Aussagen zum vorfachlichen Unterricht
in Rahmenplänen und Rundschreiben
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Hinweise zum vorfachlichen Unterricht finden sich in grundlegenden Aussagen zum Unterricht in der Berliner Grundschule, in Präambeln der Rahmenpläne Sachkunde bzw. Deutsch in der Grundschulordnung und in Rundschreiben:

  • Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule, A I, Die Berliner Schule

  • Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule, A II, Die Grundschule

  • Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule, A VI, Vorfachlicher Unterricht

  • Rundschreiben SchulSport IIII Nr. 66/1990 (Bandbreitenmodell im Schuljahr 1990/91)

  • Rundschreiben SchulSport IIII Nr. 112/1991 (Bandbreitenmodell im Schuljahr 1991/92)

  • Grundschulordnung

  • Vorläufiger Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule, Grundschule, Deutsch Klasse 1-6

  • Vorläufiger Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule, Grundschule, Vorfachlicher Unterricht, Sachkunde

  • sowie in den Handreichungen zu den Rahmenplänen Deutsch und Sachkunde

"Die Grundschule orientiert sich in ihren Zielsetzungen, Inhalten und Verfahrensweisen am Entwicklungsstand, an den Entfaltungsmöglichkeiten und Bedürfnissen der Kinder ebenso wie an den Ansprüchen ihres weiteren Bildungsweges und denen der Gesellschaft. Sie nimmt die Lebenserfahrung der Schüler in ihrer Umwelt auf und macht sie zur Grundlage weiterführender Lernprozesse im Unterricht."(Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule, A II, Die Grundschule, I, S. 1.)

"Erziehung und Unterricht sind untrennbar miteinander verbunden., Aufgabe der Grundschule ist es, den Kindern Hilfen zur persönlichen Entfaltung zu geben, Selbstvertrauen und Selbständigkeit unter Beachtung der Ansprüche anderer zu entwickeln und sie so zu verantwortlichem Handeln in der Gemeinschaft zu erziehen. Aufgabe der Grundschule ist es, die Kinder in ihrer intellektuellen, emotionalen, schöpferischen, manuellen und körperlichen Entwicklung planvoll zu fördern und sie allmählich zum systematischen Lernen zu führen." (Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule, A II, Die Grundschule, I, S. 1.)

"Der Unterricht der Grundschule vermittelt ein Fundament an Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten und eröffnet damit weiterführende Bildungsmöglichkeiten." (Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule, A II, Die Grundschule, I, S. 1.)

"Die Grundschule muß bemüht sein, alle Schüler nach ihren Möglichkeiten zu fördern. Sie muß sich auf die Kinder in ihrer Unterschiedlichkeit pädagogisch einstellen und sich auf die Lernvoraussetzungen jedes Kindes beziehen. Kindern mit Lernschwierigkeiten bietet sie frühzeitig individuelle Förderung.
Zur Entwicklung besonderer Fähigkeiten und Interessen trägt sie mit erweiterten Lernangeboten bei." (Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule, A II, Die Grundschule, I, S. 1.)

"Die Grundschule soll in ihrer gesamten Arbeit die schöpferischen Fähigkeiten der Kinder fördern und sie zum phantasievollen und gestaltenden Umgang mit Wirklichkeit anregen." (Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule, A II, Die Grundschule, I, S. 2.)

"Unterricht in der Grundschule soll Kinder befähigen, ihre Umwelt zunehmend selbständig praktisch, geistig und emotional zu erschließen, die Vielfalt der Eindrücke zu ordnen und Zusammenhänge zu erkennen.
Bei diesem Prozeß ist ein allen Schülern gemeinsamer Grundbestand an Wissen und Können zu erarbeiten. Die Inhalte des Wissens und Könnens orientieren sich an der Erfahrungswelt der Schüler, an ihren Interessen und den Anforderungen ihres weiteren Bildungsweges.

