Dagmar Wilde • SS 00 / FUB • 12413 S

"Planung von Unterrichtssequenzen zum Texte verfassen in der Grundschule"


Journalschreiben als seminarbegleitende Tätigkeit


Journal der Gruppe 8: Fabeln als Schreibanlass

Gaby Radler, Sabine Kies, Corinna Mahoney


Journal zum Arbeitsergebnis 04.06.2000

Journal zum Arbeitsergebnis Stand 14.06.2000

Arbeitsergebnis 17.07.00


Journal zum Arbeitsergebnis 04.06.2000

Ideen

Vorspiel/Hörspiel Theatervorführung/Film

Aus Erzähltext ein Dialog

Charakterisierung

Fabel

Schluß schreiben

Tiere durch Personen ersetzen (Begründen)

Vergleich untereinander und zum Original

Personen vorgeben

Brainstorming zum Thema Fabeln

- Originalstück anhören

- Gemeinsam lesen, einzeln vorlesen (mit verteilten Rollen)

- Evtl. Umschreiben des Stückes

- Entscheidung für eine Fabel mit vielen Charakteren

- Begründung für das Behandeln der Fabel

- FABELN

- Charakterisierung der mitwirkenden Personen/Tiere

- Was gefällt dem Schüler am besten/am wenigsten

- BEGRÜNDUNG

- Übertragbarkeit auf menschliche Personen

- Zuordnung zu Gesellschaftsschichten

- DISKUSSION

- Evtl. Moral (Schlauheit/ Schnelligkeit)

Grobe Sachanalyse

Textsorte: Fabeln (griech. " eine in eine Einkleidung versteckte Wahrheit")

Merkmale:

- beinhaltet Lehre, zielt auf eine Allgemeingültigkeit ab (religiös, moralisch praktisch Belehrung o. Kritik)

- Tiere, Pflanzen, Dinge spielen eine führende Rolle

- Personifizierung der Handlungsträger

- bildhaftes Darstellen der Lehre, leicht verständlich und einprägsam

- Zwei Handlungsträger stehen sich konträr gegenüber.

antithetischer Aufbau

- dramatische Zuspitzung der Situation durch die Gegenspieler

- erfundene Situation mit allgemeiner Wahrheit

Perspektive:

- Zeit: Präsens/Präteritum (überwiegend)

- Person: Erzählperspektive (überwiegend)

Fomale Struktur:

- Einleitung: Hinführung

- Hauptteil: dramatische Zuspitzung der Situation durch die Gegenakteure

- Schluss: Pointe/Lehre

Begriffserklärung:

- Was ist erklärungsbedürftig? (Fremdwörter, Sprichwörter, Metaphern, schwierige Begriffe)

Schreibintention: NOCH OFFEN

Hilfestellung: NOCH OFFEN (evtl. Duden)

Reflexionsgrundlage: NOCH OFFEN

Tipp: Quellen befragen (Literaturlexika, z. B. Grundbegriffe der Literatur von A—Z (Klett), Rahmenplan, Handreichungen zum Rahmenplan Deutsch, Taschenbuch des Deutschunterrichts usw.)


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Journal zum Arbeitsergebnis Stand 14.06.2000

Grobe Planung

1. Vorlesen der umgeschriebenen Fabel (Erzählform)
Lehrer liest

Wäre es nicht sinnvoll, erst einmal den Text zu wählen, bevor Sie Textumgangsformen wählen und Zugriffsweisen auf den Text planen?

Begründung: flüssiges Lesen, richtige Betonung, interessant für den Schüler, Schüler können sich auf den Text konzentrieren ( viele verstehen den Text beim lauten Vorlesen nicht )

2. Gruppenbildung (Losverfahren) ca. 4-5 Schüler
Begründung: Zeitfaktor, Außenseiter werden mit einbezogen, konzentrierter (PRIVATE Interessengruppen lenken sich zu sehr ab ).

