Referate im Seminar - Referate in der Schule:
Alternative Formen für die Vermittlung von Lerninhalten

Monika Gedicke / November 1999

INTERAKTIVE REFERATFORMEN IN DER SEMINARARBEIT

I. Zielsetzungen

II. Beispiele

1. traditionelles Referat

2. 'mini' Referat

3. 'contract' Referat

4. 'mirror' Referat

5. 'buzz-group' Referat

6. 'expert' Referat

III. Vermittlungsmöglichkeiten und Anwendung dieser Referatformen im Seminar

IV. Transfer dieser Referatformen auf die Unterrichtssituation der Referendare / Lehramtsanwärter

V. Literaturhinweise

 

INTERAKTIVE REFERATFORMEN IN DER SEMINARARBEIT

I. Zielsetzungen

zugrundeliegendes Ausbildungskonzept

Dem Lernprozeß im Seminar liegt keine hierarchische Rollenstruktur zugrunde; d.h.

das Referat als eine Form des 'indirekten Inputs'

Die folgenden Beispiele zeigen Möglichkeiten auf, bei Referaten in der Seminararbeit

Die vorgestellten Referatformen sind zu verstehen als eine von vielen Ausbildungsmethoden; sie


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II. Beispiele

1. traditionelles Referat

Ein traditionelles Referat, das ein Referent vor einer Gruppe hält, ist effektiver, wenn die Zuhörer präzise Höraufträge bekommen, die dann in einer anschließenden Diskussion oder einer andersartigen Auswertungsphase besprochen werden können.

Beispiele von Höraufträgen sind:


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2. 'mini' Referat

Vorgehensweise:

  1. Zwei Referenten wählen oder bekommen zwei unterschiedliche Referatthemen und bereiten anhand präziser Aufgabenstellungen jeder einen kurzen Vortrag über ihr Thema vor

  2. Die Gruppe wird in zwei gleich große Kreise geteilt, die so weit voneinander entfernt sitzen wie möglich. Die Zuhörer werden davon informiert, daß jeder später in Partnerarbeit die Hauptgedanken des Referats an ein anderes Gruppenmitglied weitergeben muß. Die beiden Referenten halten gleichzeitig ihren Vortrag, einer im Kreis A, der andere in Kreis B. Der Leiter hört dem Referenten A zu. Die Zuhörer machen sich Notizen und stellen Fragen, wenn sie etwas nicht verstanden haben oder erneut erläutert haben möchten.

  3. Die Teilnehmer des Kreises A suchen sich einen Partner aus dem Kreis B und informieren sich gegenseitig über die Hauptaspekte der beiden Vorträge. Die Referenten A und B arbeiten zusammen. Der Leiter hört nun dem Referenten B zu, so daß er später beide Referate würdigen kann.
    Werden einige Paare sehr früh fertig, erhalten sie eine zusätzliche vom Leiter
    vorbereitete Diskussionsaufgabe, die später im Zusammenhang mit den beiden
    Referaten im Plenum ausgewertet werden kann.

  4. Nach der Partnerarbeit erhalten alle Beteiligten die Gelegenheit, die Referenten um weitere Erläuterungen zu bitten; ggf. werden inhaltliche Aspekte im Plenum ausgewertet und vertieft.

Anmerkungen:


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3. 'contract' Referat

Vorbereitung in der vorhergehenden Seminarsitzung bzw. Unterrichtsstunde:

  1. Die Anwesenden werden in zwei gleich große Gruppen, A und B, aufgeteilt.

  2. Jede Gruppe bekommt ein unterschiedliches Thema, und die Teilnehmer bereiten sich anhand vorgegebenen Materials und präziser Aufgabenstellungen zu Hause darauf vor, grundlegende Informationen aus ihrem jeweiligen Material an andere Teilnehmer weitergeben zu können. Es ist wichtig, daß niemand die Themen der jeweils anderen Gruppe erfährt.

