.

Heutzutage notiere ich besondere kulturelle Erlebnisse gern im Tagebuch und kaufe mir diese speziell für Reiseeindrücke. Ich mag feinstes Schreibpapier und ausgefallene Stiftsorten.


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T. L.

Ich kann mich daran erinnern, dass wir bereits im Kindergarten die Schrift der Erwachsenen imitiert haben und uns dann gegenseitig "vorlasen", was dort angeblich auf dem Zettel stand.

In der Schule haben wir dann erst die Druckschrift gelernt und als Schreibgerät war dabei nur der Bleistift erlaubt.

Irgendwann haben wir dann eine Schreibfibel bekommen, in die wir Buchstabenketten aus Schreibschriftbuchstaben eingetragen haben. Im Anschluss daran durften wir vorgegebene und eigene Druckschrifttexte in Schreibschrift übertragen. Schließlich konnten wir zum Schreiben auch unsere Füllfederhalter benutzen, worüber wir uns alle sehr freuten. Aber diese Freude verschwand bei mir erst einmal wieder, denn anfangs gefielen mir meine Tintenbuchstaben nicht. Außerdem ist die Tinte oft verwischt, weil ich versehentlich darüber gestrichen bzw. darauf gefasst hatte. Dazu kam, dass mir beim Schreiben mein Handgelenk nach einer gewissen Zeit weh tat, was wohl daran lag, dass der Füller ungewohnt schwer war.

Ich erinnere mich auch noch gut daran, dass wir in jedem Schuljahr ein anderes Schreibheft mit einem neuen Liniensystem bekamen, bis wir dann die einlinigen verwenden konnten.

Während der zweiten Hälfte der Grundschulzeit gab es neben den schulischen Schreibanlässen auch noch die Poesiealben, welche wir eifrig austauschten.

Das Schreiben wurde immer mehr zu einer Möglichkeit anderen etwas mitzuteilen bzw. es als Gedächtnisstütze für sich selbst einzusetzen.


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Schreibbiographien 1 - 8

zurück zum Eingang: Schreibbiografien aus dem Seminar "Texte verfassen im verbundenen Sprachunterricht"


©opyright Dagmar Wilde, Berlin, Juli 2000

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06.04.2003


 

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