Einzelarbeit

3. Arbeitsauftrag

- Arbeitsauftrag und umgeschriebene Fabel für jedes Kind auf einem Arbeitsblatt

- Arbeitsauftrag auf OH- Folie

- Auftrag: Schreibt den vorliegenden Text in einen Dialog (Lasst die Tiere sprechen)

welche Funktion kommt dem Dialogisieren für die Texterschließung zu? Warum Soll dieser Text dialogisiert werden? Was für Erkenntnisse gewinnen die Sch über den Text, wenn sie die Aufgabe erfüllen? Inwiefern dient das Schreiben i. A. bzw. das Schreiben des Dialogs dem vertieften Textverständnis? (das müsste aus der konkreten Fabel begründet werden - hier stellen Sie ein Lernziel auf - ohne es bislang zu benennen!)

Schreibziele: Adressatenbezug, Funktion des Textes, Aufbau etc.?

Texte werden von dem Lehrer mit nach Hause genommen und korrigiert (Rechtschreibung, sprachlicher Ausdruck, Bezug zum Inhalt ). Eventuelle Ratschläge zur weiteren Arbeit mit dem Text.

welche Kriterien setzen Sie an den Text, die Grundlage für die Ratschläge sein können?

4. Gruppen finden sich zusammen, Arbeiten werden ausgeteilt.
Verbesserungsvorschläge werden in der Gruppe diskutiert und eventuell überarbeitet.

Welche Kriterien haben die Sch zur Verfügung, um "Verbesserungsvorschläge" anzubringen? Welche schreibspezifischen Aufgaben gab es, deren Erfüllung zu überprüfen sein könnte?

5. Überarbeiteter Text wird für jedes Gruppenmitglied kopiert

6. Arbeitsauftrag
Zufallsprinzip entscheidet wer welchen Charakter spielt ( Verteilung von Zetteln mit Tieren - Losverfahren )
- Spielt Euren selbst geschriebenen Dialog in der Gruppe, versucht die Eigenschaften der Tiere so genau wie möglich darzustellen!

Wie viele Rollen gibt Ihre Fabel her? Sollen die Sch die Rollenbeschreibungen selbst ausarbeiten?

7. Lehrer läßt den Schülern genug Zeit zum Einproben.

8. Schüler führen ihre Ergebnisse der Klasse vor.

Welche Funktion kommt dem Spielen für die Texterschließung zu? Begründen Sie das - hier wären Lernziele zu benennen und zu begründen (aus dem Text, der Schreibaufgabe, den Lernbedürfnissen der Altersstufe etc.)

9. Stuhlkreis um die Tafel, verschiedene Tiere werden an die Tafel geschrieben, Schuhkarton mit verschiedenen Eigenschaften wird vom Lehrer zur Verfügung gestellt, reihum ordnet jedes Kind jedem Tier eine Eigenschaft zu,

Kontrolle durch die Klasse (Diskussion)

Welche Ziele verbinden Sie damit? Warum soll das geschehen? Inwiefern dient die Attribuierung der vertieften Annäherung an die Texte bzw. dem Textverständnis‹?

10. Einzelarbeit: Mündl. oder schriftl.- Suche dir das Tier aus, was dir am besten gefällt. BEGRÜNDE!

Geht es wirklich schlicht um "gefallen"?

11. Der Lehrer sammelt die Ergebnisse ein, Auswertung in Bezug auf die Beliebtheit der Tiere.

welchen Zusammenhang stellen Sie zwischen Beliebtheit von Tieren und der Fabel her?

12. Abschlußwort des Lehrers (Vorstellung der Ergebnisse)

welche Ergebnisse streben Sie an? vertieftes Verständnis der Fabel wäre hier durch Umschreiben und szenisches Umsetzen ein relevantes Ziel - welche Fabel, welche Erschließungstiefe, welche Erkenntnisse, Verstehenskontexte, Schreibkompetenzen etc. (Wissen, Kennen, Können, Fühlen, Meinen...) sollen am Ende der Sequenz konkret stehen?