Der Unterricht in der Grundschule berücksichtigt die Ergebnisse der Wissenschaft angemessen, Wissenschaftsorientierung darf aber nicht zu einer verfrühten fachsystematischen Gliederung und Spezialisierung des Unterrichts führen. Es geht vielmehr darum, anhand sachgerecht und vereinfachter Inhalte und Verfahren für Schüler Denk- und Arbeitsformen verfügbar zu machen, die ein zeitgemäßes und zugleich zukunftsbezogenes Weltverständnis und ein entsprechendes Handeln ermöglichen.

Im Grundschulunterricht setzen sich Kinder in zunehmend differenzierter Form mit ihrer Umwelt sachlich und sprachlich auseinander.

Umwelterschließung und Spracherwerb müssen eng miteinander verbunden werden. In allen Unterrichtsbereichen muß die Entwicklung der sprachlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten berücksichtigt werden.

Der Erwerb von Fähigkeiten und Fertigkeiten erfolgt durch unmittelbare Anschauung in der Umwelt (Realbegegnung), im handelnden Umgang, in der Auseinandersetzung mit Materialien und Medien und im Gespräch.

Die Schüler müssen vielfältige Gelegenheiten zur Eigentätigkeit und zum entdeckenden Lernen erhalten. Auf diese Weise wird zugleich eine Grundlage für die Entwicklung des begrifflichen Denkens und der Abstraktionsfähigkeit geschaffen." (Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule, A II, Die Grundschule, II, S. 3.)

"Während in den ersten Jahren der vorfachliche Unterricht wenig gegliedert ist, erfolgt mit zunehmendem Lernfortschritt eine Hinführung zum gefächerten Unterricht der Klassen 5 und 6. In der gesamten Grundschulzeit ist jedoch das Zusammenwirken der Lernbereiche ein bestimmendes Merkmal des Unterrichts." (Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule, A II, Die Grundschule, II, S. 4.)

"Im vorfachlichen Unterricht sind unterschiedliche Inhalte verbunden. Ein projekt- und handlungsorientierter Unterricht ist anzustreben, soweit dies sinnvoll ist und einer sachgerechten Behandlung nicht entgegensteht." (Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule, A II, Die Grundschule, III, S. 6.)

Für den Unterricht in Klasse 5 und 6 wird ausgeführt:
"Die stärkere fachliche Ausrichtung des Unterrichts mit der Heranführung an abstrakte Begriffe, systematische Zusammenhänge und formale Operationen hat zu berücksichtigen, daß auch hier Anschaulichkeit und Handlungsorientierung noch wichtige Voraussetzungen für den Lernerfolg sind." (Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule, A II, Die Grundschule, III, S. 6.)

"Der Schulanfänger hat noch nicht gelernt, die Welt unter fachspezifischen Gesichtspunkten zu erschließen. Daher ist für die ersten vier Grundschuljahre ein noch weitgehend ungefächerter, also "vorfachlicher Unterricht" angemessen." (Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule, 9 A V 1, Vorfachlicher Unterricht, S. 1.)

"Die Lernbereiche des VU sind inhaltlich abgrenzbare Bereiche des Unterrichts - die sich jedoch nicht aus dem Gesamt des entsprechenden Fachs, sondern vielmehr aus dem Gesamt der Erfahrungswelt der Schüler herleiten lassen" (Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule, B II 1.)

"Die für die einzelnen Lernbereiche innerhalb des vorfachlichen Unterrichts angegebenen Wochenstundenzahlen sind Richtwerte für die einzelnen Lernbereiche innerhalb eines Schuljahres." (Grundschulordnung, S. 25.)

"Grundschule orientiert sich an den zunehmend unterschiedlichen Sozialisationsbedingungen der Kinder und hat deshalb durch vielfältige Differenzierung und Individualisierung auf die individuellen Verhaltensweisen, Lernfähigkeiten und Lernbedürfnisse des einzelnen Kindes einzugehen." (RdSchr. SchulSport III, Nr. 112/1991)

"Lebensbezug ist Schulkonzept. Ein handlungs- und erlebnisorientierter Unterricht bietet Möglichkeiten zum entdeckenden Lernen und Handeln sowie zum verbundenen Sprach- und Sachlernen, wobei neben langfristig erprobten und bewährten Unterrichtsverfahren auch geöffnete und kooperative Formen diesen Unterricht unterstützen können. Außerschulische Lernorte und Projekte unterstützen ihn. Dabei ist im vorfachlichen Unterricht ein flexibler Umgang mit dem 45-Minuten-Modell möglich." (RdSchr. SchulSport III, 112/1991)