Vorgehensweise:

  1. Jeder Teilnehmer aus der Gruppe A arbeitet zusammen mit einem Teilnehmer aus der Gruppe B.

  2. Die Teilnehmer schreiben das Thema ihres Referats auf ein Blatt Papier und tauschen dieses mit dem ihres Partners aus.

  3. Auf dem Blatt ihres Partners notieren die Teilnehmer Stichpunkte, die sie von ihrem Partner später bei dessen Vortrag berücksichtigt haben möchten, oder sie formulieren Fragen.

  4. Die Partner tauschen ihre Stichpunkte oder Fragen aus, so daß jeder wieder an seinem eigenen Thema arbeitet. Jeder Teilnehmer bereitet nun endgültig die Struktur seines Vortrages vor und versucht dabei, so viel Stichpunkte oder Fragen seines Partners wie möglich zu berücksichtigen.

  5. Abwechselnd halten sich die Partner nun ihre Vorträge; ein Zeitlimit ist ratsam.
    Bei einer ungeraden Anzahl von Teilnehmern (oder in dem Fall, daß einige Teilnehmer unvorbereitet sind) können einige Paare Beobachter zugewiesen bekommen, die sich Notizen über Motivation, Konzentration und Interaktion zwischen den Referenten und Zuhörern machen.

  6. Nach den Vorträgen reflektieren die Teilnehmer mit ihren Partnern (und ggf. mit ihren Beobachtern)
    a) ihre Erfahrungen mit dieser Referatform als Referent und als Zuhörer,
    b) den Inhalt der Vorträge anhand einer präzisen Aufgabenstellung (sie können auch Fragen notieren, die später diskutiert werden).

  7. Die Ergebnisse aus 8. (und ggf. die Notizen der Beobachter) werden im Plenum ausgewertet.

Anmerkungen:


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4. 'mirror' Referat

Vorgehensweise:

  1. Ein Teilnehmer bereitet anhand präziser Aufgabenstellungen ein Referat vor,

  2. Drei Zuhörer assistieren dem Referenten. Sie sitzen vor ihm und haben die Aufgabe, nach einigen Minuten jeweils kurz mit eigenen Worten zu wiederholen, was der Referent gesagt hat. Dies bedeutet nicht, daß sie getestet werden, sondern sie agieren als 'Spiegel', so daß der Referent herausfinden kann, wie erfolgreich sein Vortrag ist.
    Die anderen Zuhörer notieren sich Fragen, dürfen aber nicht eingreifen.

  3. Der Referent gibt den ersten Teil seines Vortrags und macht nach ein paar Minuten eine Pause.

  4. Einer der drei Assistenten erläutert, was er verstanden hat; die anderen Assistenten können ihn gegebenenfalls unterstützen. Wenn einzelne Aspekte falsch oder unzureichend verstanden wurden, kann der Referent sie noch einmal wiederholen.

  5. Der Referent geht auf diese Art und Weise durch seinen ganzen Vortrag. Nach drei Referatteilen können andere Teilnehmer die Assistentenrollen übernehmen, sie können vor oder nach dem jeweiligen Referatteil benannt werden.

  6. Nach dem Vortrag erhalten alle Zuhörer die Gelegenheit, Fragen zu stellen; ggf. werden inhaltliche Aspekte im Plenum vertieft.

Anmerkungen:


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5. 'buzz-group' Referat

Vorgehensweise:

  1. Ein Teilnehmer bereitet anhand präziser Aufgabenstellungen ein Referat vor.

  2. Der Referent gibt den ersten Teil seines Vortrags.

  3. Die Zuhörer arbeiten in 'buzz'- Gruppen (zu zweit oder zu dritt): Sie fassen die Hauptaspekte des bisher Gesagten kurz zusammen. Der Referent kann während der Gruppenarbeit herumgehen, Fragen beantworten und/oder Aspekte sammeln, die er später kommentieren möchte. Auf ein vorher vereinbartes Signal hin hören die Gruppen auf zu arbeiten.