13. Eventuelle Theater oder Filmvorführung zum Abschluß

Funktion? Damit verbundene Ziele?

Das bislang Bedachte ist eine Grundlage, die bis Mitte Juli noch vertieft werden muss, um ein tragfähiges Unterrichtsmodell zu ergeben... Ziel muss sein, dass Sch sich dem Text (der Fabel) schreibend nachhaltiger nähern können (sonst müssten sie nicht schreiben...). Weder darf die Fabel ein beliebiges Vehikel sein (Schreibanlässe gibt es viele, warum diese Fabel?), noch sollte das Schreiben nur eine beliebige Aktivität im Zusammenhang mit der Bearbeitung der Fabel sein...

Es wäre konkret an der Fabel (Sachklärung wäre hier eine Textanalyse zur von Ihnen ausgewählten Fabel!) zu begründen, warum, wie, welche Lehr-Lern-Schritte mit welcher Zielsetzung gewählt werden.


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Arbeitsergebnis 17.07.00

Definition: lat. Erzählung

Was ist eine Fabel?

Entstehung der Fabeln

Thematische Analyse und didaktische Begründung

Kriterien für die Auswahl der Fabeln

Einordnung in die Unterrichtseinheit

Verlaufsplanung

Merkmale einer Fabel

Bezug zum Rahmenplan

Arbeits- und Organisationsformen für die geplante Unterrichtssequenz

Frontalunterricht

Gruppenarbeit

Schüler-/Gruppenarbeit

Rollenspiel

Arbeitsmittel / Medien

Tafel

Arbeitsblätter

Wörterkiste

Weitere Arbeits- und Hilfsmittel

Literaturverzeichnis

Definition: lat. Erzählung

Handlungsgerüst einer epischen und dramatischen Dichtung

Literarische Gattung heiterer Tierdichtung (Vers und Prosa), in der menschliche Eigenschaften von (charakteristisch eindeutig definiert) Tieren oder anderen Lebewesen verkörpert und in bestimmte Situationen vorgeführt werden, um die " Wahrheit " in sicherer Verkleidung darzubieten und auf distanziert- unterhaltsamer Weise erzieherische oder satirische Effekte zu erzielen.

Was ist eine Fabel?

Eine kleine Geschichte, in der eine Lebensweisheit anschaulich dargestellt wird. Meistens lesen wir Tierfabeln, in der die Tiere wie Menschen sprechen können und auch so handeln, so daß man sich als Mensch ein Beispiel nehmen kann.

Entstehung der Fabeln

Fabeln entstanden vor allem in Zeiten, in denen der Unterschied zwischen den Mächtigen und dem Volk sehr groß war. Da das Volk nicht die Möglichkeit hatte, kritische Meinungen ungestraft zu äußern, fand es in der Fabel eine literarische Form, in der es seinen Unmut über gesellschaftliche Zustände indirekt zum Ausdruck bringen konnten. Um die Verhaltensweisen der Menschen verschlüsselt darstellen zu können, wählte man Tiere, manchmal auch Pflanzen und Gegenstände als Träger menschlicher Eigenschaften und Handlungsweisen.

Merkmale einer Fabel

  • Epische Kurzform in Vers oder Prosa

  • Meist kurze Erzählung in volkstümlichen Charakter

  • Dem Erzähltem liegt eine Bedeutung zugrunde (griech. Bezeichnung die Soviel bedeutet, wie in eine Einkleidung versteckte Wahrheit.)

  • Tiere und Pflanzen Spielen eine führende Rolle

  • Personifizierung der Handlungsträger (verkörpern menschliche Eigenschaften.)

  • Es gibt traditionell typisierte Tiercharaktere (z.B. schlauer Fuchs, diebische Elster...).