"Ein flexibler Umgang mit dem '45-Minuten-Takt' bietet sich insbesondere im vorfachlichen Unterricht an." (RdSchr. SchulSport III 66/1990)

"Die Aufgaben des Deutschunterrichts müssen von allen Lernbereichen und Fächern aufgenommen und ergänzt werden; (...). Eine besonders enge wechselseitige Verknüpfung findet zwischen den Inhalten der Sachkunde und dem Deutschunterricht statt." (Vorläufiger Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule, Grundschule Klasse 1 bis 6 / Deutsch, S. 1.)

"Sprachliche Lernprozesse müssen von den Sprach- und Umwelterfahrungen der Kinder ausgehend in realitätsbezogenes sprachliches Handeln münden. Sie sollen als aktive, selbständige Auseinandersetzung des Schülers mit den Inhalten des Deutschunterrichts gestaltet werden." (Vorläufiger Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule, Grundschule Klasse 1 bis 6 / Deutsch, S. 4.)

"Ziele und Aufgaben der Teilgebiete (des Deutschunterrichts) sind wechselseitig aufeinander bezogen. Darum darf der Unterricht, der dem Prinzip des verbundenen Sprachunterrichts folgt, die Teilgebiete nicht isoliert behandeln. Aufgabe des Lehrers ist es, in eigener Verantwortung Unterrichtseinheiten so zu planen, daß eine Verknüpfung der Teilgebiete hergestellt wird." (Vorläufiger Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule, Grundschule Klasse 1 bis 6 / Deutsch, S. 6.)

Sprachliche Fertigkeiten können nur dann sinnvoll gelernt werden, wenn sie sich auf Inhalte und Situationen beziehen, die von den Schülern als bedeutungsvoll erlebt werden. Dabei müssen die Grenzen des Deutschunterrichts bisweilen überschritten und im besonderen Inhalte der Sachkunde im vorfachlichen Unterricht und der Fächer in den Klassen 5 und 6 einbezogen werden. (Vorläufiger Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule, Grundschule Klasse 1 bis 6 / Deutsch, S. 7f.)

"(...) Die verfügbaren Stunden für den Deutschunterricht ergeben sich aus den Stundentafeln der einzelnen Klassen. Bei der Einschätzung der Lernzeiten ist zu beachten, daß der Spracherwerb ein Prinzip des gesamten Unterrichts ist. Besonders enge Verknüpfungen finden in den Klassen 1 - 4 statt., wenn die sprachliche Arbeit in den anderen Lernbereichen des vorfachlichen Unterrichts in den Deutschunterricht eingeht, oder wenn sie zum Anwendungsfeld für sprachliche Leistungen wird." (RdSchr. SchulSport II Nr. 56/1991)

"Der gesamte Deutschunterricht folgt dem Prinzip des verbundenen Sprachunterrichts. Dem einzelnen Lehrer, der einzelnen Lehrerin wird die Aufgabe gestellt, in eigener Verantwortung Unterrichtseinheiten so zu planen, daß ausgehend von einem Teilgebiet eine Verknüpfung mit anderen Teilgebieten hergestellt wird. Diese findet z. B. dann statt, wenn beim Erschließen eines literarischen Textes über den Text gesprochen wird (Mündlicher Sprachgebrauch), der Text schriftlich kommentiert, ergänzt und umgeformt wird (Texte verfassen) und dabei auftretende Rechtschreibprobleme behandelt werden Rechtschreiben). Nicht jede thematische Unterrichtseinheit kann alle Teilgebiete gleichermaßen berücksichtigen. Es können jedoch Anstöße für vertiefende Arbeit an einzelnen Lerninhalten der Teilgebiete aus dem Gesamtthema gewonnen werden." (RdSchr. SchulSport II Nr. 56/1991)

