Dagmar Wilde • SS 00 / FUB • 12413 S

"Planung von Unterrichtssequenzen zum Texte verfassen in der Grundschule"


Journalschreiben als seminarbegleitende Tätigkeit


S. M. 22.05.2000

Journal zur Seminarveranstaltung am 22.5.

Meine Eindrücke:

Zu Beginn der Stunde, als wir uns mit den wichtigsten Aspekten der Unterrichtsplanung befassten, fielen mir recht viele Punkte ein. Nachdem eine Person ihre Aspekte vorgestellt hatte, stellte ich fest, dass sie mit den meinen vorwiegend übereinstimmten.

- Vor einem Jahr habe ich mein Unterrichtspraktikum in Erdkunde in einem grundständigen Gymnasium (6. Klasse) absolviert.

Bei der anschließenden Frage, welche Aspekte nun die größte Schwierigkeit im Hinblick auf eine Unterrichtsplanung darstellen, waren für mich eindeutig die Wahl der besten Medien und die Flexibilität durch Alternativen, falls mir die Zeit nicht ausreicht (Während meiner Unterrichtsversuche wurde ich fast nie mit meiner Stunde in 45. Min. fertig), sowie die nötige Sachkompetenz. Da diese "Problemfelder" im Montagsseminar mehrmals erwähnt wurden, "freute" ich mich zunächst, dass ich nicht alleine dastand. Das Abweichen von der eigenen Unterrichtsplanung (Flexibilität) ist für mich persönlich sehr wichtig. Bei meinen Unterrichtsversuchen habe ich es kaum bedacht. Sobald ich in Zeitnot geriet bzw. Schüler weit in meine Planung vorgriffen oder Beiträge gaben, mit denen ich überhaupt nicht gerechnet habe, wurde ich sehr unruhig, unkonzentriert und machte eine Menge Fehler. Folglich war ich im Unterricht viel mehr mit mir selber beschäftigt, als mit dem Unterrichtsverlauf oder den Schülern und habe die anschließenden Beiträge der Klasse nur mit einem Ohr vernommen und kaum oder gar nicht in den Unterrichtsverlauf einbezogen.

Bezüglich der Aspekte zur Unterrichtsplanung ist mir nicht ganz einleuchtend, ob die Sachanalyse ein Teil der didaktischen Analyse ist oder nicht? Ich würde fast vermuten sie ist es. Meine Kommilitonen waren ebenfalls dieser Meinung.

Als wir dann die Aspekte zum Thema Texte verfassen am Beispiel von Wochenenderlebnissen herausfinden sollten, fiel mir fast nichts ein. Nur die nötige Sachkompetenz (welche Textsorten gibt es). Bei dem (einseitigen) Austausch mit einer anderen Gruppe stellte ich fest das etliches bei der Vorbereitung zu Hause bedacht werden muss: Was sollen die Schüler daran lernen?; Berücksichtigung der Schreibprozessentwicklung; Beachtung der bisherigen Wissensstandes der Kinder; Welche Verfahren lasse ich zu?; Soll es unter "Freiem Schreiben" laufen, oder angeleitet werden?; Aus welcher Perspektive soll geschrieben werden u.a.

Bei der Nachbesprechung lernte ich auch, dass die Voraussetzung der Lernenden ein Teil der Sachanalyse ist. Ich sollte mir auch über die Ziele dieser Stunde gewiss sein und mir mögliche Hilfestellungen (Schreibanlässe, Schreibmotivation) überlegen!!!

Ich weiß jetzt, dass selbst einer für den Lehrer oder Lehreranwärter recht "lapidaren" Aufgabe, nämlich "Schreibt doch 'mal was ihr am Wochenende erlebt habt", eine genaue und ausführliche Unterrichtsvorbereitung- und planung voraus gehen muss. Auch das die Planung in Bezug auf die Planungsebenen stets interdependent verlaufen sollte ist mir neu. Sonst habe ich die einzelnen Aspekte streng von einander abgegrenzt.