  • Antithetischer Aufbau (zwei Handlungsträger stehen sich konträr gegenüber)

  • Dramatische Zuspitzung der Situation durch die Gegenspieler

  • Lehrhafte Tendenz (Lehre zielt auf eine Allgemeingültigkeit ab, d.h. auf eine religiöse, moralische praktische Beziehung oder Kritik).

  • bildhafte Darstellung der Lehre (leicht verständlich und einprägsam).

Thematische Analyse und didaktische Begründung

Die Aufgabe des modernen Deutschunterrichts ist es, die Schüler zum kritischen Lesen, Denken und zur Reflexion zu erziehen. Die Fabel ist hierfür ein gutes Beispiel, denn sie regt die Schüler an einen Sachverhalt, bzw. Argumente zu prüfen, so wie sich über seine eigenen Denk- und Verhaltensweisen klar zu werden. (Dithmar 1974)

Die Fabel überzeugt durch ihre Gradlinigkeit und bildhafte Anschauung. Da sie nach Auseinandersetzung verlangt, muß sie diskutiert werden. (Dithmar 1974)

Mit Hilfe einer Fabel können wir folgende Lernziele mit den Schüler erarbeiten:

Die handelnden Tiere einer Fabel sollen von den Schülern benannt werden können, und die ihnen zugeschriebenen Eigenschaften erkannt werden. Als Hilfe dient den Schülern sich an den Positionen der Tiere im reellen Tierreich zu orientieren. Tiere, die durch ihre Stärke, Größe und Schnelligkeit anderen Tieren in der Natur überlegen sind, treten in der Fabel an die Stelle mächtiger herrschender Personen. Schwache kleine Tiere verkörpern häufig Unterlegenheit und Machtlosigkeit.

Die Schüler sollen versuchen, die Schlüsselaussagen einer Fabel herauszufinden, die deutlich die entscheidenden Eigenschaften, Verhaltensweisen und Handlungsschwerpunkte wiedergeben.

Die Schüler sollen in der Lage sein, anhand der Eigenschaften der Tiere, zu charakterisieren.

Außerdem sollen sie den Inhalt einer Fabel interpretieren können. Das gegensätzliche Verhalten der Gruppen oder Personen in der Fabel soll erkannt werden.

Die Intention einer Fabel, die oft eine Lehre beinhaltet, soll den Schülern deutlich werden.

Sie sollen angehalten werden die Lehre einer Fabel anzuerkennen und auf einen gleichen oder ähnlichen Fall zu übertragen. Da diese Textsorte mehrere Bereiche des menschlichen Lebens aufzeigt, sollen die Schüler angeregt werden sich aktiv mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen, sowie Konflikte oder Probleme zu bewältigen.

Durch die aufgewiesenen Verhaltensweisen einer Fabel sollen die Schüler zur Kritik- und Wertungsfähigkeit stimuliert werden. Anhand die auf den Menschen gemünzte Lehre werden die Schüler motiviert diese kritisch zu hinterfragen.

Die Lehre, welche enthalten ist kann jedoch ausgespart werden, da sie aus der Pointe der Konfliktlösung am Ende des Geschehens abgeleitet werden kann. Die Aussparung ist deshalb empfehlenswert, da dadurch eine Diskussion mit den Schülern provoziert werden kann.

Da die Schüler zur gelesenen Fabel Bezug zu ihrer eigenen Lebenswirklichkeit finden können, sollen sie in der Lage sein, zu erkennen, daß nicht immer die "Macht" des Stärkeren ausschlaggebend ist, sondern das soziale Miteinander. Sie sollen lernen miteinander zu kommunizieren und somit ihre Probleme bzw. Konflikte eigenständig zu lösen. Da die Gewaltbereitschaft, auch schon im Bereich der Grundschule Einzug findet, sollte es unser Anliegen sein, dieser bereits schon dort entgegen zu wirken. Deshalb ist die Fabel besonders geeignet, da sie diese Mißstände in einer Geschichte verpackt aufweist.