  4. Der Referent gibt den zweiten Teil seines Referats, die Teilnehmer arbeiten anschließend erneut in ihren Gruppen; dasselbe geschieht mit einem dritten oder ggf. auch vierten Referatteil.

  5. Im Anschluß an das Referat werden ggf. weiterführende Fragen diskutiert und/oder inhaltliche Aspekte vertieft.

Anmerkungen:


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6. 'expert' Referat

Vorgehensweise:

  1. Ein Referent bereitet sich anhand präziser Aufgabenstellungen darauf vor, grundlegende Informationen über ein Thema an andere Teilnehmer weitergeben zu können.

  2. Dieser Referent agiert als Experte. Der Leiter (oder der Referent) erläutert das Thema und ermutigt die Gruppe, in einem begrenzten Zeitraum so viele Fragen wie möglich zu stellen, um von dem Experten alle wesentlichen Informationen über das Thema zu erhalten.

  3. Die Zuhörer stellen Fragen. Der Experte antwortet, gibt aber über die Fragen hinaus keine weiterführende Erläuterungen.

  4. Das Interview wird nach einem vorher festgesetzten Zeitlimit beendet.

  5. Falls nötig, erläutert der Referent dann zusätzliche Details. Eine auswertende Diskussion schließt sich ggf. an.

Anmerkungen:


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III. VERMITTLUNGSMÖGLICHKEITEN UND ANWENDUNG DIESER REFERATFORMEN IM SEMINAR

'loop input'

Einige der vorgestellten Referatformen eignen sich für eine Vermittlung durch die von Tessa Woodward entwickelte 'loop input' Methode: Die Seminarteilnehmer probieren selbst die jeweiligen Übungsformen aus und reflektieren gleichzeitig die didaktischen und methodischen Grundprinzipien- eben dieser Vorgehensweise in dem für sie authentischen Situationsrahmen der Ausbildung sowie mit einem ihnen entsprechenden Schwierigkeitsgrad, und es wird ihnen durch die Methodenreflexion ein Transfer der ausprobierten exemplarischen Übungsformen auf weitere verschiedenartige Materialien und Unterrichtssituationen erleichtert (vgl. hierzu Woodward 1991 und Woodward 1992, activity 2.27).

Das bedeutet für den vorliegenden Zusammenhang, daß die Ausbilder die entsprechende Referatform einführen, indem sie deren Grundprinzipien und Vorgehensweisen in der Form eben dieses Referats erläutern. So sind die Ausbilder beispielsweise Experten für das 'expert' Referat, und die Seminarteilnehmer erfragen einzelne Elemente dieser Referatform in der gleichzeitigen Durchführung eines 'expert' Referats. Oder der Ausbilder gibt ein 'buzz-group' Referat bzw. 'mirror' Referat über Organisation, Durchführung, Zielsetzung und Problemkreise eines 'buzz-group' Referats bzw. 'mirror' Referats; d.h. die Referendare/ Lehramtsanwärter erfahren die neue Referatform nicht als 'leaming by doing' an einem beliebigen Beispiel, sondern durch didaktisch-methodische Information verknüpft mit der Durchführung dieser Referatform selbst.

'learning by doing'

Die einzelnen Referatformen können zudem im Seminar anhand von Beispielen ausprobiert werden; d.h. Ausbilder oder Referendare/Lehramtsanwärter halten Referate zu didaktisch-methodischen Themenkreisen. Beispielsweise kann zur Durchführung eines 'mini' Referats oder eines 'contract' Referats die Seminargruppe in zwei Untergruppen aufgeteilt werden, die jeweils ein Kurzreferat zu zwei verschiedenen Fragestellungen vorbereiten und im Seminar halten.