Mit einer Unterrichtsform beim Texte verfassen - dem Freien Schreiben - habe ich noch so meine Probleme. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass das Texte schreiben nach diesem Prinzip, in der die Schüler die Freiheit des Ortes, der Zeit, des Themas, welches Papier sie benutzen, die Länge des Textes, die Wahl des Schreibwerkzeugs (vgl. Kochan, B.: "Gedankenwege zum Lernen beim Freien Schreiben", S. 87, Reader. ) und sogar ob sie überhaupt schreiben wollen oder nicht kaum produktiv sein kann.

Ich betrachte das Thema allgemeiner und im Zusammenhang mit dem Erziehungsaspekt. Die Lehrperson hat doch, neben dem Lehren, auch eine ganz klare erzieherische Aufgabe. Man kann dem Schüler doch nicht sagen "Verfasse einen Text" und mehr nicht. Ich bin der Meinung das der Lehrer wenigstens einige mögliche Themen zur Wahl stellen sollte, nach denen sich die Schüler orientieren können und alle weiteren Aspekte ihnen zur Auswahl stellt. Selbstverständlich sollte er ihnen beim Verfassen mit Rat und Tat bei Fragen zur Seite stehen. Gerade junge Menschen sind ständig auf der Suche nach Vorbildern, nach Menschen nach denen sie sich richten können. Viele kommen aus zerbröckelten Familien oder sind gar Scheidungskinder, wie ich u.ä. In den Medien (Fernsehen, Kino, Werbung) werden ihnen Vorbilder vorgegaukelt, die sich alsbald als fiktiv oder unerreichbar erweisen. Die Folge ist, dass die Heranwachsenden oft resignieren und nicht mehr weiter wissen. Dann tun sie das, was sie selbst für richtig halten und fallen nicht selten auf die Nase. Ich bin der Meinung, dass ein Gegenpol zu dieser Entwicklung nötig ist. Da in unserer Gesellschaft Schulpflicht vorherrscht, liegt es nahe das für junge Menschen, die von dem oben beschriebenen Phänomen betroffen sind, gerade die Schule eine Art Gegenpol zum sich immer mehr verbreitenden Liberalismus in der Gesellschaft bilden sollte. Wer sonst, wenn nicht die Schule und somit die Lehrerinnen und Lehrer können den Schülern ein Ziel geben, eine Orientierungshilfe im Leben sein, sie durchs Leben begleiten und zu mündigen Erwachsenen werden lassen. Damit meine ich nicht das die Schule den Schüler von Klasse 1 bis evtl. 13. an der Hand nehmen muss. Sie sollte ihm nur bestimmte Möglichkeiten offerieren, Anregungen verschaffen, wie er oder sie sein Leben meistern und sich weiter entwickeln könnte.

Ich glaube, dass das Freie Schreiben für einige Schüler eine Enttäuschung sein könnte, vor allem wenn sie mehr von der Lehrperson erwarten als nur daneben stehen und ab und zu Hilfe zu geben. Ähnliches habe ich auch in dem auf Seite 2 erwähnten Aufsatz gelesen (S.89 links: "Gewissenskonflikt" im Reader). Ein weiterer Punkt ist die Schwierigkeit der Benotung solcher Texte.

Es sind zugegeben einige skeptische Eindrücke die ich hier dargelegt habe. Ich weiß allerdings, dass Frau Bungenstock nach dem Konzept des Freien Schreibens beim Texte verfassen vorgeht und das die Schüler es gut finden. Soviel ich weiß benotet sie die Texte jedoch nicht.

Möglicherweise liegt meine Skepsis darin begründet, dass ich eigentlich gar keine praktische Erfahrung mit diesem Thema habe und mein Wissen lediglich aus Büchern und Zeitschriften herausziehe. Zudem bin ich noch Anfänger und bin vielleicht an eher traditionelle Unterrichtsformen gewöhnt.

Das Thema Freies Schreiben hat mich schon länger beschäftigt und ich habe die Möglichkeit genutzt um einige meiner Gedanken dazu zu Papier zu bringen.

 

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©opyright Dagmar Wilde, Berlin, Mai 2000

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06.04.2003


 

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