Wenn man durch den praktischen Umgang mit Fabeln etwas lernt, dann ist es nicht das "Gute" und das "Böse", sondern es ist vielmehr ein Überblick und die Einschätzung einer Situation bzw. eines Machtverhältnisses. Der Grundtenor der Fabel, nämlich das sie Wahrheit aufdecken, kritisieren und belehren sollen, ist über die Jahrhunderte bestehen geblieben. Was sich verändert hat, sind die Intentionen der Autoren, die je nachdem, aus welcher Epoche sie stammen, ihrer jeweiligen gesellschaftlichen Mißstände zum Ausdruck brachten. So wie sich die Intentionen der Autoren verändert haben, so haben sich auch die Verhaltensweisen der Schüler verändert.

Kriterien für die Auswahl der Fabeln

Für den Einstieg ins Thema

"Von einer Maus, die einen Löwen befreit" (aus Bolliger, M.: Tierfabeln, 1992)

  • durch die Verbildlichung von "Klein" und "Groß" (optischer Kontrast) läßt sich das Kräfteverhältnis und der Wendepunkt der Fabel verdeutlichen

  • die Lehre ist eindeutig erkennbar

Für die Gruppenarbeit

"Der Bär und der Löwe" (aus: Inkiow, D.: Fabeln des Äsop, 1991)

  • in der Fabel tritt die körperliche Auseinandersetzung hervor (Konfliktlösung durch Gewalt)

  • die Lehre zeigt deutlich, daß mit körperliche Gewalt keine Problemlösung möglich ist

  • die szenische Umsetzung der Fabel durch die Gruppe ist möglich

"Von einem Frosch, der sich aufbläht, um so groß wie ein Ochse zu werden" (aus: Bolliger, M.: Tierfabeln, 1992)

  • als Beispiel für ein negatives Ende

  • regt besonders zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Verhalten der Figuren an

  • das Verhalten aufgrund von Minderwertigkeitskomplex und Geltungsbedürfnis wird thematisiert

  • die szenische Umsetzung der Fabel durch die Gruppe ist möglich

Für die vertiefende Auseinandersetzung

"Die Ameise und die Taube" (aus: Inkiow, D.: Fabeln des Äsop, 1991)

  • als Beispiel für ein positives Ende

  • die Struktur der Fabel ist eindeutig, so daß sie sich dazu eignet Teilsequenzen auszusparen, um diese durch die Schüler ergänzen zu lassen

"Von einer Schildkröte und einem Hasen, die zusammen einen Wettlauf machen" (aus: Bolliger, M.: Tierfabeln, 1992)

  • gute Bildstimulation, da das Bild die Richtung des Geschehens vorgibt (Sachverhalt: Schildkröte und Hase stehen am Start)

  • Überschrift ebenfalls richtungsweisend ("Der Wettlauf")

Einordnung in die Unterrichtseinheit

Das Thema der Unterrichtssequenz ist die Fabel. Für das Thema haben wir 6 - 8 Stunden angesetzt.

Andere Fächer, wie Sachkunde oder Kunst, können mit einbezogen werden. Die Schüler sollen die typischen Merkmale einer Fabel erkennen und Inhalte eventuell auf ihre Erfahrungswelt übertragen können.

Verlaufsplanung

1. Unterrichtsstunde

Die Schüler sollen sich, bevor der Lehrer mit ihnen in das Thema einsteigt, in eine Stuhlkreis vor die Tafel setzen. Es soll gewährleistet sein, daß jeder Schüler eine gute Sicht auf das Tafelbild hat. Zum Einstieg wird die Fabel "Maus und Löwe" (Inhalt der Fabel ist die Umkehrung des Kräfteverhältnisses) eingesetzt.

Zum besseren Verständnis heftet der Lehrer eine Illustration an die Tafel, die den Inhalt der Fabel bildlich darstellen soll (Bild: großer Löwe, kleine Maus).

