Workshops im Rahmen der Berliner SEMIK-Tagung
am 18./19. Oktober 2001

 

Workshop 2

Kann der Computer Lernqualität verbessern? - Schulentwicklung und neue Medien

Karin Babbe, Erika-Mann-Grundschule, Berlin
Mascha Kleinschmidt-Bräutigam, Berliner Landesinstitut für Schule und Medien (LISUM)

Gemeinsam mit den Teilnehmerinnen wollen wir ergründen, ob die schlichten Formeln
"neue Medien = innovativer Unterricht"
oder 
"Internet und Homepage = zukunftsorientierte moderne Schule"
tragfähig oder unsinnig sind.
Dabei geht es - ausgehend von Thesen zur Bildungsdiskussion nach Brockmeyer - um Möglichkeiten der Schulentwicklung im Zusammenhang mit Computern.

Personalentwicklung, Unterrichtsentwicklung und Organisationsentwicklung werden im Zusammenhang konkret gemacht. Ein Blick auf die nächsten Schritte an der eigenen Schule soll unsere Arbeit abschließen.

Einblicke

Rückblicke

Nach einer Vorstellungsrunde gaben die Leiterinnen einen Ausblick für die folgenden zwei Stunden mit der Fragestellung:
Wie kann man Lernqualität im Sinne von Schulentwicklung verbessern?
Frau Babbe führte die TeilnehmerInnen durch einen Artikel aus der Zeitschrift „Praxis Deutsch“ in die Thematik ein, in der es provokativ um die Aussage „Schulen nicht unbedingt ans Netz“ ging.
Im sich anschließenden Forum erfolgte zunächst ein Erfahrungsaustausch unter den TeilnehmerInnen im Hinblick auf eigene Erfahrungen mit Neuen Medien in den jeweiligen Schulen. Der Tenor sei hier kurz zusammengefasst:
Die technische Pflege des vorhandenen Equipments fehlt,
LehrerInnen leisten häufig unbezahlte Arbeit am Nachmittag, um Computer einsatzbereit zu vernetzen bzw. zu warten,
es werden nicht genügend finanzielle Mittel seitens der Senatsschulbehörde bereitgestellt,
die Ermäßigungsstunden der Netzwerkadministratoren in den Bezirken reichen nicht aus,
es ist nicht Aufgabe der LehrerInnen, Computer zu installieren, sondern diese sinnvoll zu nutzen und anzuwenden,
Eltern werden als „Feuerwehr“ missbraucht.
Im Resümee des Freitags sollen diese Aspekte nochmals aufgegriffen werden.
Unter dem Blickwinkel der Schulentwicklung wurde ein Umdenken in unserer Rolle des Lehrenden gefordert und gefragt, was können wir verändern?
THESE 1: Die Rezeption der neuen Technologien muss im Verbund geschehen mit der Umwandlung der Lernprozesse in Richtung auf eine neue Lernkultur mit veränderten Inhalten und Methoden.
Im Gegensatz zu Herrn Prof. Tulodziecki in seinem Vortrag am Vormittag „Lernen verändert sich nicht“ vertrat Frau Kleinschmidt-Bräutigam die Meinung, dass sich Lernen - wir meinen in diesem Rahmen schulisches Lernen - doch verändert; Lernen war das private Geschäft eines Lehrers, es gab kein gemeinsames Verständnis an einer Schule. Neu ist nun die Forderung, nach der Kollegien angeregt werden sollen. Sich über eine Lernkultur zu verständigen.
Was soll der Computer eigentlich leisten, wozu soll er dienen?
Soll er im Klassenzimmer stehen oder in einem Computerraum?
Eine Internet-Recherche zum Thema ‚Schulentwicklung mit dem Computer’ erwies sich im Vorfeld zu der Veranstaltung als ein Loch.
THESE 2: Neue Technologien werden in dem Maße zu einem Bestandteil von Schulentwicklung, in dem sie zu einem Element der qualitativen Veränderung von Lehr-Lern-Prozessen werden.
Was bedeutet denn „neu“ im Hinblick auf Lernen?
Was hat die Reformpädagogik mit dem Computer zu tun?
Was kann der Computer im Sinne einer Qualitätssteigerung ergänzen?
Dies sind Fragen, die sich ein Kollegium stellen sollte, wenn es um innere Schulentwicklung geht. Dabei muss Lernen neu definiert werden, jedoch nicht am Begriff Computer, sondern in dem Verständnis einer neuen Pädagogik als Motor für neue Lernkultur. Die neue Kulturtechnik Computer verhilft der „alten“ Kulturtechnik Schriftsprache zu einer Renaissance.
THESE 3: Im Zentrum „innerer Schulentwicklung“ steht die allmähliche Neuorientierung einer neuen Lernkultur
Instruktion und Konstruktion zur Balance bringt,
die Interessen, Probleme und Fragen der Lernenden aufnimmt,
den Aufbau von Lernkompetenz zum Ziel hat,
in die Sicherung der Kulturtechniken die neuen Technologien einschließt,
Methodische Fragen des Lernens und Lehrens die angemessene Bedeutung gibt,
Reflexion des Lernens zum selbstverständlichen Element des Lernprozesses werden lässt.
Neu heißt hierbei Ablösung von dem Alleinvertretungsanspruch des Lehrenden im Sinne von Instruktion hin zu Balance zwischen Instruktion und Konstruktion und damit eine Veränderung der Weise der Aneignung anzustreben.
ROLFF stellt ein Drei-Wege-Modell der Schulentwicklung vor, in dem sich wesentliche Schritte zur Veränderung von Schule erkennen lassen:
Frau Babbe ( Schulleiterin der Erika-Mann-Grundschule) stellte im Anschluss die Schulentwicklung an ihrer Schule vor:
An der Schule sind Schulentwicklungsgruppen entstanden, d.h. aus jeder Jahrgangsstufe gibt es einen Vertreter zu bestimmten Themen.
Der Computer wird als eine Lernform in der Binnendifferenzierung angesehen.
Die Schulleitung brachte ihre Wertschätzung für KollegInnen, die sich um die technische Pflege kümmern, durch Übernahme von Unterrichtsverpflichtung zum Ausdruck.
Im Wahlpflichtunterricht (WUV) findet das Werkstattprinzip Anwendung.
Der Wunsch nach Fortbildung ist groß; gegenwärtig sind ca. 30% des Kollegiums bereits computerkompetent.
Die Personalentwicklung innerhalb des Kollegiums ist ausgesprochen positiv, Kommunikationsprozesse sind in Gang gekommen.
Die Eltern werden in die Schulentwicklungsprozesse aktiv eingebunden.
Zum Abschluss des Workshops wurde den TeilnehmerInnen die Frage gestellt:
Auf welche Ideen hat mich das heute Gehörte gebracht?
Die Antworten wurden auf Kärtchen notiert und von den beiden Leiterinnen für die Präsentation am folgenden Tag aufbereitet.
Der Wandel ist eine Reise und kein festgelegter Plan! (Fullan)

Britta Ullrich, Berlin