"Ein weiterer Grundsatz bezieht sich auf die situationsorientierte Gestaltung des Unterrichts. Für den Spracherwerb bedeutet das, daß Lernanlässe und Themen von realen kommunikativen Situationen ausgehen müssen (...). Lernanlässe ergeben sich dabei aus dem tatsächlichen, entwicklungsbedingten Sprachgebrauch der Kinder und ihren Interessen, denn lernpsychologisch gesehen folgen die Lernwege der Kinder primär nicht der Sachlogik des Lerngegenstandes. Kinder entwickeln ihre eigenen Lernstrategien. (RdSchr. SchulSport II Nr. 56/1991)

"Fühlen, Denken und Handeln sind bei Kindern eng miteinander verbunden. Das Erlebnis, die unmittelbare Begegnung und der handelnde Umgang mit Gegenständen und konkreten Materialien aus der Erfahrung der Kinder bilden deshalb die Basis für erfolgreiches Lernen." (Vorläufiger Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule. Vorfachlicher Unterricht / Sachkunde, S. 2.)

"Die Kinder haben eine erlebnis-, handlungs- und situationsbezogene Sicht der Welt. Sie sehen und erfahren ihre Umwelt nicht nach den Ordnungsgesichtspunkten der Fachwissenschaften. Die Sachkunde folgt deshalb auch nicht den Strukturen der Fachwissenschaften, sondern stellt sich auf die spezifische Sichtweise der Kinder ein. So werden die Lerninhalte aus den Lebenssituationen der Kinder heraus bestimmt und entwickelt. Sie müssen auf einfache, grundlegende, für Kinder durchschaubare, beispielhafte Vorgänge und Beziehungen zurückgeführt werden." (Vorläufiger Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule. Vorfachlicher Unterricht / Sachkunde, S. 2f.)

"In der Sachkunde werden Lernprozesse angestrebt, in denen sich bei den Kindern die engen Beziehungen zwischen Fühlen, Denken und Handeln weiterentwickeln. Hierzu ist eine kindgemäße Lernsituation erforderlich, die die Entwicklung der emotionalen, kognitiven und sozialen Fähigkeiten der Kinder fördert. Die Kinder müssen genügend Zeit zur gründlichen Bearbeitung von Problemstellungen sowie zur Durchführung von Erkundungen, Befragungen und Experimenten und ihrer Auswertung erhalten." (Vorläufiger Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule. Vorfachlicher Unterricht / Sachkunde, S. 3.)

"In der Sachkunde werden Qualifikationen vermittelt, die über das bloße Faktenwissen hinausgehen: Das geschieht in Situationen, in denen Kinder in für sie sinnvollen Zusammenhängen lernen und das Gelernte anwenden können. Mit dem Erwerb von Fähigkeiten und Fertigkeiten wird somit zugleich deren sachgerechte Anwendung in konkreten Lebenssituationen angestrebt." (Vorläufiger Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule. Vorfachlicher Unterricht / Sachkunde, S. 3.)

"Die Sachkunde ist mit dem Lernbereich Deutsch wechselseitig verknüpft: Sachkundliche Inhalte lassen sich nicht ohne sprachliche Kompetenz erschließen, ebenso ist Sprachhandeln ohne konkrete Sacherfahrung nicht möglich. Eine Wechselbeziehung besteht auch zu den übrigen Lernbereichen der Grundschule." (Vorläufiger Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule. Vorfachlicher Unterricht / Sachkunde, S. 3.)


Dagmar Wilde • Hauptamtliche Fachseminarleiterin für den vorfachlichen Unterricht • 12/1995


 

*) Seit Inkrafttreten des Schulgesetzes und der neuen Rahmenlehrpläne im Jahr 2004 sind die hier aufgeführten Konzepte und Quellen nicht mehr aktuell. Die Quellen legen den Bezugsrahmen des bis 2004 existierenden vorfachlichen Unterrichts dar. Aktuelle Konzeptionen des Unterrichts der Berliner Grundschule sind den Rahmenlehrplänen und der Grundschulverordnung zu entnehmen.

 

©opyright Dagmar Wilde, Berlin, April 2001

letzte Aktualisierung 13.11.2006

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