Es wird zuerst nur der erste Teil der Fabel bis zum Höhe- bzw. Wendepunkt vorgelesen.

In die Mitte des Stuhlkreises stellt der Lehrer eine Kiste, in der viele Kärtchen mit Eigenschaftsbegriffen enthalten sind, die sich jedoch nicht ausschließlich auf die vom Lehrer vorgelesene Fabel beziehen.

Beispiele für Eigenschaftsbegriffe:

  • listig

  • schlau

  • flink

  • böse...

Die Schüler sollen alle ein Kärtchen ziehen und versuchen den beiden Tieren, ihre in der Fabel genannten Eigenschaften zuzuordnen. Diese sollen sie den Tieren an der Tafel anheften.

Da der Lehrer auch Eigenschaften anbietet, die nicht auf die Handlungsträger Löwe und Maus anwendbar sind, lernen die Schüler andere Begriffe kennen und auftretende Verständnisschwierigkeiten können geklärt werden.

Nun hängt er zusätzlich eine zweite Illustration an die Tafel (Bild: kleiner Löwe, große Maus ).Die Schüler sollen die Mitte der Fabel mit Hilfe von gezielten Fragen von Seiten des Lehrers erarbeiten (Beispielfragen: Was könnte passiert sein?, Warum ist der Löwe jetzt klein und die Maus plötzlich groß?).

Die Ideen der Schüler werden schriftlich an der Tafel festgehalten.

Zum Schluß der Stunde teilt der Lehrer die gesamte Fabel auf einem Arbeitsbogen an die Klasse aus und liest sie in der gesamten Länge vor.

Nun haben die Schüler die Möglichkeit ihre Ideen zum Verlauf der Fabel mit dem Original zu vergleichen.

2. Stunde

Zur Erinnerung und zum Einstieg in die zweite Stunde wird die Fabel "Maus und Löwe" noch einmal vorgelesen. Anhand dieser Fabel sollen die Schüler nun den Aufbau einer Gliederung erarbeiten.

Die Fragestellung: Was passiert am Anfang, in der Mitte und am Schluß?, soll ihnen eine Hilfe sein.

Zum Ende der Stunde lassen wir Gruppen bilden (sechs Gruppen), um in der folgenden Stunde direkt ins Thema einsteigen zu können, ohne die Unruhe, die durch die Gruppenbildung entstehen kann (z. B. mit dem will ich nicht, ich will aber unbedingt mit... usw.). Außerdem kann anhand der aufgestellten Gruppen bereits die Anordnung der Gruppentische erfolgen, was wiederum zeitsparend ist und eine Unterbrechung durch aufkommende Unruhe im weiteren Verlauf vermeidet.

Der Lehrer gibt den Schülern einen Überblick über den weiteren geplanten Unterrichtsverlauf, sowie der von ihm vorgesehenen Lernziele. Er hält eine Vortrag darüber, was er mit den Schülern geplant hat.

Anhand zweier Fabeln sollen die verschiedenen typischen Merkmale heraus gearbeitet werden.

Regeln für die Gruppenarbeit sollten ebenfalls in dieser Phase des Unterrichts aufgefrischt bzw. festgelegt werden.

Die unserer Meinung nach die wichtigsten Regeln für die Gruppenarbeit: (Meyer, Hilbert S. 266)

  • Du bist erstens für dich und zweitens für deine Gruppe verantwortlich.

  • Wenn dich etwas stört, sag es den anderen Gruppenmitgliedern deutlich und verständlich. Hör dir aber auch in Ruhe an, was die anderen dir zu sagen haben.

  • Wenn ihr Konflikte habt, versucht sie selbst zu lösen. Die Lehrerin darf nur dann zur Hilfe gerufen werden, wenn alle anderen Möglichkeiten, den Konflikt beizulegen erschöpft sind.