Um erfolgreiche Vorträge zu gewährleisten, kann zur Vorbereitung der Referate der Artikel von Nick Owen hinzugezogen werden (vgl. Literaturhinweise), der wesentliche Schritte der Planung und Durchführung eines Vortrags berücksichtigt und dabei auch Aspekte der Struktur, einzelner Präsentationselemente, der Beziehung zum Zuhörer, der Choreographie etc. berücksichtigt. Präzise Beobachtungsaufträge können dazu beitragen, die Referate im Anschluß sowohl hinsichtlich ihrer Inhalte als auch ihrer Präsentation auszuwerten bzw. zu reflektieren (vgl. hierzu beispielsweise eine Fragenzusammenstellung von Tessa Woodard, 1992, p.35, 'lecture evaluation form').


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IV. TRANSFER DIESER REFERATFORMEN AUF DIE UNTERRICHTSSITUATION DER REFERENDARE / LEHRAMTSANWÄRTER

  1. Bei einem Transfer der Referatformen auf den Unterricht sollten folgende allgemeine Hinweise thematisiert bzw. beachtet werden:

  2. Die Schüler müssen Kriterien an die Hand bekommen, wie Referate vorbereitet und gehalten werden. Sie sollten schrittweise an das freie Halten von Referaten herangeführt werden; als eine mögliche Stufenfolge kann das Einüben unterschiedlichen Referatformen in der hier vorgestellten Reihenfolge (Beispiele 2-6) angestrebt werden.

  3. Vorgehensweisen und Zielrichtungen müssen sowohl den Zuhörern als auch den Referenten im Vorfeld genau erläutert werden.

  4. Sowohl die Zuhörer als auch die Referenten brauchen im Anschluß an das Referat Zeit, Ziele, Vorgehensweise und Ergebnisse zu reflektieren. Dies ist besonders deshalb unbedingt erforderlich, da Erfahrungen mit den vorgestellten Referatformen im Unterricht zeigten, daß einige Lerngruppen sich nur sehr zögernd darauf einließen, die 'bequemen' Referatmuster aufzugeben, an die sie gewöhnt waren, und neue, interaktive Formen zu akzeptieren.

  5. Es ist ratsam, die für die Schüler neuen Referatformen zunächst mit einem Referat, das der Lehrer hält, oder mit einem weniger anspruchsvollen Inhalt auszuprobieren, so daß sich die Schüler zunächst einmal mit ihren neuen Rollen als Referenten und Zuhörer vertraut machen können. Dies ist besonders in Lerngruppen wichtig, in denen die Schüler leicht demotiviert, bzw. ungeduldig werden, wenn sie nicht gleich alles auf Anhieb verstehen.

  6. Es hängt von der Lerngruppe und vom Thema, bzw. von der Weiterarbeit mit dem Thema ab, ob die Zuhörer sich Notizen machen oder nicht.

  7. Nicht alle Schüler nehmen Informationen in gleicher Intensität auf, und schwächere Schüler geben Referatinhalte möglicherweise weniger differenziert wieder. Dieser Sachverhalt muß insbesondere dann berücksichtigt werden, wenn mit dem Referatinhalt weitergearbeitet werden soll; weitergehende Auswertungsphasen oder von den Referenten vorbereitete Thesenpapiere werden hier notwendig.

 

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V. LITERATURHINWEISE

Gedicke, Monika: Student lectures in the classroom, in: Englisch Teaching professional, July 1997

Hess, Natalie: Headstarts, Longman 1991

Owen, Nick: Planning and Delivering your Talk, in: IATEFL (The International Association of Teachers of English as a Foreign Language) Newstetter, Issue No.128, August 1995

Porter Ladousse, Gillian: Role Play, Oxford University Press 1987

Woodward, Tessa: Models and Metaphors in Language Teacher Training, loop input and other strategies, Cambridge University Press 1991

Woodward, Tessa: Ways of Training, Longman 1992


Monika Gedicke ist Hauptamtliche Fachseminarleiterin (S) für Englisch

Kontakt: Gedimo@gmx.de




©opyright Monika Gedicke, Berlin, Januar 2000

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06.04.2003


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