Nachdem die Gruppenbildung stattgefunden hat, stellt der Lehrer zwei neue Fabeln vor, die von den Schülern bearbeitet werden sollen (Drei Gruppen bearbeiten jeweils die gleiche Fabel)

Jeder Schüler bekommt einen Arbeitsbogen, mit der Fabel und einen mündlichen Arbeitsauftrag sich zu hause schon einmal mit ihrem Inhalt zu beschäftigen.

3./4. Stunde (vorgesehene Doppelstunde)

Die Schüler sitzen bereits in ihren Gruppen zusammen. Der vom Lehrer vorbereitete Arbeitsbogen wird an die Gruppen verteilt. Dieser enthält den Arbeitsauftrag die Merkmale der Fabel herauszufinden.

Durch gezielte Fragestellungen sollen die Schüler zu einem Ergebnis kommen. (Fragen siehe Arbeitsbogen).

Wenn die Gruppen ihre Ergebnisse haben, werden die Fabeln von den Schülern vorgespielt (Rollenspiel). Besonders auch für die, die eine andere Fabel hatten., Während des Vorspielens sollen die anderen aufmerksam zusehen, da sie die verschiedenen Eigenschaften erkennen sollen.

Zusammentragen der Ergebnisse (von der Erarbeitung des Arbeitsbogens) im Frontalunterricht.

5. Stunde

In einer Freiarbeit bekommen die Kinder die Gelegenheit weitere Fabeln zu lesen. (Lektüre wird vom Lehrer zur Verfügung gestellt)

6./7. Stunde

Zur vertiefenden Auseinandersetzung mit dem Thema Fabel bekommen die Schüler die Möglichkeit eine eigene Fabel zu schreiben oder eine Fabelsequenz einer vorgegebenen Fabel. Außerdem sollen die Schüler die Lehre erkennen und schriftlich festhalten. Um differenzierten Unterricht zu gewährleisten, bieten wir zwei Varianten mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad an. Zur Hilfestellung wird den Schülern Kärtchen mit Eigenschaftswörtern und Verben angeboten, über die sie frei verfügen können. Die fertigen und vom Lehrer durchgesehenen Arbeiten werden gemeinsam mit dem Schüler besprochen. Mit Hilfe der vom Lehrer gegebenen Impulse sollen die Schüler ihre Texte überarbeiten, so daß ausstellungsreife Produkte entstehen, die auch beurteilt werden sollen (Beurteilungskriterien: zuvor erarbeitete Merkmale der Fabel). Die Beurteilung der fertigen Arbeiten erfolgt in einer gemütlichen "Teerunde". Die Arbeiten sollen durch die Schüler vorgestellt und gemeinsam bewertet werden.

Beurteilungskriterien:

Die Fabel soll:
- inhaltlich schlüssig sein
- der Wechsel des Kräfteverhältnisses der Figuren soll ersichtlich sein
- die Lehre soll herauskommen bzw. erkannt und gedeutet werden

Zum Abschluß der Unterrichtssequenz wird ein Videofilm gezeigt bzw. ein Theaterbesuch geplant (je nach Angebot und Interesse).

Bezug zum Rahmenplan

Das erste Mal ist die Fabel in der vierten Klasse zu finden. Die Kinder sollen unterschiedliche Textsorten kennenlernen, mit ihren verschiedenen Merkmalen.

Die Lerninhalte sind die Lehre einer Fabel. Die Hinweise zur Unterrichtsgestaltung geben an, das die Fabel bis zur Notlage der Hauptfigur zu lesen ist.

In der fünften und sechsten Klasse wird der Rahmenplan etwas konkreter. Hier sollen die Kinder schon Höhepunkt/ Wendepunkt kennenlernen, den dialogischen, antithetischen Aufbau, die Kontrastfiguren und die Lehre, die so eine Fabel beinhaltet.

Arbeits- und Organisationsformen für die geplante Unterrichtssequenz

Frontalunterricht

  • Lehrervortrag: Einführungsgespräch des Lehrers, um den Unterrichtsinhalt vorzustellen.

  • Lehrergelenktes Unterrichtsgespräch: Durch das fragend- entwickelnde Unterrichtsgespräch werden gemeinsame Ergebnisse gesucht und ein Tafelbild aufgebaut. Dadurch soll gewährleistet werden, daß die für die weitere Arbeit wichtigen Begriffe und Inhalte genannt werden.

Gruppenarbeit

  • Gruppenarbeit ist für das soziale Lernen von großer Wichtigkeit.

  • Die Schüler sollen lernen kollegial und solidarisch zu handeln.

  • Für eine effektive Gruppenarbeit ist es wichtig, daß die Schüler genau wissen was und warum sie etwas tun sollen.

  • Durch die Gruppenarbeit wird der Austausch von Vorkenntnissen, Erfahrungen und Wünschen der Schüler gefördert.

Schüler-/Gruppenarbeit

  • Die Schüler sollen ihre Ergebnisse/Arbeiten den anderen Schülern der Klasse vorstellen.

Rollenspiel

  • Das Rollenspiel ist eine Methode des Lernens. Durch das spontane oder auch stärker gelenkte Spielen werden uns Alltagssituationen deutlicher vor Augen geführt. Das Spiel symbolisiert Situationen aus dem gesellschaftlichen Leben und ermöglicht so die Auseinandersetzung mit dieser Wirklichkeit. Dabei können alle etwas lernen- nicht nur die Spieler, sondern auch die Beobachter.

  • Durch das spielerische Umsetzen eines Textes wird dessen Inhalt verdeutlicht und verinnerlicht

Arbeitsmittel- Medien

Tafel

  • Der didaktische Vorzug der Tafel ist, daß das Bild schrittweise von den Schüler entfaltet werden kann. Es sollte vor den Augen der Schüler entstehen und für jeden gut lesbar sein. Wichtige Stichwörter können festgehalten werden.

Arbeitsblätter

  • Damit die Schüler genau wissen, was sie zu tun haben, ist der Arbeitsauftrag klar zu formulieren.

  • Arbeitsblatt zur Bearbeitung des Arbeitsauftrages, um eine einheitliche Struktur der Gruppen zu gewährleisten (dient zum besseren Vergleich).

Wörterkiste

Um beim Finden von Eigenschaftsbegriffen zu unterstützen, wird ein Karton mit Kärtchen zur Verfügung gestellt. Dieser Karton kann von den Schülern jederzeit genutzt werden. und ist für alle zugänglich.

Weitere Arbeits- und Hilfsmittel

Verschiedene Requisiten zum szenischen Spiel oder Umsetzen

Literaturverzeichnis

Wehlin, Susanne; Wilmes, Michael; Schoenke, Eva: Literatur 1 Textverständnis. 1980 München. Max Hueber Verlag.

Reger, Harald: Literatur- und Aufsatzunterricht in der Grundschule.1984 Stuttgart. Pädagogischer Verlag Burgbücherei Schneider GmbH.

Bolliger,Max: Mein Erstes Vorlesebuch der schönsten Tierfabeln. 1992 Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH.

Senator für Schule, Berufsbildung und Sport: Texte verfassen im Deutschunterricht der Klassen 5 und 6. 1980 Verwaltungsdruckerei Berlin

Inkiow, Dimiter: Die Katze läßt das Mausen nicht. Und andere Fabeln des Äsop. 1991 München. Franz Schneider Verlag GmbH

Meyer, Hilbert: Unterrichtsmethoden (Theorieband/ Praxisband). 1987 Frankfurt a. M.. Scriptor Verlag GmbH

Witzenbacher, Kurt: Praxis der Unterrichtsplanung. 1994 München. Oldenbourg Verlag GmbH


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©opyright bei den Verfasserinnen, Berlin, Juli2000

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06.04.2003


 

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